Gesamtwertung9/10 |
„Der Weltraum, unendliche Weiten. Wer hier seinen Autoschlüssel verliert, findet ihn wahrscheinlich nicht wieder.“
Nur eine der Weisheiten, die Captain Qwark im neuen Abenteuer von Ratchet & Clank von sich gibt. Und diesen Ausflug sollte man keineswegs verpassen. Gemeinsam mit Ratchet macht sich Qwark auf die Sache nach dessen Roboterkumpel Clank, der in Tools of Destruction entführt wurde und sich nun in der so genannten „großen Uhr“ wiederfindet. Selbige befindet sich exakt „in der Mitte des Universums – plusminus 15 Meter“ - und trägt maßgeblich zur Stabilität der Zeit und des Universums bei. Ohne sie wäre das Universum verloren. Und natürlich versucht das Böse, hier in Form des bekannten Schurken Dr. Nefarious, die Uhr, mit der man wiederum auch durch die Zeit reisen kann, für seine Zwecke auszunutzen.
Eben das müssen die Helden verhindern, obwohl es für Ratchet die Möglichkeit gäbe, durch Verwendung der Uhr die Rasse der Lombax zu retten. Um sein Ziel zu erreichen, braucht er die Hilfe eines alten, erfahrenen Lombax-Generals namens Azimuth, gewissermaßen der Obi-Wan Kenobi des Ratchet-&-Clank-Universums, der Ratchet mit Rat und Tat zur Seite steht.
Erst nach und nach kommt man allerdings hinter das Geheimnis der Uhr und die wahren Beweggründe mancher Figuren sowie die Konflikte, vor denen sie stehen, offenbaren sich. Bevor alles zu einem einzigen Handlungsstrang zusammenfindet, wechselt das Geschehen im Spiel beständig hin und her. Clank treibt sich von Beginn an in der großen Uhr herum und soll sich als neuer Zeithüter um die Bewahrung und Sicherung der Zeit kümmern, Ratchet sucht nach seinem vermissten Partner und wird auch von der Hoffnung auf die Rettung seiner Rasse angetrieben. Es stehen also keineswegs leichtfertige Entscheidungen auf der Tagesordnung. Kann man die Existenz des ganzen Universums riskieren, nur um seine Spezies zu retten? Trennen sich die Wege der beiden Hauptprotagonisten, da Clank seine eigentliche Bestimmung zu finden scheint?
Entwickler Insomniac verpackt das Abenteuer jedenfalls in eine tolle Geschichte voller Humor, Spannung und Abwechslung. In Ratchet & Clank: A Crack in Time stimmt einfach die Mischung, die das Spiel für jung und alt zu etwas Besonderem werden lässt. Wie eben bereits angesprochen, spielt sich die Story dabei in verschiedenen Ecken des Universums ab.
Ratchet besucht diverse Planeten auf der Suche nach Hinweisen zum Aufenthaltsort seines Kumpels. Und jedem einzelnen davon merkt man die Liebe zum Detail an, die Insomniac ins Spiel mit einfließen ließ. Ob wüstenähnliche, staubige Regionen, große, verkehrsreiche Städte, verschneite Welten oder Raumschiffe, man hat stets das Gefühl, als würde man nahezu immer etwas Neues, eigens angefertigtes sehen und nicht irgendwelche sich wiederholende Level. Seien es nun die Flora und Fauna, herumstehende Bewohner oder die weibliche Stimme eines Computers, die selbst ausgefallene Schiffssysteme noch in einer fröhlichen Art mitteilt, die Schauplätze hinterlassen keineswegs einen leblosen oder kalten Eindruck.
Hinzu kommen die Weltraumabschnitte, in denen der Lombax mit seinem Schiff durch verschiedene Sektoren reist und zusätzlich zu den größeren, für die Story wichtigen Planeten noch kleinere Welten erkunden kann. Diese zumeist rätsellastigen Ausflüge erinnern frappierend an Nintendos Super Mario Galaxy, da man im wahrsten Sinne des Wortes um die Monde herumhüpft und Plattformen überwindet. Oftmals kommt es dabei auf Geschicklichkeit und das richtige Timing an, wenn einige Untergründe beispielsweise alle paar Sekunden auftauchen oder wieder verschwinden. Nur wenige Landeplätze setzen ausschließlich auf Action.
Und selbst hier sind es die Details, die überzeugen. Auf Lavaoberflächen blubbert es ordentlich, immer wieder gibt es Explosionen und Funken sprühen durch die Gegend. Asteroiden schwirren am Horizont umher, ebenso zivile Raumschiffe, die vor dem Hintergrund eines riesigen Himmelskörpers mit Ringen vorbeirauschen. Es entsteht wahrlich das Gefühl eines lebendingen Universums.
Größtenteils sind die kleinen Monde optional, man muss sie also nicht erkunden. Allerdings findet man hier hingegen diverse Schrauben und Muttern, die Währung des Spiels, oder auch mal einen Vertreter der Zoni-Spezies. Je mehr man von letzteren einsammelt, desto mehr Upgrades schaltet man für das eigene Schiff frei, darunter Boost oder Spezialschild. Einige davon braucht man zwingend, um bestimmte, für die Story wichtige Planeten anfliegen zu können. Und da man vorab sieht, was sich wichtiges auf einem kleinen Planeten einsammeln lässt, kann man etwa auch nur die abgrasen, die einen mit einem Zoni belohnen. Eine Zeitverschwendung ist nichtsdestotrotz keiner davon. Überall bekommt man eine Belohnung.
Clank wiederum treibt sich, wie bereits gesagt, in der großen Uhr herum. Er muss seine Bestimmung finden und nebenbei diverse Rätsel lösen, bei der die Nutzung der Zeit eine entscheidende Rolle spielt. Allen voran gilt es, an mehreren Stellen Aufnahmen der Bewegungsabläufe von sich zu machen. Seine Aufzeichnungen aktivieren dann beispielsweise Plattformen, öffnen Türen oder geben den Weg frei. Anfangs ist das mit lediglich zwei Aufnahmen noch recht simpel. Eine aktiviert zum Beispiel einen Schalter, die andere auch und weiter geht’s für den echten Clank durch die nun geöffnete Tür. Später wird es komplexer und ausufernder. Es laufen bis zu vier Clanks durch die Gegend und müssen in der richtigen Reihenfolge gleich mehrere Schalter betätigen oder Plattformen hoch- und runterfahren, damit man überhaupt vorankommt. Wer logisch kombiniert, mit der verfügbaren Zeit richtig kalkuliert (eine Minute pro Aufzeichnung) und seine grauen Zellen ein wenig anstrengt, sollte jedoch keine Probleme bei der Bewältigung haben. Auf jeden Fall aber eine nette Idee und meiner Meinung nach eines der interessantesten Rätsel, die ich in letzter Zeit gesehen habe.
Und gerade diese Abwechslung ist es, die A Crack in Time so spielenswert macht. Zugegeben, wirklich innovativ Neues könnt ihr nicht erwarten. Insomniac baut auf sein bewährtes Mischkonzept aus Jump'n'Run und Action-Adventure, führt einige zusätzliche Features ein und wagt keine riskanten Experimente. Manchmal ist aber auch genau das die richtige Vorgehensweise. Der ständige Schauplatzwechsel – meist nach einem Abschnitt mit einem der Charaktere – sorgt dafür, dass man sich an keinem der einzelnen Gameplay-Elemente beziehungsweise Areale schnell satt sieht und ungefähr nach knapp einer Stunde immer wieder etwas anderes geboten bekommt.
Gleichzeitig belohnt einen das Spiel regelmäßig mit einigen fabelhaften Momenten, in denen man einfach mal kurz eine Pause einlegt und die Aussicht genießt. Zum Beispiel bei einem Sonnenuntergang, der nahezu den gesamten Horizont im gelb-orangenen Licht der gewohnt Comic-artigen Optik erstrahlen lässt. Oder die Sonne in einem Sternensystem, die in einem leichten Grünton durch diverse Trümmer und Asteroiden hindurchschimmert. Wenn man so durch die Sektoren fliegt, riesige, detaillierte Planeten vor sich erblickt und gegen die Fieslinge im Raumkampf antritt, wünscht man sich am liebsten ein neues Wing Commander oder StarLancer im Next-Gen-Gewand herbei. In Ratchet & Clank spielt sich das Geschehen im Weltall aber lediglich auf einer 2D-Ebene ab, bleibt also recht übersichtlich und ist somit kein echter Ersatz für eine Weltraumsimulation. Schade, aber auch so erfreut man sich an dem Gefühl, mal wieder durch die Galaxie fliegen und rumballern zu können.
Apropos rumballern. Wenn Ratchet das Kommando übernimmt, geht es ordentlich zur Sache. Da ist schon mal der ganze Bildschirm voller Feinde, die auf den kleinen Lombax einschlagen und ihn mit Beschuss eindecken. Mit Hilfe seines umfangreichen Waffenarsenals kann er sich aber problemlos gegen die verschiedensten Arten von Feinden zur Wehr setzen.
Es kommt nicht gerade selten vor, dass neben Ratchet ein paar Gegner anfangen zu tanzen, weil man mit dem Groovitron-Werfer eine kleine Diskokugel in die Luft geschleudert hat. Währenddessen fliegt ein kleiner Robotergefährte namens Mr. Zurkon hinter dem Lombax her, nimmt Gegner selbstständig unter Beschuss und quittiert seine Aktionen mit entsprechenden Kommentaren. Hat er einen Widersacher zerlegt, tönt schon mal ein „Kämpfen ist ein Riesenspaß, dudei, dudei, Zurkon vernichtet nur zum Spaß, dudeidudeidu“ aus den Boxen. Zwischendurch hört man dann auch mal ein „Mr. Zurkon brennt darauf, dich zu vernichten“ oder „Mr. Zurkon kommt nicht in Frieden“, andernorts zeigt er sich enttäuscht darüber, dass er Ratchets Freunde nicht auslöschen darf.
Leicht problematisch kann hin und wieder mal das automatische Anvisieren der Gegner ausfallen, insbesondere dann, wenn viele Gegner auf dem Bildschirm sind. Gelegentlich muss man daher Ratchets Position etwas anpassen, damit der jeweilige Fiesling auch ordentlich ins Visier genommen wird und sich mit den Granaten oder Raketen des Lombax auseinandersetzen darf. Kein großes Ärgernis, hätte man aber dennoch besser lösen können.
Sein Waffenarsenal kann Ratchet immer wieder an Waffenshops erweitern, genügend Schrauben und Muttern vorausgesetzt. Ebenso stehen neue, wirklich cool aussehende und futuristische Rüstungen zur Verfügung, die selbstverständlich für besseren Schutz sorgen. Eine Vorschau auf die einzelnen Schießeisen und ihre Wirkungsweise bekommt man auf Wunsch ebenfalls, was in einem recht BioShock-ähnlichen und ebenso witzigen Zeichentrickstil demonstriert wird.
Natürlich darf aber auch Ratchet das eine oder andere Rätsel lösen. Wenn er mit seinen Schwerkraftstiefeln an bestimmten Pfaden Wände oder Decken erklimmt, kommt einem sofort Human Heads Shooter Prey in den Sinn. Ebenfalls interessant sind die Hover-Stiefel, die man - nachdem man sie erhalten hat - jederzeit auswählen kann, um sich schneller fortzubewegen. Außerdem braucht man sie für spezielle Plattformen, in denen man dann auf Höchstgeschwindigkeit beschleunigt, gewaltige Abgründe überwindet oder von Plattform zu Plattform springt. Darüber hinaus bringt man mit dem Omni-Sauger Wasser oder Öl zu bestimmten Stellen, hangelt sich mit dem Greifhaken an vorbestimmten Stellen über Abgründe, reist vorwärts und zurück durch die Zeit und noch vieles mehr. Es gibt in jedem Level reichlich zu tun, Leerlauf ist kaum vorhanden.
Ratchet & Clank lebt darüber hinaus auch von seiner Situationskomik und eben jenem, wirklich gelungenen Dialoghumor, insbesondere in den zahlreichen Zwischensequenzen des Spiels. Relativ früh im Spiel befindet man sich beispielsweise in einem Dorf, das kurz darauf angegriffen wird. Ein riesiges Schiff schwebt am Himmel, Jäger schwirren umher, feuern auf die Oberfläche und Roboter werden am Grund abgesetzt. Während sie fleißig damit beschäftigt sind, die Umgebung auseinanderzunehmen, geben sie friedfertige Kommentare á la „Lauft nicht weg“ oder „Wir sind Freunde“ von sich, Beschuss quittieren sie unter anderem mit einem „Nicht cool“. Wer Tim Burtons Mars Attacks! gesehen hat, kann sich das sicher gut vorstellen und muss in dem Moment wahrscheinlich auch unweigerlich daran denken.
A Crack in Time bietet für mich genau die richtige Mischung aus guter Story, wunderschöner, stilisierter Comic-Grafik, Humor und abwechslungsreichem Gameplay. Da verzeiht man dem Spiel auch, dass es nach knapp zehn bis 13 Stunden schon wieder vorbei ist. Andererseits ist es offensichtlich genau die richtige Länge. In dieser Zeit wird man nämlich bestens unterhalten, es kommt keine Langeweile auf, es geht Schlag auf Schlag und man will immer wieder noch diesen Abschnitt lösen, diesen Mond erkunden oder einen weiteren Zoni sammeln. Wie viel Zeit ihr letztendlich wirklich investieren wollt, bleibt dabei euch selbst überlassen. Um das Spiel zu beenden, braucht ihr nicht zwingend sämtliche Schiffsupgrades oder Waffen freizuschalten.
Man kann dem Spiel zwar durchaus vorwerfen, dass es fast ausschließlich auf bewährte Mechanismen setzt und das Genre nicht mit großartigen Innovationen bereichert, aber das, was Insomniac hier abliefert, ist einfach ein nahezu perfektioniertes Abbild eben jener bewährten Mechanismen und Spielspaß pur - ohne größere Schnitzer oder allzu nervige Features. Und weil es eben ein solch detailverliebtes, einwandfreies und unterhaltsames Abenteuer ist, gehört Ratchet & Clank: A Crack in Time als rundum gelungener Abschluss des in Tools of Destruction begonnenen Handlungsbogens eigentlich in die Sammlung jedes PS3-Besitzers, der sich für dieses Genre interessiert.
Ratchet & Clank: A Crack in Time erscheint am 6. November exklusiv für die PlayStation 3. Wer vorher reinschnuppern will, kann das bald anhand einer Demo tun.
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Ratchet and Clank: A Crack in Time im Test.
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