Gesamtwertung5/10 |
Dass die Sommerzeit angebrochen ist, merken Videospieler nicht nur an den steigenden Temperaturen und der (blöden) Sonne, die einem das Zocken vermiest, sondern auch an eine Ansammlung potenzieller Blockbuster-Titel im Kino. Dem Trend der letzten Jahre folgend, werden immer mehr dieser Movies "versoftet" und als Spiele veröffentlicht. Oft passt sich das Niveau der Games dabei locker der Hollywood-Massenware an und ist schneller vergessen (oder durchgespielt) als das Popcorn reicht.
Shrek, der grüne Oger, bildete zumindest im Kino bisher eine Ausnahme von dieser Regel. Shrek der Dritte kommt aber sowohl auf der Leinwand wie auch auf dem heimischen Bildschirm über das belanglose Mittelmaß nicht hinaus, wie uns die inhaltlich praktisch identischen Xbox 360- und Wii-Versionen schmerzlich zeigten.
Ein Blick in das Handbuch von Shrek der Dritte lässt bereits erahnen, wie dünn das Gameplay dieser Melange aus Action und Haudrauf und Plattform und Rätsel tatsächlich ist. Ganze drei Seiten genügen, um Steuerung, Ablauf und Inhalt des Spiels zu beschreiben, aber möglicherweise dient das ja dem Schutz der Regenwälder oder so. Wie auch immer - die dritte Episode um Shrek und seine skurrilen Freunde - den gestiefelten Kater und den sprechenden Esel - bewegt sich nahe an der Handlung des Filmvorbilds, dichtet jedoch immer wieder einige neue Sequenzen hinzu, damit das Spiel nicht so arg kurz wird. Letztendlich bekommt man den Abspann aber trotzdem schon nach vier bis sechs Stunden zu sehen; je nachdem, ob man alle Nebenmissionen erledigt oder nicht.
Das Gameplay stellt Euch dabei nicht vor allzu hohe Anforderungen und ist erst recht nicht anspruchsvoll. Vielmehr richtet es sich, wie schon seine seichten Vorgänger, eindeutig an eher kindliche Spieler. Vom Witz und Esprit der beiden ersten Filme ist zwar im Dritten auch nicht allzu viel übrig geblieben, beim Videospiel ist davon aber von wenigen Ausnahmen abgesehen leider noch weniger zu spüren. Die Kleinen sollen ja schließlich nicht mit Witzen für Erwachsene überfordert werden.
Im Verlauf des Spiels rennt Ihr also durch absolut linear aufgebaute Levels, in denen sich Euch verschiedene, unglücksselige Bösewichter in den Weg stellen. Je nachdem, welchen der Charaktere Ihr gerade steuert, führt Ihr leicht abgeänderte Angriffe und Endmoves aus. Große Unterschiede im Handling der Figuren, zwischen den Ihr übrigens nicht selbsttätig umschalten könnt, gibt es grundsätzlich aber nicht. Ob Oger, Kater, Esel oder Prinzessin - alle verfügen über zwei ähnliche Nahkampfangriffe sowie Spezialmoves und hüpfen mehr oder weniger gut über oder auf Hindernisse und Plattformen.
Aufgrund dieses geringen Unterschieds würde es wohl auch kaum auffallen, wenn man bis zum Ende des Spiels mit ein und derselben Figur spielte.
So kloppt Ihr Euch durch eine recht nett anzusehende Comic-Kulisse, die aber keinesfalls die Fähigkeiten der Xbox 360 auszuloten vermag. Im Vergleich zum kürzlich erschienenen Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt wirkt die Optik eher schwach und es fehlen sogar bei vielen wichtigen Objekten die Schatten (was sich auch negativ auf das Gameplay auswirkt).
Das merkt man auch nicht zuletzt daran, dass man bei der Wii-Fassung grafisch nur wenig Abstriche machen muss. Doch zurück zum Spielgeschehen. Eure Aufgabe besteht meist darin, die Fieslinge auszuschalten und Hindernisse zu überwinden, gleichzeitig sammelt Ihr als Belohung Feenstaub ein. Dieser wird für Spezialangriffe benötigt, mit denen Ihr gleich eine ganze Horde von Unholden umhaut oder mit Shrek sogar eine Art Zeitlupenfunktion einsetzt. Letztendlich artet das Geschehen meist in Buttonmashing aus, weil es einfach am effektivsten ist.
Das Einzige, was Euch davon abhält, einfach durch die Level zu rennen und einem schnellen Ende entgegenzustreben, sind eigentlich die Nebenmissionen. Dabei handelt es sich um simple Sammelaufgaben, bei denen Ihr Euer Konto mit zusätzlichen Goldmünzen füllt.
Mal sucht Ihr Sporttrophäen in der Akademie, treibt Sammeltassen auf oder erbeutet Kronen. Alles, was Ihr dafür tun müsst, ist so ziemlich jeden Winkel der Level abzuklappern und die "Dingsdas" (zum Beispiel Kisten) sowie andere zerstörbare Objekte zu Kleinholz zu verarbeiten: Nicht weiter aufregend. Schafft Ihr es, alle Haupt- und Nebenmissionen erfolgreich abzuschließen, klimpert am Ende eines Levels umso mehr Gold in die Kasse und Ihr dürft die erbeutete Kohle für neue Kleidersets oder Maps investieren. Das Übliche eben.
Den spannendsten Inhalt bekommt Ihr eigentlich in den Zwischensequenzen geboten, wo ein an die Augsburger Puppenkiste erinnerndes, animiertes Puppentheater die Geschichte weitererzählt, was im Vergleich zum Spielablauf regelrecht amüsant daherkommt. Doch die öde Spiele-Wirlichkeit hat Euch im Handumdrehen wieder eingeholt, wenn die nächste der insgesamt 20 Missionen beginnt und Ihr mit der hakeligen und unpräzisen Steuerung kämpft oder Euch von der starren Kameraperspektive ins Bockshorn jagen lasst. Sie hat nämlich zur Folge, dass Ihr oft genug Feinde bekämpft, die Ihr nicht seht oder auf Plattformen springt (oder es zumindest versucht), die sich außerhalb des Sichtfeldes befinden. Erschwerend kommt noch der bereits erwähnte fehlende Schattenwurf hinzu, der das Abschätzen von Plattformpositionen erheblich erschwert.
Wer auf eine 1:1-Umsetzung Wert legt, wird übrigens davon enttäuscht sein, dass die Originalsynchronstimmen nicht im Spiel vorkommen, auch wenn die Ersatzsprecher einen akzeptablen Job verrichten. Mehrspieler-Fans dürfen sich obendrein bei einer Hand voll leidlich vergnüglicher Minispiele mit einem Freund austoben. Lange können diese simplen Spielchen aber nicht motivieren.
Wie eingangs schon erwähnt, ist die Wii-Fassung mit der 360-Version inhaltlich praktisch identisch, was sich vor allem auf das Leveldesign, Spielablauf und Gameplay bezieht. Unterschiede bestehen natürlich in erster Linie bei der Steuerung, die Ihr bei der Nintendo-Konsole mit – wer hätte es geahnt - Wiimote und Nunchuk ausführt. Während Ihr Standard-Angriffe mit Schütteln der Wii-Fernbedienung beziehungsweise des Nunchuk auslöst, landet Ihr Spezialattacken per Knopfdruck. Das artet zwar auf Dauer im Controller-Gefuchtel aus, funktioniert davon abgesehen aber recht solide.
Allerdings hätte die Buttonbelegung etwas ergonomischer ausfallen können. Unverständlich ist beispielsweise, weshalb unbedingt die C-Taste dazu auserkoren wurde, für das Beseitigen oder Öffnen von Objekten zuständig zu sein. Gerade mit dem linken Zeigefinger dürften in dieser Position die meisten nicht allzu schnell auf den Button hämmern können.
Wie schon die 360-Fassung krankt auch die Wii-Ausgabe von Shrek der Dritte unter der festen Kameraposition, die für den einen oder anderen "Unfall" sorgt. Interessant ist jedoch, dass Shrek optisch auf der Wii eine vergleichsweise gute Figur macht und nicht weit von der "Next-Gen"-Fassung entfernt ist.
Ich schreibs ja nicht gerne, aber Shrek der Dritte reiht sich leider wieder in die schon lange Liste der halbgaren, mittelmäßigen und im Endeffekt langweiligen Filmumsetzungen ein. Hier und da kann dem Spiel ein wenig Esprit nicht abgesprochen werden, das Gameplay ist solide, aber insgesamt "ershrekend" uninspiriert, humorlos und bietet kaum Herausforderungen. Noch dazu liegt in der Kürze die Würze, lässt jedoch den dafür nötigen Pepp absolut vermissen und so kann das Spiel weder als 360- noch Wii-Version überzeugen, die inhaltlich identisch sind.
Wenn man den Action-Plattformer unbedingt zocken oder seinen Kindern schenken möchte, hängt es von der favorisierten Steuerungsmethode ab, für welche Fassung man sich entscheidet. Spieltechnische Wunder oder einen witzigen Überflieger solltet Ihr aber in keinem der beiden Fälle erwarten.
Shrek der Dritte ist im Handel erhältlich für DS, GBA, PC, PS2, PSP, Wii und Xbox 360.