Gesamtwertung7/10 |
Gerade erst vor einem Monat habe ich den Shop-Kanal meines Wii eingeweiht. Der erste Teil der Sim City-Reihe war das Objekt meiner Begierde. Und siehe da, während ich aktuelle Spiele allzu oft nach ein paar Minuten unmotiviert abdrehe, hat mich das Städtebaufieber aus dem vorletzten Jahrzehnt sofort wieder stundenlang gepackt. Feine Sache, dass EA die Kultserie nun auch für den Nintendo DS umsetzt. Und kaum war meine Version vor ein paar Tagen angekommen, landete das Modul auch sofort im Schacht meines Hosentaschen-Lieblings. Das Nächste, woran ich mich erinnere: Irgendwann ist der Akku ausgegangen.
„Hallo Herr Bürgermeister“, freundlich begrüßt Euch eine fesche Comic-Beraterin und begleitet Euch fortan auch durch das restliche Spiel. Optional winkt ein allumfassendes Tutorial: In kleinen Portionen wird hier der Ablauf erklärt, und nach einer Viertelstunde ist man dem Stress der Städteverwaltung dann auch schon gewachsen. Steuern, Budget, Baustrategien, Verkehr, Grundversorgung? Alles kein Problem mehr.
Also macht man sich daran, endlich auf eigene Faust eine Metropole hochzuziehen. Das Spiel bietet dafür eine Reihe von vorgefertigten Gebieten an, in denen man jeweils mit unterschiedlichem Budget startet. Wer nicht wirklich zu den Profis der Serie gehört, sollte keine falsche Eitelkeit zeigen und mit einem leichteren Szenario beginnen. Geld wird bei schwierigeren Aufgaben schnell rar und der Spielfluss schleppend.
Nach einem kurzen Blick auf das (leider immer flache) 2D-Terrain tippt Ihr Euch durch das Baumenü. Mit dem Stylus platziert Ihr Kraft- und Wasserwerke und zieht erste Siedlungen hoch. Das Grundprinzip hat sich natürlich nicht geändert: Der richtige Mix aus Wohn-, Industrie- und Gewerbezonen will gefunden werden. Zwischendurch schüttelt Ihr ein paar Spezialgebäude wie Schulen und Polizeistationen aus dem Ärmel, damit Friede und Wohlstand gewahrt bleiben.
Die Funktionen sind gegenüber den letzten Ablegern der Serie etwas abgespeckt. So beschränkt sich zum Beispiel die Wasserversorgung auf den Bau von Pumpen – Rohre müssen diesmal nicht verlegt werden. Trotzdem Vorsicht! Wer nicht schon in frühen Phasen mit Köpfchen vorgeht, muss später beim Modernisieren vieles wieder schweren Herzens abreißen.
Aber andererseits kommt man da eh kaum herum, denn die Stadt wächst und die Welt entwickelt sich weiter. Der Verkehr nimmt zu und schon bald sind öffentliche Verkehrsmittel gefragt - erst Züge, dann Busstationen. Die Umweltverschmutzung wird zum Problem, die antiquierten Kohlekraftwerke veralten und irgendwann brauchen die Bürger auch Universitäten, Bibliotheken, Museen, Baseballstadien und eine Vielzahl von anderen Gebäuden.
Immer wieder kommen zudem schräge Figuren in Euer Büro spaziert und fordern mehr Ausgaben in ihren Bereichen. Im Laufe längerer Spielsessions nervt es allerdings gehörig, wenn alle paar Minuten eine „echt coole“ Paris Hilton-Highschool-Tussi Euch etwas über „total krasse“ Parks oder Ihr „voll süßes“ Chihuahua-Hündchen erzählt. Dann empfängt man den Besuch einfach nicht mehr.
Trotzdem: Anfangs ist man noch gern bereit, seinen Schäfchen ihre Wünsche zu erfüllen. Wenn mit der Zeit das Geld knapp wird, folgt irgendwann ganz automatisch das erste Nein. Der gute Wohltäter stirbt eben langsam.
Sitzt die Kohle dann nicht mehr so locker, ist man schnell geneigt, die Förderungen für Bildung und Forschung zurück zu fahren, den Feuerwehrleuten weniger zu geben oder auf die gute Qualität der Straßen und Sicherheit zu verzichten. Kurz: Der neoliberale Sparefroh kommt durch, der irgendwo tief in einem verborgen schlummert.
Budgetkürzungen haben aber natürlich Auswirkungen. Geizt Ihr bei der Feuerwehr, brennen eher die Häuser nieder. Vernachlässigt Ihr die Forschung, müsst Ihr auf Innovationen länger warten. Besonders blöd, wenn dann die Alien-Abwehrkräfte noch nicht entwickelt sind und E.T. zu Besuch kommt, um Eure Bürger zu drangsalieren. Denn die obligaten Katastrophen (Alien-Invasionen, Erdbeben, Monster, Stürme,...) sind natürlich auch wieder dabei.
Optisch wirkt Sim City DS wie ein aufgepepptes Sim City 2000, oder ein abgespecktes Sim City 3000 – wie man will. In zwei Zoomstufen gleitet Ihr per Stylus über die einigermaßen detailreichen und bunten 2D-Grafiken. Etwas mehr Leben hätte dem Geschehen aber sicherlich nicht geschadet: In den Sportstätten scheint niemand zu spielen, auf der Straße läuft keiner herum, es gibt keine blinkende Leuchtreklame. Überhaupt ist fast nichts animiert. Lediglich Autos und Züge schleichen stockend über das isometrische Bild.
Dass die Häuser einer Größenordnung alle gleich aussehen, macht es überdies nicht besser. Es mangelt vorne und hinten an grafischer Abwechslung. Darüber hinaus gibt das Spiel kein optisches Feedback - verschmutzte Stadtgebiete sehen exakt so aus wie saubere. So muss man regelmäßig seinen persönlichen Berater und die schmucklosen Statistiken nach Problemen befragen, statt alles auf einen Blick zu erkennen.
Für die zweckmäßige Ausführung scheint die Performance aber trotzdem hart an der Grenze zu sein. Insbesondere bei größeren Städte im schnelleren Spielmodus (den man, wenn man nicht zwischendurch ein Nickerchen machen möchte, immer anmachen sollte) reagiert das Spiel recht langsam. Wenn man weiß, dass der DS zwar keine Powermaschine ist, aber einige deutlich schönere Spiele hervorgebracht hat (man denke an das kürzlich erschienene Anno 1701), ist das nicht gerade ruhmreich.
Die Steuerung ist hingegen grundsätzlich gut gelungen. Wenige Tipper und Bewegungen reichen, und schon hat man ein Stadtviertel au dem Boden gestampft. Die altbekannte Ungenauigkeit des Touchscreens fällt aber in einigen Situationen negativ auf. Während man missglückte Bauvorhaben noch leicht rückgängig machen kann, ist ein fälschlich abgerissener Wolkenkratzer ziemlich schmerzhaft. Kleiner Tipp: Wer seinen Fehler schnell genug bemerkt und den Stylus nicht los lässt, kann sich umständlich über die Pause-Taste retten.
Zwischendurch gibt es immer wieder Action-Sequenzen. Das sind kleine Mini-Spielchen wie der Besuch des Weihnachtsmannes, den man beim viermaligen Vorbeifliegen antippt, um Pakete zu ergattern. Eigentlich sollte das das Geschehen auflockern, aber spätestens beim dritten Mal nervt jedes Spielchen gewaltig. Glücklicherweise kann man die Dinger in den Optionen abstellen.
Wer genug vom Standard-Spiel hat (wo Ihr immer nur eine Stadt speichern dürft), kann sich verstärkt im Krisenmanagement beweisen. Da bekommt Ihr im altbekannten „Rette die Stadt“-Modus entsprechende Aufgaben gestellt. Mal bringt Ihr eine aussterbende Stadt wieder zum Florieren, dann habt Ihr es mit einer Alienplage zu tun. Die Missionen können teilweise recht fordernd sein, bieten aber grundsätzlich nicht wirklich Abwechslung. Die Katastrophen gibt es schließlich auch im Endlosspiel und im Endeffekt bleibt die Übung ja dieselbe: Flächen bebauen.
Spaß macht's, keine Frage. Das Sim City-Konzept ist einfach nicht tot zu kriegen und wer sich dafür erwärmen kann, wird auch in 20 Jahren noch wie ein Wahnsinniger vor sich hinsüchteln. Dass der nächste PC-Teil nun neue Wege beschreiten soll, wird der Serie sicherlich zu Gute kommen – aber das sei nur nebenbei erwähnt.
Handwerklich hat EA bei der DS-Ausgabe ein paar Kleinigkeiten übersehen und sich im Allgemeinen nicht gerade selbst übertroffen, insgesamt aber solide Aufbau-Kost abgeliefert. Gerade wenn man Sim City DS in den ersten Stunden spielt, ist man kaum davon weg zu bekommen. Schade nur, dass auf lange Sicht zu wenig Abwechslung vorhanden ist. Da hätte man sich ruhig etwas mehr einfallen lassen können.
Der Städtebau im Pocketformat ist im Handel erhältlich.