Gesamtwertung8/10 |
Eine Test-Extrawurst für den Online-Modus eines längst erschienenen Spieles? Warum das? Nun, einerseits standen uns zum Testzeitpunkt vor Release noch nicht ausreichend regelmäßige Opfer zur Verfügung. Andererseits lässt sich die Performance und die Stabilität eines Online-Games, das noch nicht annähernd unter Volllast laufen muss, selten zuverlässig beurteilen. Hier ist er also, unser gereifter Senf zu Konamis „Metal Gear Online-Starterpack“.
Moment, Starterpack? Das ist natürlich nicht der offizielle Titel des Spiels, dennoch wird MGO von Konami so gesehen. Für die Zukunft sind nämlich kostenpflichtige Zusatzinhalte geplant, die die Spielerfahrung Stück für Stück an Mehrwert bereichern sollen. Wer nicht gedenkt, auch nur einen Heller zu blechen, kommt natürlich trotzdem in den vollen Genuss aller sieben Spielmodi, verteilt über 5 Maps, die mehr oder minder direkt an MGS 4 (die unterkühlte Grozny Grad-Map sogar an Teil 3) angelehnt sind.
Zunächst einmal fällt auf, dass es ziemlich umständlich ist, überhaupt seinen ersten Fuß in die Tür zur fetzigen Netz-Schleicherei zu bekommen. In Ermangelung eines unifizierten PS3-Online-Dienstes war Konami gezwungen, sich selbst eine Infrastruktur für das Spiel zu überlegen.
Das ist zwar eine einmalige Angelegenheit, sorgte aber schon für den ein oder anderen sehnlichen Blick zur Xbox 360 hinüber. Ich startete nämlich das Spiel, wählte im Hauptmenü Metal Gear Online und bekam nach einer kurzen Ladepause die Nachricht, dass Updates benötigt würden. Also zurück ins Hauptmenü der Konsole, Firmware gesaugt, installiert, Spiel neu gestartet.
Nachdem ich wieder bei MGO angelangt war, musste ich erneut ein Update ziehen, diesmal für das Spiel. Auch dieses musste nach dem Download zunächst noch installiert werden. Als ich dann drauf und dran war, meine erste Partie zu beginnen, wurde ich aufgefordert, eine Konami-ID und eine Game-ID anzulegen. Dieser Vorgang erforderte ebenfalls eine Engelsgeduld: Bis ich herausgefunden hatte, dass die IDs keinesfalls identisch sein dürfen, sorgfältigst die Passwortvorgaben befolgt hatte und einen noch nicht vergebenen Screen-Namen aus Kojimas Spiele-Pantheon entschieden hatte, vergingen nahezu 35 Minuten.
Als nächstes musste ich einen Avatar erstellen, der mich im Spiel würdig vertreten sollte: Die Auswahl an blassen Schreibtischsklaven-Polygonmodellen mit Rundrücken und Augenringen hielt sich aber leider in Grenzen. Also bin ich nun ein quadratkinniger Katzenbaby-Frühstücker im dezenten salbeifarbenen Kampfdress. So macht man in jedem Krieg eine gute Figur. Sogar die Stimme samt Tonhöhe darf man wählen. Weitere Charakter-Slots, so klärte mich das Spiel auf, kann man im MGO-Shop gegen Bares freischalten. Allerdings ist es durchaus möglich, seinen Online-Vertreter zu löschen. Warum dies erst nach einem Zeitlimit von einer Woche möglich ist? Woher soll ich das wissen?
Was an der Erstellung des virtuellen Kriegers unglaublich positiv auffällt, ist die Möglichkeit, seinem Alter Ego ein Vierer-Set mit verschiedenen Fähigkeiten zu verleihen (das geht allerdings auch später noch). So lassen sich verschiedene Sons of the Patriots-Verbesserungen (SOP) nutzen, die etwa einen gelinkten Teamkameraden selbst auf große Entfernungen noch durch Wände durchscheinen lassen, oder über die Position des Gegner informieren. Doch auch besseres Handling der Waffen (einschließlich gedämpften Rückstoßes und verringerter Nachladedauer) sowie wirkungsvollere CQC-Techniken bietet der Katalog.
Jede dieser Zusatzeigenschaften startet auf Stufe eins und kann durch gute Leistungen bis auf Stufe drei in Ihrer Effizienz gesteigert werden. Da jegliche Spielfigur nur vier Skill-Punkte hat, um die höheren Stufen zu aktivieren, ist auch hier sehr viel Fingerspitzengefühl und Abwägen vonnöten. Dieses System gibt dem geneigten Tüftler sehr viel Raum, die eigene Taktik zu optimieren. Ein gut eingespieltes Team kann seine Fähigkeiten-Sets aufeinander abstimmen und fortan unglaublich amtlich „pwnen“. Wann immer dedizierte Profis allerdings über die Spieltiefe frohlocken, schlagen Gelegenheitsfragger berechtigterweise die Hände über dem von Headshots durchlöcherten Helm zusammen. Keine Frage: MGO begünstigt gute Spieler in einer Art und Weise, der kein Noob etwas entgegenzusetzen hat.
Wer einsteigen will, sollte das also am besten jetzt tun und nicht erst, wenn das Spiel als Platinum-Version zu haben ist und seine auf die Hardcore-Fraktion reduzierte Community jeden Neuankömmling erst einmal kräftig übers Knie legt. Glücklicherweise stellt einem Metal Gear Online auch zwei Anfänger-Lobbys zu Verfügung, in denen auch Tutorials angeboten werden. „Echte“ Kampferfahrung ersetzen diese aber nicht. Diese Spieltiefe spricht allerdings eher für die Qualität von MGO als dagegen. Ich zum Beispiel habe meine Counter-Strike-Karriere ja auch beendet, bevor sie überhaupt begonnen hat. Ich würde allerdings nie auf die Idee kommen, das dem Spiel anzukreiden.
MGO-unbeleckten Spielern wird die Spielmodi-Auswahl allerdings etwas befremdlich vorkommen: Das Meiste kennt man nämlich schon. Ob Deathmatch, Team-Deathmatch, einfaches und doppeltes Capture the Flag oder Battlefield-artige Baseneroberungen heißen hier überwiegend zwar anders als in einem Shooter von der Stange, spielen sich im Grunde aber genauso. Am nahesten an dem, was man sich vor ein paar Jahren noch unter einem Online-Metal Gear Solid vorgestellt hätte, sind die Schleicheinsätze, die in zwei Variationen vorliegen.
Hierbei steuert ein Spieler (mehrere in der zweiten Variante) Snake, der sich samt voll funktionstüchtigem Chamäleon-Anzug zwischen zwei Fronten wiederfindet. Hier gilt es, eine gewisse Anzahl an Dogtags an sich zu bringen, indem er deren Besitzer das Licht ausknipst – wie auch immer. Die Teams Rot und Blau haben hingegen nichts anderes zu tun, als Snake sein Camo-Fell über die Ohren zu ziehen. Dieser Modus ist mit Abstand das Spannendste, was mir in letzter Zeit an Online-Action untergekommen ist.
Es ist einfach klasse, sich von hinten an einen nichts ahnenden Gegner heranzupirschen und ihm in der universellen Sprache des CQC zu verstehen zu geben, was man von ihm hält. Zur Verteidigung der restlichen Modi sollte man aber sagen, dass die Täuschungs- und Gadgeterie-verliebte MGS-Engine auch ihnen ein neues Flair verleiht. Und das liegt nicht nur daran, dass sich mit Drebin-Punkten ganz wie im Solo-Spiel auch hier die Waffen verbessern lassen. Erst gestern passiert: Mein Charakter stolpert an einer Hausecke über einen Playboy, missachtet meine Eingaben und hockt sich erst einmal hin. Vermutlich, um nach der Witzseite zu suchen. Da öffnet sich der Müllcontainer daneben und der Besitzer des Heftchens eröffnet das Feuer auf meinen wehrlosen Avatar. Viel witziger aber war, dass hinter dem Abfallbehälter ein weiter Gegner diese Falle schon antizipiert hatte und dem Porno-Onkel seinerseits einen kurzen, aber heißen Blei-Einlauf verpasste.
Solche Situationen entstehen oft in MGO. Und da kann ich dem Spiel auch verzeihen, dass es der erste Multiplayer-Shooter ist, in welchem man zum Abfeuern seiner Waffe bis zu drei (mindestens aber zwei) Tasten betätigen muss, dass man nicht immer springen kann oder nicht sofort sieht, welches Hindernis mit einer Rolle überwunden werden kann. Es ist einfach erfrischend, sich in einer Reihe Kartons ebenfalls in Pappe zu hüllen und einem Gegner so in den Rücken zu fallen, ihn zunächst per CQC zu Boden zu werfen und anschließend den Rest zu geben. Fragt sich nur, wie lange noch? Das wird wohl die Zeit zeigen.
Zur Stabilität der Shootouts auf den übersichtlich und doch irgendwie verwinkelt gehaltenen Maps, mit ihren zahlreichen Verstecken und Camping-Spots, lässt sich allerdings nicht nur Gutes berichten. In den bis zu 16 Spieler umfassenden Matches kommt es noch regelmäßig zu Disconnects und die Spielvermittlung kann je nach Lobby schon mal die ein oder andere Minute in Anspruch nehmen. Dafür laufen die Schlachten bislang angenehm lagfrei.
MGO ist meiner Ansicht nach also durchaus die Zeit wert, die man darin investieren muss. Die Schleicheinsätze sind zwar zweifelsohne der alles überstrahlende Glanzpunkt und die technischen wie spielerischen Hürden mögen zu Anfang recht hoch sein, doch das angenehm schräge MGS-Gameplay steht den Online-Konfrontationen überraschend gut zu Gesicht und verfügt zusammen mit den aufrüstbaren Spezialfähigkeiten über genügend Identität, um eine kleine, aber langlebige Verehrergemeinde um sich zu scharen – vielleicht gehört ja auch Ihr bald dazu?
Also: Kommt rein, so lange es noch Spaß macht!
Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots im Test.
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