Initial D Extreme Stage

Review
Plattform
PS3
Vertrieb
Sega Of Japan
Entwickler
Sega Of Japan
PS3: J! - Initial D Extreme Stage

Gesamtwertung

6/10

PS3: J! - Initial D Extreme Stage

Spielautomaten sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Früher gab es einen Startknopf und das Game feuerte los. Dann kamen bei Rennspielen noch ein paar Optionen dazu. Strecke, Automatik oder Schaltung, wenn es dekadent wurde, auch noch Wetter. Das ist der Stand Ende der 90er, als bei uns die Arcade endgültig in die Obskurität und den Gelegenheitsautomaten auf dem Rummel abtauchte. Nun, Japan tickt ganz anders, dort blüht und gedeiht die Arcade-Szene und bringt Blüten wie zum Beispiel Initial D Stage 4 von SEGA hervor.

Im Extrem arbeitet man halt mit allem, was man hat, und dazu gehört es auch, ein Auto aufzubocken, alle Spielkontrollen auf Lenkrad, Pedale und Hupe zu verteilen und dann natürlich noch eine Leinwand vor die Windschutzscheibe zu installieren. Ok, das IST der Extremfall, aber auch der normale Arcade-Autoamt (arcade-game-sales.com)mit einem vergleichsweise bescheidenen Komfort-Renn-Sessel bietet das Feature, Spielstände auf Speicherkarten zu schreiben, die dann sogar der gerade frisch aufgestellte Nachfolger lesen kann.

Mit diesem Feature beseitigt SEGA ein großes Problem seiner nicht zu Unrecht hochgeschätzten früheren Arcade-Umsetzungen bereits an der Quelle. Reichten bei SEGA Rally und Co. drei Strecken plus vier Autos völlig aus, erwartet der Spieler bei Initial D Stage 4 von vornherein mehr, schließlich will er ja eine ganze Spielerkarriere, Ranglistenpunkte und viele schöne Dinge mehr auf seiner Speicherkarte mit sich herumtragen. Und so braucht die Umsetzung auf die PS3 auch gar nicht mehr groß bei den Features aufzustocken. Initial D Extreme Stage ist im Grunde kaum etwas anderes als der Spielautomat Initial D Stage 4.

Sollte Euch das ganze Gerede von Initial D bisher überhaupt nichts sagen, geht es Euch nicht anders als mir und zeigt, dass wir einfach nicht ganz japanische Otakus sind. Diese könnten wahrscheinlich sofort alle Einzelepisoden der wohl recht erfolgreichen Manga/Animeserie Initial D herunterbeten, in denen ein kleiner Ramen-Auslieferer zum heißesten Fahrer auf japanischen Berg-Landstraßen aufsteigt. Was ihm offensichtlich jede Menge Probleme mit Männern, Frauen, Eltern und Haustieren bringt. Ich stieg nicht tief genug in das Drumherum ein, kann aber nach ersten Eindrücken sagen, dass entsprechend Versierte hier optisch meist sehr Gewöhnliches mit ziemlich tief gelegter Handlung finden.

Inhaltlich spinnt der PS3–Ableger genau diesen Plot. Ihr seid ein Nobody auf Nippons Pisten und arbeitet Euch einen Fahrer nach dem anderen – insgesamt etwa 30 – durch sieben haarnadelige Bergpisten vorwärts. 1-on-1 ist das Motto der Stunde und das zieht sich sogar bis in den Online-Modus durch. Es steht gemäß dem Gesetz der Animeserie stets der emotionale Zweikampf im Vordergrund. Alles oder nichts, Zweiter ist keinesfalls eine akzeptable Option. Damit Ihr diese Philosophie besonders individuell vertreten könnt, stellt Ihr Euch als erstes einen eigenen Fahrer in einem recht detaillierten Editor zusammen, an dessen Ende eine Figur steht, die den Stil der Serie recht gut trifft.

Ein Auto darf nicht fehlen und hier bedient Ihr Euch aus dem umfangreichen Repertoire der Vorlage. Ein echtes Best-of-the-Best aus Japan solltet Ihr nicht erwarten, dafür aber eine Ansammlung teilweise ikonenhafter Semi- und Amateur-Sportwagen, die sich gelegentlich auch hierzulande noch auf der Straße tummeln. Toyota Trueno GT, Nissan 180SX, Subaru Impreza, Mazda´s RXer, das sind alles keine Namen, die die Welt der Autojünger erschüttern. In dem Kontext hier passen sie aber perfekt. Getuned wird auch und nicht zu wenig. Dabei ist interessant, dass der Wagen selber umsonst geliefert wird, das Tuning aller möglichen Einzelteile vom Spoiler bis in die Untiefen der Motorsteuerung mit zu erfahrenden Punkten entlohnt werden muss.

Nach den ersten Fahrten und ein paar Versuchen mit unterschiedlichen Wagen wird Euch auch schnell klar, warum das so gelöst wurde. Alle Untersätze fahren sich ungetuned erst einmal weitestgehend ähnlich. Zu Beginn und bei den einfachen Strecken und Gegnern müsst Ihr Euch also keine Gedanken wie bei anderen Konkurrenten machen, vielleicht mit dem ersten Geld den falschen Wagen angelacht zu haben und dessen Leidensweg komplett durchleben zu müssen.

Was Ihr nach den ersten Metern auch lernt, ist die erstaunliche Tatsache aus der weiten Welt der Wunder, dass alle japanischen Straßen mit einem schmierigen Ölfilm überzogen wurden. SEGA liebt das Driften und zementierte diesem Standpunkt in den letzten 20 Jahren mit seinen Daytonas, Rallys oder SCUDs. Aber Initial D Extreme Stage, beziehungsweise Stage 4 treiben es zu weit. Eine dermaßen feinfühlige Lenkung lässt sich mit keiner Hardware, schon gar nicht dem Analogknubbel des Six-Axis wirklich perfekt in den Griff kriegen. Ein Lenkrad gibt Euch ein wenig mehr Kontrolle über das Gerutsche und steuert sich auch sofort intuitiver. Statt großer Schwenks sind wirklich nur zarte Bewegungen nötig, um Euch sofort in eine wilde Drift zu schicken. Ein Millimeter zu weit und der Wagen dreht sich zweimal in den Wind, bevor es weitergeht.

Ihr gewöhnt Euch dran, wenn Ihr dabei bleibt. Nach ein oder zwei Stunden bewegt Ihr den Daumen nur noch unmerklich und fegt so um alle Kurven, ohne auch nur ein einziges Mal in Kontakt mit der Bremse gekommen zu sein. Hier wird Arcade-Fahrfeeling geboten, und das bis in den letzten Aspekt. Es funktioniert mit der Zeit, es wird besser, Ihr werdet kurz denken, dass Ihr dieses verflixte Straßengefühl endlich beherrscht. Es beginnt wirklich Spaß zu machen.

Und dann schlägt das Balancing der Computergegner zu. Eben noch König, werdet Ihr scheinbar zufallsabhängig in die Planken gedrückt. Erst flitzt der Computerfahrer noch weg, dann bremst er plötzlich mittendrin mal ab, er schiebt sich wieder von hinten vorbei, und das, obwohl Ihr die letzten drei Kurven nahezu perfekt nahmt. Es scheint ein Verhalten zu sein, das eher der Dramatik Rechnung trägt, als wirklich zu hundert Prozent den Regeln des Spiels zu gehorchen.

Und hier kommt der Onlinemodus als Rettungsanker ins Spiel. Verbindungsprobleme und einen Mangel an Fahrern kennt Initial D nicht. Lags sind selten bis nicht vorhanden und habt Ihr erst einmal Euren Frieden mit der Steuerung gemacht – was wirklich nicht einfach ist, aber doch möglich –, kommt das Arcade-Feeling, der Kampf um den Millimeter Vorsprung und den perfekten Drift, ins Wohnzimmer. Nur die technische Brillanz anderer SEGA-Racer geht Extreme Stage ein wenig ab. Es ist bunt, es ist hübsch und definitiv japanisch, aber in keiner Weise beeindruckend. Lediglich der Soundtrack knüpft nahtlos mit seinen kindischen aber eingängigen – ein schuldiges Vergnügen, ich gebe es zu – Euro-Dancerock-Beats an das Happy-Go-Lucky des Daytona-Sangesmeisters (youtube.com)an.

J! – Allgemeine Hinweise zu Initial D Extreme Stage

Initial D Extreme Stage ist ein Rennspiel und damit für den Import doch prädestiniert, oder? Ganz klares und eindeutiges Njein. Sobald Ihr es ins Cockpit geschafft habt, gibt es wirklich keine Probleme, nach 500 virtuellen Metern wisst Ihr, was wo ist. Bis dahin zu kommen, stellt Euch dank ausufernder und nicht unbedingt durchsichtiger Menüs aber vor ein paar nervige Hürden. Trial & error´s the name of that game.

Als erstes müsst Ihr beachten, dass die Kreuz-Taste nicht bestätigt, sondern zurückgeht. Weiter geht es mit der Kreis-Taste. Außer natürlich in den Menüs, in denen Ihr Zahlen und Zeichen in der PS3-typischen Oberfläche eingeben sollt. Dort nämlich ist es genau umgekehrt. Völlig einsichtig, oder?

Nach der Erstellung des Charakters und der Eingabe des Nummernschildes geht es ins Hauptmenü, das sich wie folgt aufbaut:

1. Story-Modus / 2. Time Attack / 3. Replays / 4. Online-Modus / 5. Optionen / 6. Manga-Sektion / 7. Zurück

Der wichtigste Punkt, der hier fehlt, findet sich im Story-Modus. Ihr wählt auf einem Screen recht offensichtlich zwischen den sieben Strecken aus, der achte Punkte ist die Werkstatt, in der Ihr Eure Autos tuned. Hier findet sich ein weiteres Menü:

1. Autoauswahl / 2. Tuningshops / 3. Tuningeinstellungen / 4. Ändern des Charakteraussehens / 5. persönliche Rekorde / 6. Zurück

Im Tuningshop findet Ihr drei Optionen, von denen eigentlich nur die erste wichtig ist. Die Teile, die Ihr hier entdeckt, beeinflussen die Leistung des Autos, während die anderen beiden lediglich am Äußeren schrauben. Dies sollte erst einmal für einen guten Start reichen, wenn Ihr es noch genauer wissen wollt, bietet Euch Aaron Teplitsky auf Gamefaqs (gamefaqs.com)eine recht detaillierte Übersetzung der meisten Menüs und Funktionen ins Englische.

Der Automat Initial D Stage 4 wird im Vergleich zu Vorgängern und dem Nachfolger eher gemieden. Der einzige Grund dafür heißt Eispiste. Es ist eine steile Lernkurve, die vor allem gegen die unausgewogenen Computerfahrer nie endet und schnell in den Frust führen kann. Diese wenig vorteilhaften Eigenschaften bringt auch Initial D Extreme Stage auf der PS3 in den Deal mit ein, bietet aber etwas, was das alles zumindest fast wett macht: Einen Online-Modus. Gegen irgendwelche Japaner zu siegen oder verlieren, um diese eine Stoßstangenbreite zu battlen, zu triumphieren und zu fluchen, das rettet Initial D und verwandelt das Erlernen der eigenwilligen Fahrphysik in eine lohnende Aufgabe.

Nur seien wir ehrlich, Initial D Extreme Stage lebt wahrlich nicht allein auf dem Planeten der Arcade-Racer und die hochwertige Konkurrenz bietet Euch fast durch die Bank mehr Zugänglichkeit, Umfang und letztlich auch Spaß. So wie bei SEGA Rally zum Beispiel. Sammler, SEGA-Fetischisten und Fans der Serie landen hier keinen Fehlkauf. Alle anderen greifen aber trotzdem zu einfacher verfügbaren Racern.

Initial D Extreme Stage D ist in Japan erhältlich und auch nur da. Eine US- oder gar Europa-Version scheint in keiner Weise geplant zu sein.

 

 

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