Beautiful Katamari

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Atari
Entwickler
Namco Bandai
Genre
Action
X360: Beautiful Katamari

Gesamtwertung

7/10

X360: Beautiful Katamari

Wie auch immer der Erstkontakt mit Katamari Damacy erfolgt, der Effekt ist fast immer der gleiche: Wenn man seinen ersten Fußball, seine erste Riesen-Melone, seinen ersten Menschen, seinen ersten Baum oder sein erstes Haus aufgerollt hat, muss man ihn einfach lieben, diesen Moment des überbordenden Größenwahns. Man schlägt sich kichernd auf den Schenkel, die Augen feste zusammengekniffen und spreizt ein Julia Roberts-Gedenk-Grinsen über die komplette Breite des Gesichts – nur um anschließend sofort weiter nach größeren Gegenständen zum Aufrollen Ausschau zu halten.

Daran ändert sich auch in Beautiful Katamari, dem vierten, hierzulande aber erst dritten Teil der Reihe, rein gar nichts. Wer weder das nur als US- oder Japan-Import erhältliche Debüt des kleinen Prinzen, noch dessen beide Nachfolger auf PS2 und PSP jemals gespielt hat, hat wirklich einiges nachzuholen. Bunt, freundlich und mit einem vorzüglichen Sinn für erheiterndes Chaos ist Katamari – was soviel wie „Klumpen“ bedeutet – ein klebriger Ball aus guter Laune, der jeden überrollt, der zufällig im Weg herumsteht. Wer hingegen schon die beiden Pal-Versionen oder vielleicht sogar noch den Serieneinstand aus dem Jahre 2004 beendet hat, wird in Beautiful Katamari zweifelsohne erste Abnutzungserscheinungen feststellen.

Der König des Kosmos hat erneut dafür gesorgt, dass die Sterne vom Himmel verschwinden. Natürlich war es mal wieder ein Unfall. Um genau zu sein ein Sportunfall. Denn bei einer Partie Tennis mit seiner holden Gattin schießt ein Schmetterball des riesenhaften Querkopfs ein Schwarzes Loch in den Himmel, das jegliches Gestirn des Sonnensystems (einschließlich der Sonne) aufsaugt wie ein frisch gewarteter Vorwerk-Staubsauger. Er ist einfach ein großartiger Tennisspieler, der König. Kein Problem, schließlich gibt es ja den nur eine Handbreit hohen königlichen Sohn, der mit seiner bunten Haftkugel über Mutter Erde rollt.

An so einem zauberhaften Katamari bleibt nämlich alles, wirklich alles kleben, was deutlich kleiner ist als er. Und wenn der Prinz seinen galaktischen Schneeball in einer vorgegebenen Zeit auf eine bestimmte Größe zusammenrollt, kann der König des Kosmos die Kugel als neuen Planeten ins All schießen. Logisch… oder? Was Katamari dabei besonders gut gelingt, ist das Spiel mit den Maßstäben.

Das gute Dutzend Level startet prinzipiell immer in derselben japanischen Kleinstadt. Das ist allerdings notwendig, denn im Laufe Eures Wachstums verändert sich Eure Perspektive auf die Spielwelt drastisch. Und gerade das ist es, was einen guten Teil der hypnotischen Faszination von Beautiful Katamari ausmacht. Beispielsweise startet Ihr in einem Level, nur 50 cm groß, in einem Spielwarenladen, nehmt dort vom Poker-Chip, über Xbox 360 bis hin zum Teddybären alles mit, um dann bei einem Durchmesser von einem Meter und zwanzig durch den Ausgang in die Fußgängerzone zu kullern.

Hier können Euch die ehemals riesigen Spielkonsolen schon gar nicht mehr locken. Stattdessen haltet Ihr Ausschau nach Topf-Pflanzen am Wegesrand, klaubt Eure erste Parkbank auf und zeigt kurz darauf hämische Freude über den ersten, unglücklich zappelnden Fußgänger, der nicht schnell genug reagierte, um Euch zu entgehen.

Je mehr Planeten Ihr rekonstruiert, umso höher die gesetzte Zielgröße und desto mehr seht Ihr von der Umgebung. Im letzten Drittel des Spieles geht Ihr weit über die Grenzen des beschaulich beknackten Vorortes hinaus, rollt durch eine Großstadt, nehmt Autos, Bäume und Gorillas mit und lacht laut, wenn der erste Wolkenkratzer der übertriebenen Schwerkraft Eures Katamari erliegt. Das Wachstum der Kugel verläuft dabei fließend, während bei bestimmten Größen die Kameraperspektive ein Stück herauszoomt, die Umgebung verkleinert und somit den Maßstab wieder ins rechte Verhältnis rückt. Und der geht diesmal von Kniehöhe bis zur Kontinental-Ebene – und darüber hinaus.

Ihr seht schon: Viel getan hat sich nicht, im Reich des King of All Kosmos. Der Steuerung genügen prinzipiell immer noch die beiden Sticks. In engen Gebieten hakt man mit unförmigen Katamaris immer noch ein bisschen zu sehr an der Umgebung an und die Kamera, die in im Weg stehende Hindernisse einfach ein etwas zu kleines Loch „schneidet“, durch das Ihr die Bewegungen Eures Katamari nicht so besonders gut verfolgen könnt, irritiert ebenfalls beizeiten mal ganz gerne. Ebenso bekannt ist der Umstand, dass man selten einen Level beim ersten Mal schaffen kann, weil eben nicht nur Geschick, sondern auch strikte Kenntnis der Umgebung erforderlich sind.

Schon klar, immerhin führt Euch lange nicht jede Route auch zu lohnenswerter Aufroll-Ware. Wer zielstrebig nach den versteckten Accessoires für den Prinzen oder die versprengten Cousins suchen will, tut dies also lieber im zweiten Durchgang, um nicht zu viele Sekunden des meist knappen Zeitlimits verstreichen zu lassen. Andererseits ist der Wiederspielwert der einzelnen Stages durchaus nicht zu verachten, da man mit optimierter Spielweise und Levelkenntnis immer wieder neue persönliche Bestmarken aufstellt.

Diese registriert Beautiful Katamari in einer umfangreichen Statistik-Sektion über Xbox Live. Ihr wolltet schon immer mal wissen, in welcher Höhe sich alle jemals gerollten Katamaris auftürmen? „Beautiful“ kennt die Antwort. Und das ist auch schon das beste neue Feature. Der Online Battle-Modus gleicht der Splitscreen-Variante, abgesehen von den zwei zusätzlichen möglichen Mitspielern, wie ein Katamari dem anderen: Wer die größte Kugel aufrollt gewinnt. Das ist kurzzeitig ganz witzig, aber nicht wirklich der Rede wert.

Offline gibt es noch den Co-Op Splitscreen. In dieser Variante übernimmt jeder Spieler die Funktionen eines der beiden Sticks. Das ist ebenfalls kurzfristig ganz unterhaltsam. Bis man sich zu streiten beginnt, weil der bessere der beiden Spieler sich plötzlich vorkommt wie ein halbseitig gelähmter Seeelefant, Türen knallen und den Rest des Abends nicht mehr miteinander gesprochen wird. Aber Privates gehört nicht in diese Rezension.

Nein, nein. Der Saft von Beautiful Katamari steckt wie immer in dem unglaublich befriedigenden Aufrollen immer abstruserer Gegenstände, Lebewesen und Gebäude. Wenn man dann schließlich die Erde verlässt und nach den Sternen greifen darf, ist das ein echtes „Wow!“ wert. Auch wenn die kubistisch angehauchte Grafik abzüglich der neuen Tiefenunschärfe und der höheren Auflösung so vielleicht auch noch auf der PS2 stattfinden könnte. Die Stilisierung von Figuren und Umgebung gehört nunmal einfach dazu. Dafür ruckelt es eben, selbst wenn der Wahnsinn im vollen Gange ist, wirklich selten.

Wenn Katamari jemals eine Message gehabt hat – natürlich neben der Botschaft, dass selbst die kleinste Person richtig große Dinge bewegen kann – dann die, dass Größe relativ ist. Das trifft auch auf den Spaß zu, den Ihr mit Beautiful Katamari haben werdet. Denn der ist direkt abhängig davon, wie viele (und welche) Versionen Ihr bereits gespielt habt – und natürlich davon, wie sehr Ihr diese genossen habt.

Kenner erleben vermutlich das eine oder andere Déjà-vu zuviel. Beautiful ist nämlich dasselbe in Grün: Genauso verrückt, genauso kurz (leider). Aber auch mit genauso vielen bekloppten Details gesegnet wie seine Vorgänger - etwa wenn einem das Spiel vorführt, was passiert, wenn man einem startenden Space-Shuttle die Triebwerksflammen wegkugelt. Wem das nicht reicht, um dafür 50 Euro über die Ladentheke zu reichen, dem kann man keinen Vorwurf machen. Umgekehrt kann ich aber nur jeden zu gut verstehen, der diese Summe Bares mit Freuden in ein simples, aber noch immer unverbrauchtes Spielerlebnis investiert.

Sollte Beautiful das erste Mal sein, dass ein Katamari Eurem Radar einen Piepser entlockt, schuldet Ihr es Euch selbst, zumindest einmal durch die Demo auf dem Xbox Live Marktplatz zu kullern. Und wer weiß: Vielleicht bleibt ja auch Ihr daran kleben?

Beautiful Katamari ist ab dem 28. Februar für die Xbox 360 erhältlich.

 

 

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