X360: Crackdown 2
Kaum ein Spiel hatte in den letzten Jahren einen dermaßen dankbaren Start wie Crackdown. Nicht dass irgendjemand irgendetwas über das Spiel gewusst hätte, nicht dass jemand etwas erwartet hätte oder dass Name, Entwickler oder irgendetwas anders im Zusammenhang mit dem Produkt, für das eigentlich Geld über den Tisch ging, etwas besonderes versprochen hätte. Interessierte auch niemanden, denn in der Packung befand sich ja schließlich auch noch ein Key für die Beta des seinerzeit noch heiß erwarteten Halo 3. Ich persönlich kenne, mich eingeschlossen, nicht weniger als vier Leute, die genau aus diesem Grund ein Crackdown orderten und zwei von ihnen haben das Spiel meines Wissens nach bis heute nicht angefasst und lassen es statt dessen ungeliebt verstauben.
Das Spiel landete bei uns auf dem Index und so darf nicht groß darüber gesprochen werden, ob Crackdown dann doch noch ein paar Freunde für sich gewinnen konnte. Auf also zur noch unbedenklichen Fortsetzung Crackdown 2. Und damit zu der Frage, ob ihr schon drei feste Partner habt oder euch noch für 2010 rüsten müsst. Nach Lost Planet 2 folgt auch Crackdown 2 der Formel, dass allein der Mann ist, das Duo den Spaß mehrt, aber echte Freude erst mit einem Vierer aufkommen kann. Aber keine Panik, wie auch der Zweier-Koop-Modus des ersten Teils schon recht lose Freundschaften zuließ, könnt ihr auch diesmal entweder zusammenhalten oder in alle Himmelsrichtungen auseinanderstieben, ganz wie es beliebt.
Zumindest fast, denn es zahlt sich schon aus, besonders in den - im Vergleich zu anderen Spielen - deutlich komplexer gewordenen Missionen. Ein großer Kritikpunkt war das simple Design und hier verspricht Ruffian Games, frisch im Januar dieses Jahres gegründet, Besserung. Wo ihr vormals nur einen einzelnen Punkt auf der Karte vorfandet – die Zielperson – sollen diesmal deutlich abwechslungsreichere und spannendere Missionen für ein wenig mehr Involvierung in die Story und die Spielwelt bringen. Sucht jemanden auf, sprecht mitunter sogar mal mit Menschen und um der neuen Bedrohung Herr zu werden, reicht es wohl kaum aus einfach nur ein paar Drogenbarone über den Jordan zu befördern.
Und mit dem Wunsch nach mehr Missionsvielfalt geht auch die Notwendigkeit einher, diesmal etwas zu erzählen, was zumindest vage als Story durchgehen kann. In anderen Spielen war es sicher eine Verfehlung, dass ihr am Anfang einen Auftrag bekamt und damit alles gesagt war. Keine Überraschungen im gesamten Ablauf. Geht hin, macht euer Ding, das war es, mehr gibt es nicht. Nun, als ihr damals euer Ding beendet habt, wurde im Laufe dessen eine seltsame Substanz über die gesamte Stadt verteilt, die einen guten Teil der Bevölkerung in nachtaktive Mutanten verwandelte. Das heißt nicht, dass es in Crackdown 2 keine Menschen mehr gäbe, ganz im Gegenteil. Und diesmal sind die Gangs so richtig bis an die Zähne bewaffnet, schließlich wissen sie, was nachts auf sie wartet.
Sobald es dunkel wird, betreten Wesen den Mondenschein, von denen Ruffian gelobt, dass sie stärker und schneller sind, als alles, was ihr am Tag als Mensch antreffen werdet. Wie ihr dieses Chaos befrieden werdet, wird sich zeigen, aber es dürfte deutlich abwechslungsreicher und auch interessanter werden, als alles, was mancher so an nichtexistenter Story auffuhr. Aber früher war ja nicht alles schlecht und an einige Traditionen möchte Crackdown 2 dann auch anknüpfen.
Der größte Teil des Spiels wird natürlich in luftigen Höhen auf Fenstersimsen und Dächern aberwitzig hoher Hochhäuser stattfinden und wie ein menschlicher Flummi springt ihr durch die aktuell noch etwas unfertig aussehende Stadt. Die Technik steht zu etwa zwei Dritteln, daher kann man noch nicht viel zu finalen Look sagen, aber die Richtung scheint zu stimmen und die Blickweite reicht schon jetzt sprichwörtlich bis zum fernen Horizont.
Um zu solchen Sprungfähigkeiten und den eigenen Agent in etwas zu verwandeln, was selbst kaum noch menschlich sein dürfte, werdet ihr erneut wieder die bunten Kugeln einsammeln und mit dieser Art von Erfahrungspunkten eure Fertigkeiten steigern. Zu den bisherigen vier Arten für Stärke oder Agilität kommen ein paar neue, noch nicht genannte, um für mehr Abwechslung zu sorgen. Die Kugeln werden ebenfalls wieder sowohl über die Stadt verteilt liegen, als auch euch bei Abschüssen entgegenfliegen. Wie hieß es doch gleich? „Remember Agent. Skills for Kills. “ Es könnten wohl solche Sprüche und Konzepte gewesen sein, die dem Spiel das Leben in unserem Land schwer machten. Rechnet also auch bei Crackdown 2 mit Unannehmlichkeiten bei der USK-Einstufung. Wenn es denn eine geben wird.
Wo neue Skills sind, sind neue Waffen nicht weit und gegen die nachtaktiven Mutanten zeigen sich Kugeln weit weniger effektiv als UV-Licht. Eine entsprechende Lichtkanone darf also nicht fehlen und erinnert beim Einsatz an die Wirkung von Sonne auf Vampire. Richtige Vampire, nicht die Sissy-Viecher aus Twilight. Wesentlich effektiveren Einsatz von der - natürlich wieder im Überfluss vorhandenen - Physik macht die Mag-Granate. Eine einzelne wirkt recht handelsüblich. Werft sie auf etwas und sie bleibt haften. Werft ihr eine zweite, dann bildet sich jedoch eine Art Elektro-Gummi-Band zwischen beiden. Jetzt verbindet drei davon, indem ihr das Band zwischen linker und rechter Häuserwand mit einem möglichst schweren Gegenstand in der Mitte verfeinert und ihr bekommt so ein veritables Katapultgeschoss. Mal schauen, ob die Granaten auch an den Mutanten haften bleiben. Du bist gefeuert. Mit einem Katapult. Aus der Stadt heraus. :D.
Genug Sadismus, wer effizienter denkt, kann die überall verteilten Benzinkanister einsetzen. An einer Kante angeschossen, verwandelt sie sich in eine kleine Rakete, die recht unkontrolliert losschießt. Pappt jetzt eine Mag-Granate an den Kanister und eine weitere an einen stationären Punkt und schon habt ihr eine Rakete an einem Gummiband, die in einem großen Radius ihre Bahnen zieht. Um derartige Kreativität auszuleben, wird Crackdown 2 natürlich weder auf den Spielplatz-Modus zum freien Experimentieren noch die Schlüssel zur Stadt verzichten. Freut euch also auf wilde Zerstörungsorgien, in denen ihr gucken könnt, wie viele Autos ihr mit einer einzelnen Granate auf die Stadt herabregnen lassen könnt.
Neben dem Koop für vier Spieler dürft ihr euch mit bis zu 16 Agenten im Deathmatch austoben. Ein eigenes Level-System und ein paar noch nicht näher genannte, zu Crackdown passende Specials sollen hier für noch mehr Spaß sorgen. Damit ihr schnell ins Spiel und damit auf die Dächer kommt, finden sich Sprungbretter verteilt, neue Waffen verstreut und angesichts der extremen Mobilität der Agenten wurde ein Lock-On nicht vergessen. Könnte nett sein, warten wir es ab.
Diesmal stehen die Chancen schlecht. Halo ODST ist draußen, Teil 4 nicht in Sicht. Crackdown 2 muss allein durchstarten. Es gibt eine Story, abwechslungsreiche Missionen, mehr Waffen, mehr Features und Mutanten bei Nacht. Das klingt alles ziemlich vielversprechend und ehrlich gesagt nach einer sicheren Nummer. Da sich ja auch große Teile des Entwicklers Ruffian Games aus dem ursprünglichen Team bei Realtime Worlds zusammensetzen, sollte es wohl keine Sorge geben, dass hier niemand Erfahrungen mit dem ersten Teil gehabt hätte. Man erkannte große Schwächen, man arbeitet an ihnen und so sollte in 2010 alles gut werden. Es bleibt nur die Frage, ob auch bei uns.
Vor 2010 ist nicht mit Crackdown 2 auf der Xbox 360 zu rechnen. Andere Plattformen werden wohl auch diesmal nicht unetrstützt.




