Gesamtwertung7/10 |
Wie zu groß geratene, überdimensionierte Eichhörnchen sitzen Tausende Männer, Frauen und Heranwachsende auf gewaltigen Müllhalden moderner Entertainment-Produkte. Hunderte Tonnen Plastik in Form von Ü-Ei-Figuren, Modell-LKWs, Star-Wars-Devotionalien und Table-Top-Spielzeugen versperren die Sicht auf die gutbürgerliche Einbau-Schrankwand Eiche-Braun. Ganze Wälder mussten ihr Holz für Superhelden-Comics, Auto-Kataloge und Sammelkarten opfern.
Alles was sich katalogisieren, in Regale stellen oder in einen zeitlichen Kontext setzen lässt, wird gesucht, gekauft und gehortet – bei mir sind es Comics, Filme, Warhammer-Bücher und, oh Wunder, Computer- und Videospiele. Angetrieben von der Lust nach Perfektion werden Tausende Euro aus dem Fenster geworfen, um mit einem neuen Objekt der Begehrlichkeiten dem eigenen Leben Sinn zu verleihen.
Dieser mächtige Sammeltrieb, der seit Urzeiten die Menschen bewegt, spielt auch bei Spielen eine wichtige Rolle. Insbesondere Rollenspiele leben von dieser Suche nach dem perfekten Ausrüstungsgegenstand, der nächsten, epischen Rüstung oder einem besonders mächtigen Schwert. Doch der Höhepunkt dieser perfiden Spielmechanik stellen Sammelkarten dar.
Hier wird das einfache Feature zum tragenden Element. Egal ob Magic, Pokemon oder Vampire, für ein paar Euro bekommt der geneigte Süchtige ein paar Karten geliefert, die mit viel Glück in seine Sammlung passen. Und die er anderen Wahnsinnigen im Spiel um die Ohren pfeffern kann. Ein wenig Karton, eine Spielidee und ein paar hübsche Bildchen, fertig ist die Lizenz zum Gelddrucken.
Der Echtzeitstrategie-Sammelkarten-Mix BattleForge hat deshalb gleich zwei Vorteile: Zum einen müssen keine Bäume für die Tausenden digitalen Karten sterben, was Euch garantiert ein paar ökologische Karma-Punkte einbringt.
Und zum anderen verwandelt sich jede Karte im Rahmen der Spielregeln in ein dreidimensionales Monster, ein mächtiges Bauwerk oder einen vernichtenden Zauberspruch. Statt ein paar netten Bildchen bekommt Ihr also einen echten Gegenwert, wenn Ihr für ca. 20 Euro 2.000 Battleforge-Punkte erwerbt und diese in acht Boosterpacks zu je acht Karten umwandelt.
Um das Spielprinzip an all die Sammelkarten-Wahnsinnigen und Fantasy-Fans da draußen zu verkaufen, verpackt der deutsche Entwickler EA Phenomic (SpellForce-Reihe) das Ganze in eine wilde Story um Götter, Titanen und die namensgebende Battleforge. Eine komplexe, über einhundert Seiten lange Hintergrundgeschichte mit Dutzenden Figuren, Fraktionen und Nebenschauplätze, durch die Ihr in einer angegliederten Chronik stöbern könnt und müsst. Wenn Ihr sie verstehen wollt. Denn statt die Geschichte mit prächtig designten Zwischensequenzen, Ingame-Dialogen oder einer einigermaßen stringenten Missionsstruktur zu erzählen, liefert BattleForge Story-Häppchen, die durch zusammenhangslose Missionen und seitenlange Texte weitererzählt werden.
Auch beim Gameplay wurden jede Menge Genre-Konvention aus dem Fenster geworfen. BattleForge mischt schnelle, Basen-lose Gefechte mit einem Karten-System á la Magic the Gathering, das genauso viel Planung vor dem Gefecht wie mittendrin erfordert. Die klare Trennung zwischen Single- und Multiplayer-Modus wurde aufgehoben.
Stattdessen sind die Welten in einem steten Fluss. Der Spieler kämpft immer online, gemeinsam und alleine, mal gegen den Computer, mal gegen einen menschlichen Mitspieler. Ohne Internetanschluss läuft gar nichts. BattleForge ist ein Strategie-MMO, wie es im Buche steht und macht für Offline-Spieler auch keine Ausnahme.
Vor jeder Echtzeitstrategie-Partie haben die Gameplay-Götter die Zusammenstellung eines Decks aus 20 virtuellen Karten mit Zaubersprüchen, Spezialgebäuden, Fern- und Nahkämpfern gesetzt. Ein paar Dutzend Karten werden mitgeliefert, der Rest wird Online getauscht, verkauft oder direkt im Shop erworben. Vier unterschiedliche Elemente bestimmen dabei die Ausrichtung. Feuerkarten sind vor allem für die Offensive geeignet, richten viel Schaden an und überwältigen den Gegner mit ihrer puren Kraft. Eis-Karten setzen auf eine starke Verteidigung, Natur-Einheiten sind Meister im Heilen und das Zwielicht-Deck setzt auf Hinterlist. Mischt Ihr die Elemente, müsst Ihr auf besonders starke Karten verzichten. Doch dazu später mehr.
Nachdem Ihr Euer Deck parat habt und Euch auf dem nur dürftig erklärten Hauptmenü umgeschaut habt, müsst Ihr Euch auf einer Weltkarte eine Mission aussuchen. Anfangs stehen nur wenige zur Auswahl. Manche davon bestreitet Ihr alleine, manche mit bis zu drei Partnern im Co-Op-Modus. Jeder Sieg lässt neben Upgrade-Karten für Euer Deck neue Missionen erscheinen. Leider verliert Ihr nach einer Weile etwas den Überblick. Die verschiedenen Erzählstränge verlieren sich im Nirvana der Weltkarte. Noch schlimmer: Euch ist egal, was mit den krude gezeichneten Charakteren passiert. Es werden zwar stets abwechslungsreiche Aufgaben geliefert, doch wie auch beim Gameplay werden die Hintergründe dürftig an den Spieler weiter gegeben.
Auf dem Spielfeld geht es recht übersichtlich zu. In einer gelungenen bunten, aber auch sehr zweckdienlichen Grafik werden die Einheiten samt ihrer Spezialfähigkeiten aus dem Kartendeck mit simplen Kommandos über das Spielfeld gejagt. Speziell große Monster begeistern durch ihr gefälliges Design und geschmeidige Animationen. Einfache Einheiten bestehen dagegen aus zu wenigen Polygonen. Sie sind, wie auch die Umgebung, schlicht unspektakulär. Optisch im Vergleich zur Konkurrenz höchstens mittelmäßig, dafür ressourcenschonend und auch auf älteren Systemen lauffähig.
Benötigt Ihr Nachschub, ein unterstützendes Gebäude oder einen mächtigen Zauber, landet eine Karte aus dem Deck in der Nähe einer befreundeten Einheit und wird als 3D-Modell/Zaubereffekt wiedergeboren. Immer vorausgesetzt, Eure frisch eroberten Generatoren liefern genug Energie und Ihr habt die entsprechenden Elementar-Monumente eingenommen. Die Position dieser Gebäude ist festgelegt, welches Element sie besitzen, könnt Ihr selbst bestimmen. Stärkere Karten können nur ausgespielt werden, wenn Ihr mehrere Monumente der vorgegebenen Elementarkräfte besitzt.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Benommenheit Eurer Figuren nach der Beschwörung. Damit Ihr nicht einfach eine einzelne Einheit in die gegnerische Basis schickt und dann tonnenweise Nachschub herbeizaubert, ist jede Einheit kurz benommen, wenn sie erscheint. Sie besitzt nur die Hälfte ihrer Lebenspunkte und kann keine Spezialfähigkeit einsetzen. Diese Sonderfunktionen sorgen neben einem komplexen Schadens- und Rüstungssystem für die Spieltiefe des anfänglich noch sehr einfach strukturierten Gameplays.
Unterstützende Fähigkeiten, Heileffekte, Spezialattacken und verschiedene Angriffsmodi verwandeln den Titel nach einer zu Beginn eher mageren Angelegenheit in ein recht anspruchsvolle Herausforderung. Insbesondere im Mehrspieler-Modus entstehen packende Kämpfe, auch wenn ihnen die Wucht eines Dawn of War II oder Empire: Total War abgeht.
Auch die Missionen gewinnen im Laufe der Zeit immer mehr an Tiefe. Ihr müsst Konvois beschützen, Monumente einnehmen, um einem Zauberer die Energie zu rauben, und Stellungen gegen eine anstürmende Monsterhorde verteidigen. Ohne richtigen Story-Support verschenken die „Kampagnen“-Missionen zwar viel Potenzial, werden aber speziell im Team kaum langweilig.
Bis zu vier Spieler müssen im Co-Op zusammenarbeiten. Bestes Beispiel: Gemeinsam gilt es, einen gewaltigen Endgegner auszuschalten, der von vier Heilern gedeckt wird. Nur wenn Ihr diese in einen Nahkampf verwickelt, wird der monströse Titan verwundbar. Mit einer Kombination aus Titanen, Fernkämpfern und einer dicken Portion Heilzauber lassen sich die Monster in die Knie zwingen. Gewährt Ihr ihnen zu viel Freiraum, heilen sie automatisch ihre Genossen und das Spiel beginnt von vorne. Leider funktioniert hier die KI der Gegner nur suboptimal. Der Obermotz greift manchmal erst an, nachdem Ihr seine komplette Unterstützung niedergemacht habt. Oft könnt Ihr auch Gegnern mit Belagerungseinheiten schon auf weite Entfernung Schaden zufügen, ohne dass diese reagieren. Unnötig.
Für einen höheren Schwierigkeitsgrad könnt Ihr diese Missionen auch mit weniger Leuten starten. Der Anspruch steigt dadurch gewaltig und die Verteidigung Eurer Basis wird zu einer Sisyphos-Aufgabe. Denn auf Eurem Weg durch die Level bleiben Generatoren und Monumente zurück, die durch die ständigen Gegnerwellen bedroht werden. Erst wenn Ihr die entsprechenden Produktionsgebäude niedergemacht habt, gibt es zumindest zeitweise Ruhe. Spätere Missionen sind aber auch zu viert knackig schwer und fordern selbst Profis alles ab.
Für echte Sammelkarten-Experten dürfte der Vs.-Modus interessant sein. Trotz der Möglichkeit, sich ein gutes Deck zusammenzukaufen, sorgt erst die Spielpraxis für die nötige Zusatzpower. Gut betuchte Spieler haben also keinen wirklichen Vorteil. Denn nur wenn Ihr Co-Op-Missionen erfüllt, könnt Ihr Euch Upgrades und BattleForge-Gold erarbeiten, die Eure Standardkarten in echte Matchwinner verwandeln. Seid Ihr dann mit der Kombination zufrieden, dürft Ihr Euch in die Arena stürzen, in der es beinhart zur Sache geht.
Geschickt müsst Ihr Eurem Gegner Monumente abnehmen und Generatoren klauen, um schnell einen Vorsprung zu erhaschen. Schon in der Anfangsphase ist eine schnelle Reaktion und eine gute Taktik ausschlaggebend. Ihr müsst Euch entscheiden, ob Ihr Eure ganze Energie in eine schlagkräftige Truppe steckt oder lieber so viele Generatoren wie möglich baut. Durch die 200 Karten gibt es nahezu unendlich viele Kombinationen. Dazu noch ein hervorragendes Balancing, das Versprechen, weitere Karten nachzuliefern, ein gelungenes Leaderboard und angekündigte Online-Turniere, fertig ist die gelungene Transformation eines Sammelkartenspiels in das Echtzeitstrategie-Genre.
Eins steht fest: EA Phenomic ist es gelungen, Sammelkartenwahn und Echtzeitstrategie-Spiel unter einen Hut zu bekommen. Die beiden Elemente ergänzen sich und machen BattleForge zu einem einmaligen Computerspiel, das Fans beider Lager glücklich machen könnte. Könnte wohlgemerkt, weil es besonders im Bereich Echtzeitstrategie zu viele bessere Alternativen gibt, um die Fans von Company of Heroes, Dawn of War II oder Empire: Total War in die bunte Welt von BattleForge zu entführen. Ohne vernünftige Story, Offline-Modus, moderne Grafik, Physik-Effekte, Deckungsmechaniken und eine stringenten Kampagne werden Hardcore-Fans dieses ungewöhnliche Stück Software wahrscheinlich links liegen lassen. Deshalb bekommt der Titel von mir, als echtem Hardcore-Strategen, auch nur eine gute Note.
Wer sich dagegen für Sammelkarten begeistern kann und sich an dem etwas einfacheren Anspruch der eigentlichen Gefechte nicht stört, bekommt eine ganz andere Spielerfahrung geliefert. Sich gemeinsam mit anderen Sammelwahnsinnigen seinem Hobby hinzugeben und durch die fantastischen Welten von BattleForge zu streifen, wertet das Erlebnis deutlich auf. Fans von Magic und Co. dürfen sofort zugreifen. Eine bessere Umsetzung ihres Hobbys wird ihnen vermutlich in der nächsten Zeit nicht mehr über den Weg laufen.
Battleforge ist exklusiv für den PC erhältlich und nur Online spielbar.
Bei XBlaster ist die Welt, wie wir sie kennen, Vergangen- heit. Als Mechpilot kämpfst Du zur Belustigung der Menge und monatlich 10.000 € zum Spiel...
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