PC: Legendary: The Box
Warum nur lieben so viele unserer Freunde in den US of A Waffen? Wissen sie denn nicht, dass die NRA nicht ganz Recht hat? Es stimmt wohl, dass Menschen Menschen töten, trotzdem machen Waffen diese schmutzige Angelegenheit sehr viel einfacher. Woher also dieses Festhalten an dem Recht jedes Einzelnen, eine Knarre zu besitzen?
Bei vielen hält sich bis heute der Glaube, dass Waffen alles Böse in der Welt richten können. Es kommt nur darauf an, wie sie benutzt werden, und diese Ansicht zieht sich seit der Unabhängigkeit durch alle Bereiche. Kein Übel lässt sich nicht mit einer Waffe und einer ordentlichen Explosion aus der Welt schaffen.
Kommunisten bedrohen die freie Welt? Gebt Chuck Norris genug Knarren und schnell die Köpfe eingezogen. Heben wir es einen Level an, sagen wir mal, der Teufel persönlich wandelt auf Erden. Hey, solange der 'Gouvernator' Munition und eine tragbare Flak dabei hat, werden die End of Days verschoben. Alles dank guter, alter Firepower.
Spiele springen nicht weniger zimperlich mit der Idee des ideellen Bösen und der guten alten Medizin zur Ausrottung selbigem um. Erst kürzlich machte sicher der eine oder andere von Euch in Jericho dem missratenen Erstgeborenen des Allmächtigen mittels eines ordentlichen Kugelhagels den Garaus. Und bald geht es dem Inhalt der Büchse der Pandora an den Kragen.
Büchse der Pandora, etwa die, welche von Zeus selbst an die Jungfrau Pandora überreicht wurde? Die, welche alle Übel der Welt enthält? Jap, genau die. In der griechischen Mythologie stellt die Büchse – übrigens ein Übersetzungsfehler, eigentlich war es ein Tonkrug – das Gegengewicht zum Feuer dar, das den Menschen von Prometheus ohne Zeus Erlaubnis gereicht wurde. Die Büchse sollte niemals geöffnet werden und bis zu diesem verhängnisvollen Zeitpunkt war alles gut auf der Welt. Ich meine so richtig gut. Kinder spielen friedlich mit Löwen, keine Krankheiten, alle lieben alle.
Es kam, wie es kommen musste. Die Büchse/der Tonkrug wurde geöffnet, ob von Pandora – Frau - oder ihrem Ehegatten Epimetheus – Mann – ist umstritten, aber so oder so, das Schlechte in Form von Niedertracht, Krieg und Pestilenz kam in die Welt. Pandora schloss das Gefäß und die Erde wurde zur trostlosen Hölle. Ein Ideal verblieb aber noch in dem Gefäß: Die Hoffnung. Und Pandora entließ sie dann in die Welt und gab den Menschen die Kraft, mit allem Schlechten im Leben umzugehen, weil sie hoffen konnten.
So und jetzt ist es an der Zeit, diese mythisch reiche Geschichte und die bösen Knarren zusammenzubringen: Spark Unlimiteds Ego-Shooter Legendary: The Box dreht sich um, wie sollte es anders sein, die Büchse der Pandora. In naher Zukunft wird die Büchse gefunden und in einem Museum ausgestellt. Als Meisterdieb Charles Deckard schleicht Ihr Euch rein und ratet mal, was Ihr klauen und danach natürlich in völliger Unwissenheit der Umstände öffnen werdet....
Minuten später suchen aber nicht direkt so abstrakte Übel wie Krankheit und Krieg New York und Co. heim, sondern Greife, Werwölfe und andere Sagengestalten. Und ich hoffe, Ihr verzeiht mir meine ausschweifende Einleitung, aber als ich letztens ein Interview mit einem Spark-Mitarbeiter las, in welchem er ausführte, dass dort alle die alten Legenden kennen und sie gerne in ein modernes Setting entlassen würden, konnte ich nicht widerstehen. Also ein kurzes Hallo an die Sparkys. Schön, dass Ihr die Legenden kennt. Und wo sagt die Sage etwas über Werwölfe und Minotauern, die aus der Kiste hopsen?
Nun gut, macht nichts. Legendary: The Box wird schließlich ein Shooter und genug Dinge zum Anvisieren scheint Die Büchse der Spark zu enthalten. Eine ganze Reihe wild zusammengeklaubter Ungeheuer – der Minotaur kommt wenigstens aus derselben Ecke der Welt wie die Büchse – machen die Straßen unsicher und als würde das nicht reichen, gibt es noch die Black Order. Diese Gruppe kultistischer Irrer will die Weltherrschaft und Euren Kopf. Nicht zwangsläufig in dieser Reihenfolge.
Das Gespann der beiden Pole gibt schon jetzt einen guten Einblick in die Gruppen-KI von Legendary: The Box. Alle drei Parteien, Ihr als Deckard, die Monster und die Black Order, können einander nicht ausstehen. Letztere wägen aber durchaus ab, wer gerade die größte Bedrohung darstellt. Seid Ihr mit einem Werwölfchen allein auf weiter Flur und ein ganzes Order-Team biegt um die Ecke, müsst Ihr die Beine in die Hand nehmen. Sollte aber der Rest des Rudels mit dem Alpha-Wolf auftauchen, verschieben sich schnell die Fronten. Die Black Order heizen zunächst den Wölfen ein, anschließend steht Ihr wieder auf dem Plan.
Aber auch einzelne Viecher unterscheiden ganz gut, wann sie besser auf Abstand bleiben. Wenn Ihr einem umherstreifenden Werwolf begegnet, wird er erst einmal von der Ferne versuchen, Euch zu vertreiben. Entweder durch Drohgebärden oder indem er einen Ziegelstein nach Euch wirft. Erst wenn Ihr anfangt, ihm an den Pelz zu gehen, wird er immer zorniger. Das Resultat: Der so genannte Rage-Level, über den jede Kreatur verfügt, kommt am Limit an. Dann wird der Wolf Euch zeigen, warum das legendäre Untier seit Jahrhunderten gefürchtet wird.
Die Wölfe sind schnell, agil und intelligent genug, um Euch nicht als Futter vor die Flinte zu laufen. Als wäre das nicht genug, verfügen sie über erstaunliche Heilfertigkeiten. Selbst wenn Ihr ihnen die Beine wegschießt, solltet Ihr ihnen nicht zulange den Rücken zudrehen. Nach kurzer Zeit steht der Wolf nämlich schon wieder hinter Euch, als wäre nichts gewesen. Damit wird der Kopf der Bestien zu Eurer Hauptzielscheibe. Wahlweise könnt Ihr Euch natürlich auch gleich an Prometheus Geschenk halten - das Feuer.
Und wenn Ihr nun denkt, dass dies wohl einige der hartnäckigsten Gegner überhaupt sind, habt Ihr noch kein Greifen in Aktion erlebt. Die riesigen gefiederten Löwen verspeisen Kampfhubschrauber zum Frühstück. Solltet Ihr nicht gerade ein wirklich beeindruckendes Waffenarsenal angesammelt haben, müsst Ihr wohl oder übel nach anderen Lösungen suchen, ein solches Monster loszuwerden.
Hierbei kommt Euch die Umgebung zu Hilfe. In jedem der bislang acht Areale wird Euch genug Gelegenheit geboten, irgendwelche strukturellen Schwächen der Bebauung nutzen zu können. Sagen wir mal, um zum Beispiel ein Haus auf einem Greifen einstürzen zu lassen. Das eingeklemmte und dementsprechend äußert zornige Monster solltet Ihr in besagter Situation eiligst rösten, bevor es sich wieder befreien kann. Wie gesagt, hartnäckig.
Das müssen die Feinde aber auch sein, denn schließlich will Spark Euch nicht ein Splatterfest, sondern einen echten Grusel-Horror-Shooter bieten und dafür müsst Ihr schon ein wenig Respekt vor dem Gegner haben. Spätestens die Bosse werden aber dann schon dafür sorgen, dass sich auch bei Profis so schnell kein Gefühl der Hybris breitmacht. Minotauern, Alphawölfe und Greife sind nämlich lediglich das Salz eines Levels und bereits diese Monster sind nicht zu verachten.
Um gegen eine solche Übermacht bestehen zu können, gibt die Box Deckard aber noch einen kleinen Bonus mit auf den Weg. Ein Mal an seiner Hand verleiht ihm die Fertigkeit, den Feinden die Lebensenergie zu entziehen und sich selbst zu heilen. Laut Spark werden zu dieser Gabe im Laufe des Spiel weitere hinzukommen. Welche genau den Herren vorschweben, ist bislang noch nicht bekannt.
In der Waffenkategorie werdet Ihr hingegen das Übliche finden, was einen in jedem Shooter erwartet. Shotgun? Check. MG? Check. Chaingun? Aber sicher. Sollte Spark in dieser Richtung irgendwelche Großtaten der Innovation vorhaben, halten sie damit noch hinter dem Berg. So seid Ihr wieder einmal auf den obligatorischen e-Gun Katalog angewiesen.
Leider trifft dieses „Das gab es schon mal“-Gefühl auch auf das offenbar sehr linear gestrickte Leveldesign zu. Da es Spark wichtig ist, Euch eine spannende Geschichte im Stil des Action-Horror-Kinos zu erzählen, fällt die Zahl der Freiheiten eher gering aus.
Technisch befindet man sich bei der Umsetzung dieser Vision wohl auf dem richtigen Weg, denn was bisher zu sehen war, dürfte Euch in den Bann schlagen. Vor allen die vom stilvollen Einbruch plötzlich in einen Katastrophenfilm umschlagende Einleitungssequenz wirkt geradezu epochal. Andere gezeigte Level können da nicht ganz mithalten, dafür wirken die bedrohlichen Animationen von Werwölfen und Minotauern aber schon jetzt recht beeindruckend.
Ihr solltet aber nicht vergessen, dass das Spiel derzeit noch als Prä-Alpha sein Dasein fristet. Viel Feinarbeit liegt also noch vor Spark, wenn sie im Sommer 2008 Legendary: The Box fertigstellen wollen. Die KI macht bislang einen viel versprechenden Eindruck und auch wenn das Setting wild an den Haaren herbeigezerrt wurde, könnte die Schlacht mit den Monstern doch einiges an Spaß herbeiführen. Eine freie, komplexe Spielwelt wird Euch wohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht geboten, dafür aber solides Kino in bester Linearität. Warum nicht, das kann ja auch Spaß machen.
Legendary: The Box soll Juni 2008 für Xbox 360, PS3 und PC erscheinen.



