Gesamtwertung7/10 |
Vor gut 26 Jahren hatten Mario und Donkey Kong ihren ersten Auftritt in einem Videospiel - gemeinsam sogar, auch wenn der dicke Klempner damals noch Jumpman hieß. Das Spiel selbst hörte auf den Namen Donkey Kong, schließlich war dieser riesige Affe, der eine ganz unschuldige Prinzessin entführt hatte, die bestimmende Figur. Nicht dieser kleine, langweilige Mensch.
Dennoch hätten die Wege der beiden Charaktere kaum unterschiedlich verlaufen können: Mario, der strahlende Held, dessen Titel bis auf ganz wenige Ausnahmen sowohl kommerzielle als auch Kritikererfolge sind. Und Donkey Kong auf der anderen Seite ist inzwischen beinahe zur Randfigur verkommen, der mehr in Marios Sportspielen als mit eigenen Titeln auffällt. Seinen letzten echten Hit hatte er irgendwann zu SNES-Zeiten.
Auch Donkey Kong: Jungle Climber, soviel sei vorweg genommen, kann diesen Trend nicht brechen, aber es bewegt sich zumindest in die richtige Richtung. Was der Vorgänger für den GBA (Donkey Kong: King of Swing) allerdings ebenfalls tat. Aber der Reihe nach.
Das neueste Abenteuer des einstigen Bösewichts ist eine Art Jump'n'Run. Mit dem Unterschied, dass Ihr hier wenig vom Boden aus springt, sondern Euch vielmehr in höhere Gefilde schwingt. Denn weil Donkey Kong nun einmal ein Affe ist, hangelt er sich lieber durch die Levels anstatt zu hüpfen. Das Schwingen geht ganz einfach: Er hält sich einfach mit einem Arm an bestimmten Punkten in der Umgebung fest und dreht sich dann so lange daran, bis Ihr Mitleid habt - und ihn zum nächsten Hangelpunkt fliegen lasst. Vereinfacht formuliert. Tatsächlich ist das Ganze natürlich ein wenig komplexer.
Der vielleicht deutlichste Unterschied zu herkömmlichen Jump'n'Runs besteht nämlich darin, dass Ihr die Hände des Protagonisten über die beiden Schultertasten des Nintendo DS einzeln steuert. Drückt Ihr die linke Taste, schließt sich die linke Hand, drückt Ihr die rechte, schließt sich die rechte. Logisch, aber anfangs sehr ungewohnt, müsst Ihr doch immer auf die genaue Position achten, an der sich Donkey Kong gerade befindet.
Greift Ihr einfach auf gut Glück zu, fasst Ihr schnell mal ins Leere und schießt an dem geplanten Ziel vorbei. Gleichzeitig ist diese Steuerung aber wesentlich präziser, als wenn sich Euer Held automatisch die Hand aussuchen würde, die er verwenden will. Außerdem könnt Ihr ebenso mit beiden Händen zugreifen, so dass er nicht mehr schwingt, sondern sich komplett festhält.
Notwendig ist das vor allem bei Angriffen, denn mal eben so auf einen Gegner springen, um ihn auszuschalten, das geht nicht bei Donkey Kong Jungle Climber. Stattdessen müsst Ihr eine spezielle Attacke ausführen, die Euch mit Schwung gegen einen Widersacher schleudert und ihn so aus dem Verkehr zieht. Aber auch nur, wenn der nicht zufällig ein kleines bisschen stachelig ist und Euch selbst ins Jenseits befördert. Denn ein ungewollter Feindkontakt bedeutet für unseren Helden das sofortige Aus.
Die Levels und der allgemeine Spielablauf erinnern daher eher an ein Geschicklichkeitsspiel, an einen Hindernisparcour, denn an ein klassisches Jump'n'Run. Ihr könnt selbstredend versuchen, jeden Kontrahenten aus Eurer Bahn zu schleudern, aber häufig ist es sinnvoller, ihnen aus dem Weg zu gehen. Vor allem, weil Ihr auf diese Weise viel von dem teilweise recht verwinkelten Levels seht, die allerlei Geheimnisse und Gegenstände zum Sammeln verbergen: Neben Bananen, mit denen Ihr Euch Extraleben holen könnt, warten unter anderem Ölfässer, Buchstaben und DK-Logos in der Spielwelt darauf, gefunden zu werden.
Besonders schön ist jedoch, dass Donkey Kong Jungle Climber trotz seiner sehr simpel klingenden Spielidee etliche Rätsel sowie eine Vielzahl an verschiedenen Aktionsmöglichkeiten enthält. Eine wichtige Rolle spielt dabei Diddy Kong, der in den serientypischen Fässern auf Onkel Donkey wartet und ihn gerne unterwegs begleitet. Mit Hilfe von Diddy könnt Ihr höher gelegene Ebenen erreichen, indem Ihr ihn nach oben schleudert. Ihn einen Hammer greifen lassen, den er wild schwingt und so massive Levelelemente zerstört. Mit ihm fliegen, indem Ihr wild mit breiten Blättern schlagt. Ihn mit Steinen werfen lassen. Außerdem beschert Euch Diddy gewissermaßen ein zweites Leben, da bei einer Gegnerberührung zunächst er das Zeitliche segnet.
Für Abwechslung sollen darüber hinaus einige Minispiele sorgen, bei denen Ihr über rollende Baumstämme springen, Bananen fangen oder möglichst schnell eine Wand hinaufklettern müsst. Aber: Das ist nicht genug Abwechslung. Denn so gut, so anders das Konzept des Spiels klingt, so schnell nutzt es sich auch ab. Die ersten zwei Welten macht es noch Spaß, den Affen nahezu komplett mit den beiden Schultertasten durch die Levels schwingen zu lassen, aber spätestens dann wünscht man sich etwas Neues, einen weiteren Einfall, der etwas Pepp reinbringt - und der bleibt aus. Noch dazu wirkt das Spiel teilweise sehr träge, weil sich Donkey Kong recht lahm um die eigene Achse dreht. Das ist aufgrund der vom Spieler verlangten Präzision zwar wahrscheinlich notwendig, aber so richtig flott fühlt es sich dadurch nie an.
Schlimmer ist möglicherweise noch, dass sich sämtliche Levels bedingt durch das Gameplay sehr ähnlich sehen. Egal, ob Ihr durch einen wilden Dschungel, mysteriöse Ruinen oder eine bunte Gemüsewelt klettert, überall bestimmen diese großen Punkte das Bild, an denen Ihr Euch fest halten könnt. Keine Frage, die sind notwendig, schließlich müsst Ihr wissen, wonach Ihr greifen wollt. Aber es sticht eben so stark ins Auge, dass die an sich gute Umgebungsgrafik dadurch vollkommen in den Hintergrund rückt. Anders als der GBA-Vorgänger verwendet Donkey Kong Jungle Climber übrigens wieder den einst von Rare eingeführten Renderstil, aber der kann seine ganze Klasse eben nicht ausspielen.
Und auch Donkey Kong selbst bleibt ein wenig hinter dem zurück, wofür sein Charakter eigentlich steht. Gut, böse ist er ja eigentlich schon lange nicht mehr, aber dann zumindest stark, ein Actionheld eben. Doch hier reicht eben bereits ein einziger Feindkontakt aus, um ihn ins Jenseits zu befördern.
Dafür bleibt die Story des Spiels immerhin den Vorgängern treu: King K. Rool und seine Kremlins haben mal wieder einige Gemeinheiten ausgeheckt und nur Donkey Kong kann ihn stoppen. Dabei geht es unter anderem um fünf Kristallbananen, die ein bananenförmiges Alien gerne hätte. Gehen wir lieber nicht weiter ins Detail und kommen zum Schluss.
Donkey Kong Jungle Climber ist kein schlechtes Spiel. Die zu Grunde liegende Idee ist im Prinzip gut und passend, denn was bietet sich mehr an, als den affigen Hauptcharakter schwingen statt springen zu lassen. Das Problem ist nur, dass ein komplettes Spiel, das ausschließlich auf dieser einen Idee basiert, nicht so gut funktioniert wie ein oder zwei Level vielleicht funktioniert hätten. Das aber fängt es ordentlich durch die intelligent designten Levels mit all den versteckten Sammelobjekten wieder auf. Kein Plattformer vom Kaliber eines New Super Mario Bros. also, aber durchaus einen näheren Blick wert.