Cryostasis

Review
Plattform
PC
Vertrieb
505 Games
Entwickler
Action Forms
Genre
Action
PC: Cryostasis

Gesamtwertung

6/10

PC: Cryostasis

Den blumigen Versprechungen eines PR-Mannes zufolge, ist Cryostasis „das russische Bioshock“. *Bam*. Er hat es gesagt, jetzt muss das Spiel dem Vergleich auch Stand halten. Fakt ist, dass Cryostasis, genau wie Bioshock, einen Großteil seiner Faszination aus seinem ausgefallenen Szenario zieht. Und sogar die Hintergrundgeschichte, wenn auch holpriger und nicht ganz so geschickt erzählt, macht deutlich, dass Entwickler Action Forms sehr wohl etwas zu erzählen hatte und seine Story-Motive nicht als bloße Rechtfertigungstapete für knallige Action von außen an sein Spiel gekleistert hat.

Deshalb ist dieses osteuropäisch-krude Ego-Abenteuer an den nördlichen Polarkreis durchaus eine Reise wert. Und nur deshalb. Denn der Rest der Mystery-Gruselei ist leider ziemlich repetetiv, unbeholfen, anstrengend zu spielen und so fürchterlich bis gar nicht optimiert, dass es hauptsächlich meinem Quad Core @ 2,4 GHz samt nVidia 8800 GTS mit 512 MB und 4 GB Ram das Fürchten lehrte.

Sicher, es ist kein absolutes Gamer-System. Aber ein Spiel, das auf diesem Rechner auf unteren Mittelklasse-Einstellungen schlechter läuft als das erste Crysis auf „High“ (mit Texturen, Objektdetails und Shadern auf Maximum), und dann noch aussieht wie Quake 4 auf Eis, dem hat irgendjemand einen dicken Knüppel irgendwo in die Speichen des Programmcodes geworfen.

Als Meteorologe Alexander Nesterov untersucht Ihr einen im ewigen Eis gestrandeten Eisbrecher, die North Wind, nach den Ursachen der Harvarie. Nur dass Ihr das eigentlich gar nicht wisst, denn diese Infos habe ich von der offiziellen Website und nicht etwa aus dem Spiel. Das verliert nämlich kein Wort darüber, was zu tun ist, oder über das Wo und Warum. Es gibt weder Einsatzbesprechungen und klar markierte oder auch nur umschriebene Ziele. Kompass, Karte und Inventar hat Nesterov sowieso zuhause gelassen und so kommt man sich ziemlich alleingelassen vor, was der Atmosphäre zugegebenermaßen durchaus gut tut.

Vorsichtig pirscht man immer einen einzigen Weg entlang durch die verschlungenen Innereien des kälteschlafenden Metallriesen und ist stets auf der Suche nach interaktiven Elementen, die einem den Bauch des ausgestorbenen Ungetüms noch weiter öffnen. Die Stimmung, die dabei erzeugt wird, ist durchaus sehr einnehmend. Gigantische Eisblumen zieren jede Oberfläche und sogar die Umrisse des Sichtfeldes, während die dichten Wolken kondensierenden Atems und das laut hörbare Inhalieren des Charakters die totale Kälte beinahe bis unters eigene Brustbein kriechen lassen.

Die Eiseffekte auf der Inneneinrichtung sind zweifelsohne der Grund für die stolpernde Schluckauf-Nummer, die die Grafikengine auf 95% der PCs aufführt. Warum das so ist, erfährt man, wenn man den ersten Generator gefunden und angeworfen hat. Das Glitzern der Eiskristalle auf den Wänden verglüht, der Grauschleider auf Luken und Stahlträgern wird langsam transparent und schließlich beginnen die daumendicken Eisblumen auf ihrem Weg nach unten feucht zu schimmern. Der ganze Raum scheint zu schmelzen und es ist jedes Mal ein erhebendes Gefühl, wenn man die Eiszeit beendet – und sei es nur in einem kleinen Raum.

Dieses Wechselspiel aus Kälte und Wärme schlägt sich auch auf das Spieldesign nieder. Anstatt normaler Lebensenergie bildet in Cryostasis Körperwärme die wichtigste Ressource des Spielers. An Schreibtischlampen, Deckenleuchten oder Generatoren wärmt Ihr Eure Hände und haltet Euch damit am Leben. In einigen Bereichen ist es so kalt, dass Ihr zu erfrieren droht. Hier wird die Suche nach der nächsten Glühbirne zum spannenden Spießrutenlauf. Anderen Ortes springen Euch die früheren Bewohner unvermittelt als Eiszombies ins Gesicht und versuchen Eure Restwärme durch Gewalteinwirkung auf den Nullpunkt zu prügeln.

Anfangs seid Ihr kaum bewaffnet und helft Euch zunächst mit rudimentären Werkzeugen. Ein schweres Vorhängeschloss an einer Kette ist – um die Faust gewickelt – Eure erste Waffe. Der Nahkampf damit erinnert in gewisser Weise an einen indizierten SEGA-Schocker, weil man in Kombination mit den Pfeiltasten unterschiedliche Schläge abfeuern kann. Diese interessante Option bieten die folgenden Waffen leider nicht mehr.

Die stimmungsvolle Expedition durch den gigantischen Gefrierschrank verliert dadurch ein Stück ihrer Glaubwürdigkeit, weil man wie in einem Ego-Shooter von vor 20 Jahren regelmäßig einfach eine "bessere" Waffe findet, für die man den Rest stecken lässt. Zuerst stolpert man über ein schweres Ventil, das die Kette ersetzt, später eine Axt, die besser ist als das Ventil, und dann eine Leuchtpistole. Ab der Axt fallen zunächst die Schlagkombinationen weg und spätestens, wenn man ein richtiges Gewehr gefunden hat, benutzt man eigentlich nichts anderes mehr, es liegt ja auch genügend Munition herum.

Hier wird Cryostasis dann stellenweise urplötzlich zu einem über die Gebühr behäbigen Shooter mit schwachem Trefferfeedback. Nesterov bewegt sich ohnehin schon, als hätte er ein Paar randvolle Eimer Schneckenschleim als Stiefel, da soll man noch gezielt und behende mit dem Schießprügel hantieren? Besonders wenn man es mit ebenfalls mit Gewehren bewaffneten Feinden zu tun bekommt, sind die Fights nur noch spannend, weil die Bewegung so unnötig grobmotorisch ausfällt und die Deckungssuche so erschwert. Nicht etwa, weil die Gegner eine Herausforderung wären.

Nichts an Cryostasis geschieht mit der Leichtigkeit, mit der man sich durch vergleichbare Spiele bewegt. Man kommt sich ein bisschen plump vor, steif und aufgepumpt wie ein Michelin-Männchen. Das durch eine nur langsam wachsende Ausdaueranzeige auferlegte Sprint-Limit sorgt dafür, dass der Spieler bis zur Mitte des Spiels nicht einmal zehn Meter am Stück rennen kann, wenn ihm eine 150 Kilo schwere, achtbeinige Scheußlichkeit hinterherekelt. Jedenfalls nicht, ohne erst einmal ewig im lahmsten Schritttempo nach Luft zu ringen.

Das mag zwar aufgrund der – gelinde gesagt – ungünstigen Witterungsverhältnisse in der North Wind durchaus logisch und für den Adventure-Part des Games nicht wirklich schlimm sein, macht die Action aber zu einer mühsamen Angelegenheit. Die geringe Gegnerdichte sorgt aber zum Glück dafür, dass das Spiel nicht ganz zu Doom 3 mit Gefrierbrand vorkommt.

Am besten ist das Spiel immer, wenn Ihr bei Eurer Erkundungstour über den Leichnam eines Crewmitgliedes stolpert. Dann kann sich Nesterov in den Verblichenen hineinversetzen, um dessen letzte Augenblicke am eigenen Leib zu erfahren, nachträglich sein Leben zu retten und damit zugleich einen vorher verschlossenen Pfad öffnen. Mit schaurigen Filtern unterlegt, sind diese Reisen in die Vergangenheit die gruseligen Höhepunkte des Spiels. Hier wird immer etwas spärliches Licht in die mysteriösen Geschehnisse geworfen und der gefrorene Mikrokosmos der North Wind regelmäßig um interessante Perspektiven bereichert. An einer Stelle erledigt man zum Beispiel als Matrose einen schaurigen Tauchgang in bester Big Daddy-Aufmachung, nicht nur optisch einer der Höhepunkte des Spiels. Mehr will ich zu den Flashbacks aber nicht verraten.

Was sich bislang nach einem spannenden Adventure mit einem lieblos angetackertem Shooter-Part anhören mag, krankt aber leider auch ein wenig an seiner mangelnden Spielerführung. Manchmal ist nicht klar, durch welche Aktion eine vorher verschlossene Tür auf einmal offensteht, wo man hin soll oder was das Schiff gerade von einem will. Den Entwicklern war ganz offensichtlich wichtig, dass der Spieler sich eher durch die North Wind rätselt als schießt, so viel ist klar (und gut), aber viel zu oft wird ihm gar nicht gezeigt, was eigentlich die Problemstellung ist.

Und wenn man das Ziel eines Rätsels nicht kennt, fängt man mit dem Raten doch gar nicht erst an. Man klappert einfach die stählernen Wände ein bisschen orientierungs- und planlos nach Schaltern, Knöpfen oder Ventilen ab, bis sich die rechte Hand des Hauptcharakters erlösend in Richtung eines interaktiven Elements ausstreckt - oder man einen Fehler macht und stirbt.

Letzteres passiert immer besonders oft, wenn eine Art Zeitlimit - etwa in Form eindringender Wassermassen oder dergleichen - hinzukommt, was häufig in den ansonsten so guten Flashbacks der Fall ist. Hier artet das hilflose Herumprobieren des Spielers gerne in ausgiebiges Trial & Error mit regelmäßigen unvorhergesehenen Todesfolgen aus, bis man die "richtige" Tür, die sichere Luke oder den einzigen Funktionstüchtigen Knopf gedrückt hat. Man gewöhnt sich irgendwann daran, dass das Spiel einen so alleine lässt, sollte aber in diesem Bereich eine gewisse Leidensfähigkeit mitbringen.

Und das ist eigentlich ein gutes Stichwort für das Fazit. Wer spielerische und technische Ungereimtheiten dieser Art – man muss es leider so sagen – ertragen kann, wird hier einen biestigen, tolpatischgen Yeti von einem Ego-Ausflug bestehen, der klüger ist, als er aussieht. Und einen, den die Wenigsten, die sich bis zum Ende durchbeißen, bereuen werden. Das liegt aber nicht so sehr an dem Spiel, das Cryostasis letzten Endes geworden ist, sondern an dem, das es hätte werden können. Das russische Bioshock eben.

Fast richtig, Herr PR-Mann!

Cryostasis (USK ab 16) Deutschlandtermin liegt bereits einen Monat zurück, dennoch ist das Spiel scheinbar immer noch im Publisher-Packeis gefangen. Interessenten importieren es derweil von der Insel.

 

 

Ist der Artikel hilfreich? Dann bookmarken Sie ihn bei:

Hilfe?

3D Multiplayer-Games: Dark Orbit

Mach Dir einen Namen im Dark Orbit. Allein oder mit Verbündeten wagst Du Dich in weit entfernte Sternen- systeme vor und kämpfst um 10.000 € zum Spiel...

Yahoo! Spiele-Forum

Cryostasis im Test. Was halten Sie vom neuen Spiel von Action Forms?

Teilen Sie Ihre Meinung mit anderen Yahoo!-Usern.

Link zum Forum

Zum Games Guide-Forum · Zum Online-Spiele-Forum

 

 

 

Yahoo! Highlights:

Filmblog
Spiele Highlights
Video Suche
DFB Pokal
Autonews
Reiseplaner
Mehr...

 

Aktuelle Videospiele News:

PC: Neuer Alice-Trailer ist ein Fan-Prod...
PC: PS3-Version von Dragon Age: Origins ...
Mafia II
PS2: Guitar Hero 5: Activision 'extrem z...
Need for Speed: Nitro
Darksiders: Wrath of War
PS3: Neues Update für Call of Juarez 2
PS3: Bayonetta erscheint am 8. Januar
Aliens vs. Predator
PC: Valve: Left 4 Dead 3 nicht nächstes ...
PC: Produzent des Kane-and-Lynch-Films b...
PC: Der letzte Widerstand: Neuer DoW-II-...
GoldenEye 007
Section 8
PS2: Zone of the Enders: Kojima 'verspri...

Weitere Spiele Reviews:

One Piece: Unlimited Cruise 1 - Der Scha...
Cursed Mountain
Tiger Woods PGA Tour 10
WII: Overlord: Dark Legend
Cannon Strike - Tactical Warfare
PS3: Uncharted 2: Among Thieves
Velvet Assassin
PS3: inFamous
Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper
PC: Overlord II
EA Sports Active Personal Trainer [WII ,...
PS3: Tekken 6
Sports Island 2
Guitar Hero 5
PC: Wolfenstein

Vorschau auf neue Spiele:

PC: Parabellum
Final Fantasy XIV
PC: Tom Clancy's H.A.W.X.
PS2: Guitar Hero 5 & Band Hero
Empire: Total War
Split/Second
DS: Anno: Erschaffe eine neue Welt
PC: Mini Ninjas
PC: Cities XL
PS3: Red Dead Redemption
X360: All Points Bulletin
PS3: Darksiders: Wrath of War
GTA IV: The Ballad of Gay Tony
PC: Alpha Protocol
PS3: God of War III