Bei aller Liebe zu guten Wii-Eingabevarianten, die sich zuhauf finden: Ich habe nie verstanden, warum es mich mehr in das Spiel ziehen soll, wenn ich, anstatt einen Knopf zu drücken, mit der WiiMote mehr oder weniger unkoordiniert herumwackeln soll. Es bleibt eine von der Bildschirmaktion losgelöste Bewegung, die zur Schaffung der Illusion des Spiels nicht den geringsten Mehrwert liefert. Den Tennisschläger in Wii Sports zu schwingen ist fein, die Mote als Shotgun zur Zombiejagd zu missbrauchen groß. Und sowieso alles, was Mario Galaxy mit dem eigenwilligsten aller Controller anstellt. Aber in Sonic und der schwarze Ritter für jeden einzelnen verdammten Schwerthieb das Handgelenk lockern zu müssen, fühlt sich einfach nicht sehr schlau und schon gar nicht aufregend an.
Zumal Ihr viele Schwerthiebe landen müsst. Hunderte. Tausende. Nach dem Durchspielen wird Eure rechte Unterarmmuskulatur die stärkste in Eurem Körper sein. Und warum genau soll das noch mal besonders involvierend sein? Einen Schwerthieb jedenfalls bildet es als Bewegung jedenfalls nicht nach und das wäre beim Tempo des Spiels dann auch nur eine noch größere Katastrophe als das dusselige Wackeln. Nach dem kriechlahmen Wer-Igel-Desaster in Sonic Unleashed besann man sich bei Team Sonic darauf, dass der Name nun mal mit Tempo verbunden ist. Und in dieser Sparte überzeugt Sonic und der schwarze Ritter zumindest in Passagen.
Die üblichen Verdächtigen – also ich – werden jetzt natürlich sofort schreien: „Das kann doch gar kein richtiges Sonic sein. Das ist in 3D und er hat ein Schwert in der Hand!“ Nach den ersten der vielen Stages zeigt sich aber, dass ein Schwertarmgriff nur ein nerviger Dash und Tempo im Mittelalter kein Thema ist.
Wie auf Schienen rennt Ihr durch eine Masse von linearen Leveln – grob geschätzt 80, um eine Zahl in den Raum zu werfen –, lenkt dabei mit dem Stick des Chuck, was etwas besser klappt als das Wackeln in Secret Rings, und versucht, die Zielvorgabe der Stage zu erfüllen.
Hierbei stellen sich einige Hindernisse in den Weg. Und damit sind nicht nur die Horden von untoten, verzauberten oder was auch immer Rittern gemeint. Die Perspektive funktioniert an sich gut, nur leider liegt Sonics Augenmerk dermaßen auf dem Vorwärtsmomentum, dass ein Sprung und sogar mitunter ein Hieb Euch zwar ein wenig nach oben, aber meist auch sehr weit nach vorn befördert. Gerade in späteren Abschnitten, in denen Präzision gefragt ist, macht es sich einfach nicht gut, dass Ihr, einmal gesprungen, dem Spiel praktisch die Kontrolle über den Igel gebt. Man kann sich daran gewöhnen, aber seltsam und falsch anfühlen tut es sich über die ganze Strecke.
Der Schwertkampf bleibt dabei leider, vorsichtig gesagt, nicht ganz optional und nimmt, obwohl Ihr auch im Lauf die Klinge schwingen dürft, einiges an Tempo aus dem Spiel. Theoretisch gibt es verschiedene, von der Art der Bewegung abhängige Schläge. Es reicht allerdings vollkommen für die gesamte Laufzeit aus, mit der Mote im richtigen Moment so zu wackeln, dass es für Euch am wenigsten im Gelenk schmerzt. Sobald Ihr auf eine Feindgruppe trefft, hüpft Ihr entweder drüber – der schlaue Weg – oder Ihr schwingt, eine nervige Verzögerung bei der Umsetzung der Bewegung miteinkalkuliert, das Schwert und holzt die Typen weg.
Meist bremst Ihr dabei dann doch auf Null, weil Ihr in eine nachrückende Gruppe saust und die Sache dann erst einmal austragt. Um es kurz zu machen: Der Kampf wirkt belanglos, sinnlos, nervig. Aber all das ist am Ende immer noch zügiger als das Prügeln mit dem Wer-Igel. Und weit schlechter als der gute alte Dash-Angriff.
Eleganter funktioniert das Gemetzel mit der Soul-Attacke. Ein kleiner Balken füllt sich während der Kämpfe und kann dann genutzt werden, um in Zeitlupe einen Todesritter nach dem nächsten zu erledigen, indem Ihr das Timing trefft. Außerhalb eines Klingenkreuzens beschleunigt die Soul-Energie Euch auf ein absurdes Tempo, das Ihr nicht immer braucht. In zahlreichen Stages lautet das Motto nämlich nicht nur durchkommen, sondern eine bestimmte Zahl von Feinden erledigen oder irgendwelchen Bauern Ringe geben. Das ist wohl das erste Sonic, in dem der Igel sich freiwillig von seinen geliebten Ringen trennt. Und es sind diese Stages, die im Spielablauf mal wieder endgültig auf die Bremse treten.
Aber ganz egal, ob Ihr am Ende eine bestimmte Zahl Ringe verteilen, Feinde umhauen oder einfach nur ankommen sollt, am Ende läuft alles auf das entnervende Gewackel zum Schlagen hinaus, das Euch immer wieder aus dem Tritt bringt und das durchaus häufig aufkeimende Gefühl von Speed und Kontrolle versagen lässt. Dazu gesellt sich in den schon haptisch weitestgehend unkoordinierten Fights die optische Ahnungslosigkeit. Drei Monster hinter Sonic, drei Ritter vor ihm und schon wedelt Ihr mit der Mote um Euer Leben - in der vagen Hoffnung, dem Pulk zu entkommen. Meist funktioniert das auch, mit Kontrolle und Koordination hat das aber ungefähr so viel zu tun wie dieses Spiel mit der Artus-Sage.
Hier nahm sich Team Sonic ein paar dichterische Freiheiten heraus. Sonic wird von der Zauberin Merlina – nur einer von vielen historisch wertvollen Momenten, in denen die Lippen des Redakteurs tonlos die Buchstaben w, t und f formen – in das Mittelalter entführt, damit er den böse gewordenen Artus bändigt. In den Rollen der Ritter des Königs schlüpfen die üblichen Verdächtigen wie zum Beispiel Knuckels, die Ihr dann in den durchschaubarsten Bosskämpfen seit Ewigkeiten abserviert, um sie dann in der zweiten Hälfte des Spiels nach dem ersten Abspann und dem großen Plottwist auf Wunsch steuern zu dürfen.
Die taktische Note der neuen Figuren hält sich zwar in Grenzen – der eine ist etwas schneller, der andere haut besser zu –, nichtsdestotrotz werdet Ihr die zweite Spielhälfte willkommen heißen. Die erste bietet nämlich praktisch keine nennenswerten Herausforderungen. Und Königreich nebst Artus persönlich lagen nach nicht einmal drei Stunden zu Testers Füßen.
Anschließend geht es mit den Herausforderungen im zweiten Teil des Spiels steil bergauf, was aber leider auch die Mängel im Kampfsystem und der Präzision der Bewegung noch deutlicher werden lässt. Frust und Challenge oder Entspannung und Drögheit. „Choose your poison“ würde der Brite sagen, das klingt netter als Pest oder Cholera und ist auch ein wenig so gemeint.
Der Spaß bleibt trotz allem nie ganz auf der Strecke, was nicht zuletzt an der Präsentation liegt, die die Wii weitestgehend an ihre Grenzen treibt. Mein persönlicher Favorit war ein Level, in dem sich alles auf einem hunderte von Meter großen, von Titanen gezogenen Schlachtwagen abspielt. Hier wird elegant ein Gefühl von Größe und Epik vermittelt. Und alles in leuchtenden SEGA-Farben, durchdesignt in jedem Polygon und flüssig bis in die letzte Framerate. Andere Stages stehen dem allerdings teilweise in nichts nach. Ob Ihr nun durch Camelot oder den Wald der Lady of the Lake heizt: Für das Auge hält Sonic und der schwarze Ritter immer etwas bereit.
So viel, dass Ihr so mache Stage aller Macken zum Trotz gerne mehrfach bestreiten werdet. Als zusätzlicher Motivationsschub für Sammler kann das nicht schaden. Auch wenn bewiesen werden konnte, dass das Spiel komplett durchspielbar ist, ohne auch nur die freischaltbaren Items und Moves zur Kenntnis zu nehmen, wird es mit ihnen doch einfacher. Leider macht das Freischalten an keiner Stelle irgendeinen Sinn. Neue Fähigkeiten erhaltet Ihr unter anderem durch das Sammeln von Anhängern im Königreich.
Pro Stage werden davon zwischen 2 und 600 vergeben, ein perfekter Run bringt Euch etwa 60 – 80. Um die volle Zahl zu erreichen, ist nicht nur die Qualität Eures Spiels entscheidend, sondern auch wie geduldig Ihr das wiederholt. Das war noch nie ein tragfähiges Konzept. Mit den zufällig verteilten Items sieht es nicht besser aus. Am Ende ist es wohl besser, dass niemand diesen Kram braucht, um den Spaß zu finden, der in Sonic und der schwarze Ritter steckt.
Nicht dass dies übertrieben viel Spaß wäre. Die wundervolle Optik und ein paar wirklich rasante Hüpf- und Rennpassagen reißen nicht das an sich schon eher bescheidene Kampfsystem heraus, das durch das nervtötende Mote-Gewackel bis der Arzt kommt – in Anbetracht der Existenz von Handgelenksentzündungen nur halb im Scherz gesagt – in keiner Weise aufgewertet wird. Ganz im Gegenteil. Durch dieses zwanghafte Einsetzen irgendeiner Wii-Bewegungsfunktion, völlig frei von Bezug und Sinn, ruiniert sich das Spiel einen guten Teil seines eigentlich stattlichen Potentials. Es gibt Abschnitte, in denen Sonic zeigt, dass er es noch kann. Nur sind es zu wenige, um die Mühen, die Euch Sonic und der schwarze Ritter bereitet, zu rechtfertigen.
Sonic und der schwarze Ritter ist ab sofort für die Wii erhältlich.
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