Huxley

Preview
Vertrieb
Webzen
Entwickler
Webzen
Genre
RPG
X360: Huxley

X360: Huxley

Wir sind schon ein schlimmes Pack. So insgesamt, als Spezies Mensch. Nicht nur, dass wir gerade fröhlich auf Energiekrisen, Umweltzerstörung, Klimawandel, Überbevölkerung und diverse andere Katastrophen zusteuern, wir kriegen auch vom Krieg einfach nicht genug. Für jeden Konflikt, der nach unaussprechlichen Gräueltaten zu einem wackligen Frieden führt, beginnt irgendwo ein neuer. Und wenn der endlich vorbei scheint, geht es an anderer Stelle wieder von vorn los.

Die koreanischen Entwickler von Webzen scheinen diese pessimistische Ansicht zu teilen, denn in der imaginären Zukunft von Huxley, einem Crossover von Rollenspiel und Shooter, kann nicht einmal der Big Boom den Kriegsdrang der Menschen, oder das, was von ihnen danach übrig ist, auf Dauer ausbremsen. Nach dem obligatorischen Atomschlag, dem Zusammenbruch der Zivilisation und der Verbindungswege beginnt die Spezies sich in die Sapiens und Alternatives aufzuteilen, beide genetisch veränderte Abwandlungen des heutigen Ausgangsmodells.

Man sollte ja meinen, dass es nach diesen Veränderungen erst mal reicht mit dem Kriegeführen, nur dummerweise halten sich die Sapiens für die überlegene Spezies. Als solche wollen sie den Planeten auf keinen Fall teilen und schon geht es in die nächste Runde, auch wenn der erste Nachkriegskater noch nicht ganz überwunden wurde.

Für noch mehr Würze in diesem globalen Konflikt sorgen die Hybride: Mehr oder weniger intelligente Mischwesen, die alles jagen, was menschlicher wirkt als sie. Dieses Kriterium dürfte nicht schwer zu erfüllen sein, denn die Hybriden decken ein Spektrum ab, das von Starship Trooper-artigen Insekten bis zu Frankensteins schlimmsten Albtraum die Definitionsmerkmale von „Mensch“ nur entfernt streift. Wahrlich eine schöne, neue Welt.

Aber auch im schlimmsten Endzeitsetting muss es das Prinzip Hoffung geben und dieses scheint in der „lunariten“ Energie zu bestehen, entdeckt von einem imaginären Professor Huxley – nicht zu verwechseln mit den realen Huxleys des letzten und vorletzten Jahrhunderts, einer ganzen Familie von Biophysikern und Biologen. Diese alles beeinflussende Energie soll nicht weniger schaffen, als die Welt einen, die Kämpfe beenden und ein goldenes Zeitalter einläuten.

Wie genau, das bleibt derzeit noch geheim und auch so werdet Ihr beim Betreten der Welt von Huxley erst einmal alle Hände voll zu tun haben, ohne Euch um das große Ganze zu kümmern. Zunächst dürft Ihr zwischen den beiden Spezies Mensch auswählen, die sich dann auch noch mal in jeweils zwei Unterkategorien aufteilen.

Letztendlich läuft es auf die Wahl zwischen Kämpfer, (Tech)Magier, Assassine und Allrounder hinaus, ein wenig mystisch verpackt in die verschiedenen Abstammungen von Sapiens und Alternatives. Die Wahl legt damit fest, für welche Seite Ihr Euch entscheidet, denn allzu viel Kooperation zwischen den beiden Gruppen der Sapiens und Alternatives dürft Ihr nicht erwarten. Hier geht es um die Überlegenheit der eigenen Gattung in einem Krieg, der über die zukünftige Art des Bestehens der Menschheit geführt wird.

Und wo so viel auf dem Spiel steht, geht es nie zimperlich zu. Sobald Ihr auf einem der Schlachtfelder ankommt, die zwischen bis zu 200 Spielern gleichzeitig bevölkern sollen, wird Huxley Euch sofort als Ego-Shooter in reinster Tradition erscheinen. Deutliche Anleihen aus Unreal Tournament, Quake und Call of Duty sind schnell gefunden und werden von den Entwicklern auch selbst zitiert.

Zum Start wird es ungefähr 80 Maps geben, die auf den ersten Blick sehr traditionelles MMO-Shootern mit recht bekannten Spielvarianten bieten. Deathmatch – Solo oder im Team –, Capture The Flag, ein Domination-Match und eine Variante, in der Ihr einen bestimmten Gegenstand bergen und in Sicherheit bringen müsst.

Danach wird es aber unkonventioneller, denn Huxley will Euch mehr Hintergrund bieten, eine Welt mit Geschichte und Tiefgang. Dazu schickt man Euch Aufträge im Rollenspiel-herkömmlichen Sinne, nur dass diese ebenfalls durch zahlreiche Feuergefechte bestanden werden müssen.

Besagte Aufgaben führen Euch mitunter auf eines der großen Schlachtfelder, auf denen Ihr zwischen 200 Kombattanten nicht nur überleben und töten sollt, sondern auch ganz spezifische Ziele verfolgt. Etwa die Ausschaltung einer bestimmten Figur. Andere laufen wie eine Mission in einem Solo-Shooter ab: Ein Waffendeal soll gestoppt werden und als Ihr Euch bis zum Punkt der Übergabe vorgeballert habt, seht Ihr noch den flüchtenden Käufer. Ihr setzt ihm nach, müsst auf dem Weg auch kleinere Rätsel lösen und stellt ihn schließlich zum Showdown.

Aber welcher Aufgabe Ihr Euch auch immer stellt, unabdingbar dafür sind Waffen und oft genug auch Fahrzeuge. Und von beidem bekommt Ihr in Huxley eine breite Palette geboten. Trotz der Zukünftigkeit des Settings wird Euch so einiges bekannt vorkommen. MGs, Shotguns, Raketenwerfer und auch Laser sind vertraut, selbst wenn sie mit Zusatzfeatures wie Giftgas, besseren Zielgeräten oder anderem getuned wurden.

Neues Spaßpotential dürften die so genannten Regulator-Waffen bieten, die speziell im Teamplay den Schlüssel zum Erfolg bereithalten sollen. Schwächer als jede andere Waffe beim physischen Schaden, sind die nur für die Zerstörung der feindlichen Schilde da.

Eine Kombination aus einer ordentlichen Menge Feuerkraft und einem Regulator-Spezialisten erklärt sich wohl von selbst beim Sturm auf ein gut geschütztes Ziel, aber auch sonst lohnt es sich als Gruppe zusammen zu bleiben. Egal wie groß die Schlacht wird, für Euch sind die wichtigsten drei Personen die Mitspieler Eures Teams direkt um Euch herum. Das Beisammensein, bei dem einer den Anführer mimt, gibt Euch Bonuspunkte für fast alle Eigenschaften, die aber nur solange gültig sind, wie Ihr einen gewissen Radius nicht verlasst. Sollte sich einer verabschieden oder gar sterben, senkt dies den Bonus.

Ob nun aber allein oder in der Gruppe, Eure Rüstung spielt in Huxley eine fast so große Rolle wie die Bewaffnung selbst. Drei verschiedene Grade der Panzerung bieten Euch Wahlmöglichkeiten von leichtfüßig bis hin zur laufenden Minifestung. Schnelle Sprinter, genannt Phantoms, erhalten beispielsweise die Fähigkeit, sich zu tarnen, per Hologramm den Feind zu verwirren oder besonders effektive Sniperschüsse anzusetzen.

Die mittlere „Avenger“-Klasse gleicht das Mittelmaß von Tempo und Rüstung mit Teleport, Infrarot-Sicht und einer Hitpoint-Angleichung an einen bevorzugt überlegenen Feind aus. Die Panzerkreuzer der Infanterie, die Enforcer, machen sich dagegen für eine kurze Zeit endgültig untotbar, tacklen den Feind aus nächster Nähe in Grund und Boden oder zeigen sich gegen Headshots immun. Ihr wisst selbst am besten, wie Ihr Shooter spielt, Huxley gibt Euch die Möglichkeit, die Spielweise mit den Fertigkeiten zu unterstreichen und zu optimieren.

Um das noch weiter zu treiben, dürft Ihr die Rüstungsteile und damit auch ihre speziellen Features je nach Körperzonen individuell kombinieren: Kopf, Rumpf, Arme, Beine. Und dort sind sie keinesfalls für die Ewigkeit, im Gegenteil: Ihr solltet bereit sein, auch mal während der Kämpfe die Features zu wechseln, um besser auf verschiedene Situationen reagieren zu können. Bei einem Sturmangriff macht sich halt die verbesserte Sniper-Sicht nicht so gut. Also tauscht Ihr die Rüstungspartie und schon seid Ihr wieder Herr der Lage. Beispielsweise mit kurzfristiger Unverwundbarkeit.

Und natürlich sollt Ihr nicht alle Punkte auf den teilweise gewaltigen Karten zu Fuß erreichen, schließlich macht es wenig Laune, zu spät zum Gefecht zu kommen, nur weil Ihr gerade einmal am falschen Map-Ende was zu tun hattet. Ein ganzer Fuhrpark an mal mehr, mal weniger futuristischen Boden- und Luftfahrzeugen hilft Euch nicht nur schnell von A nach B zu kommen, sondern dank der Bordgeschütze auch ordentlich zwischen diesen beiden Punkten aufzuräumen. Zu allzu vielen Fahrzeugdetails hat man sich in Korea noch nicht geäußert, nur dass Eure Figur eine Lizenz zum Fahren braucht. Einen Führerschein.

Führerschein? In einem Shooter? Richtig gelesen, nicht jeder wird in der Welt von Huxley alles sofort benutzen können. Viele der besten Waffen und fast alle der Fahrzeuge setzen für die Benutzung spezielle Kenntnisse voraus und diese müsst Ihr Euch erst verdienen. Lohnen wird sich dies auf jeden Fall, denn welches Squad will nicht jemanden dabei haben, der die größten Wummen und die besten Gefährte beherrscht.

Bei Hochleveln Eures Alter Egos verlässt Huxley dann endgültig die Welt des simplen Egoshooterns und betritt die Rollenspiel-Domäne. Es geht bis Level 50, eine offensichtlich magische Zahl im Genre. Und damit nicht einfach hochlevelige Spieler die Neuzugänge zum Frühstück verputzen, unterteilen sich die Zuordnungen der Spieler auf dem Feld in Zehnerschritte. So spielen die Newbies bis Level 10 miteinander im Rang E, während alte Hasen mit Stufe 40+ auf ihresgleichen im Rang A treffen.

Alles zusammen ergibt dann eine echte Persönlichkeit auf dem Schlachtfeld, die nichts mehr mit dem sonst üblichen „heute nehme ich mal Skin Nr.3“ zu tun hat, was Ihr sonst in dem Genre gewohnt seid. Fraktionszugehörigkeit, Rüstungsklasse, Rüstungsteile, Waffen, spezielle Fertigkeiten, Stufe - so wahnsinnig viel Reiz und Individualität das System von Huxley wohl auch birg, so groß ist das Risiko, dass es im späteren Spiel Probleme mit dem Ausbalancieren all dieser Faktoren geben könnte. In Korea fanden schon einige Closed-Beta-Sitzungen statt und Entwickler Webzen kommentierte diese als großen Erfolg, ohne jedoch Details zum Feedback der Spieler preiszugeben.

Worum man die Spieler der Betas aber sicher jetzt schon beneiden darf, ist ein Blick in die umfangreiche Welt von Huxley um die Schlachtfelder herum. Wie die Kämpfe selbst präsentieren sich auch die beiden Hauptstädte und acht weitere Orte im gewohnt routinierten Unreal Engine 3–Look. Bis zu 5000 Spieler dürfen durch die schön modellierten und texturierten Straßen der Städte schlendern, einen Plausch halten, Handeln oder sich an den Terminals zu Schlachten und Aufträgen einloggen.

In den Städten werdet Ihr aber keine Psychopathen-Rampage starten können. PvP beschränkt sich auf die Instanzen, in den Städten herrscht genereller Burgfriede. Man plant lediglich ein paar Storyereignisse, in denen dann Hybride die Straßen unsicher machen und von den Spielern wieder zurückgedrängt werden müssen. Von Gilden und Clans war bisher noch nicht so viel zu hören, dass sie aber kommen werden, dürft Ihr wohl angesichts der Team-Betontheit und der teilweise sehr spezialisierten Fertigkeiten der Charaktere als sicher betrachten.

Diese werden dann aber nicht aus PC und 360-Spielern gemischt. Zumindest auf dem Schlachtfeld will man die beiden Plattformen trennen und zwar aus Rücksicht auf die generell höhere Präzision der PC-Maus-Tastatur-Kombination. Und auch beim Release gehen PC und 360 auseinander. Die Computerbesitzer sollen, endlich nach über 4 Jahren, Ende 2008 die Schlacht antreten. 360-Eigner müssen sich noch ein paar Monate mehr gedulden. Über Bezahlkonzepte hat man bisher noch nichts verlauten lassen, werbefinanziert dürftet Ihr aber wohl ausschließen können.

Balance. Dies dürfte der Schlüssel zum Erfolg oder Misserfolg von Huxley sein. An Ideen und Ehrgeiz mangelt es dem Projekt sicher nicht. Die vielfältigen Möglichkeiten, aus Eurem Charakter ein echtes Individuum zu machen, die Mischung aus Endzeit und Hightech in einer lebendigen Spielwelt, die Aufträge, die gewaltigen Schlachtfelder, alles erhebt sich bei der Komplexität weit über das übliche „Serverauswählen und Loslegen“. Sollte Webzen die Gewichtung aller Spieler zueinander auch noch hinbekommen und den wichtigsten Punkt, den schlichten Spielspaß des Shooterns, nicht aus den Augen verlieren, könnte Huxley zu einer ganz eigenen und epischen Shooter-Welt avancieren, die Ihr so schnell nicht verlassen wollt.

Huxley soll Ende 2008 für den PC erscheinen, die 360-Version wird noch ein paar Monate länger auf sich warten lassen. Diese Termine sind mit Vorsicht zu genießen, da das Spiel eigentlich schon für 2007 angekündigt war.

 

 

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