Just Cause 2

Preview
Vertrieb
Eidos
Entwickler
Avalanche Studios
Genre
Action
X360: Just Cause 2

X360: Just Cause 2

Mit Just Cause hatte ich mehr Spaß als mit Grand Theft Auto IV. Um ehrlich zu sein, hat es mich sogar mehr begeistert als alle bisherigen Grand Theft Autos. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich dafür genaue Gründe nennen kann. Wahrscheinlich liegt es daran, dass Just Cause einfach übertrieben war, zu Experimenten verleitete, ein wahres Gefühl von Freiheit vermittelte. Um es kurz zu machen: Ich fand es einfach geil, mit Rico über die Insel zu laufen und überall Chaos anzurichten.

Exakt das waren die größten Stärken des ersten Just Cause. Entwickler Avalanche ist sich dessen natürlich bewusst. Und man wäre dumm, wenn man eben jenes Spielprinzip für den Nachfolger ändern würde. Nach langer Pause ohne neue Bilder oder Infos konnten wir uns im Februar eine aktuelle Version des Actionspiels auf der großen Leinwand anschauen. Eines ist klar: Just Cause 2 vertraut auf alte Qualitäten und kombiniert sie mit sinnvollen Neuerungen.

An oberster Stelle steht natürlich die Freiheit. Wie man eine Mission angeht, bleibt alleine dem Spieler überlassen. Als Beispiel zeigten die Entwickler einen Einsatz aus dem späteren Spielverlauf. Die befreundete Agentin Jade Tan wurde gefangen genommen, Rico soll sie retten. Besondere Brisanz erhält dieser Auftrag dadurch, dass Rico dabei mit seinem früheren Mentor Tom Sheldon zusammenarbeiten muss. Selbiger hat sich vor einiger Zeit auf die Insel Panau abgesetzt und nebenbei ein paar Millionen Dollar der CIA eingesackt. Zugleich ist Sheldon eigentlich auch Ricos primäres Ziel, für das er aus dem Ruhestand zurückgeholt wurde.

Das aber nur am Rande, wichtig ist erstmal die Rettung von Jade. Erster Punkt auf der Tagesordnung: Sheldon treffen. Noch steht Rico auf einer Klippe, doch im nächsten Augenblick stürzt er sich bereits nach unten und nutzt seinen bewährten Greifhaken, um sich am Fallschirm hängend von einem Auto mitziehen zu lassen.

Prinzipiell eine gute Idee, dauert jedoch zu lange. Also hüpft Rico kurzerhand auf das Dach des Vehikels, befördert den am Steuer sitzenden Zivilisten während der Fahrt an den Straßenrand und rauscht davon. An der nächsten Brücke wird es Rico zu langweilig. Er lenkt den Wagen in die Tiefe und springt sofort hinaus. Via Fallschirm gleitet er nun dahin, durch einige Baumkronen hindurch zu einem Flugplatz, auf dem gerade ein Kampfjet abhebt. Das perfekte Beförderungsmittel.

Gesagt, getan. Im Handumdrehen hängt Rico an ihm und spielt Platztausch mit dem Piloten. Nun geht es schnell zu Sheldons abgelegenen Aufenthaltsort. Da eine Landung hier nur schwer möglich ist, lässt Rico das Fluggerät kurzerhand in den nächsten Hügel krachen, an dem es in einem Feuerball verglüht. Er selbst setzt einmal mehr sanft mit seinem Fallschirm vor Sheldons Füßen auf.

Doch das ist nur der erste Teil dieser Mission. Und er zeigt, wie viel Spaß man bereits auf dem Weg zum Kontaktmann beziehungsweise unterwegs haben kann. Später klaut Rico noch diverse Helikopter und sprengt Gebäude, Flugabwehrgeschütze sowie Funktürme in die Luft, bevor er es mit ein paar Ninjas aufnimmt und schließlich Jade in einer spektakulären Aktion rettet. Ein Actionfeuerwerk der feinsten Sorte.

Prinzipiell geht es in Just Cause 2 darum, „eine vergnügliche Zeit zu haben“, wie Lead Designer Peter Johansson erklärt. Ganz nebenbei soll man auch „überall Chaos anrichten“. Genau das kann Rico besonders gut. Eine wesentlich wichtigere und größere Rolle nimmt nun beispielsweise sein Greifer ein. Im Vorgänger war er noch eine Art Pistole, nun ist er an Ricos Unterarm befestigt und so jederzeit einsatzbereit.

Das nützliche Helferlein dient allerdings nicht nur dazu, sich von Fahrzeugen mitschleppen zu lassen oder sie zu erbeuten. Zielt er auf Gebäude, befördert er sich á la Batman im Handumdrehen die Wände und Dächer hinauf. Besonders viel Spaß bereitet alleine beim Zuschauen schon die Funktion, Objekte miteinander zu verbinden. Schießt Rico erst auf einen Feind und befestigt das andere Ende des Seils anschließend mit einem weiteren Schuss an einem vorbeifahrenden Auto, wird das Opfer von diesem über den Boden mitgeschleift.

Weitere Anwendungsgebiete könnt Ihr Euch wahrscheinlich schon ausmalen. Verbindet man zwei Gegner miteinander, werden sie gegeneinander geschleudert. Befestigt man seinen Kontrahenten an einem Helikopter, hebt er in die Lüfte ab. Der Greifhaken wird somit mehr oder weniger selbst zur Waffe und übernimmt in den Kämpfen eine weitaus tragendere Rolle. Zum Leidwesen der Feinde, zur Freude des Spielers.

Wie auch Just Cause soll der Nachfolger nicht allzu sehr auf Realismus setzen. Ein großer Kritikpunkt am ersten Teil waren die vergleichsweise einfachen Gefechte. Man musste praktisch nur in die Nähe eines Widersachers zielen, den Rest erledigte die Zielhilfe. Der zweite Teil bietet hier mehr Möglichkeiten. Dank eines neuen Zielsystems sollen die Scharmützel taktischer werden. Wenn man möchte, kann man somit auch gezielt einzelne Körperteile anvisieren. Ein Knieschuss befördert den Getroffenen zu Boden, eine Kugel in die Schulter schleudert ihn zurück und ein Kopftreffer sorgt dafür, dass die Lichtlein sofort ausgehen. Man darf gespannt sein, was die USK dazu sagt.

Neben der Hauptstory hatte das erste Just Cause noch allerlei Nebenmissionen anzubieten. Das Problem: Sie fielen allesamt recht generisch aus. Fahre von A nach B und töte C. Fahre von A nach B, töte C und bringe Gegenstand D zurück und dergleichen. Auf Dauer langweilig, also hat Avalanche sie komplett gestrichen.

Stattdessen bietet man nun über 50 normale Missionen an, was auch in einer längeren Spielzeit für die eigentliche Geschichte resultiert. Weiterhin darf man sich mit der Befreiung von Siedlungen, Rennen oder Stunt Challenges bei Laune halten.

Ebenso laden diverse Kisten mit Ersatzteilen zur Erkundung des riesigen Eilands ein. Wann immer ein blaues „Warnlicht“ unter dem Radar aufleuchtet, befindet sich eine solche Kiste in der Nähe. Zwei Varianten stehen zur Verfügung: Einmal Ersatzteile für Waffen, einmal für Fahrzeuge. Auf dem Schwarzmarkt tauscht Rico sie später ein und darf seine Schießeisen oder Beförderungsmittel verbessern. Theoretisch wird man das gesamte Arsenal aufrüsten können, in der Praxis gibt es dafür nicht genug Teile. Demzufolge muss man sich genau entscheiden, welche Gerätschaften man nun in wirksamerer Ausführung mit sich führen will und welche nicht.

Für die damalige Zeit sah Just Cause bereits sehr gut aus. Die vergangenen Jahre hat Avalanche genutzt, um die Engine kräftig aufzumotzen. Das Ergebnis: Panau erstrahlt in wunderschöner und detaillierter Optik. Welchen Fleck der Insel man auch immer sieht, man kann ihn erreichen. Wenn Rico Zerstörungen anrichtet, wird das anhand riesiger Explosionen mehr als deutlich zur Schau gestellt. Wassertürme fliegen in diverse Einzelteile, während das kühle Nass gen Boden regnet. Riesige Funktürme brechen auseinander und zermatschen aus luftigen Höhen alles, was in ihrem Weg steht.

Im Gegensatz zum Vorgänger wird es diesmal sogar verschiedene Klimazonen auf der Insel geben. Rico treibt sich im tropischen Dschungel, in heißen Sandregionen und in verschneiten Gipfeln herum, die nahtlos ineinander übergehen. Ebenfalls mit von der Partie sind ein dynamischer Tag-und-Nacht-Wechsel sowie verschiedene Wetterverhältnisse á la Regen, Schnee und Gewitter.

Die einzelnen Regionen beeinflussen selbst das Fahrverhalten der mehr als 100 Vehikel. Sie eignen sich daher mal mehr, mal weniger gut für die jeweiligen Untergründe. Zu guter Letzt hat man auch Rico selbst und den Feinden eine Überarbeitung gegönnt. Ein neues Animationssystem mitsamt frischer Animationen sorgt für realistischere Bewegungen. Das Ganze Geschehen wirkt nicht mehr so steif wie zuweilen noch in Just Cause.

Mit dem ersten Teil hatte ich trotz generischer Nebenmissionen und der nicht hundertprozentig ausgereiften Technik verdammt viel Spaß. Der Nachfolger amüsiert mich alleine schon, wenn ich nur zuschaue. Just Cause 2 behält seine Tugenden in puncto Freiheit, Experimentierfreudigkeit und genialer Over-the-top-Action. Es ist fast so wie mit mit einem guten Popcorn-Actionfilm: Hirn aus und sich an dem Feuerwerk erfreuen.

Wenn Ihr Euch hier eine vergleichbare Alternative zu Grand Theft Auto IV erhofft, seid Ihr allerdings nicht unbedingt an der richtigen Adresse. Just Cause 2 will gar kein GTA sein, wie die Entwickler selbst sagen. Wenn Ihr - wie ich - am Vorgänger Euren Spaß hattet, könnt Ihr Euch definitiv auf den Nachfolger freuen. Ich hoffe nur, dass die Missionen diesmal durchgehend abwechslungsreicher ausfallen und keine Bugs das Spielvergnügen trüben. Wenn die Entwickler ihre Versprechen halten können, erwartet Euch ein feines Actionhighlight. Für mich persönlich führt kein Weg an Just Cause 2 vorbei.

Just Cause 2 erscheint voraussichtlich im 3. Quartal für PC, Xbox 360 und PlayStation 3.

 

 

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