Gesamtwertung8/10 |
Oh mein Gott, jetzt hagelt es Schläge. Die Menge tobt! Das kann er nicht lange durchhalten. Unmöglich! Links, rechts, links, rechts – fürchterliche Kombinationen von Nightmare! Ich sehe einen Cut unter dem rechten Auge des Deutschen. Blut im Octagon. Wenn er sich jetzt nicht sofort was einfallen lässt, er muss sich da irgendwie rauswinden … ohhhhh, SCHWERER TREFFER MIT DER RECHTEN, SCHWERER TREFFER!
Ist er benommen? Schiedsrichter Mario Yamasaki schaut … und … ES IST VORBEI! Referee Yamasaki schreitet ein – ABBRUCH! Richtige Entscheidung, richtige Entscheidung, AUS DER TRAUM, AUS UND VORBEI!
Tja, verehrte Zuschauer, damit ist der alte Champion im Weltergewicht auch der neue Champion! Tragisch, denn der Deutsche war wirklich nah dran. Am Ende der ersten Runde hatte er Sanchez bereits am Boden. Nur der Gong rettete den Amerikaner. Aber so ist Ultimate Fighting eben, so schnell kann sich bei diesem Sport das Blatt wenden.
Hier noch mal die Zeitlupe … einen Moment ... oh, ich höre, Tobias Drews hat einen Interviewpartner. Wir schalten runter zum Ring, zu Tobias Drews und Harald Fränkel.
Harald, das war ein Hammer-Fight. Wie fühlen Sie sich?
Nun, gerade eben saß Champion Diego Sanchez auf mir und hat mich mit seinen Fäusten gefüttert. Wie würden Sie sich da fühlen? Also mein Kopf denkt momentan, er sei Hirsebrei.
Auch wenn es nach der unglücklichen Niederlage schwer fällt, eine kurze Analyse vielleicht? Der Start war ja ganz ordentlich.
Nightmare ist ein exzellenter Grabbler, kann am Boden unglaublich gut zupacken. Er kommt ja vom Ringen. Ich wusste das und habe versucht, mich während der Vorbereitung darauf einzustellen. In zahlreichen Sparrings. Bin beim Fight schön auf Distanz geblieben, im Rückwärtsgang, hatte die Deckung immer oben und konnte meine Stärken als Kickboxer gut ausspielen. Am Ende der ersten Runde habe ich Sanchez ordentlich eine gesemmelt. Der Tritt gegen die Halsschlagader hat ihn aus den Socken gehauen, ich wollte nachsetzen … und dann kam dummerweise der Gong.
Aber woran hat es letztlich gelegen, dass Nightmare in der folgenden Runde durch Technischen K.O. gewann?
Habe nur eine Sekunde nicht aufgepasst und eine schnelle Hand abgekriegt. Dann kam Sanchez' blitzschneller Takedown. Und am Boden hab ich grundsätzlich Probleme. Ich wollte natürlich noch eine Transition ansetzen. Mich in eine bessere Position bringen, um dann wieder auf die Beine zu kommen. Hat wohl nicht so gut geklappt, wie man wahrscheinlich an meinen dicken Backen sieht.
In Ihrer bisherigen Karriere, als Sie sich in der Rangliste von Platz 20 auf 2 nach oben gekämpft haben, sahen Sie deutlich besser aus – warum?
Da hatte ich ja Rouge und Kajal drauf … kleiner Scherz am Rande. Nein, um ehrlich zu sein, beim Quali-Rückkampf gegen Josh Koschek war ein bisschen Glück im Spiel. Der ist ja wie Sanchez ein Wrestler-Typ und am Boden sehr stark. So ein Halte- oder Würgegriff ist nicht gerade lustig. Bei Koschek war ich aber im Clinch, in der Take-Down-, Ground-Grapple- und Submission-Defense besser aufgelegt.
Meine Trainerin Mone meint ohnehin, ich sollte diese Fertigkeiten gezielter trainieren. Mich nicht zu sehr auf Kicks spezialisieren wie bisher. Bei den Gegnern davor fiel das noch nicht so ins Gewicht. Ich hatte mir die gezielt ausgesucht. Andere Kickboxer, Muay-Thai-Kämpfer und seltsamerweise auch die Kollegen vom Brasilianischen Jiu-Jitsu liegen mir einfach besser – und liegen dann vor allem schneller. Witziges Wortspiel, was?
Weil es besonders in Deutschland nach wie vor Leute gibt, die mit der Abkürzung UFC nichts anfangen können und vielleicht immer nur an den Unnaer Fußballclub denken, was macht die Ultimate Fighting Championship aus?
Na ja, UFC ist wegen der erwähnten verschiedenen Martial-Arts-Stile sehr abwechslungsreich. Du kriegst als Zuschauer quasi drei Kampfsportarten auf einmal. Boxen, Karate und Ringen im praktischen Dreierpack sozusagen. Im Vergleich zu Ultimate Fighting ist zum Beispiel Boxen allein so lax, als würden sich Torben-Hendrik und Enrico-Pascal aus der Klasse 1b ein bisschen hauen.
Natürlich stellt es anfangs eine gewisse Schwierigkeit dar, die vielen, vielen unterschiedlichen Techniken zu verinnerlichen. Dafür kriegst du aber in hohen Dosen Adrenalin. Einen Gegner zu attackieren, der bereits auf dem Boden liegt, das ist eine harte Prüfung für deine Hemmschwelle. Wer im Gegenzug selbst mal unten liegt, hat es schwer, nicht in Panik zu verfallen – der Liebhaber von Tine Wittler kennt das wahrscheinlich.
Wissen Sie, hier und da ein paar Schläge und Tritte zu verteilen, stellt im Prinzip kein Problem dar. Ultimate Fighting zu lernen, ist einfach – es zu meistern, eine ganz andere Sache. Umso cooler ist es, wenn du nach maximal fünf Runden der große Sieger bist. Du fühlst dich als König aller Kampfsportler. Was du ja auch bist. Immerhin geht alles sehr fair ab, nach strikten Regeln (germany.ufc.com)- selbst wenn es für Außenstehende manchmal anders aussieht.
Vorher macht es einen Heidenspaß, sich zu entwickeln. Ich vergleiche das immer gern mit Computer-Rollenspielen, die ja ebenfalls einen großen Teil des Unterhaltungswertes daraus ziehen, einen Recken hochzupäppeln. Bei der UFC fehlt eigentlich nur noch eine packende Hintergrundgeschichte, dann könnte man sie als Abenteuer-Game in Massen verkaufen, hahaha!
Und was sind die Nachteile des Sports?
Das Training zwischen den Kämpfen ist nach gewisser Zeit recht monoton. Noch einigermaßen bei Laune halten dich die Sparrings, mit denen du deine Fähigkeiten verbesserst. Wenn's aber darum geht, die Attribute Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer zu steigern, kommt bald Routine auf. Du willst einfach nur möglichst schnell zum nächsten Fight. Denn nur dort holst du dir den Kick.
Beim ganzen E-Mail-Kram dazwischen, wo's unter anderem um Sponsoren, Trainer, Autogrammstunden, Foto-Shootings und anderen Kleinscheiß geht, fühlst du dich wie ein Finanzbeamter aus Lahm, der sich müde durch ein Steuerprogramm klickt.
Also: Ein abwechslungsreicheres, aktiveres Training wäre schön. Keine Ahnung, vielleicht wie beim Tennissport (eurogamer.de)zum Beispiel.
Ringsprecher Bruce Buffer, der Halbbruder des bekannteren Michael Buffer, hat Sie heute mit dem Kampfnamen „Hands of Stone“ angekündigt. Mit Ihren Fäusten war aber nicht wirklich viel los.
Blöde Sache das. Dieser Kampfname wurde mir verpasst, als ich mich noch nicht auf Kicks spezialisiert hatte. Ich lebe übrigens auch nicht in München, sondern Nürnberg, aber die dusselige UFC-Software kennt die Franken-Metropole nicht. Sondern nur Berlin, Köln, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und eben München. Betrachten Sie das bitte als öffentliche Beschwerde!
Nach Ihrer Niederlage: Was planen Sie für die Zukunft? Sie sind ja nicht mehr der Jüngste!
Ich werde jetzt verstärkt den Bodenkampf trainieren und einen erneuten Anlauf nehmen. Wenn ich den Titel im Weltergewicht habe, versuche ich mich bei allen vier weiteren Gewichtsklassen. Falls Sie glauben, das sei verrückt: Ein bisschen verrückt muss man als Ultimate Fighter sein. So, ich geh jetzt duschen. Schönes Leben noch!
Die ewig gleich aussehenden Kampfstätten, das häufige Nachladen, die vielleicht etwas behäbig wirkenden Kämpfer und der 08/15-Online-Modus, der lediglich Einzel-Schaukämpfe und keine Turniere erlaubt, stören bei UFC Undisputed 2009 nur geringfügig. Bei der schnell aufkommenden Routine zwischen den Ranglistenduellen im Einzelspielermodus sieht das anders aus. Ich klicke beim Training einfach nur mechanisch Menüpunkte an. Das ist mir zu wenig.
Was ich mir noch gewünscht hätte, und das mag dreist klingen, ist eine Hintergrundstory. Von mir aus in kitschiger Form wie bei Filmen à la Rocky, Bloodsport oder gar Karate Kid – ich stehe nun mal auf Underdog-kämpft-sich-nach-oben-Kram. Gern auch inklusive schmalziger Liebesgeschichte. Verlange ich zu viel? Mag sein, aber seit ich vom ersten DTM Race Driver trotz des unsympathischen Hauptdarstellers geflashed war, weil ich endlich mal wusste, warum ich die ganze Zeit durch die Gegend gurke, spinne ich diesbezüglich gern ein bisschen rum.
Dennoch hat mich dieses Spiel gefesselt. Obwohl ich kein Simulationsfan bin, obwohl ich vorher nie mit Ultimate Fighting zu tun hatte und obwohl ein fahrender ICE einsteigerfreundlicher ist. Mit etwas Geduld findet Ihr nämlich dank der vier Schwierigkeitsgrade und des Trainingsmodus' Zugang zu einem tollen Beat 'em Up. Die gut 40 Funktionen des Gamepads, Combos nicht mitgerechnet, lernt man mit der Zeit.
Dieses Spiel ist viel mehr Fight Night denn Soul Calibur und all die anderen Fantasy-Prügler, die ich hin und wieder sehr gern daddele. Bei UFC darf ich mir per Editor einen eigenen Kämpfer backen, der anschließend gegen rund 80 authentische Sportler antritt. Und der Weg zur Spitze ist deshalb so packend, weil Triumph und Demütigung unglaublich dicht beieinander liegen. Wer nur ein bisschen auf Prügelknaben steht, gibt diesem Titel eine Chance. Der Okay-einen-Kampf-mach-ich-noch-Effekt wird nicht ausbleiben!
UFC Undisputed 2009 ist für PlayStation 3 und Xbox 360 erschienen – in englischer Sprachausgabe und mit deutschen Untertiteln (damit wegen der fiktiven Einleitung dieser Rezension keine Missverständnisse aufkommen).
Mach Dir einen Namen im Dark Orbit. Allein oder mit Verbündeten wagst Du Dich in weit entfernte Sternen- systeme vor und kämpfst um 10.000 € zum Spiel...
UFC 2009 Undisputed im Test.
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