PS3: Alone in the Dark
Was hast Du mit den kleinen Zombies gemacht?
„Ich hab´ sie verbrannt!“
Was macht man mit bösen Monstern, Martin?
„Verbrennen!“
Und wie sieht es mit der Welt aus, Martin? Was würdest Du am liebsten mit der ganzen Welt machen?
„Sie total niederbrennen!“
Zumindest solange um es die Welt von Alone in the Dark geht. Feuer ist eine der simpelsten Sachen der Welt und sie kommt in vielen Spielen vor, meist in Form von Explosionen. Aber so wie hier, habt Ihr Feuer noch nicht erleben dürfen.
„Es ist ein lebendiges Ding ... es atmet, es frisst und es hasst“ und ja, in ersten Ansätzen trifft dies auf Alone in the Darks Feuer zu. Es beginnt als kleiner Funke, danach greift es auf eine Gardine über, leckt mit langen Zungen zum Schreibtisch hinüber, bis schließlich das ganze Zimmer in Flammen steht. Eine Horrorvorstellung im realen Leben, im Spiel erwacht die uralte Freude von Männern am Kokeln.
Langsam führt Euch Alone in the Dark heran und ermuntert Euch auch nicht, sofort zu Feuerteufeln zu mutieren. Stattdessen versperren Euch Flammen den Weg, ein Feuerlöscher steht aber praktischerweise nicht weit davon entfernt. Ihr schnappt Euch den roten Behälter, richtet ihn, verbunden mit einem Wechsel in die Ego-Perspektive, auf das flammende Hindernis und löscht es.
Erst eine kleine Stelle verkohlten Teppichs wird sichtbar, dann treibt Ihr die Glut immer mehr zurück, bis Ihr das Feuer letztlich unter Kontrolle habt und die letzten glimmenden Ecken ohne Gefahr passieren könnt. Löschen erfährt hier eine Umsetzung, die der des Zündelns ebenbürtig ist.
Technisch steht dahinter ein eigentlich recht einfaches Gerüst. Jedes Objekt, sei es ein Holzbalken, der Teppich oder ein Auto, unterliegt einem bestimmten Wert, ab welchem es Feuer fängt. Bei Holz geht dies recht schnell. Zu schnell, um ganz realistisch zu sein, aber Ihr sollt ja auch nicht Stunden warten, bis Ihr endlich altes Holz in Gang gebracht habt. Eine Metallstange als Fackel zu nutzen, solltet Ihr dagegen erst gar nicht probieren. Das wird nichts.
Der Umgang mit dem Feuer ist aber keine reine Show oder wird an ein paar kleine Rätseleien vergeudet und dann vergessen, sondern bietet Euch Eure einzige Chance zum Überleben. Der New Yorker Central Park ist praktisch überrannt von Zombies mit vernarbter Frankensteinästhetik, die, wenn sie sprechen, dunkle Worte einer über allem stehenden boshaften Entität röcheln. Nur reden sie ziemlich selten und stürzen sich meist ohne Ansprache direkt auf Euch.
Mit den üblichen Methoden könnt Ihr nicht allzu viel reißen. Einen Zombie mit einer Metallstange niederstrecken oder ein Magazin in seine Richtung zu entleeren, wird ihn zwar zu Boden gehen lassen, das aber nur sehr kurz. Feuer ist der einzige Weg, das Böse zu besiegen. Also sucht Ihr Euch eine brennbare Keule – Stuhl, Ast, Baseballschläger -, dazu eine Feuerquelle oder Ihr werdet richtig kreativ.
Eine Flasche mit brennbarer Flüssigkeit, ein Taschentuch und Euer Zippo ergeben eine veritable Anarchistengranate. Oder ein kräftiger Schubs in die hinter dem Monster wartenden Flammen macht ihm auch den Garaus. Die sicher nicht unbedingt wirklichkeitstreueste Methode bietet sich allen, die nicht auf Ihr treue 9mm verzichten wollen. Übergießt die Kugeln mit Benzin und schon habt Ihr brennende Feuerkugeln. Ich rate davon ab, diesen Trick in der schnöden Realität auf die Probe zu stellen.
In der Umsetzung hatte ich allerdings in der Anfangsphase so meine liebe Mühe, egal ob es nun mit brennenden Kugeln oder flammenden Stuhlbeinen zur Sache ging. Das Zielen mit der Waffe geriet in der vorliegenden Anspielversion leider nicht ganz so flüssig und präzise, wie man es aus Ego-Shootern gewöhnt sind. Edward macht teilweise ruppige Schritte, so dass Ihr besser stehen bleibt und in Ruhe anlegt.
Das Draufschlagen erfolgt mittels des rechten Analogsticks, was eigentlich eine ganz gute und irgendwie scheinbar von EAs skate inspirierte Idee ist. Ihr holt aus, indem Ihr zur Seite oder nach unten lenkt, die nächste Bewegung in die entgegengesetzte Richtung lässt Edward schwingen oder zustoßen. Nur fühlt sich die Bewegung zu indirekt an und die Perspektive mit Edward vor dem Monster erlaubt nur bedingt den präzisen Kampf. Gut, dass schon ein flammender Treffer reicht, um einen Zombie in die Auflösung zu schicken und ein einzelner Treffer lässt sich schnell und ohne großen Frust landen.
Auch war ich in den ersten Minuten von der Aussicht, immer Feuer zu Ausrottung des Übels nutzen zu müssen, nicht gerade begeistert. Es klang mehr nach Arbeit als Vergnügen. Schnell begann ich aber immer mehr Spaß an der Suche nach neuen Wegen zu suchen, wie ich das Böse abfackeln könnte.
Oder ich erfreute mich diebisch daran, wie sie mich zunächst gehässig verfolgten, nur um dann schnell Reißaus zu nehmen, sobald mein Feuerchen in Gang kam. Oder es zumindest versuchten. Nichts zaubert ein so diabolisches Grinsen auf Euer Gesicht, wie ein eben noch achso mächtiger Feind, der hilflos in der nächsten Sekunde verpufft.
Für das Inventar dachte sich Eden Studios etwas Besonderes aus. Mittels Steuerkreuzklick blickt der aus der Alone in the Dark-Vergangenheit bekannte, hier dem Indianer aus Prey ähnelnde Held Edward Carnby an sich herab und auf all das, was sich in seiner Jacke befindet.
Links Verbandszeug, Klebeband, Batterien für die Taschenlampe, ein Feuerzeug. Rechts ein paar Flaschen mit brennbaren Flüssigkeiten oder Heilungssprays. Auswählen könnt Ihr alles per Analogstick, kombiniert werden Dinge, wie der Molotowcocktail, per Auswahltaste, die anschließend nur noch mit dem anvisierten Gegenstand kombinierbare Dinge anzeigt. Wildes Raten, was mit wem zusammengehört, entfällt also.
Das System macht Spaß, nachdem Ihr Euch daran gewöhnt habt, dass es in Echtzeit und damit recht knifflig im Kampf zu bedienen ist. Die ein wenig zu sensible Stickauswahl kann in bedrohlichen Situationen für ein paar Flüche sorgen, die vier frei belegbaren Schnellauswahltasten helfen in diesen Fällen aber aus. Und der erreichte Hollywood-Realismus macht diese kleinen Ärgernisse mehr als wett. Es tut gut zu sehen, dass Edward nicht mehr mit sich herumschleppt, als er wirklich kann und auch nach diesen Dingen erst einmal greifen muss.
Einen großen Feuerlöscher kann vielleicht Guybrush Threepwood in der Hosentasche verstauen, ein normaler Actionheld ist dazu sicher nicht in der Lage. So könnt Ihr mit schwerer Last weder rennen noch springen, und ein paar Rätsel drehen sich auch darum, wie Ihr schweres Gerät an den Ort bekommt, an dem es gebraucht wird.
Es handelt sich dabei insgesamt aber glücklicherweise um Hollywoods Actionfilm-Realismus. Wie wir auch, kann Edward nicht mit einem Zentner Zusatzballast hüpfen. Er hat indes keine Probleme, an dem Sims eines brennenden Hauses entlang zu hangeln, zu einem mehrere Meter entfernten Seil zu springen und dann dieses empor zu klettern, während es sich bedrohlich stückchenweise aus der Verankerung löst. Realismusfanatiker werden an Alone in the Dark jede Menge herumzukritteln haben, genauso wie sie es auch in 95 Prozent aller Actionfilme tun werden. Der Rest von uns genießt stattdessen einfach Hollywood.
Die Kontrolle über das gebotene Action-Kino lässt sich jedoch zuerst nicht ganz so leicht erlangen. Eden ließ sich stark von der Steuerung älterer Alone in the Dark-Titel inspirieren, was für den Wiedererkennungswert einer Serie prinzipiell gar nicht schlecht ist. Es braucht insgesamt drei Perspektiven, um alle Aktionen Edwards im Blick zu behalten: Ego-Sicht, Third-Person-Schulter und etwas, was ich jetzt mal als Action-Kamera bezeichne.
Letztere kommt den ersten Alones am nächsten. Die Kamera steht fix und Ihr lenkt den Helden durch Szenen, die die Programmierer auf eine bestimmte Art einfangen wollten. Raumrätsel lassen sich so besser lösen, hängend an einer Hauswand bekommt Ihr mehr Übersicht. Die Kamera heftet sich hinter Eure Schulter, sobald es darum geht, Strecke zu machen oder größere Örtlichkeiten zu erkunden – eine Kanalisation, eine Tiefgarage, Central Parks verzweigte Wege. Und in die Ego-Sicht dürft Ihr eigentlich jederzeit zum Zielen mit Euren Waffen oder um einfach irgendetwas genauer in Augenschein zu nehmen.
Insgesamt funktioniert diese Aufteilung richtig gut, nur die Wechsel zwischen Action-Kamera und Schulter tauchen teilweise recht unvermittelt auf. Ihr lauft gerade in eine Richtung, plötzlich wechselt die Sicht und nach einem Moment der Desorientierung stellt Ihr beim Weiterlaufen fest, dass Ihr eigentlich in eine andere Ecke wolltet. Es passiert nicht häufig, aber an ein oder zwei Stellen während eines Kampfes ärgerte es. Betrachten wir es als Tradition der Serie und zwar so, dass Orientierungsprobleme gemessen an früheren Alone-Teilen hier am seltensten vorkommen.
Von Zeit zu Zeit dürft Ihr Euch auch ans Steuer eines Autos setzen. Oder auf jeden anderen Platz innerhalb des Gefährts. Die Programmierer gaben sich erstaunlich viel Mühe, was Edwards Bewegungen innerhalb eines Fahrzeugs angehen. Ihr nehmt zunächst auf den Fahrersitz Platz und dürft anschließend per Stick einen Blick in Handschuhfach und Sonnenblende werfen.
Eine weitere Bewegung lässt Euch auf den Beifahrersitz oder sogar nach hinten rutschen. Etwas, das Ihr schnell tun solltet, wenn Euer Untersatz droht, an einer Klippe abzustürzen. Die Physik-Engine merkt genau, wie das Gewicht verteilt liegt und so könnt Ihr den Absturz dann noch verhindern.
Solltet Ihr mal keinen Schlüssel haben, dürft Ihr in einem kleinen, aber feinen Minispiel die Starterkabel kurzschließen und dann endlich anfahren. Dummerweise bringt Euch das Spiel dies bei, während Zombies auf Euch einstürzen. Spannend, aber auch ein wenig frustig. Doch zu solchen Momenten später noch mehr.
Die praktische Perspektive beim Fahren erinnert an GTA, oben hinter dem Auto. Die Schöne setzt Euch direkt hinter das Lenkrad, und aus dieser Sicht durch eine Tiefgarage zu heizen, dabei die für Sekundenbruchteile im Schweinwerferlicht auftauschenden Zombies zu überfahren und gerade so zu entkommen, bringt uns wieder zurück in die Regionen großen Kinos.
Bei der anschließenden Flucht durch die einstürzenden Straßen New Yorks, zwischen fallenden Häusern und panischen Massen hindurch, bleibt es ganz groß. Bevor ich mich gleich aufrege, warum ich mit dieser Szene nicht nur positive Erinnerungen verbinde, möchte ich eines klarstellen: Diese Sequenz, besonders aus der Fahrerperspektive, gehört mit zu den dramatischsten, spannendsten und intensivsten Spielerlebnissen der letzten Zeit. Phantastisch.
Und unglaublich frustig. Die Steuerung der Fahrzeuge erinnert nämlich ebenfalls an GTA. Sehr viel Spiel in der Federung und nicht die besten Bremsen. Gewöhnungsbedürftig, aber nach einer Weile dann ok. Dummerweise lässt diese Sequenz, in der Ihr das erste Mal wirklich den Umgang damit lernt, keine Fehler zu. Ein zu heftiger Rempler, der Euch kurz hängen lässt, sorgt sofort für ein unrühmliches Ende.
Die Sequenz ist lang, bar jeder Rücksetzpunkte und komplett ungeeignet, um das schnelle Fahren zu lernen. Zu einem späteren Punkt, an dem das Spiel davon ausgehen kann, dass Ihr bis hier Übung haben solltet, wäre dies kein Problem. So aber hätte ein wenig mehr Fehlertoleranz für weniger Frust gesorgt, ohne die Dramatik zu schmälern.
Trotzdem und abermals: Alone spielt großes Action-Kino ab und setzt sich bei der Epik – schließlich wird schon zu Beginn gleich New York umgekrempelt und Ihr seid mittendrin – von anderen Horrortiteln ab. Weniger reiner Splatter, weniger Survival-Suspense, mehr große Bilder und Aktionismus. Zumindest in den sehr gradlinigen ersten drei Abschnitten.
In diesen – der erste ist kaum mehr als ein beeindruckendes Tutorial – genießt Ihr noch nicht viel von der Freiheit, die Euch später im Central Park geboten werden soll. Sollten sich später Selbstbestimmung und geführte Sequenzen abwechseln, dürfte dies bei dem hier vorgelegten Tempo eine sehr angenehme Mischung ergeben.
Eine, die es Euch dank des neuen Episoden-Aufbaus erlaubt, jederzeit eine besonders gefällige Szene noch einmal zu versuchen, ohne groß mit verschiedenen Spielständen hantieren zu müssen. Alle Episoden lassen sich gleich anwählen, alle Zwischenpunkte direkt anspringen, alles über ein Menü, das einer DVD nicht unähnlich ist. Zu Beginn könnt Ihr dies beruhigt und komplett ignorieren und, solltet Ihr Wert auf Achievements legen, einfach drauf los spielen.
Der Aufbau der Handlung geriet stringent und so wie Ihr es gewohnt seid. Bleibt Ihr aber einmal stecken, dürft Ihr jederzeit in das Pausemenü gehen und in relativ kleinen Schritten „vorspulen“. Habt Ihr eine Szene mal gerade so überstanden, allerdings in einem Kampf ärgerlich gepatzt oder zu viele wichtige Ressourcen verbraucht, auch kein Problem. Setzt einfach ein Stückchen zurück, spielt besser und dann einfach weiter.
Und wisst Ihr mal nach einer tagelangen Pause nicht mehr so genau, was gerade passierte: Jede Session läutet das Spiel mit einer – glücklicherweise abbrechbaren – Sequenz ein, deren erste Worte schwer an „24“ erinnern: „Previously on Alone in the Dark…“.
Ob das allerdings wirklich nötig ist, lasse ich nach den ersten drei Kapiteln mal noch offen. Die Riege der Protagonisten bleibt überschaubar, allzu viele Geheimnisse kann der Held noch nicht entschlüsseln. Aber er leidet ja auch unter der weit verbreiteten Hauptdarstellerkrankheit Amnesie und muss sich halt alles erst zusammen klauben. Beim Erzählen setzt Alone in the Dark dann weniger auf Schockeffekte und brachialen „In your Face“ Horror, wie ihn Condemned 2, Silent Hill oder Resident Evil zelebrieren.
Edward Carnby ist ein Action-Held und kein Hase auf der Flucht. Die Horroranteile sind vorhanden, jedoch fürchtet Ihr Euch nicht permanent, Ihr genießt stattdessen die Aufregung der Aktion. Es ist ein für das Genre leicht veränderter Ansatz, der hervorragend funktioniert und dem Spiel auch die angestrebte Größe verleiht. Normaler Horror muss schleichen, um Euch zu erschrecken. Alone lässt es krachen. Das ist vielleicht nicht ganz so Furcht einflößend, macht aber nicht weniger Laune.
Die Qualität der meisten Dialoge wurde leider auch bei weniger sensiblen Schreibern Hollywoods entliehen. Der Einsatz von Flüchen und dem F…-Wort ist erlaubt und gern gesehen, solange es passt. Wenn die Welt sich umkrempelt, der Held mit einem Auto durchprescht und nebenbei noch einen Zombie überrollt, darf er alles sagen, was er will und fluchen wie ein „betrogener Nuttenpreller vom Hermannplatz“. In einer normalen Konversation – ja, auch solche gibt es hier – wirkt
der inflationäre Gebrauch von Flüchen dagegen eher peinlich. Und es verdirbt leider ein wenig die gelungenen Momente, in denen dieSchreiber dann doch glänzten. Oder zumindest nicht negativ auffielen. Wie zum Beispiel, als sie den Bösewicht „Crowley" tauften. Da angelte man ein bisschen zu tief in der großen Klischee-Kiste.
Von diesem kleinen Fehlgriff abgesehen, hat mich das, was ich von Alone in the Dark erleben durfte, absolut überzeugt. Einige neue Elemente wie das Inventar und die Episodenaufteilung ergänzen geschickt das klassische System und das Spiel mit dem Feuer allein bringt schon jede Menge Freude mit sich.
Lediglich das Label des Survival-Horrors dürfte nicht ganz passen und für das Gebotene auch ein wenig klein ausfallen. Epik, Action und Horror werden hier mit Adventure-Elementen verquickt und ergeben ein rundes, aufregendes Gesamtwerk, das Euch nicht so häufig erschrecken wird wie andere Horrorgames, dafür aber atemloser und kein Stück weniger unterhalten zurücklässt.
Xbox 360, Wii, PC und PS2-Besitzer dürfen ab dem 20. Juni mit dem Feuer spielen, die PS3-Version verschiebt sich bis zum Herbst.








