Gesamtwertung8/10 |
Was ist der größte Unterschied zwischen Brettspielen und Videospielen? Nun, die einen sind virtuell, die anderen eben nicht, sicher. Manch ein Jugendlicher oder junger Erwachsener mag auf diese Frage auch antworten: Brettspiele sind für Oma, Videospiele für uns. Darüber kann man schon eher geteilter Meinung sein. Aber wenn wir mal über die Offensichtlichkeiten hinweg blicken, dann ist der wichtigste Unterschied doch, dass bei fast jedem Brettspiel der Faktor Glück von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist. Es gibt Ausnahmen, klar, aber überall, wo man würfelt, überall, wo man verdeckte Karten zieht, nimmt der Zufall Einfluss.
Von Videospielen hingegen wird verlangt, dass allein das Können über Sieg oder Niederlage, über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Vielleicht ist das der Grund, weshalb so viele "normale" Videospieler mit Mario Party nichts anfangen können. Und das - lasst mich soviel vorweg nehmen - wird sich auch mit dem neuesten Teil nicht ändern.
Mario Party 8, die erste Ausgabe für Nintendos Wii, setzt nämlich auf den altbwährten Ablauf der Vorgänger. Vier Spieler jagen auf einer brettspielartigen Karte kostbaren Sternen nach, absolvieren zwischendurch verschiedenste Mini-Games und am Ende gewinnt irgendwer - aber nicht zwangsläufig der Spieler mit dem besten Geschick oder der schnellsten Reaktionen. Das klingt zunächst einmal abschreckend, aber genau das macht gerade den Reiz der Reihe aus. Ob alt, ob jung, ob groß, ob klein, ob Profi, ob Anfänger; jeder hat eine Chance auf den Sieg, wenn ihm das Glück ein williger Begleiter ist.
Das Spielprinzip ist weiterhin so simpel wie genial: Jeder Spieler wählt einen von zahlreichen Nintendo-Charakteren (darunter Mario, Yoshi, Toad, Peach und viele andere) als sein Alter Ego aus und findet sich kurz darauf auf besagter Brettspielkarte wieder. Mit Hilfe eines Würfels wird zunächst festgelegt, wann welcher Spieler an der Reihe ist. Wenn Ihr dann Euren Zug machen dürft, würfelt Ihr erneut und bewegt Euch so viele Felder vorwärts, wie der Würfel anzeigt. Logisch, oder? Ziel ist es, Münzen und Sterne zu ergattern, was sich dieses Mal als etwas komplexere Angelegenheit herausstellt.
Denn für den achten Teil hat sich Entwickler Hudson wirklich Gedanken gemacht hat, wie man Kenner der Serie noch überraschen kann - was ihnen bei den insgesamt sechs verschiedenen Spielbrettern wirklich gelungen ist. So besucht Ihr beispielsweise eine kleine Stadt, in der mehrere Hotels stehen. Kommt Ihr an einem dieser Hotels vorbei, dürft Ihr Münzen investieren, um es zu erwerben, was Euch anfangs einen Stern einbringt.
Der Haken: Andere Spieler können ein Hotel übernehmen, wenn sie auch nur eine einzige Münze mehr zahlen als der aktuelle Besitzer. Überschreitet die gesamte Investitionssumme zudem die Marke von 20 bzw. 50 Münzen, wird das Hotel aufgewertet und schreibt seinem Besitzer zwei oder sogar drei Sterne gut. Häufige Wechsel in der Rangfolge sind also garantiert.
Ebenfalls sehr interessant ist ein Geisterhaus, in dem Buu Huu sein Unwesen treibt. Hier müsst Ihr den Weg zum Stern erst finden, denn hinter vielen Türen verbergen sich Fallen, die Euch zurück zum Eingang katapultieren.
Hat ein Spieler schließlich den Stern entdeckt, werden sämtliche Charaktere vor die Tür gesetzt, während Buu Huu die Anordnung der Räume verändert, so dass beim nächsten Anlauf eine neue Herausforderung auf Euch wartet.
Ähnlich gelungen sind zwei Umgebungen, die mit dem Insel-Flair von Super Mario Sunshine und einem Zug im Stile von Paper Mario 2 aufwarten. In beiden gibt es nur einen geradlinigen Weg zum Ziel, so dass das Würfelglück eine noch größere Rolle spielt - könnte man annehmen. In Wirklichkeit ist es jedoch so, dass Ihr Euch Abkürzungen mit Hilfe von Münzen erkaufen müsst, die letztendlich der Schlüssel zum Erfolg sind.
Über einen Mangel an Dynamik kann man zudem auf keiner der Karten klagen, denn jedes Feld, auf dem Ihr landen könnt, löst eine unterschiedliche Aktion aus. Während Euch auf blauen und roten schlichtweg drei Münzen gutgeschrieben respektive abgezogen werden, kommt bei Ereignisfelder richtig Schwung ins Geschehen: In einem Dschungel etwa taucht eine wilde Affenbande auf, die Euch mit Fässern zu überrollen droht, während in dem bereits erwähnten Zug eine Hexe die Reihenfolge der einzelnen Wagen vertauscht. Besuche von Donkey Kong und Bowser sorgen gleichermaßen für Aufregung.
Umgestaltet hat Hudson übrigens erneut die Items, mit denen Ihr der Konkurrenz eins auf den Deckel geben oder Eure eigene Position verbessern könnt. Gab es in den Vorgängern unter anderem Kugeln, die Ihr auf bestimmte Felder werfen konntet, naschen Eure Charaktere in Mario Party 8 kleine Bonbons, die besondere Fähigkeiten mit sich bringen. Ein Spring-Bonbon lässt Euch auf den Platz eines Mitspielers hüpfen, ein Flappflapp-Bonbon klaut jemandem Münzen und mit einem Kegel-Bonbon plättet Ihr jeden Gegner, um nur einige zu nennen. Besonders schön ist die grafische Umsetzung dieser Aktionen, da sich Euer Charakter dabei zum Beispiel in eine Fledermaus, eine 8-bit-Figur oder eine Kugel verwandelt.
Am Ende jeder Runde erwartet Euch schließlich wie immer ein Mini-Game aus drei verschiedenen Kategorien: Jeder-gegen-Jeden, Drei-gegen-Eins, Zwei-gegen-Zwei. Dem Gewinner winken jeweils zehn Münzen. Ausnahme sind die so genannten Kampfspiele, bei denen jeder Spieler eine zufällig bestimmte Summe vorab in einen Jackpot einzahlt. Über 80 verschiedene Mini-Games sind in Mario Party 8 enthalten, die eine ausgewogene Mischung aus Wiimote-Schwingerei, Wiimote-Zielerei und klassischem Gameplay bieten, bei dem Ihr einen Charakter mit Steuerkreuz und Buttons kontrolliert.
Jedes dieser kleinen Spiele ist so einfach gestrickt, dass man es im ersten Anlauf versteht, und kaum eines dauert länger als eine Minute. Da gibt es zum Beispiel einen Skateboard-Parcour, in dem drei Teilnehmer Hindernissen ausweichen müssen, die der vierte Spieler in Bewegung setzen kann. Ein anderes Mal schießt Ihr auf Zahlen und Multiplikatoren, um eine besonders hohe Punktzahl zu erreichen. Dann dreht Ihr eine Uhr durch das Kippen des Controllers möglichst schnell auf eine bestimmte Zeit. Ihr rudert mit der Wiimote, boxt, sägt, nagelt, wischt... man kann die Möglichkeiten gar nicht alle aufzählen. Wie üblich, funktioniert die Mehrheit dieser Spiele glänzend, nur ein, zwei gehen als echte Totalausfälle durch. Über die Steuerung kann man aber zu keinem Zeitpunkt meckern.
Alles perfekt also? Nicht ganz: Die mit Abstand größte Schwäche von Mario Party 8 ist einmal mehr der Singleplayerpart, den Ihr Euch schlicht und ergreifend nicht antun wollt. So gut das Spiel zu zweit, besser zu dritt oder zu viert ist - alleine tendiert der Spaßfaktor gen Null, weil viel zu wenig passiert und Ihr viel zu lange auf die Züge der KI warten müsst. Dass keine Onlinepartien möglich sind, darf man ebenfalls als Kritikpunkt anführen, mehr aber noch das Fehlen eines echten 16:9-Modus. Spielt Ihr auf einem Breitbildfernsehern, bekommt Ihr links und rechts hässliche Tapetenränder zu Gesicht.
Das ist besonders ärgerlich, weil Hudson die Qualität der Grafik eigentlich deutlich erhöht hat: Die Karten zeichnen sich durch wesentlich mehr Tiefe aus, die Mini-Games durch einen höheren Detailgrad der Umgebung und selbst die Charaktere wirken einen Tick runder als auf dem GameCube. Vor allem in Hinblick auf die Texturen müsste allerdings deutlich mehr drin sein.
Trotz dieser kleinen Fehler ist Mario Party 8 ein großartiges Multiplayerspiel, sofern man sich mit dem anfangs erwähnten Glücksfaktor anfreunden kann. Nein, der achte Teil erfindet die Reihe nicht neu, er stellt keine Revolution dar - aber insbesondere die Veränderungen bei den Spielbrettern und die Integration der Wiimote bringen genügend frischen Wind rein, um für etliche lustige Stunden zu sorgen. Alles in allem eine sehr gelungene erste Wii-Party!