Dark Sector

Preview
Vertrieb
D3Publisher of Europe
Entwickler
Digital Extremes
Genre
Shooter
PS3: Dark Sector

PS3: Dark Sector

In den vergangenen Jahren hat Digital Extremes gleich an mehreren Epic-Spielen als Co-Entwickler mitgewirkt. Und selbst beim aktuellen Projekt Dark Sector könnte man beim ersten Anspielen diesen Eindruck bekommen. Dem ist allerdings nicht so. Warum sich solch ein Gedanke überhaupt aufdrängt? Dazu schaut man sich am besten das Gameplay an.

Spielerisch erinnert Dark Sector sehr stark an Epic Games' Erstlingswerk für die Xbox 360. Das muss keineswegs etwas schlechtes bedeuten, selbst in Dark Sector funktioniert das System recht gut. Im Prinzip geht es stets darum, dass Ihr durch die streng linearen Levels zum Ausgang lauft. Sobald man auf einen oder mehrere Feinde trifft, sollte man möglichst erstmal hinter einer Deckung verschwinden – diese tun das nämlich ebenfalls.

Anschließend folgt das bekannte Spielchen: Erst werden nach und nach sämtliche Kontrahenten ausgeschaltet und schon setzt Ihr Eure Reise fort. Mitunter müsst Ihr dabei während der Auseinandersetzungen zu einer weiter vorne gelegenen Deckung hechten. Die Gefechte sind somit also durchaus spannend in Szene gesetzt. Wer einfach blind nach vorne stürmen will, ist hier an der falschen Adresse.

Actionreich geht es gleich von Anfang an zur Sache, während Hauptcharakter Hayden Tenno mehr oder weniger vorgestellt wird. Eigentlich ist er – aufgrund einer zuvor eher suboptimal gelaufenen Mission – außer Dienst, soll aber noch einen letzten Auftrag erfüllen. Das hätte er besser sein gelassen, da der alles andere als einwandfrei läuft. Tenno wird in die osteuropäische Stadt Lasria geschickt und hält dort seine Äuglein nach Robert Mezner, einem vermissten Agenten der Agency, offen.

Er findet vor Ort jedoch etwas anderes, und zwar einen neuen, experimentellen Nano-Virus. Tenno kann zwar den ganzen Laden – den er infiltrieren sollte – in die Luft jagen, allerdings befällt ihn dabei selbst der so genannte Technocyte-Virus. Zuerst ist lediglich sein rechter Arm betroffen, was keineswegs ein Nachteil, sondern eher ein Vorteil ist, denn es entsteht eine gepanzerte, metallene Waffenscheide. Daraus wächst wiederum eine mächtige Spezialklinge, eine Art Mischung aus Ninja-Wurfstern und Bumerung – jedenfalls schnell, scharf und tödlich.

Der Prolog in Dark Sector behandelt genau die Ereignisse, die zur Infektion Tennos führten. Hier spielt sich Digital Extremes' Titel noch wie ein gewöhnliches Actionspiel, abgesehen von einer Ausnahme: Ein spezieller Farbfilter taucht die Szenerie in einen Mix aus grauer, schwarzer und weißer Farbe. Fast schon surreal.

Sobald sich der Virus in Tenno ausbreitet, wird auch das Bild etwas farbenfroher. Zumindest ein klein wenig. Größtenteils treibt Ihr Euch in ziemlich grauen und verfallenen Gebäuden, Hinterhöfen und Abwasserkanälen herum. Es gibt sicherlich schönere Orte, aber so etwas passt nun mal zu einer heruntergekommenen Stadt.

Spätestens mit dem Erhalt der Klinge zeigt Dark Sector darüber hinaus seine brachiale Seite. Die scharfen Spitzen dienen - wer hätte es gedacht - nicht nur zur optischen Verschönerung, sondern schneiden sich regelrecht durch die Gegner (sogar auf Tastendruck mit den Bewegungssensoren steuerbar). Das Fluggeschoss trennt etwaige Körperteile ab, manchmal reißt es einen der armen Kontrahenten sogar in zwei Stücke.

Dark Sector richtet sich also an ein erwachseneres Publikum. Auf riesige Blutfontänen hat Digital Extremes allerdings verzichtet, obwohl man während der Kämpfe natürlich trotzdem ein wenig von dem roten Lebenssaft zu sehen bekommt. Zudem verschwinden Leichen meistens schon nach kurzer Zeit.

Durch einen geschickten Kniff sorgen die Entwickler übrigens dafür, dass Ihr Euch überwiegend mit der Klinge erwehrt. Ihr könnt zwar die Waffen getöteter Gegner aufnehmen, diese verfügen jedoch über einen speziellen Chip, der eine infizierte Person erkennt und die Kanone nach einigen Sekunden unbrauchbar macht. Zum Verballern eines ganzen Magazins reicht diese Zeitspanne auf jeden Fall. Wenn Ihr dennoch lieber gewöhnliche Schießeisen ohne Einschränkungen verwenden wollt, dürft Ihr das natürlich liebend gerne tun.

Zum einen hat Tenno seine Pistole dabei, die er beidhändig mit der Klinge verwenden kann, zum anderen investiert er gesammeltes Geld (findet man hin und wieder in den Levels) auf dem Schwarzmarkt. Der macht sich durch einen leuchtenden, offenen Kanaldeckel bemerkbar und bietet Euch mehrere Waffen zum Kauf an, darunter Pistolen, Schrotflinten oder Maschinengewehre. Einzelne Gerätschaften lassen sich sogar mit gefundenen Upgrades verbessern und erhalten dadurch beispielsweise ein größeres Magazin.

Die sind dann zwar schön und gut, die Hauptrolle spielt hingegen nach wie vor Eure Klinge. Diese benötigt Ihr nicht nur zum Schlitzen, sondern ebenso zum Lösen kleinerer Rätsel. Werft Ihr das gute Stück etwa in ein Feuer oder auf tiefgefrorene Behälter, überträgt sich deren Zustand für kurze Zeit auf die Waffe. Somit steckt Ihr Feinde in Brand, öffnet spezielle Türen mit einem elektrisierten Messer, friert Wasserstellen ein und verwandelt aus Rohren tropfendes Wasser in riesige Eiszapfen.

Selbst bei der Beschaffung neuer Kanonen ist die Klinge hilfreich. Zielt lediglich auf eine herumliegende Knarre, werft das gute Stück los und schon wird sie zu Euch befördert. Ihr habt keine Lust auf Fernkampf? Kein Problem. Schleicht Euch einfach von hinten an einen unaufmerksamen Gegner heran und drückt die passende Taste, alternativ schlagt Ihr ihm im Nahkampf die Fäuste so lange um die Ohren, bis er kurzzeitig betäubt ist (erkennbar am roten Leuchten). Anschließend gebt Ihr ihnen mit einem Finish-Move den Rest.

Um Medizin müsst Ihr Euch dabei keine Sorgen machen, da Dark Sector das mittlerweile häufig verwendete System der regenerierenden Lebenspunkte verwendet. Der Bildschirm wird langsam rot und das Herz rast? Sofort in Deckung!

In Sicherheit hechten solltet Ihr übrigens auch in der U-Bahn, sofern Tenno eine bestimmte Stelle passiert. Tut Ihr das, kommt nämlich wenige Meter vor Euch ein Zug um die Ecke gerauscht und zermalmt auf seinem Weg alles, was auf den Gleisen steht. Beispielsweise mehrere Feinde. Auf solche geskripteten Ereignisse trefft Ihr in Dark Sector öfter mal, unter anderem im Prolog, wo ein Helikopter erst dann angreift, wenn Ihr in einer Fabrik an einem längeren Abschnitt mit Fensterscheiben vorbeisprintet.

Die hauseigene Sector Engine (es gibt noch Actionspiele ohne Unreal Engine 3!) überzeugt vor allem durch schicke Effekte, speziell in Bezug auf Feuer, Elektrizität oder Eis. Außerdem recht gelungen sind die flüssigen Animationen sowie die schönen Licht- und Schattenspiele, wobei die Texturen zum Teil gut und gerne noch ein Stückchen schärfer sein könnten. Die vorhandenen Schauplätze sehen dennoch – obwohl meist grau in grau – recht ordentlich aus und transferieren so das Feeling einer heruntergekommenen Stadt gut auf Euren Bildschirm.

Bis zum Release von Dark Sector muss Digital Extremes noch aber kräftig optimieren. Eher selten tauchen ein paar Clipping-Probleme auf, durchaus störend ist hingegen das teilweise recht starke Tearing. Gelegentliche Einbrüche der Framerate darf man ebenfalls noch beseitigen.

Dark Sector ist bei weitem kein schlechtes Spiel, aber irgendwie fehlt in der Preview-Version noch das gewisse Etwas.

Das hängt vermutlich damit zusammen, dass teilweise zwischen den einzelnen Kapiteln noch einige größere Sprünge vorhanden sind und somit kein Einblick in die gesamte Story möglich ist. In diesem Punkt wird erst die Vollversion die wahren Qualitäten des Spiels aufzeigen.

Verbessern sollten die Entwickler noch einige der technischen Aspekte, vor allem im Hinblick auf die Tearing-Probleme und einige Einbrüche der Framerate. Ansonsten erwartet Euch mit Dark Sector ein durchaus solides, brachiales Actionspiel. Besser als das letzte Projekt von Digital Extremes – WarPath – dürfte es mit Sicherheit werden.

Ab dem 4. April steht Dark Sector in den Läden.

 

 

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