Halo 3: ODST

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Microsoft
Entwickler
Bungie
Genre
Shooter
X360: Halo 3: ODST

Gesamtwertung

7/10

X360: Halo 3: ODST

Update: In unserer Lösung zu Halo 3: ODST findet ihr die Fundorte aller Audio Logs mitsamt Videos, allgemeine Tipps, Tipps für den Firefight-Modus und Infos zu den Erfolgen (eurogamer.de).

Auf den ersten Blick sieht Halo 3: ODST wie ein echtes Schnäppchen für Halo-Neulinge aus. Dank des kompletten und dazu auch noch genialen Halo-3-Multiplayers, dem interessanten Firefight-KoOp-Modus und der spannenden, wenn auch zu kurzen Kampagne sind sie zumindest theoretisch die nächsten Wochen und Monate erstklassig beschäftigt.

Doch es gibt einen kleinen, aber entscheidenden Haken: Die neuen Story-Missionen sind nur etwas für echte Halo-Veteranen. Wieso, weshalb und warum eine obskure Alien-Allianz die Erde einnehmen will und was es mit dem ominösen Master Chief auf sich hat, bleibt für Neueinsteiger ein Rätsel. Ohne die Serie zu kennen, verliert sich so der Sinn der Geschichte irgendwo im Nirgendwo.

Und genau hier liegt das Problem: Während also Frischlinge von der Story überfordert werden, haben sich echte Fans schon hunderte Stunden im Halo-3-Mehrspielermodus die Köpfe eingeschlagen. Für sie ist die beiliegende Multiplayer-DVD mit allen erhältlichen Karten überflüssig. Kurz: Der Titel kann seine Vergangenheit als Addon einfach nicht ablegen. Man hat das Gefühl, die nachträglich hinzugefügten Inhalte wurden nur integriert, um den relativ hohen Preispunkt zu rechtfertigen. Dabei gibt es genug DLC-Beispiele, wie etwa GTA IV: The Lost and Damned, die beweisen, dass es auch anders geht.

Es ist also nicht einfach, Halo 3: ODST zu bewerten. Je nach Standpunkt steckt hinter den 49 Euro (UVP) eine überteuerte Single-Player-Erweiterung oder ein zusammengestückeltes, aber umfangreiches Sammelsurium von Halo-Inhalten. Reicht also die Qualität der neuen Bestandteile, um diesen ungewöhnlichen Weg zu beschreiten? Ist die Kampagne und der Firefight-Modus wirklich so gut, um auch ohne neue Gegner, frische Waffen oder essentiell andere Locations den Kauf zu rechtfertigen?

Die Halo-Saga lud schon immer zu epischen Auseinandersetzungen ein, bei denen nichts geringeres als das Schicksal der Menschheit auf dem Spiel stand. Damit macht Halo 3: ODST erst einmal Schluss. In der ca. 5 Stunden langen Kampagne werden die intimen Geschichten eines Squads Orbital Drop Schock Trooper erzählt. Bevor der Master Chief in seinem Mjölnir-Kampfanzug in Halo 2 das Orbit verlässt und die Covenant verfolgt, tritt die illustre Eingreifstruppe auf die Bühne. Sie werden mit ihren ikonographischen Orbital-Droppods über New Mombasa abgesetzt, um die Invasion der Allianz zu stoppen.

Leider kommt ihnen der Slipstream-Sprung des feindlichen Schlachtschiffes dazwischen. Der Energie-Schock wirft die Angriffs-Kapseln aus der Bahn. Das Team wird über ganz New Mombasa verstreut und wacht noch nicht einmal zur gleichen Zeit auf. Die erste halbe Stunde schlüpft ihr in die Rolle des Rookies, der sich erst sechs Stunden nach dem Einsatzbeginn aus seinem Transportmittel befreit. Es ist Nacht und New Mombasa brennt. Die Stadt wurde schrecklich verwüstet. Die Straßen sind menschenleer und Wracks pflastern seinen Weg.

Vor allem dank der erstklassigen Musik des Halo-Komponisten Marty O'Donnell und der ungewöhnlich melancholischen Stimmung verbreiten diese ersten Schritte eine dichte Atmosphäre. Ihr fühlt euch allein, verlassen und verletzlich. Ihr müsst euren Visor einsetzen, um im Dunklen überhaupt etwas zu erkennen. Wie ein Nachtsichtgerät hellt diese elektronische Sehhilfe die Umgebung auf. Klare Linien markieren leblose Objekt, Feinde leuchten grellrot. Ein einfacher Kompass ersetzt den Bewegungsmelder aus der vorherigen Halo-Teilen.

Grafisch lässt Halo 3: ODST inbesondere in Kenia seine Muskeln spielen. Auch wenn der Titel technisch nicht ganz mit der Konkurrenz mithalten kann, schmeichelt das hervorragende Art Design geplagte Spieleraugen. Alles wirkt wie aus einem Guss. Jeder Charakter wurde liebevoll konstruiert und der Detailgrad angehoben. Störend wirken nur die auf den ersten Blick zu niedrige Auflösung und die harten Polygon-Kanten.

Ein weiterer Grund, sich verletzlich zu fühlen: Die ODST besitzen keine dicken Kampfanzüge, die mittels Energie-Schild jede Menge Feuer aushalten. Auf den ersten Blick gibt es einen einfachen Lebensenergie-Balken, der wie in der Shooter-Steinzeit mit Erste-Hilfe-Paketen auf Vordermann gebracht werden muss. Doch Bungie schummelt: Bevor der Balken schrumpft, wird erst einmal für ein paar Schüsse der Bildschirm rot. Ihr besitzt praktisch einen Mini-Energieschild, der euch aber zu einer deutlich vorsichtigeren Vorgehensweise als bei Halo 3 zwingt.

Auch der Einsatz von zwei Waffen gleichzeitig und den Spezialgeräten (Schutzschild, EMP-Granate, Schadensverstärker) aus dem dritten Teil wurde wegrationalisiert. Über weite Strecken versprüht Halo 3: ODST so Halo-1-Retro-Charme. Nur beim Story-Aufbau wagt Bungie einen Schritt nach vorne. Die Erlebnisse des Rookies finden im relativ offenen Stadtzentrum von New Mombasa statt. Eure Aufgabe: Ihr müsst herausfinden, was mit euren Kameraden passiert ist. Sie im Notfall retten oder beerdigen.

Erzählt werden ihre Geschichten als Rückblenden. Ihr findet eine zerstörte Gauss-Kanone, einen vernichteten Helm, einen abgestürzten Jäge oder die Abdeckung einer Sprengkapsel. Daraufhin werdet ihr in die Haut des Squad-Mitglieds versetzt und erlebt eine relativ lineare Geschichte.

Die Atmosphäre wird dabei auf den Kopf gestellt. Schleicht ihr euch mit dem Rookie durch das nächtliche, zerstörte New Mombasa, ist es in den Rückblenden taghell. Mal müsst ihr ein Gebäude verteidigen, mit einem Panzer ein Areal freiräumen oder ein anderes Teammitglied finden. Die Aufgaben wurden relativ abwechslungsreich designt, liefern im Vergleich zu Halo 3 aber wenig Überraschendes. Nach dem Ende einer Episode werdet ihr wieder in das Stadtzentrum versetzt und müsst den nächsten Hinweis finden.

Noch immer erstklassig: Die beinharten Feuergefechte mit den blitzgescheiten Gegnern. Das Gunplay passt und die Steuerung ist eine Klasse für sich. Die Geschichte einer Zivilistin, die per Audiodateien erzählt wird, wirkt dagegen ein wenig aufgesetzt. Bis auf ein, zwei grandiose Momente liefert die Kampagne also Halo-Standardkost. Selbst die Gegner, Schauplätze und Waffen wirken allzu vertraut.

Wirklich neu sind nur eine Maschinenpistole, ein paar Brandgranaten und ein seltsames Flugalien. Immerhin feiert die Zielfernrohr-Pistole aus dem Erstling ein Comeback. Ihr Zielgenauigkeit und ihre Durchschlagskraft sind besonders gegen die Standard-Gegner eine willkommene Unterstützung. Im Gegenzug müsst ihr aber auf andere Waffen, wie den Flammenwerfer oder das Sturmgewehr, verzichten.

Je nach Schwierigkeitsgrad seid ihr also nach 4-6 Stunden mit der Kampagne durch. Auf Legendär kann es noch etwas länger dauern, aber selbst diese Spieldauer ist deutlich zu kurz geraten. Trotz des neuen Blickwinkels fehlt mir persönlich die epische Größe der Vorgänger. Auch die episodische Erzählweise ist Geschmackssache. Gerade die Sequenzen in New Mombasa wirken trotz der dichten Atmosphäre etwas langatmig. Immerhin könnt ihr auch zu viert den KoOp genießen.

Ebenso für bis zu vier Spieler ist der Firefight-Modus gedacht. Ganz wie im Horde-Modus von Epics indiziertem Shooter-Meisterwerk, dem Survival-Modus in Left 4 Dead oder dem Zombie-Geballer in World at War müsst ihr euch hier gegen eine Gegnerwelle nach der anderen verteidigen. Der Einsatz der berühmt-berüchtigten Schädel-Modifikatoren sorgt für die richtige Portion Chaos. Jede Firefight-Runde besteht aus drei Stufen a fünf Wellen. Mit jeder Stufe wird ein neuer Schädel aktiviert. Feinde weichen dadurch besser euren Schüssen aus, werfen mehr Granaten oder machen einfach mehr Schaden.

Euer Waffennachschub ist limitiert, ihr müsst euch also vom Gegner Schießprügel besorgen. Außerdem gibt es auf manchen Karten Fahrzeuge, was dem Modus ein noch höheres Tempo verschafft. In Kombination mit den neun Karten und vier unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden liefert Firefight theoretisch jede Menge spannende und motivierende Gefechte.

Theoretisch deshalb, weil Bungie leider kein Matchmaking integriert hat. Erneut sind vor allem Halo- und Xbox-Live-Neulinge benachteiligt. Ohne Freunde könnt ihr den Modus nur alleine oder offline an einer Konsole spielen. Es ist zwar möglich eine offene Gruppe zu erstellen, doch joinen können nur Spieler, mit denen ihr in der letzten Zeit online gezockt habt. Wer also wie meine Wenigkeit nur wenige Halo-Spieler in seinem Freundeskreis hat, wird sich bei der Mitspielersuche schwer tun. Mehr als ein halbes Dutzend Partien habe ich in den letzten Tagen, trotz intensiver Suche, nicht hinbekommen. Eine Schande, denn Spaß macht der Modus auf jeden Fall. So ist er aber für mich nur bedingt nutzbar.

Der Halo-3-Multiplayer wird übrigens auf einer Extra-Disc geliefert. Es sind drei zusätzliche Karten, jedes käufliche Mappack, jeder Spiel-Modus und auch die Forge enthalten. Wer also schon Halo 3 besitzt, kann die Disc theoretisch an einen Freund abtreten. Trotz seines Alters spielt dieser Modus noch immer ganz vorne mit und glänzt durch sein erstklassiges Balancing. Außerdem erwähnenswert: Mit dem Kauf von Halo 3: ODST wird einem ein Platz in der Multiplayer-Beta von Halo: Reach garantiert. Für Hardcore-Fans Grund genug, sich das Spiel trotz seiner Mankos zuzulegen.

Auch wenn Halo 3: ODST von einigen Versendern, wie Amazon, schon für 39 Euro angeboten wird, kann das Spiel den Eindruck eines überteuerten Addons nicht ganz abschütteln. Das Paket wirkt einfach nicht rund. Wie eingangs erwähnt, verzweifeln Neueinsteiger an der Geschichte und den fehlenden Mitspielern für eine zünftige Firefight-Partie. Für Halo-3-Profis ist dagegen der beiliegende Multiplayer überflüssig und sie bekommen einfach zu wenig Inhalt für ihr Geld.

Die Kampagne ist nett, aber im Kanon der Halo-Geschichte wenig aufsehenerregend. Normale Halo-Spieler, die nicht jedes Spiel, jeden Comic und jedes Buch im Schrank stehen haben, bekommen die vielen Feinheiten und Anspielungen gar nicht mit. Steuerung, KI und das eigentliche Gameplay sind natürlich weiterhin gelungen, trotzdem fühlt sich Halo 3: ODST so unterm Strich einfach zu sehr wie eine Mager-Fassung von Halo 3 an. Deshalb reicht es für mich persönlich nicht ganz für eine 8, auch wenn das echte Hardcore-Fans, die nach jedem Halo-Schnipsel lechzen, wohl anders sehen.

Halo 3: ODST ist exklusiv für die Xbox 360 erhältlich.

 

 

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