Need for Speed Undercover

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Electronic Arts
Entwickler
Electronic Arts
X360: Need for Speed: Undercover

Gesamtwertung

4/10

X360: Need for Speed: Undercover

Hot Pursuit. Brennender Asphalt. Porsche. Das waren noch echte Need for Speeds. Damals konnte man sich auf jeden neuen Teil der Reihe freuen, aber wenn man sich heutzutage umhört, ist das scheinbar anders. Wo immer man hinschaut, erklingen negative Stimmen einstmaliger Fans, denen die neue Ausrichtung nicht zusagt. Und auch mit Undercover tut Electronic Arts diesen Personen keinen Gefallen – nicht nur in spielerischer Hinsicht.

Speziell die Performance ist schlichtweg unakzeptabel. Die PS3-Version des Spiels leidet trotz Installation unter andauernden Slowdowns und stellenweise deftigen Rucklern, was natürlich gerade für ein Rennspiel tödlich ist. Und insbesondere der ständige, fast sekündliche Wechsel zwischen flüssigen und verlangsamten Passagen raubt einem irgendwann den letzten Nerv. Einen Hauch besser verhält es sich mit der 360-Fassung, obwohl selbst diese nicht frei von den Problemen ist. Hier abgehacktes Fahren (PS3), dort regelmäßige Slowdowns (Xbox 360). Undercover darf in dem Zustand eigentlich nicht im Laden stehen.

Aber auch spielerisch bekommt man hier wenig geboten, was einen langfristig an den Bildschirm fesselt. Undercover erinnert in seinem Aufbau sehr stark an Most Wanted aus dem Jahr 2005, was sich unter anderem in den Verfolgungsjagden mit den Cops bemerkbar macht. In verschiedenen Events muss man daher etwa wie gewohnt eine bestimmte Summe Schaden anrichten, den Gesetzeshütern entkommen oder Polizeiwagen zerschrotten.

Nebenbei absolviert man Sprints, Rundkurse und Outruns. Bei letzteren sollte man man eine gewisse Zeit lang vor dem Kontrahenten bleiben und darf währenddessen selbst den Streckenverlauf bestimmen. Hauptsache, der Gegner bleibt hinter einem. Neu und recht spaßig sind die Highway Battles.

Aus der Motorhauben-Perspektive rast man in wahnwitzigem Tempo über die teils dicht befahrenen Highways, die die Städte in Undercover miteinander verbinden. Innerhalb eines bestimmten Zeitlimits gilt es, sich vor den Widersacher zu setzen. Alternativ bringt man die Sache schneller zu einem Ende, indem man den Abstand auf 300 Meter vergrößert. Glücklicherweise stellen die Framerate-Probleme auf den Highways das geringste Problem dar, schließlich muss nicht allzu viel nachgeladen werden. Allerdings manifestiert sich hierbei ein weiterer Kritikpunkt. Auf den Highways ist zwar die Hölle los, in den Städten dafür umso weniger. Das könnte man unter Umständen noch nachvollziehen, wenn es sich um kleine Dörfer handeln würde, doch solch große Metropolen wirken durch den spärlichen Verkehr schlicht leblos.

Wenn nun wenigstens die Events herausfordernd wären, ließe sich darüber durchaus hinwegsehen. Es dauert allerdings Stunden, bis die KI-Fahrer so etwas wie Konkurrenzbewusstsein entwickeln. In der Zwischenzeit absolviert man mühelos Rennen um Rennen und muss schon wirklich schlecht fahren oder öfter mal die Wand frontal knutschen, damit die Verfolger vorbeiziehen.

Sobald der vorgegebene, nicht veränderbare Schwierigkeitsgrad ein wenig anzieht, entwickelt sich Undercover auch abseits der Slowdowns zu einer gesalzenen Herausforderung. Das merkt man zum Beispiel an den Verfolgungsjagden. Normale Streifenwagen werden durch rasante Flitzer ersetzt und Helikopter schwirren durch die Lüfte. Ohne gute Taktik und Ausnutzung der Umgebung – man kann wieder bestimmte Stellen wie kleinere Brücken oder Gerüste zum Einsturz bringen und die verfolgenden Cops so stoppen – hat man bald jede Menge Sirenen am Hals.

Die Frage ist, ob man bis zu diesem Punkt genügend Motivation findet. Eigentlich sollte die Story dafür sorgen, dass man bei der Stange bleibt. Letztendlich ist sie eher nur ein schmuckes Beiwerk. Als Undercover-Fahrer ist man dazu aufgefordert, ein internationales Verbrechersyndikat zu infiltrieren und zu zerschlagen. Und zu diesem Zweck wollen eben Autos geklaut, Rennen gewonnen und Polizeiwagen in Stücke zerlegt werden.

Selbst die Zwischensequenzen mit Maggie Q, deren Stil man entweder mag oder nicht, reißen das Ruder nicht wirklich rum, da die daraufhin folgenden Aufträge im Prinzip keinen großen Unterschied zum normalen Spielablauf darstellen. Mal klaut man ein Auto und soll es zur Werkstatt bringen, ein anderes Mal wartet ein Kunde auf einen schnellen Flitzer, der allerdings keinen Totalschaden erleiden darf.

Dank der eingängigen Steuerung stellt das zumeist kein Problem dar. Die Fahrzeuge lenken sich alle sehr direkt und einfach um die Kurven. Neu ist auch, dass nun ohne große Verzögerung vom Rückwärts- in den Vorwärtsgang beziehungsweise andersrum gewechselt werden kann. Das macht es vor allem bei den Katz- und Maus-Spielchen mit den Cops wesentlich einfacher, kurz nach hinten zu rasen, eine Drehung hinzulegen und in die andere Richtung davonzubrausen.

Bei der einfachen Navigation hilft neben dem GPS-System, das die vor einem liegende Route anzeigt, außerdem die Übersichtskarte weiter. Sie zeigt die Stadt und sämtliche aktuellen Events auf einen Blick an. Das Beste daran: Per Knopfdruck wählt man eines davon aus und springt direkt an den Start. Wer dabei doch mal nicht den ersten Platz belegen sollte, darf die soeben absolvierte Raserei direkt wiederholen.

Über die Map erreicht man weiterhin die verschiedenen Shops, in denen man seine Vehikel mit frischen Lackierungen, fetzigen Vinyls und leistungssteigernden Teilen ausstattet. Wenn man sich nicht zu sehr darin vertiefen möchte, erwirbt man einfach vorgefertigte Pakete und widmet sich wieder ganz den Rennen.

Lässt man die anfangs angesprochenen Performance-Probleme außer Acht, bietet Undercover übrigens eine recht ansehnliche Grafik mit detaillierter Stadt, glänzenden Fahrzeugen ohne umfassendes Schadensmodell und einer grellen Beleuchtung mitsamt Farbfilter á la CSI: Miami. Und auch der Soundtrack leistet seinen gelungenen Beitrag zur zumindest stimmungsvollen Inszenierung der Rennen.

Erwähnenswert ist zudem noch der Multiplayer-Modus. Neben den obligatorischen Sprint- und Rundkurs-Rennen sorgt insbesondere „Cops und Räuber“ für etwas Freude. Zwei Teams gehen hier an den Start. Die Räuber müssen gestohlenes Geld mitnehmen und innerhalb eines Zeitlimits an einem Übergabepunkt absetzen. Genau das soll das zweite Team, bestehend aus von Spielern gesteuerten Gesetzeshütern, logischerweise unterbinden.

Früher habe ich mich noch wie ein kleines Kind (was ich auch war) auf jedes Need for Speed gefreut, heute ist das leider nicht mehr so. Undercover ist im Kern eigentlich kein schlechtes Spiel, doch die größtenteils mangelnden Herausforderungen und die „einmal anschauen und vergessen“-Story nehmen früh die Lust am Spiel. Am Ende sind es aber die ständigen Slowdowns und Ruckler, die Undercover endgültig das Genick brechen. Need for Speed ist an seinem vorläufigen Tiefpunkt angelangt.

Zukünftig will EA seine Teams im 24-Monats-Zyklus an neuen Teilen der Reihe arbeiten lassen. Der erste Titel, der davon profitieren könnte, wäre also das nächste Need for Speed. Und das ist nach Undercover auch bitter nötig. Sofern der Publisher die technischen Schwierigkeiten per Patch aus dem Weg schafft, könnt Ihr gerne einen Wertungspunkt dazurechnen. Bis dahin lasst Ihr aber besser die Finger davon.

Need for Speed: Undercover steht für alle Plattformen im Handel.

 

 

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