Gesamtwertung6/10 |
Radiant Dawn ist der jüngste Ableger von Nintendos beliebter Strategie-Rollenspielreihe Fire Emblem und zugleich deren erste Ausgabe für Wii. Damit habe ich eigentlich fast alles gesagt, was man über das Spiel wissen muss, also macht's gut, bis demnächst!
Okay, im Ernst. Wenn man einen Titel im Prinzip in einem Satz abhandeln sollte, ist das wahrscheinlich nicht das beste Zeichen. Aber Ihr könnt es ja auch positiv betrachten: Wer die Vorgänger mochte, braucht im neuesten Teil keine Experimente zu befürchten und bekommt eben genau das, was er erwartet.
Unbedingt falsch ist es nicht, das so zu sehen, denn wirkliche Fehler begeht das Spiel wenige. Es führt die Geschichte von Path of Radiance fort, dem GameCube-Vorgänger, wodurch Ihr auf allerlei bekannte Charaktere und Gegner trefft. Ihr könnt freundlicherweise sogar Eure alten Helden quasi importieren, sofern Ihr auf einer GC-Memory-Card noch einen Speicherstand parat habt. Es setzt im Wesentlichen auf das altbekannte, aber grundsolide Gameplay, was natürlich keine schlechte Idee ist. Und es verwendet sogar die Grafik-Engine des letztens Teils - das allerdings ist ein Punkt, den man durchaus kritisch sehen kann.
Die Änderungen lassen sich jedenfalls an einer Hand abzählen und liegen im Detail. Das Support-System etwa, bei dem sich zwei Charaktere im Kampf gegenseitig unterstützen können, haben die Entwickler überarbeitet. Wart Ihr in der Vergangenheit in Eurer Wahl eingeschränkt, dürft Ihr nun wirklich jeden Helden mit jedem anderen "paaren", um ihre Werte zu verbessern. Die netten, kleinen Unterhaltungen der Kampf-Duos wurden daher verändert, so dass jetzt überall Standardsätze fallen und echte Dialoge lediglich an vorbestimmten Stellen und in Zwischensequenzen auftauchen.
Etwas wichtiger geworden ist derweil die Bedeutung des Terrains, bei dem nun die Höhe Einfluss auf den Ausgang eines Angriffs nimmt: Attackiert Ihr einen Widersacher unter Euch, stehen die Chancen gut, dass Ihr einen stärkeren Treffer landet, als wenn Ihr unten stehen würdet. Ebenso erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr überhaupt trefft. Man kennt das ja aus zahlreichen anderen Genrevertretern.
Außerdem gibt es mehr Waffen, die Laguz-Rasse kann nun in ihrer humanoiden Form angreifen, die Beorc dürfen zwei Mal im Rang aufsteigen, aber jetzt verlieren wir uns wirklich in fast belanglosen Kleinigkeiten.
Damit will ich aber auf keinen Fall sagen, dass Fire Emblem: Radiant Dawn ein schlechtes Spiel ist, im Gegenteil: Die weiterhin enorme Spieltiefe beeindruckt, ebenso überzeugen die hoch taktischen Gefechte an sich, die unzähligen Variationsmöglichkeiten bei der Ausstattung der Charaktere, die durchaus abwechslungsreichen Schlachtfelder. Vor allem ist es Intelligent Systems gut gelungen, alles Wissenswerte über die Kämpfe schrittweise so zu vermitteln, dass sich auch Einsteiger zurecht finden.
Dennoch, und das ist vermutlich die größte, echte Schwäche des Titels, kann er stellenweise unverschämt hart sein. Insbesondere am Anfang, wenn Eure Helden wenig Lebensenergie haben, segnen sie im schlimmsten Fall bereits nach einem Treffer das Zeitliche. Und segnet einer das Zeitliche, bedeutet das unter Umständen "Game Over" für alle, ganz sicher aber das endgültige Aus für ihn.
Im späteren Verlauf sterben die Charaktere selbstverständlich nicht mehr so schnell, aber auch dann können ein, zwei winzige Fehler eine Schlacht gegen Euch entscheiden. Ganz ohne Trial & Error kommt das Spiel daher leider nie aus, vereinzelt erinnert es gar ein wenig an Schach: Bereits die falsche Eröffnung kann Euch das ganze Gefecht vermiesen, ein unglücklich platzierter Magier oder Bogenschütze von einer Sekunde auf die andere aus dem Spiel genommen werden.
Obwohl verschiedene Schwierigkeitsgrade zur Auswahl stehen, geht ohne mehrfache Neustarts einer Mission häufig nichts. Immerhin könnt Ihr während einer Schlacht speichern und somit zumindest ein wenig herum experimentieren, ohne bei jedem Zug die Angst vor einem Fehltritt im Nacken sitzen haben zu müssen.
In dieser - und in manch anderer Hinsicht - ist Fire Emblem: Radiant Dawn sehr altmodisch, was Kennern der Serie gefallen kann, aber nicht zwangsläufig muss. Zumal Disgaea, Jeanne D'Arc & Co. längst vorgemacht haben, wie es besser und moderner geht, ohne dabei ihren Anspruch und ihre Herausforderung zu verlieren.
Ebenfalls extrem altmodisch präsentiert sich die Grafik. Vom neuen 16:9-Modus einmal abgesehen, hat sich im Vergleich zur GameCube-Version nichts Nennenswertes getan. Die meisten Schauplätze wirken ziemlich trist, die Charaktere mindestens einen Tick zu lieblos, bei den Dialogen vor gezeichneten Hintergründen gibt's links und rechts sogar unschöne Ränder. Dafür können sich die bewegten Cutscenes wirklich sehen lassen. Sprachausgabe wiederum gibt es nur vereinzelt, überwiegend müsst Ihr Euch durch lieblose Textkästen ackern, um die Story zu verfolgen.
"Und wie steht's um Wii-Features?", mag jetzt sicher manch einer fragen. Werden die Controller besonders genutzt? Gibt es Online-Multiplayer? Werden Miis irgendwie verwendet? Die Antwort auf all diese Fragen lautet: Nein. Aber schlimm ist das nicht; es würde sich ohnehin aufgezwungen anfühlen. Stattdessen haltet Ihr die Wiimote beim Spielen waagerecht, was eine sinnvolle Lösung darstellt - denn mehr als das Digitalkreuz und zwei Buttons werden ohnehin nur ganz selten benötigt. Das Auswählen und Platzieren der Einheiten ist simpel, Befehle werden über simple Menüs erteilt, alles wie immer eben.
Aber für meine Geschmack ist das ein bisschen zuviel "alles wie immer". Es ist nicht so, dass ich mir irrsinnige Experimente mit der Steuerung wünsche, oder dass Intelligent Systems den bewährten Spielablauf der Reihe komplett über den Haufen werfen soll. Natürlich muss Fire Emblem letztendlich Fire Emblem bleiben. Nur fühlt sich Radiant Dawn nicht wie ein neuer Teil an, sondern vielmehr wie ein Add-on, wie ein neues Kapitel oder gar ein riesiger Bonus-Content zu Path of Radiance.
Die Spieltiefe stimmt, der Umfang ist absolut ausreichend, in Sachen Taktik und Anspruch macht ihm so schnell keiner etwas vor - und doch springt der Funke einfach nicht über, weil es exakt dieses Spiel (von den winzigen Änderungen abgesehen) eben bereits auf dem GameCube gab. Und weil der Zahn der Zeit daran genagt hat, sich der Fortschritt der Konkurrenz nicht leugnen lässt.
Wenn Euch das Genre liegt, könnt Ihr mit dem Kauf zwar trotzdem nicht direkt etwas falsch machen, nicht zuletzt, da es auf Wii bislang kein echtes Strategie-Rollenspiel gab. Aber ob sich dabei auch das Gefühl einstellt, Euer Geld wirklich gut angelegt zu haben? Ich hege leise Zweifel.
Fire Emblem: Radiant Dawn steht ab 14. März exklusiv für Wii in den Läden.
Fire Emblem: Radiant Dawn im Test.
Was halten Sie vom neuen Spiel von Intelligent Systems?
Teilen Sie Ihre Meinung mit anderen Yahoo!-Usern.