Let's Tap

Review
Plattform
WII
Genre
Andere
WII: Let's Tap

Gesamtwertung

6/10

WII: Let's Tap

Als passionierter Wii-Spieler hat man vermutlich längst einen vollen Schrank, in dem sich das Plastikzubehör für Nintendos Konsole nur so stapelt. Man sollte SEGA daher dankbar sein, dass sie mit Let's Tap zwar eine neue Art der Steuerung auf die Spieler loslassen, aber im Gegenzug auf die x-te Wiimote-Verzierung verzichten. Alles was ihr braucht, ist schlicht und ergreifend ein Karton.

Das kann wirklich jeder beliebige Behälter sein, ob Schuhkarton, kleines Paket, großes Paket oder XXL-Verpackung – Hauptsache man kann die Wiimote gerade darauf platzieren. Freundlicherweise bekommt man beim Kauf schon zwei „Let's Tap“-Schachteln dazu, jedenfalls in der Special Edition.

Und dann wird getrommelt, was das Zeug hält. Wobei man unter Trommeln ja eigentlich laute, deutlich hörbare Schläge versteht. Let's Tap erfordert mehr ein behutsames, sanftes und zugleich rhythmisches Trommeln, selbst im Menü. Einmal mit dem Finger auf den Untergrund tippen, um den nächsten Menüpunkt auszuwählen. Zweimal tippen, um die Auswahl zu bestätigen. Wer sich dabei lediglich auf die Spiele beschränken möchte, kann auch via D-Pad durch die Menüs surfen oder den Pointer der Fernbedienung zu Hilfe nehmen.

Im Grunde genommen ist Let's Tap eine kleine Mini-Spiel-Sammlung. Gerade mal fünf verschiedene Herausforderungen stehen zur Verfügung – einige sind wenigstens noch in unterschiedliche Variationen eingeteilt. Erstes und zugleich auch bestes Spiel der Auswahl ist das „Trommelrennen“. Was anfangs simpel erscheint – man läuft im ersten Level über eine gerade Strecke und hüpft durch einen etwas festeren Schlag über ein paar Hürden -, wird recht schnell deutlich anspruchsvoller. Seinen Läufer jagt man über den Parcours, indem man leicht im Rhythmus auf dem Karton trommelt. Erschwert wird die ganze Sache durch Steigungen, Sprungfelder, elektrische Hindernisse oder große Blöcke, die einem den Weg versperren, umgangen werden müssen und im schlimmsten Fall wertvolle Sekunden kosten.

Es zählt nicht alleine, wer am schnellsten mit den Fingern auf die Pappe haut. Immer wieder kommt es auch auf das richtige Timing an, um seine Widersacher hinter sich zu lassen. Es bringt rein gar nichts, wenn man als erster unter einen Block rennt, aber in der nächsten Sekunde von selbigem zerdrückt wird und kurze Zeit handlungsunfähig auf der Strecke klebt. Erkennt man, dass er sich gleich gen Boden senken wird, sollte man stattdessen lieber abbremsen und auf die nächste Gelegenheit warten. Mit jedem der insgesamt 16 Level wird es kniffliger, schneller und spannender, zumal auch immer wieder neue Elemente auf den Strecken hinzukommen, die einem das Läuferleben erleichtern oder erschweren können.

Anschließend wird es musikalisch. „Immer im Takt“ ist mehr oder weniger ein vereinfachtes Guitar Hero. Während im Hintergrund unverkennbar japanische Düdelmusik läuft, tippt man mit dem Finger auf den Karton, sobald die über den Bildschirm huschenden Symbole das Ziel erreichen. Mal langsamer, mal schneller. Leider aber nicht allzu spannend, da man zu keinem Zeitpunkt die Komplexität beziehungsweise den Anspruch eines der bekannten Musikspiele erreicht.

Spiel Nummer 3 trägt den Namen „Stabile Blöcke“, obwohl die letztendlich nicht annähernd so stabil sind wie man es gerne hätte. Hierbei handelt es sich mehr oder weniger um eine Art Jenga. Es geht darum, Blöcke durch leichte Trommelschläge aus einem Turm zu befördern.

Dazu wählt man vor dem jeweiligen Versuch stets den gewünschten Block und die bevorzugte Richtung aus, in die das gute Stück rutschen soll. Mit etwas Geschick befördert man eines der Teile in die Freiheit, ohne die anderen allzu sehr zu beeinflussen. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt, schlägt man zu fest auf den Karton, verabschiedet sich der ganze Turm.

Alternativ spielt man es in der Variante „Alchemist“. Hier besteht die Aufgabe darin, Blöcke der gleichen Farbe zusammenzubringen, damit sich diese in Juwelen verwandeln. Kombiniert man wiederum Juwelen der gleichen Farbe miteinander, etwa Bronze, erhält man einen silbernen Block. Anfangs geht es mit zwei Blockfarben los, mit jeder Stufe kommen neue hinzu und der Turm wird größer. Und dadurch steigert sich auch der Schwierigkeitsgrad, da man so immer mehr herumschubsen muss, bis gleichfarbige Teile zueinander finden.

„Sphäriker“ versteht sich indes als Sidescroll-Shooter. Mit seiner kleinen Figur fliegt man durch die Gegend, während von rechts immer wieder neue Objekte auftauchen, beispielsweise Hindernisse, punktebringende Sterne oder Power-ups, die dem Recken dickere Waffen spendieren. Man selbst lenkt ihn an den Blöcken und Asteroiden vorbei, indem man seinen Raketenantrieb durch das Trommeln zündet und ihn nach oben steigen lässt. Hält man die Finger ruhig, sinkt er nach unten. Schlussendlich sammelt man hier lediglich die Sternchen ein und umgeht etwaige Blockaden, sieht aber nichts, was man nicht schon gesehen hätte.

Das fünfte Mini-Spiel ist weniger Spiel, sondern viel mehr interaktiver Bildschirmschoner. Der „Illustrator“ hält prinzipiell das, was der Name verspricht. Indem man trommelt, befördert man in den fünf verschiedenen Varianten Bälle in die Luft, damit diese in Behältern landen, verteilt Tinte oder Farbe auf Papier, bis sich zufällig mal eine Form (Schmetterling, Schiff etc.) ergibt, lässt Feuerwerke explodieren oder lockt Fische an. Insbesondere bei den beiden letzteren kann man durch verschiedene Trommelreihenfolgen inklusive Pausen allerlei schwimmendes Getier oder ein paar nette Feuerwerksformen auf den Bildschirm zaubern. Alles in allem schaut man sich das Ganze aber vielleicht einmal oder zweimal an, anschließend nie wieder.

In den ersten Minuten erscheint die Steuerung von Let's Tap noch gewöhnungsbedürftig, allerdings geht sie erfreulicherweise sehr schnell in Fleisch und Blut über. Diese Möglichkeit der Kontrolle ist auf jeden Fall erfrischend anders und einige Stunden lang sogar unterhaltsam. Leider schafft es das Spiel aber nicht, diese Faszination über längere Zeit aufrechtzuerhalten. Die fünf enthaltenen Spielvarianten sind zwar sehr gut auf diese Art der Steuerung abgestimmt und leicht zu beherrschen, doch die Begeisterung verfliegt recht flott, sobald man einmal alles gesehen hat. Zudem hatte ich lediglich mit zwei der Modi wirklich meinen Spaß, einerseits das Trommelrennen, andererseits die stabilen Blöcke.

Let's Tap bleibt einfach weiter hinter seinen Möglichkeiten zurück und bietet schlicht zu wenig Umfang. Im Gegensatz zu anderen Party-Spielen, die meist noch mit nutzlosem Zubehör daherkommen und den Vollpreis verlangen, entpuppt sich Let's Tap aber dennoch als günstige, zum vergleichsweise niedrigen Preis angebotene Alternative, die allen voran im Multiplayer-Modus eine gewisse Zeit lang unterhalten kann.

Let's Tap ist seit dem 19. Juni erhältlich.

 

 

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