Gesamtwertung6/10 |
Wer heutzutage ein Action-Adventure in 3D entwickeln will, muss sich anfangs unweigerlich die Frage stellen: Wie unterscheidet sich mein Spiel von denen der Konkurrenz? Nicht, dass das nicht auch für andere Genres gelten würde - aber gerade Action-Adventures beziehungsweise Jump'n'Runs, wie man sie denn nun nennen will, ähneln sich untereinander gerne ein bisschen zu stark.
Radical Entertainment, die Entwickler von Crash of the Titans, haben jedenfalls eine recht interessante Antwort auf diese Frage gefunden. Ihr Spiel unterscheidet sich von denen der Konkurrenz dadurch, dass Ihr eine Reihe unterschiedlichster Gegner übernehmen dürft. Dazu müsst Ihr einen Eurer Kontrahenten zunächst bewusstlos prügeln, indem Ihr mehrmals in schneller Folge auf ihn einschlagt. Anschließend klettert Ihr auf ihn und macht Euch so seine besonderen Eigenschaften zu eigen.
Dazu zählt beispielsweise die Fähigkeit, schwere Mauern einzureißen, auf bestimmte Ziele und Widersacher zu feuern, Stacheln aus dem Boden schießen zu lassen und mit einem gewaltigen Laserstrahl ganze Feindesgruppen ins Jenseits zu beförern. Darüber hinaus verfügt jedes "Vehikel" über stärkere Standard-Angriffe, die in Kämpfen ebenfalls sehr hilfreich sein können.
Das Problem von Crash of the Titans: Davon abgesehen ist es ein absolut gewöhnlicher und leider sehr austauschbarer Plattformer. Kein schlechter, wohl bemerkt, weil es nur wenig wirklich falsch macht, aber eben auch kein besonderer, keiner herausragender. Dafür bietet es abseits dieses relativ frischen Features nämlich viel zu wenig Unverbrauchtes.
Es beginnt schon mit der Story. Zu Beginn des Spiels entführt Crashs Erzfeind Cortex doch glatt mal dessen Schwester Coco und Kumpel Aku-Aku. Warum er das tut, lässt sich nur erahnen, aber, okay, der fiese Doktor ist halt ein bisschen verwirrt. Und weil Nichte Nina das ebenfalls bemerkt hat, schlägt sie sich im späteren Verlauf auf Cortex' Seite und zeigt ihm, was es heißt, richtig böse zu sein. Zwischendurch gibt es immer mal wieder ein paar Gags - teils schnarchig, teils ganz lustig - und fertig ist die Geschichte.
Nun könnte man sagen: Hey, aber bei Mario schnappt sich Bowser doch auch jedes Mal Peach. Und war Sonic etwa kreativer? Der Unterschied ist allerdings, dass Mario und Sonic so etwas wie einen eigenen Charakter haben; ihre Spiele zeichen sich dadurch aus, komplett auf sie zugeschnitten zu sein.
Crash hingegen wanderte in den letzten Jahren durch die Hände mehrerer verschiedener Entwickler, weshalb die Serie vielleicht nie so konsistent, nie in sich so stimmig wurde, wie es einigen anderen gelungen ist. Von einigen weitgehend unschönen Ausflügen ins Rennspiel- und Partygenre ganz zu schweigen.
Doch wie bereits erwähnt baut Crash of the Titans wieder auf ein wesentlich klassischeres Fundament, was grundsätzlich eine gute Idee ist. Ihr erkundet also recht lineare Levels, viele davon an der frischen Luft mit hübscher Weitsicht, einige aber auch in verwinkelten und geschickt aufgebauten Gebäuden. Ihr hüpft von Plattform zu Plattform, hangelt Euch an Vorsprüngen entlang, setzt gewohnte Techniken wie den Doppelsprung ein. Kleine Fallen erwarten Euch ebenfalls auf Eurem Weg zum Ziel; mal bewegen sich große Felsen seitwärts an einem Abgrund entlang, mal lauft Ihr über Flächen, die sich drehen oder kippen.
Diese Geschicklichkeitspassagen sind überwiegend gut designt, nur wünscht man sich manchmal, sie wären etwas länger. Denn meistens ist nach vier, fünf Sprüngen schon wieder Schluss mit dem Nervenkitzel, dann trefft Ihr auf Gegner ober müsst ein Stück weit rennen, um auf die nächste kleine Herausforderung zu treffen.
Wer beim Spielen gerne zitternde Hände ob der Anspannung bekommt, wird hier also nicht unbedingt fündig, Spieler mit Sammelleidenschaft dagegen schon: In jedem Kapitel sind mehrere Gegenstände versteckt, außerdem dürft Ihr beinahe alles in der Umgebung zerschlagen, um Mojo zu gewinnen. Wie gut Ihr dabei wart, findet Ihr am Ende eines Abschnittes heraus, wenn Euch das Spiel eine Medaille verleiht.
"Eine Medaille haben auch die Kämpfe von Crash of the Titans verdient", würde ich gerne schreiben, aber das entspräche leider nicht gänzlich der Wahrheit. Tatsächlich fühlen sich die Gemetzel mit den zahlreichen, meistens in größeren Gruppen blind auf Euch einstürmenden Feinden schnell ziemlich ermüdend an. Im Grunde reicht es aus, ein klein wenig hin- und herzulaufen, dabei auf den Angriffsbutton einzuhämmern, um einen Gegner nach dem anderen aus dem Verkehr zu ziehen.
Sinnvoller ist es aber natürlich, zunächst einen schwereren Widersacher aufs Korn zu nehmen, ihm dann auf den Rücken zu springen und mit seiner Spezialfähigkeit das nächst größere Monster Sternchen sehen zu lassen - um dann das zu übernehmen. "Die Nahrungskette hocharbeiten" nennt sich das. Notwendig ist es auch deshalb, da Ihr im Anschluss oder während eines Kampfes kleine Rätsel lösen müsst, wofür besagte Spezialfähigkeit benötigt werden. Eine Tür öffnet sich nur, wenn zuvor mehrere entfernte Ziele abgeschossen werden und so weiter.
Das Ganze hört sich jedoch komplexer an, als es ist, inbesondere da sämtliche Angriffe so uninspiriert sind. Auf Gegner einschlagen, Wirbelattacken, starke Angriffe, die erst kurz aufgeladen werden müssen... Nichts, das Ihr nicht schon zig mal in anderen Spielen gesehen hättet. Die Lösung für jene kleinen Rätsel ist stets absolut naheliegend.
Und die Steuerung? Beginnen wir mit einem kleiner Tipp für sämtliche Entwickler da draußen: Ständig den B-Button der Wiimote in kurzen Abständen hintereinander drücken zu müssen, ist NICHT angenehm. Blöd, dass ausgerechnet auf der Taste aber Crashs normaler Angriff und einige Kombos liegen. (Unter Kombos ist übrigens sowas wie "B-B-B" zu verstehen.)
Ansonsten ist die Steuerung aber durchaus gelungen, zumal das Spiel für viele Aktionen mehrere Varianten anbietet. Wer etwa nach einem Sprung durch die Luft fliegen will, kann entweder mehrmals den A-Button betätigen oder die Wiimote schütteln. Eine saubere Lösung.
Des Weiteren ist der Controller beim Zielen auf Gegner selbstverständlich sehr hilfreich, aber man merkt, dass Crash of the Titans nicht ausschließlich für Wii konzipiert wurde und die Steuerung letztendlich irgendwo nur angepasst ist. Selbiges gilt für die Grafik, die zwar mit ordentlicher Weitsicht punktet, aber nicht über ein gehobenes Mittelmaß hinauskommt.
Und genau diesen Satz könnte man problemlos als Fazit für das gesamte Spiel verwenden, denn das ist im Prinzip schon in Ordnung. Nur habe ich genau dieses Spiel eben schon unzählige Male in ähnlicher Verpackung gesehen. Die Möglichkeit, besiegte Kontrahenten quasi als Angriffsfahrzeuge zweckzuentfremden, ist nett, keine Frage. Aber sie ist nicht so wahnsinnig neu, überraschend oder bahnbrechend, um den eben nur leicht überdurchschnittlichen Rest vergessen zu machen.
Du bist Gladiator, der Held der Spiele im Kolosseum. Besiege Deine Gegner und erkämpfe Dir die Cance auf 10.000 €. zum Spiel...
CRASH of the Titans im Test.
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