Devil May Cry 4

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Capcom
Entwickler
Capcom
Genre
Andere
PC: Devil May Cry 4

PC: Devil May Cry 4

Umsetzungen von Konsolen auf PCs sind mitunter ein heikles Thema. Während sich manche Hersteller sichtlich bemühen, werfen andere ihre Portierungen einfach mit veralteter PS2-Grafik und schlecht angepasster Steuerung auf den Markt. Glücklicherweise zählt Capcom nicht zu letzteren. Auch, wenn an Devil May Cry 4 die eine oder andere Sache keineswegs perfekt ist.

Zum Beispiel die Steuerung der PC-Variante. Capcom hat hier sämtliche Bewegungen quer über die Tastatur verteilt. Die Laufwege von Nero steuert man noch bequem per WASD-Kombination, während Aktionen wie Schwert- oder Pistolenangriffe auf den Buttons I, J, K und L liegen.

Kompliziert wird es dann, wenn für spezielle Manöver gleich drei Tasten zur selben Zeit drücken muss, beispielsweise S, K und die Leertaste. Zudem funktioniert die manuelle Justierung der Kamera ausschließlich über die Pfeiltasten, wodurch man seine Fingerchen wieder ein wenig nach rechts bewegt – weg von den Angriffs- und Sprungauslösern.

Wohl dem, der über ein Gamepad verfügt, etwa das der Xbox 360. Die Steuerung funktioniert 1:1 wie auf der Konsole. Es fühlt sich zugleich wesentlich komfortabler an, weil die Buttons eben viel dichter beieinander liegen und so schneller erreicht werden. Man kann sich zwar auch an die Kontrolle per Tastatur gewöhnen, aber das erfordert wiederum ein wenig Zeit und akrobatische Finger. Ein Gamepad ist daher die optimalste Lösung für das Spiel.

Inhaltlich offeriert die PC-Version nur wenige Unterschiede zum Konsolen-Devil May Cry 4. Dummerweise trifft das nicht ausschließlich auf die positiven Eigenschaften zu. Die Kamera sorgt etwa zuweilen für ein paar unschöne Augenblicke. Wenn man aufgrund einer geänderten Perspektive sogleich wieder in den vorherigen Abschnitt läuft, ist das sicher nicht im Sinne der Entwickler. Schade, dass man dieses Manko in den letzten Monaten nicht beseitigt hat. Am späteren Level-Recycling lässt sich aber nachträglich natürlich nicht mehr viel ändern.

Nervig wird es speziell bei den Gegnern. Säubert man einen Durchgang und fällt etwas später von einer höheren Ebene genau in eben jene Passage hinunter, stehen die Fieslinge erneut quicklebendig vor einem. Und das immer wieder. Aus dem Weg gehen kann man dem nicht, schließlich versiegelt das Spiel die Durchgänge stellenweise extra mit einer Barriere. Die löst sich erst dann wieder auf, wenn Nero alle Feinde in ihre Einzelteile zerlegt hat. Aufpassen ist also angesagt. Darüber hinaus sorgen des Öfteren unsichtbare Barrieren für unzufriedene Gesichter.

Genügend Anreize für einen erneuten Durchgang sollen indes die beiden neuen Spielvarianten „Turbo“ und „Legendärer Schwarzer Ritter“ bieten. Der Turbo-Modus – surprise, surprise – beschleunigt den Spielablauf merklich, während die zweite Option nach Beendigung der Story zur Verfügung steht und Euch weitaus mehr Gegner vor die Füße stellt. Nett, aber andererseits auch nicht wirklich bahnbrechend. Für Besitzer der Konsolenversion lohnt eine erneute Anschaffung daher kaum.

Ansonsten blieb weitestgehend alles beim Alten. Devil May Cry 4 setzt auf eine nicht wirklich außergewöhnliche Story mit furchtlosen, coolen Helden, hilflosen Schönheiten, freizügigen Kämpferinnen und einer Verschwörung, die die Welt bedroht. Wäre da nicht die mehr als gelungene Inszenierung, würde der Titel vermutlich in der Versenkung der durchschnittlichen Spiele verschwinden. Bei den teilweise vollzogenen Bewegungen und Kampfmanövern wirkt selbst der gute alte Neo (Ihr wisst schon, aus welchem Film...) wie ein amateurhafter Hampelmann. Entsprechend cool setzen sich die Zwischensequenzen in Pose. Hier ein paar Zeitlupen, da ein paar Dialoge und darüber hinaus einige der eindrucksvollsten und imposantesten Endgegner, die man bisher in Videospielen erblicken durfte.

Apropos Feinde. Nicht immer ist simples Draufkloppen wirklich von Erfolg gekrönt. Das bringt einem nämlich nur wenig, wenn der Kontrahent einen langen Speer und einen großen Schild mit sich durch die Gegend trägt. Da hilft nur eines: Sich schnell dem Rücken des Fiesewichts zuwenden und ab geht die Post. Glücklicherweise ändern die Jungs vergleichsweise langsam ihre Richtung und sind so verwundbar.

Andere Viecher gleiten wiederum durch den Boden und sind dadurch etwas zu schnell für das eigene Schwert. Zuvor also erst die Pistole zücken und gut zielen, damit sie nach einigen Treffern etwas länger über dem Grund bleiben und mit der Schneide zerlegt werden können. Natürlich sind selbst simple Gegner mit von der Partie, die im Prinzip einfach nur als Kanonenfutter dienen. Die findet man aber auch in jedem Spiel.

Hilfreich zur Seite stehen Held Nero im Kampf diverse Kombos und Manöver, mit denen er seine Gegner ins Jenseits befördert. Wer die Attacken genau timen und seinen Kampfstil selbst bestimmen möchte, sollte die Option „Automatisch“ deaktivieren. Die sorgt dafür, dass man lediglich auf die Tasten hauen muss, während die Kombos per Zufall ins Geschehen eingeworfen werden. Nur, wer seine Gegner möglichst stil- und eindrucksvoll zu Grabe trägt, erhält auch die meisten Punkte.

Je mehr rote Kugeln oder stolze Seelen man am Ende der Mission gesammelt beziehungsweise erhalten hat, desto mehr kann man Neros Fähigkeiten erweitern. Er erhält somit eine höhere Durchschlagskraft oder kauft sich Items, die bei Benutzung sofort die Gesundheit erhöhen – im Notfall ein sehr nützliches Hilfsmittel. Auf Einkaufstour geht man entweder zwischen den einzelnen Aufträgen oder an Götterstatuen, die in den Levels verteilt sind. Bei Nichtgefallen darf man sie sogar wieder umtauschen.

Bleibt noch ein Knackpunkt, der bei Umsetzungen nicht immer für Freude sorgt: Die Grafik. Man denke da nur an Resident Evil 4 für den PC. Im Fall von Devil May Cry 4 sind jedoch sämtliche Sorgen unnötig. Capcom hat hervorragende Arbeit geleistet und zaubert ein wahres Effektfeuerwerk auf den Bildschirm – sowohl unter DirectX 9 als auch mit DirectX 10. Die Unterschiede zwischen beiden Versionen fallen zwar auf den ersten Blick kaum auf, aber dafür laufen beide selbst auf Mittelklasse-Rechnern (Core 2 Duo @ 2,2 GHz, 2 GB RAM und Radeon 2600 XT) in höchsten Einstellungen durchweg flüssig. Ein Zeichen für gute Optimierung.

In Sachen Inszenierung, Endgegner und Kämpfe muss sich Devil May Cry 4 wahrlich vor niemandem verstecken. Die Zwischensequenzen des Spiels überzeugen darüber hinaus mit beeindruckenden Blickwinkeln, schönen Bildern und erinnerungswürdigen Augenblicken. Unter Beachtung dieser Punkte ist es natürlich schade, dass Capcoms Action-Feuerwerk immer wieder unter Kameraproblemen krankt und leider auf Level-Recycling zurückgreifen musste.

Wer auf Action am laufenden Band steht und Fan der Reihe ist, wird mit dem vierten Teil trotz der vorhandenen Mankos definitiv seinen Spaß haben. Hofft Ihr jedoch auf grundlegende Innovationen oder Neuerungen, sucht Ihr sie besser woanders. Devil May Cry 4 vertraut auf altbewährtes und geht nur wenige Risiken ein.

Neros Abenteuer ist bereits im Handel erhältlich. Frische Bilder der PC-Version findet Ihr in unserer Screenshot-Galerie zu Devil May Cry 4 (eurogamer.de). Außerdem haben wir eine Komplettlösung zu Devil May Cry 4 mit den Missionen 1 bis 10 (eurogamer.de)sowie den zweiten Teil der Komplettlösung zu Devil May Cry 4 mit den Missionen 11 bis 20 (eurogamer.de)anzubieten.

 

 

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