Final Fantasy Crystal Chronicles: Ring of Fates

Review
Plattform
Nintendo DS
Vertrieb
Square Enix
Entwickler
Square Enix
Genre
Andere
DS: Final Fantasy Crystal Chronicles: Ring of Fates

Gesamtwertung

8/10

DS: Final Fantasy Crystal Chronicles: Ring of Fates

Wäre Final Fantasy Crystal Chronicles: Ring of Fates nur ein bisschen anspruchsvoller in seinem Gameplay, origineller in seinen Ideen, ich würde den Titel mit lachendem Herzen neben Zelda: Phantom Hourglass platzieren. Weil Square Enix jüngster DS-Auftritt nämlich etwas in sich birgt, was Zelda, nein, Nintendo, in keinem seiner Spiele jemals gelang. Egal wie fantastisch, überraschend oder düster sie auch waren.

Es hat mich berührt, zutiefst aufgewühlt. Mich sogar sprachlos gemacht. Nachdenklich.

Plötzlich ergaben viele Sachen einen Sinn, die ich vorher nur am Rande wahrgenommen hatte. Die ich für unwichtige Details in einem augenscheinlich auf eine jüngere Zielgruppe getrimmten Szenario hielt. Ein merkwürdiges Leuchten hier, ein an sich banaler Satz dort, gesprochen von einer reinen, kindlichen Stimme... Aber eigentlich sollte ich all das gar nicht schildern, habe vermutlich schon viel zu viel verraten. Denn es ist dieser kleine, magische Moment, den Ihr selbst entdecken, ihn erleben müsst.

Und wenn er Euch ereilt und das in Euch auslöst, was er in mir bewirkte, dreht er das komplette Spiel auf den Kopf. Er wird Euch verwirrt und erstaunt ob der Tiefe dieses unscheinbaren Moduls zurücklassen. Und er wirft gegenüber Square Enix die Frage auf, warum sie diesen Moment, einen der wenigen großen in der letzten Zeit, nicht mit einem angemessenen Spiel würdigten. Ein angemessenes Spiel duldet kein sehr unterhaltsam und gut gemacht, es verlangt nach einem herausragend.

Nur sind sehr unterhaltsam und gut gemacht eben die Empfindungen, die Euch über weite Strecken begleiten. Was natürlich nicht verkehrt ist. Final Fantasy Crystal Chronices: Ring of Fates beschert Euch Spaß, eine Menge Spaß. Um es beim Namen zu nennen: Unverfälschten, puren Dungeon Crawler-Spaß. Allerdings – und das ist leider der springende Punkt –, verzichtet es dabei größtenteils auf erquickliche Kreativität und den Einfallsreichtum eines Zelda: Phantom Hourglass.

Nehmt das Gameplay: Ihr trippelt in bewährter Crystal Chronicles-Manier mit den Zwillingen Chelinka und Yuri (stets als eine Person dargestellt, außer in den Ingame-Sequenzen) durch relativ umfangreiche Dungeon-Abschnitte und Außenlevel, öffnet Truhen, beackert die Tasten und lasst Schwerthiebe auf aufpoppende Eichhörnchen, Skelette, Bomber regnen. Ein Putzeviech segnet das Zeitliche, Ihr sammelt flugs sämtliches Gut ein, das zu Boden fällt. Geld, Rezepte, einige mal mehr und mal weniger kuriose Materialien. Mu-Schnauzen etwa. Oder Bronzesplitter und Seide, zur Herstellung Eurer ganz individuellen Ausrüstung später in der Stadt.

Falls nötig, hüpft Ihr auf Druckschalter, hievt eine Art Schlüsselstück in die dafür vorgesehene Einkerbung (öffnet verschlossene Türen) und wendet Zauberkugeln auf farblich passende Orbs oder Ständer an. So genannte Maginite. Zum Heilen, Wiederbeleben, um Feuerstöße, Eis- und Blitzattacken zu entfachen. Mehr Rätselvielfalt gibt es zunächst nicht. Selbst die Bossgegner, die am Ende jedes Levels warten, sind in den ersten zwei, drei Stunden ein Klacks. Kräftig auf das rote Kristallstück dreschen, das irgendwo am Körper verborgen liegt, aufpassen, dass die eigene Lebensenergie nicht gen Null sinkt und schon schmort das Böse wieder in der Hölle.

Nach und nach gesellen sich dann weitere Streiter zu Eurem Team und die Reise gewinnt an Fahrt. Alhanalem ist der Gelehrte vom Dienst und vollführt als Spezialfähigkeit die Kunst des Arkanen Stroms. Eine Technik, mit der Ihr unsichtbare Plattformen materialisiert, Kerzen entzündet und herum liegende Maginite aktiviert. Gnash vom Stamm der Selkie agiert aus dem Hintergrund mit Pfeil und Bogen, trifft weit entfernte Ziele und kann wesentlich höher springen. Und Meeth, das wohl drolligste Geschöpf der Truppe, entpuppt sich als nützliches Allround-Talent.

Im Gefecht schwingt sie eifrig eine Schöpfkelle, braut neue Maginite in ihrem Kessel – Minispiel ähnlich Cooking Mama - und schnappt sich selbigen auch für eher ungewöhnliche Zwecke. Die entsprechende Markierung auf dem Boden vorausgesetzt und dem Topf wachsen beispielsweise Engelsflügel, die Euch in luftige Höhen heben. Oder bilden einen Schutzschild, um die Truppe vor giftigen Dämpfen zu schützen.

Letzteres ist übrigens nur ein einziges Mal erforderlich. Also keine Sorge: Das ständige, dämliche Krugschleppen des Gamecube-Vertreters steht nicht auf dem Plan. Gott sei Dank, sage ich da nur...

Dafür spendiert man Euch im Gegenzug eine recht eigenwillige Steuerung. Gelungen? Ja, durchaus, sofern Ihr der Gattung Oktopus angehört. Ok, das klingt jetzt vielleicht ein wenig zu hart, jedoch gab es so manche Stelle, speziell im letzten Drittel des Spiels, an der ich mir gewünscht hätte, dass der Stylus seine redliche Verwendung findet. Beziehungsweise das hektische Treiben seiner Verwendung nicht einen gehörigen Strich durch die Rechnung macht. Statt also den Stick zu zücken und damit jedwede Handlung auszuüben, benutzt Ihr zu 99 Prozent Eure Finger.

Mit A schwingt Ihr die Waffen, mit B vollführt Ihr einen Hüpfer, gelangt auf höhere Plattformen oder hängt Euch an fliegende Gegner und traktiert sie von unten. Via Y hebt Ihr Felsblöcke, Krüge und Monster auf (letztere verlieren mehr Items, wenn Ihr sie gegen eine Wand schmettert) und durch X setzt Ihr aufgesammelte Maginite ein. Ein kleiner Ring erscheint um das Ziel und die Magie tut ihr Übriges.

Hinzu kommen die Schultertasten. Die linke kurz gedrückt, ruft jeglichen Recken an Eure Seite, der bis dato mit Euch durch das Abenteuer huscht. Nebenbei erwähnt mit die wichtigste Taste, da Ihr zum einen Eure Mannen auf einem Fleck formiert und Euch das Gruppenheilen leichter macht. Und die Anhängsel zum anderen gerne einmal dazu neigen, von allem zu fallen, was ihnen unter die Füße gerät. Plattformen, Stege, schlichtweg alles. Fast als würden sie davon angezogen. Nervige Angelegenheit und – wie ich betonen muss – einer der meiner wenigen ernsthaften Kritikpunkte. Nebst der einen Sache bei der Steuerung. Ergo zurück zum Thema.

Ebenso mit der linken Schultertaste möglich, ist das Arretieren von Maginit-Ringen. Ihr könnt folglich einen Maginit anwählen, anschließend seinen Zauberring feststellen und eine weitere Kugel ins Visier nehmen. In einer ähnlichen Art und Weise stapelt Ihr auch die Maginite-Ringe, die den Zauberspruch kräftigen respektive zu einem neuen kombinieren. Zwei Feuer-Maginite ergeben Feura, eine Mixtur aus Eis, Feuer und Blitz indes Gravitas. Funktioniert hervorragend im Mehrspielermodus, wenn jeder seinen eigenen Ring erstellt. Im Singleplayer ist hingegen viel Übung und sehr, sehr flinke Koordination gefragt.

Zu guter Letzt die Schultertaste rechts, die ich liebevoll 'Den Ursprung des Steuerung-Übels' nenne. Betätigt Ihr diese, wechselt Ihr in die Spezialfähigkeit des jeweiligen Protagonisten. Der Aktionsbildschirm rutscht in den unteren Bereich, das Inventar- und Charaktermenü gleitet nach oben und der Touchscreen erfährt an den Rändern eine verschwommene Sicht. Solange Ihr währenddessen nicht getroffen werdet, dürft Ihr die Widersacher mit Euren Kombos malträtieren, was das Zeug hält. Aber wehe, wenn...

Dann schnellt der Aktionsbildschirm sofort wieder nach oben, der andere nach unten. Und nun stellt Euch das Ganze mit dem Stylus vor. Rechte Schulter klicken, Stylus aufnehmen, Touchi-Touchi, Bild weg, Stylus hinlegen, rechte Schultertaste erneut klicken, Stylus wieder in die Hand und so weiter und so fort. Rat von mir an dieser Stelle: Lasst den Stick stecken und nehmt den linken Finger. Klappt wesentlich besser, schneller und vor allem ohne Frust.

So, genug gemosert, es wird Zeit, die richtig spaßigen Elemente hervorzuheben. Zum Beispiel das Gameplay ab der Mitte, sobald die vier Jungspunde gemeinsam auf die Jagd gehen. Ab diesem Augenblick wird der Spielverlauf nämlich abwechslungsreicher und Ihr fühlt Euch bisweilen wie die weibliche Figur aus A Ghost in the Shell, wenn sie die Tastatur bedient. Nun ja, nicht ganz so flott. Ihr wechselt stetig zwischen den vier Helden hin und her, benutzt mal diese Fähigkeit, mal jene. Oder auch das Zusammenspiel aus mehreren.

Erst ein Pfeilschuss hier, der einen Schalter umlegt. Danach im Topf durch ein Loch in der Wand kullern. Anschließend ist der Arkane Strom an der Reihe. Mitunter schleppt Ihr sogar einen Charakter zu einer Wand, klettert an ihm hoch und überwältigt eine, selbst für Gnash zu hohe Barriere. Die Rätsel bleiben unterdessen weiterhin ein relativ leichtes Unterfangen, mischen ab und an allerdings ein paar knifflige Passagen unter das Volk. Beispielsweise das Balancieren über ein Seil mit einem Schlüsselstück in den Händen. Kommt Ihr an die Stelle, wisst Ihr, was ich meine.

Ein weiterer Spaßfaktor ist, wie sollte es in einem Dungeon Crawler anders sein, selbstverständlich die Sammelsucht, die hier mit der Bastelei Eurer Ausstattung bei einem speziellen Händler einhergeht. Zumal jedes der über 300 Rüstungsstücke (Ausnahme die Waffen, die seht Ihr erst im Dungeon) gleich nach dem Anlegen optisch dargestellt wird und einem vornehmlich irrwitzigem Mode-Repertoire entstammt.

Etwa ein Froschkostüm, ein Piratenoutfit, die Ninjaverkleidung oder – im zweiten Durchgang – der Düstere Katze-Dress, der Ihr Euch auf einer drehenden Plattform in der Stadt in Nahansicht anschauen könnt. Netter Einfall: Das Gefertigte sieht immer anders aus, je nachdem, welcher Eurer Kämpfer die Herstellung in die Hand nimmt.

Außerdem erwähnenswert ist die wunderschöne Sprachausgabe in den Sequenzen, die Dialoge und der Humor. Manch einer mag sagen, dass Ring of Fates kindisch ist. Ja, hin und wieder ist das der Fall, nur eben nicht durchgängig. Ein „Ist ja toll, dass die Stadt nun wieder bevölkert ist, aber nun muss ich mir all die dummen Visagen geben. Kann nicht wenigstens ein schnuckeliger Kerl darunter sein?“ und „Ein Mann, der kein Geld verdient, ist kein richtiger Mann. Geld und Liebe gehören zusammen. Wer etwas anderes behauptet, ist ein romantischer Narr.“, sprechen sicherlich für sich selbst. Aber noch besser ist das, was die Moogle zum Besten geben, namentlich Stilzkin und seine Bande.

So sehr es auch gegen meine mir selbst auferlegte Regel verstößt, diese Stelle muss ich Euch einfach verraten. Achtung: Wer sich überraschen lassen will, überspringt jetzt bitte den nächsten Absatz.

Mitten im Dungeon trefft Ihr auf eben jene Truppe und wie es sich für waschechte Moogle gehört, benutzt jeder von ihnen einen besonderen Akzent, eine Redensart oder ähnliches. Bis auf einen, der Euch mit feinstem Hochdeutsch aufwartet. Die Aufregung ist groß, alle Moogle brabbeln hastig durcheinander und auf ihn ein und Mr. Hochdeutsch ändert sofort die Aussprache. In ein breites, italienisch angehauchtes „Du wolle Rüstunge kaufen?“ Herrliche Situationskomik, die, ich hab's soeben auch bemerkt, auf dem Papier irgendwie nicht wirkt. Egal.

Nächster und letzter Punkt. Der Mehrspielermodus, bei dem ich eine schlechte, eine neutrale und eine gute Nachricht für Euch parat halte. Zunächst die schlechte: Die Online-Funktionalität beschränkt sich traurigerweise auf den Austausch Eures verzierten und bemalten Mogu (das ist übrigens das 1 Prozent, das dem Stylus zufällt). Keine Demo, keine Minispielchen, kurzum, kein shareable Download.

Die neutrale: Hocken drei weitere Freunde im Raum und nennen das Spiel ihr Eigen, steht einer vergnüglichen Runde nichts im Wege. Gerüchte besagen zwar, dass die Framerate gewaltig in die Knie geht, wenn Ihr zusammen Eure Zauber wirkt oder zu viel Action angesagt ist. Das kann ich wiederum aus technischen Gründen nicht bestätigen. Wir hatten lediglich zwei Versionen und da lief es einwandfrei.

Und die gute: Es ist durchaus das Glanzstück von Ring of Fates, wohlgemerkt nach besagtem Moment, den ich eingangs erwähnte. Zwei Spielvarianten sind inbegriffen. Entweder metztelt Ihr Euch durch die Story-relevanten Abschnitte und grast mit den eigens erstellten Recken die Bossmonster ab – die Szenarien richten sich nach dem Spielerlevel, Zwischensequenzen und Co. entfallen.

Oder Ihr besucht den König von Rebena Te Ra und stürzt Euch in eine der unzähligen Missionen. Wie 'Katzen auf Tatzen' (schwarze und weiße Miezies fangen und in Gehege tragen), 'Krieg um Sterne' (Stern-Maginit umherschleppen und Punkte kassieren), 'Area 151' (Kühe an Hufen herunter ziehen, damit Ufos sie nicht entführen) und 'Rebena Te Rumble' (alle Monster eliminieren binnen Zeitlimit). In verschiedenen Schwierigkeitsgraden – nach einem erfolgreich absolvierten poppt der nächste auf – und in VS. und Team untergliedert. Ist gerade niemand Greifbares in der Nähe, könnt Ihr auch allein im Multiplayer zur Hatz schreiten und den Knuddelkameraden hochleveln. Beinahe schon ein kleines DS-MMO, halt nur ohne O.

Ich wünschte wirklich, Square Enix hätte sich die Möglichkeiten des DS besser zu Nutze gemacht. Sei es bei den Rätseln, dem regulären Gameplay, in punkto Anspruch und Originalität. Speziell auch deshalb, weil ihnen eine andere Sache so immens gut gelungen ist, dass es schlicht und ergreifend unverständlich, nahezu unverzeihlich wirkt, wieso da nicht mehr drin war. Aber: Mit all den kleinen und großen Mankos, die Final Fantasy Crystal Chronicles: Ring of Fates mit sich herumträgt, es ist immer noch ein sehr unterhaltsamer Titel. Ein zum größten Teil gut gemachtes, stimmiges Spiel. Keineswegs so spektakulär und überraschend, wie es hätte sein müssen, aber immerhin.

Und eines ist gewiss: Es wird Euch in Erinnerung bleiben.

Final Fantasy Crystal Chronicles: Ring of Fates ist im Handel erhältlich.

 

 

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