Beowulf

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Ubisoft
Genre
Andere
X360: Die Legende von Beowulf

Gesamtwertung

3/10

X360: Die Legende von Beowulf

Heute haben wir für Euch mal wieder etwas Besonderes: Mit niemand geringerem als der Legende des Nordens, König der Dänen, Beowulf selbst werden wir uns über das Spiel zum Film zur Ballade unterhalten:

Eurogamer: Wie soll ich Eure Majestät anreden? Reicht König Beowulf oder bleiben wir formal?

Beowulf: Ich bin Beowulf, König der Dänen!“

Eurogamer: Gut, König der Dänen, was wird das Besondere an dem Spiel Beowulf sein?

Beowulf: Mein ist die Stärke, die Lust und die Macht! Ich bin Beowulf!

Eurogamer: Ok, aber was ist mit dem Spiel?

Beowulf: Ich bin die Zähne der Dunkelheit und die Klauen der Nacht! Ich bin Beowulf! BEOWULF!“

Eurogamer: Na gut. Bitte verzeiht die Störung, König Beowulf, wir ziehen uns langsam und ohne bedrohliche Gesten zurück...

Beowulf: Raahhh! BEOWULF!

Gut, das funktionierte also nicht, dann müssen wir Euch halt so erzählen, was mit Die Legende von Beowulf – Das Spiel auf Euch zukommt und was Ihr, oder noch wichtiger, was Ihr nicht für Euer Geld erhalten werdet.

Solltet Ihr ein Spiel erwarten, das sich nahe an das altenglische Epos hält, werdet Ihr enttäuscht werden. Der aktuell laufende Film fällt schon eher in die 'inspiriert von'-Kategorie und das Spiel setzt sich noch einmal vom Film ab. Grendels Mutter erhält eine größere Rolle als je zuvor und wird Beowulf in den 30 Jahren seiner Herrschaft zwischen Grendel und Drache beeinflussen. Aus diesem Ansatz könnte man etwas machen, hier werdet Ihr mehr als einmal schlicht ratlos angesichts des völlig inkohärent erzählten Plots sein.

Wilde Gesprächsfetzen wird man Euch an den Kopf werfen. Atemberaubende Zeitsprünge ohne jede Erklärung bringen Euch und Beowulf, der sowieso schon kaum intelligentere Sätze als die obigen von sich gibt, aus dem Konzept. Jeder noch so unwichtige Nebencharakter scheint mehr Durchblick als der König zu haben. Es mag als persönliche Ansicht zählen, wenn ich hier sage, dass die von den Programmieren angestrebte Episodenhandlung misslang. Vielleicht hatten sie ja etwas ganz anderes versucht, aber wenn es einem so schwer gemacht wird, überhaupt die Intention zu erkennen, ist dies selten ein gutes Zeichen.

Ihr werdet auf jeden Fall kein intelligentes Spiel erhalten. Es war eine raue Zeit damals im alten Dänemark und nicht ohne Grund lautet die allgemeine Bezeichnung für die Bevölkerung Barbaren. In allen Episoden geht es darum mit Beowulf und seinen Gefährten durch einen Teil Dänemarks zu marodieren und in bester God of War-Tradition alles niederzuhauen, was sich in den Weg stellt.

Der Grieche zeigte Euch, dass dies sehr unterhaltsam sein kann, jetzt wird Euch Beowulf beweisen, dass es auch anders geht. Ubisofts Mannen nahmen sich das Grundkonzept vor und ergänzten es mit ein paar sehr unschönen Gepflogenheiten. Fast jede Waffe in dem ganzen Spiel wird Euch nach wenigen Schlägen in der Hand zerfallen. Danach seid Ihr wieder auf die Fäuste Beowulfs angewiesen. Irgendwann werdet Ihr es einfach aufgeben und Beowulf als Prügelspiel betrachten.

Da der Dänenkönig gut austeilen kann, wäre das nicht einmal so wild, zumindest bei einem brauchbaren Animationsschema. Jeder langwierige Schlag wird von Eurer Figur hier aber bis zum bitteren Ende ausgeführt – während vier Skelettkrieger Euch munter in den Rücken fallen. Dank der verkorksten Kameraführung, die alles mögliche zeigt, nur halt nicht was wichtig ist, werdet Ihr regelmäßig in die Luft boxen. Ein Gefühl der ausgewogenen Fairness stellt sich sowieso selten ein, entweder es ist ein Spaziergang oder ein Höllentrip.

Letztere ließen sich theoretisch ganz gut durch Beowulfs dunkle Macht aushalten. Sobald der ständig vor sich hinbrüllende König sauer genug wird, wandelt er sich auf Wunsch zum Berserker. Feinde werden zu Dutzenden vor Euch fallen, während Ihr die Scharen wie Moses das rote Meer teilt. Einen kleinen Nachteil hat diese Macht natürlich: Beowulf unterscheidet nicht mehr zwischen Freund und Feind. Wenn der Bildschirm sich rot verfärbt, wird alles niedergemacht.

Na und? Ich bin Beowulf! Nicht ganz. Hier zeigt das Spiel, dass es leider auch keine brauchbare KI bieten kann. Sobald alle Eure Weggefährten in Odins Halle speisen, heißt es auch für Euch Game Over. Und dummerweise setzen sie alles daran, möglichst schnell nach Walhalla zu kommen. Während eines Kampfes haben sie die meiste Zeit nichts besseres zu tun, als sich möglichst weit zu verteilen und als leichte Beute anzubieten.

Zusätzlich zu all den anderen Problemchen des Kampfes – wie die eher mäßige Steuerung, dem Ansturm von selten weniger als vier Feinden und der minimalen Lebensenergie – müsst Ihr Euch auch noch um Eure bedrängten Schützlinge kümmern. Die simpelste Gruppensteuerung mit vier Befehlen, zwei davon für den Kampf, rettet nichts. Genauso wenig reißt die Heldenaura, die Beowulf verströmt, zur Unterstützung der Kameraden etwas. Und so heißt es häufig genug zum Berserker werden und das beste hoffen.

Auf diese Weise dürft Ihr dann auch wenigstens während der normalen Scharmützel den Quicktime-Events entgehen, die Euch Beowulf an jeder nur denkbaren Stelle aufzwingt. Ihr fandet es schon bei Kratos nervig, dass er für jede Kiste zehn Buttonklicks zum Öffnen brauchte? Macht Euch auf schlechte Nachrichten gefasst.

In Beowulf gibt es zwar keine Kisten, dafür aber wichtige Kampfmoves, die von Euch so etwas erwarten. Jeder Endgegner wartet mit drei solcher Spiele auf, ohne dass Ihr besonderes Geschick mit der normalen Steuerung beweisen müsstet. Und dann ist da noch das Singspiel. Immer wieder müsst Ihr Euren nutzlosen Trupp mit noch mehr Buttonfolgen anfeuern. Nach Beowulf werdet Ihr jedes Spiel zelebrieren, das auf Quicktime-Events verzichtet...

Und hegt Ihr zum Schluss noch die Hoffnung, dass das Spiel wenigstens so gut aussieht wie der Film: Pech gehabt. Mit Beowulf bekommt Ihr kein schönes Spiel, bestenfalls eines, was zum Launch der 360 noch mit seiner hohen Auflösung hätte prahlen können. Nur wenige Szenen und Licht- oder Wassereffekte erinnern daran, vor der weißen neuen und nicht der alten schwarzen Box zu sitzen. Den einzigen Trost spendet Euch der Original-Filmsoundtrack, welcher zwar auch nur Klischees bedient, das aber zumindest ganz ordentlich.

Einen optischen Effekt gibt es dann aber doch, der vielleicht den einen oder anderen von Euch ansprechen mag. Beowulf hält sich brav an die 'wenn Du sie nicht überzeugen kannst, dann schocke sie'-Regel. Spätestens im Berserkermodus zeigt das Spiel, das ihm die Jugendfreigabe nicht ohne Grund versagt wurde. Rot, rot, rot. Soweit das Auge reicht. Wer es mag, findet hier jede Menge davon. Macht das irgendetwas besser? Dass müsst Ihr selbst wissen.

Aber etwas außer Pixelblut müsst Ihr doch beim Kauf von Beowulf bekommen! Sicher. Eine Plastikbox mit einem zornigen Dänen auf dem Cover, die einen Raum von 266 Kubikzentimeter in Eurem Regal beanspruchen wird. Sie wird diesen Platz auch die meiste Zeit brauchen, denn nur selten werdet Ihr das Verlangen verspüren, den hässlichen und praktisch spaßfreien Trip mit Beowulf zu starten. Vielleicht ist die Zeit für einen Pin oder Stoßstangenaufkleber gekommen: 'Ich bin NICHT Beowulf!'

Wer möchte kann sich Beowulf ab sofort auf PS3, Xbox 360 oder PC antun. Wer gerne unterwegs leidet, greift zur PSP-Version. Wer schlau ist, kauft die Reclam-Ausgabe für 5 Euro.

 

 

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