Dungeon Runners

Review
Plattform
PC
Vertrieb
NCsoft
Entwickler
NCsoft
Genre
Action

Gesamtwertung

7/10

PC: Dungeon Runners

Diablo-Klone gibt es mittlerweile wie Sand am Meer, fast jedes neue Hack 'n Slay-Rollenspiel will in die Fußstapfen des legendären Blizzard-Titels treten. Die hochgeschraubten Erwartungen der Fanbasis konnte bisher aber keines dieser Spiele erfüllen. Dabei sollte es doch theoretisch einfach sein, das Spielprinzip von Diablo (1997) erfolgreich zu kopieren. Man nehme actiongeladene Monster-Schnetzelei am laufenden Band, unendliche Massen an magischen Gegenständen, eine übersichtliche Auswahl an Charakterklassen und ein paar Statistiken über die eigene Spielfigur - fertig ist der Diablo-Klon.

Nun ist NCsoft mit Dungeon Runners ohne vollmundige Versprechen angetreten und gilt eigentlich eher als Geheimtipp, denn als potenzieller Hit. Und trotzdem kommt das Spiel seinem großen Vorbild vielleicht näher, als so manch pompös angekündigter Konkurrent.

Kohle Parole?

NCSoft ist nicht nur für einige höchst erfolgreiche Online Rollenspiele wie beispielsweise Guild Wars bekannt, auch bei den Vertriebswegen geht das südkoreanische Unternehmen neue Wege. Wurde Guild Wars als das erste MMOG ohne Abogebühren auf den Markt gebracht, kommt das ebenfalls als Onlinespiel angelegte Dungeon Runners sogar völlig kostenlos daher. Zwar gibt es eine kostenpflichtige Mitgliedschaft, doch die damit angebotenen Extra-Features sind fürs Zocken nicht unbedingt notwendig. Doch dazu später mehr.

Wenn man sich das erste Mal einlogged, wird man von einer wunderschönen, total durchgestylten Next-Gen-Welt empfangen... - wer jetzt eine solche Beschreibung erwartet und nur Games mit Super-Duper-Optik spielt, wird enttäuscht. Dungeon Runners erinnert in seinem eher comichaften Stil ein wenig an World of WarCraft, nur in hässlicher und mit deutlich weniger Details versehen. Doch dafür, dass es quasi als Nebenbei-Projekt entstanden ist und kostenlos zur Verfügung steht, kann man wirklich nicht meckern.

Vor allem merkt man an allen Ecken und Enden des bunten Schlachtengemäldes, dass sich das Spiel selbst nicht so ernst nimmt. Das beginnt bei abgefahrenen, manchmal ellenlangen Gegenstandsbezeichnungen, geht über meckernd-mosernde NPCs ("Was willst du denn schon wieder hier?", "Du willst ein Held sein?" Wasch dich mal, du stinkst!") und endet mit Questbeschreibungen, bei denen Humor ganz groß geschrieben wird.

Wer an dieser Stelle noch nicht von diesem Fakt überzeugt ist, muss sich die übergroßen Waffen, Rüstungen und anderen übertrieben designten Gegenstände ansehen, mit denen die Spielfiguren bei Dungeon Runners ausgestattet sind: Zweihänder, die größer sind als die Charaktere selbst oder Armbrüste mit einer aberwitzig enormen Spannweite.

Apropos Items: Fast jedes Monster lässt nach einer kleinen Bearbeitung durch magische Zauber oder Nahkampfwaffen mindestens einen Gegenstand, Gold oder Tränke fallen. Um es deutlich zu sagen - Ihr werdet praktisch zugesch***** mit Gegenständen aller Art und das spärliche Inventar füllt sich rascher mit allerlei Krimskrams, als Ihr auch nur im Entferntesten benötigt. Geil! Was gibt es schöneres, als ständig zu vergleichen, ob das neue Schwert besser ist als die alte Keule? Für Sammlernaturen optimal.

Die Sache hat aber einen, wenn auch kleinen, Haken. Und der heißt „bezahlte Mitgliedschaft“. Wer bereit ist, fünf US-Dollar im Monat zu investieren, hat deutlich mehr von der ganzen Item-Hatz. Non-Abonnenten haben nämlich auf viele der besseren magischen und raren Gegenstände keinen Zugriff. Sie können zwar verkauft, aber nicht verwendet werden. Ähnliches gilt für Tränke - die besonders effektiven Heil- und Manatränke stehen nur Mitgliedern zur Verfügung und auch nur diese können sie stapeln. Bei "Normalos" müllen sie sehr schnell das kleine Inventar zu, aber damit haben auch die zahlenden Spieler zu kämpfen.

Völlig ausgereift ist das Spielsystem insgesamt noch nicht und nervt manchmal mit ständig vollem Rucksack, kleinen Steuerungsproblemen, Lags und zu wenig Shorcut-Leisten. Wo wir schon dabei sind, weitere Vorteile der monatlichen Überweisung: InGame-Bankfach und keine Warteschlange beim Einloggen. Diese Liste will NCsoft in den nächsten Monaten jedoch erweitern.

Auch kostenlos ein diabolischer Spaß

In der Praxis machte es schon einen kleinen Unterschied, ob man wirklich gute Rüstungen verwendet, oder nur die normalen Gegenstände benutzt. Absolut notwendig für den Fortschritt im Spiel scheint aber keiner der Membership-Boni zu sein. Zum einen kam es bei derzeit im Schnitt etwa 500 Spielern auf den Servern noch nie zu Wartezeiten, außerdem erlaubt das Reisesystem von Dungeon Runners häufige Besuche bei den Händlern, um das Inventar wieder freizumachen.

Mit Hilfe von Spruchrollen markiert Ihr beispielsweise Eure aktuelle Position in den über mehrere Levels aufgebauten Dungeons, die immer instanziert sind. Selbst nach dem Ausloggen werden diese Wegmarken gespeichert und erlauben so ein bequemes, stufenweises Abklappern der einzelnen Kerker - mitsamt ihrer generierten Monstren und Schätze. Durch das Portalsystem reist Ihr dann in die Stadt "Townston" zurück, tauscht Eure Waren gegen Gold ein, deckt Euch eventuell mit neuen Skills ein und schon geht's auf schnellstem Wege dort weiter, wo Ihr zuletzt aufgehört habt. Ideal für Feierabendgamer, die gerne eine halbe Stunde Zeit haben und darüber hinaus auch gerne Solo plündernd durch solche Spiele huschen. Gruppenstress? Fehlanzeige! Wer möchte, kann sich aber trotzdem einige Gefährten suchen, mit denen die höheren Instanzen leichter zu bezwingen sind.

Das Gameplay selbst ist ziemlich simpel gehalten. Ihr metzelt Euch als Fighter, Mage oder Ranger mit relativ wenigen Skills versehen durch unendliche Horden von Feinden, die praktisch immer in Gruppen angreifen und in den zufällig generierten Dungeons die Schätze und Zugänge zu weiteren Instanzen von Boss-Monstern bewachen. In jeder Ebene gibt es zudem einige Schatzruhen, die mehr oder weniger tolle Gegenstände oder einfach nur Gold enthalten.

Die Quests sind nicht anspruchsvoll und erfordern meist lediglich das Abschlachten unterschiedlicher Monsterarten. Belohnungen erfolgen überwiegend in der Form von Goldstücken und King's Coins, die Ihr wiederum gegen rare Gegenstände eintauscht.

Der Nachteil der instanzierten Kerker liegt auf der Hand: Habt Ihr Euch einmal eine Mission auf einem bestimmten Dungeon-Level abgeholt und seid schon darüber hinaus gekommen, müssen die NPCs erst wieder gesucht werden. Schlimm ist das aber nicht, denn ob man jetzt Stufe drei oder vier von seinen Bewohnern säubert, ist letztendlich egal. Die Dungeons sind nämlich immer für eine bestimmte Levelrange der Spielfiguren ausgerichtet und passen sich demzufolge an.

Besonders spielerfreundlich ist zudem der Umgang mit dem virtuellen Tod: In den meisten Dungeons werdet Ihr lediglich an Euren Bindepunkt versetzt und erleidet keinerlei Nachteile. Besser gehts nicht. In den nächsten Monaten soll es übrigens regelmäßig Erweiterungen geben, die unter anderem auch PvP-Gameplay integrieren sollen.

Natürlich ist bei Dungeon Runners nicht alles gold, was glänzt. Es gibt kleinere Probleme mit der Steuerung, das Inventar ist selbst mit einem Abo immer zu klein und das Stapeln von Gegenständen funktioniert nur unzureichend. Doch man sollte immer im Auge behalten, dass man das Spiel völlig kostenlos spielen kann und dafür nur vergleichsweise geringe Nachteile in Kauf nehmen muss.

Dungeon Runners ist kein astreiner Diablo-Klon, kommt aber doch nah an das dort gebotene Spielvergnügen heran und bietet mit seinen Features kurzweiligen Spaß, den man dank Schnellreise-Scrolls auch zwischendurch genießen kann, ohne sich an irgendetwas halten zu müssen. So richtet man das Spiel nach den eigenen Vorstellungen aus und nicht umgekehrt. Die Bewertung ist übrigens auf die kostenlose Version bezogen, für den "Vollpreis" dürft Ihr eine Note abziehen.

Wer einen Ausflug in das kostenlose Hack'n'Slay wagen will, kann das über die offizielle Webseite des Spiels (http://www.dungeonrunners.com/)

.

 

 

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