Gesamtwertung8/10 |
Ein Blick durch die Wii-Regale beim Händler des Vertrauens offenbarte ein paar neue Gesichter in den letzten Tagen. Schauen wir doch mal, was die Frischlinge so können. Und natürlich, was sie nicht können.
Bei Blast Works: Build, Trade, Destroy hilft das mit dem Schauen allein leider erst mal nicht viel. Ein schickes, aber nichtssagendes, post-retroartig angehauchtes Cover und nicht ein einziger Screenshot auf der Rückseite. Was mag das sein, hat es was mit dem alten Rare-Kracher Blast Corps zu tun? Mitnichten, Euch erwartet ein 2D-Shooter. Ein recht ungewöhnlicher. Ein sehr ungewöhnlicher.
PC-Eigner dürften am einfachsten verstehen, was Blast Works so macht, um sich von der Masse abzuheben. Es ist nichts anders als eine konsequente Verfeinerung des Gratis-Shooters
Tumiki-Fighters (asahi-net.or.jp). Ladet es also und Ihr werdet feststellen, dass der visuelle Stil einem gesunden, stylischen Minimalismus frönt, der eine Mischung aus Origami und Verzicht auf Polygone durch Polygone zelebriert. Sehr hip, das alles. Nur die Pastellfarben stören mich persönlich. Hier hätte ich mir mehr Sättigung und Plakativität erhofft. Trotzdem, immer noch wirklich hübsch.
Sich durch 15 nicht übertrieben lange, dafür schnell knackig harte Levels zu ballern, das können viele Games. Mit einem überdimensionierten, Kugel sprühenden, bissfesten Boss nach jedem Stage aufwarten, das auch. Die abgeschossenen Gegner harmlos so davon trudeln lassen, dass Ihr sie einsammeln und an Euer eigenes Schiff anpappen könnt, das macht nur Blast Works. Und es macht höllisch Laune.
Jedes Feindschiff, auch die Einzelteile von Großschiffen und sogar deren riesige Rümpfe, bleiben einfach an Eurem kleinen Fighter kleben, und zwar genau in der Pose, in der Ihr sie berührt habt. Auf diese Weise bieten sie Schutz und ballern auch noch weiter, diesmal für Eure Sache, vor sich hin. Vielleicht nicht immer in die richtige Richtung, schließlich passiert es häufig genug, dass Ihr einen Gegner in einer nur halb vollführten Drehung einsammelt.
Andere Power-Ups gibt es nicht und vermissen tut man auch nur eines: ein Speed-Up. Die Masse an Material, das Ihr mitschleppt, bremst Euch zwar nicht, aber schon vom Start weg könnte sich das Schiffchen ruhig etwas schnell bewegen. Dafür könnt Ihr bei Bedarf und zugunsten mehr Übersicht den ganzen angepappten Krams wegblenden und so besser durch enge Passagen manövrieren.
Diese 15 Stages – plus vier freischaltbare, wirklich lohnende Minigames – sind die halbe Wahrheit von Blast Works, die andere Seite ist der mächtige und relativ intuitive Editor, der Euch erlaubt, eigene Schiffe, Feinde und ganze Level auf simple Weise aus einfachen Grundformen zusammenzusetzen. Kleinigkeiten lassen sich etwas lieblos, aber trotzdem funktional in Minuten basteln, mit Hingabe und etwas mehr Zeit gestattet Euch Blast Works, ohne Vorkenntnisse veritable Shoot´em´Ups schaffen. Was immer Ihr damit erschafft, lässt sich nicht nur speichern, sondern auch, und trotz Abneigung der Wii gegen Online, sehr einfach mit der Welt teilen.
Geht auf die Seite des Blast Works Depots (blastworksdepot.com)und richtet Euch einen Account ein, in dem Ihr die Serien-Nummer der Wii hinterlegt. Jetzt stöbert Ihr Euch auf der Site durch alles, was andere Leute schon verbrochen und gemeistert haben, klickt zusammen, was Ihr wollt, geht dann auf der Wii online und ladet einfach den ganzen Schwung bequem in einem Rutsch runter. So einfach könnt Ihr Mario- und Sonic-Stages spielen, ein paar interessante Schiffsdesigns in eigene Kreationen einbauen oder einfach nur den Blödsinn fremder Baumeister zusammensammeln.
Blast Works: Build, Trade, Destroy lässt sich am einfachsten als LittleBigPlanet des Shoot´em´Ups beschreiben. Das eigentliche Spiel steht gleichwertig zu dem leistungsfähigen Editor und der Masse an Dingen, die Ihr und die Community damit fabriziert. Spielt Ihr einfach nur die gelungenen, aber eher kurzen Levels für sich, entgeht Euch viel des Spaßes, den dieses ungewöhnliche Spiel machen kann. Am Ende steht und fällt es mit Eurer Bereitschaft zum Mitmachen. Aber wenn Ihr schon immer Euer eigenes Ballergame basteln wolltet, dann findet Ihr hier genau das Richtige und bekommt noch ein schickes fertiges als Bonus obenauf.
Das größte Problem dieses Wii-typischen Sport-Mini-Spiel-Sammelsurium dürfte der bevorstehende Release von Nintendos Sports Ressort und vor allem Wii Motion Plus sein. Wer will jetzt noch eine Sammlung von zehn wild gewürfelten Sportarten, wenn im Sommer die neue Erfahrung von Präzision und Spielspaß lockt? Na gut, sagen wir mal nicht gleich nein und gucken, mit was Hudson hier an die Startlinie geht.
Die Konstellation der verschiedenen Disziplinen scheint einem sehr wilden Brainstorming nach Mitternacht zu entspringen. Alle rufen durcheinander, was ihnen so einfällt, und die ersten zehn Vorschläge kommen ins Spiel. Auf diese Wiese finden auch ungleiche wie Eishockey, Kendo, Skilauf, Motorradrennen, Tennis und Boule zueinander. Dazu kommen noch Absonderlichkeiten wie Formationsschwimmen und Völkerball, und schnell zeigt sich, dass dies alles nur neue Kleider für alte Bettelleute sind. In Teil eins hieß das Motorrad Kart, das Dartwerfen noch Bogenschießen und die Neuen kämpfen mit den gleichen Problemen wie die Alten. Um genau zu sein, mit Chuck und Mote.
Wieder einmal wird verzögert, überreagiert, gar nicht erkannt, falsch erkannt und wieder zeigt sich, dass Motion Plus bitte endlich erscheinen muss. So aber kämpft Ihr auf verlorenem Posten gegen die Computerkonkurrenz, gebt nach einer qualvollen Stunde auf und holt das Game erst wieder vor, sobald vier Spieler vor der Wii versammelt wurden.
Und dann zeigt sich, dass Sports Island 2 kein Totalausfall ist. Besonders Tennis läuft zur Hochform auf, das Rennen und Eishockey machen Laune, Boule erstaunlicherweise sogar noch mehr und Synchronschwimmen und leider auch Kendo bleiben Müll. Vor Kendo muss ich Euch übrigens extra warnen, weil man hier eine coole Umsetzung des Schwertsports erwarten könnte. Stattdessen findet Ihr nur sinnloses Tastendrücken und Motereißen.
Mit mehreren Spielern gibt es auf der Wii schlimmere Erlebnisse als ein Abend mit Sports Island 2. Klar, aufgewärmt bleibt immer fade und Besitzer des ersten Teils sparen Ihr Geld genau wie einsame Spieler. Wunder dürft Ihr aber auch in der fröhlichen Gruppe nicht erwarten. Es bleibt eine optisch mäßige, steuerungstechnisch und bei den Disziplinen qualitativ durchwachsene Sammlung. Man wäre bei Hudson vielleicht besser damit gefahren, sich auf drei oder vier Sportarten zu konzentrieren und es dann richtig zu machen.
Mit mildem Desinteresse startete ich Marbles! Balance Challenge. Na toll, Marble Madness mit Kippeln der Unterlage. Gab´s das nicht schon mal für die Wii? Noch dazu quasselt mich eine hässliche Ameise darüber voll, dass ich ihre Kolonie retten soll. Zum Glück lässt sich dieser Blödsinn wegdrücken. Und warum spiele ich immer noch? Ist es wirklich schon halb drei? Ich spiele schon seit sechs Stunden? Kein Wunder, dass mein Handgelenk knirscht…
Eure Aufgabe, unabhängig, davon, was die Ameise erzählt, besteht auf 200 Murmelbahn-Konstruktionen darin, durch Kippen der Bahn eine Kugel vom Start über Checkpunkte und einzusammelnde Kristalle hinweg zum Ziel zu führen. Klingt simpel genug und genau das ist es für die ersten 20 oder 30 Level auch. Danach steigt die Anzahl der potentiellen Tode durch Schiebeplattformen, Ventilatoren, die Euch in den Abgrund pusten oder einfach tückische Fallhöhen drastisch. Verschieden beschaffenen Untergründen wirkt Ihr durch unterschiedliche Murmeln mit speziellen Eigenschaften entgegen und einige davon erlauben krude Szenen. Das Leben eines zu kugelform aufgepusteten Pinguins unter dem der Hitze eines Brennglases mit einem flammenden Zischen zu beenden, hatten wir noch nicht so oft.
Die Steuerung bietet ein echtes Highlight für Masochisten, was nicht einmal so zu verstehen ist, dass es schlecht wäre. Es ist mit dem Balance-Board einfach nur anstrengend, wirklich präzise sein eigenes Gewicht ständig zu korrigieren, und so richtig klappt das erst, nachdem Ihr die Yoga-Lessons aus WiiFit beendet habt. Normale Menschen halten sich an die Mote, was ausgesprochen akkurat funktioniert. Da die Kugel alles andere als übersensibel reagiert, könnt Ihr selbst kleine Bewegungen gut und auf den Punkt umsetzen.
Zwei Schwierigkeitsgrade und eine Masse an Freischaltkram sorgen für Langzeitmotivation und selbst der Mehrspielermodus, in dem Ihr auf gesplittetem Screen gegeneinander um die Wette zum Ziel manövriert, beschert Euch ein paar heitere Stunden. Sogar ein Leveleditor wurde nicht vergessen, der zwar lange nicht so intuitiv funktioniert wie es der bei Blast Works tat, aber ambitionierten Bastlern genug Möglichkeiten gibt. Getauscht wird allerdings nur mit Freunden. Eine ähnlich ambitionierte Einbindung per Website wie eben bei Blast Works gibt es hier nicht.
Marbles! Balance Challenge gehört zur raren Gruppe der kleinen Spiele und Ideen, die trotzdem für einige lange Nächte gut sind. Ich sehe mich nicht in einigen Jahren darüber philosophieren, wie früher alles besser war, als wir noch Spiele wie Marbles! hatten. Das hält mich heute aber nicht davon ab, immer noch eine Runde zu versuchen, mich in die härteren Stages zu verbeißen und die Jagd nach Highscores aufzunehmen. Und ein paar Pinguine abzufackeln.
Alle drei Spiele sind ab sofort und nur für Wii zu haben. Blast Works kostet ungefähr 40 Euro, Marbles! und Sports Island 2 schlagen mit etwa 30 Euro zu Buche.
Bei XBlaster ist die Welt, wie wir sie kennen, Vergangen- heit. Als Mechpilot kämpfst Du zur Belustigung der Menge und monatlich 10.000 € zum Spiel...
Blast Works: Build, Trade & Destroy im Test.
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