Killerspiele-Debatte [X360]

Montag 26. Oktober 2009, 14:03 Uhr Killerspiele-Debatte

Heute Abend werden die Union und die FDP voraussichtlich ihren gemeinsamen Koalitionsvertrag in Berlin unterzeichnen. Zwar muss die Vereinbarung noch von kleinen Parteitagen von CDU und CSU gebilligt werden, doch gilt die Zusage als sicher und schon gestern hatte die FDP dem Vertrag zugestimmt. Inzwischen liegt der mögliche Koalitionsvertrag vor und wir haben ihn auf die Frage hin durchwühlt, welche Konsequenzen die Biene Maja-Koalition für Software mit gewalthaltigen Inhalten besitzt.

Wir erinnern uns kurz zurück: Im November 2005 lehnte unter anderem der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) die im Koalitionsvertrag der CDU, CSU und SPD (große Koalition) festgehaltenen Forderungen nach einem Verbot von so genannten "Killerspielen" ab. Immerhin sei "die Formulierung [...] unglücklich, weil unpräzise, und weitere gesetzliche Jugendschutzregelungen für Computer- und Videospiele [wären] nicht nötig."

Angesichts der alten Vereinbarung legt der Koalitionsvertrag der neuen Regierung ganz offensichtlich das Wortkonstrukt "Medienkompetenz" stärker in den Fokus. Die unzureichende Formulierung "Killerspiel(e)" findet dagegen gar keine Verwendung mehr. Im neuen Koalitionsvertrag werden Modelle betont, die einen besseren Umgang mit jugendgefährdenden Medien ermöglichen und Risiken dabei vermeiden sollen:

"Wir wollen die enormen gesellschaftlichen und individuellen Chancen der Neuen Medien umfassend nutzen; den Risiken im Umgang mit diesen werden wir entgegenwirken. Wir wollen die Medienkompetenz insbesondere von Kindern und Jugendlichen stärken. Dazu gehören die Fortsetzung der erfolgreichen Projekte 'Vision Kino', 'Nationale Initiative Printmedien' und das Netz für Kinder 'Frag Finn'", heißt es in den Zeilen 3177 bis 3181 der Vereinbarung.

Inzwischen scheint sich - zumindest oberflächlich auf dem Blatt - auch ein anderes Verständnis von Computerspielen eingestellt zu haben: "Computerspiele sind ein selbstverständlicher Teil unserer Alltagskultur geworden. Deswegen soll die Entwicklung hochwertiger, kulturell und pädagogisch wertvoller Unterhaltungsmedien gefördert und der Deutsche Computerspielpreis aufgewertet werden", so ist in den Zeilen 3181 bis 3184 zu lesen.

Angesichts der recht kurzen Erwähnung, die zudem für viele sicherlich stark plakative Züge besitzt, darf wohl gefragt werden, was die neue Regierung konkret plant. Der Begriff "Medienkompetenz" ist für viele Menschen wohl ebenso unpräzise und bedeutungsleer wie das Konstrukt "Killerspiele".

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