Uncharted: Drakes Schicksal

Preview
Vertrieb
Sony Computer Entertainment
Entwickler
Naughty Dog
Genre
Abenteuer
PS3: Uncharted: Drakes Schicksal

PS3: Uncharted: Drakes Schicksal

Prima. Vor mir liegt ein Wasserfall. Besser gesagt ein reißender Strom, der in einem Wasserfall mündet. Und ich muss allem Anschein nach auf die andere Seite. Sprung auf einen Felsen, von dort aus ein weiterer Satz an die Felswand. Ich klammere mich an einem Vorsprung fest und springe, nach einer kurzen Hängepartie, auf einen Steinblock, der sich mitten im Fluss befindet. Einige Kletterpartien später, am Rande des Wasserfalls, ist das Ziel in Sicht. Doch plötzlich taucht ein Jeep auf, hält vor der zerstörten Brücke und die Söldner auf der Ladefläche lassen ihre AK-47 Blei spucken. Auf diese Entfernung sind sie mit der Pistole nur schwer zu treffen, das Fass voller Benzin, das sie aus irgendeinem Grund mit sich herum fahren, jedoch nicht. Ein Schuß, ein Treffer. Der Jeep fliegt durch die Luft, quetscht sich zwischen einen Pfeiler und den Fels, an dem ich gerade hänge und wird so zu einer Brücke aus blechernem Schrott. Wenn der Fels jetzt nur nicht anfangen würde zu rutschen...

Die uns vorliegende Version von Uncharted ist alles andere als fertig. Sie ist eher eine zusammengewürfelte Stafette sehenswerter Inhalte, herausgerissen aus vier Kapiteln. Wie sich Geschichte und Charaktere entwickeln, lässt sich so natürlich nicht beurteilen. Das will diese Version aber gar nicht. Sie will Lust machen. Lust auf Abenteuer.

Das gelingt Ihr auch vortrefflich. In Uncharted wird geballert, aber nicht ständig. Mindestens genauso oft und lange muss die Umgebung erkundet werden. Und das hauptsächlich, um herauszufinden, wie und wo es weitergeht. So offensichtlich ist das nämlich meistens gar nicht. Weil die Landschaft organisch wirkt, befreit von Ecken und Kanten. Erst nach einiger Spielzeit schärft sich der Blick für Vorsprünge, Schlingpflanzen und was sich sonst noch einsetzen lässt, um vorwärts zu kommen. Zu Beginn denkt man nämlich eher, etwas wäre zu rund, um als Plattform zu dienen – oder eine offen liegende Wurzel wäre nur Dekoration.

Vielleicht ist das anfangs nur so schwer, weil das Spiel – gerade im Dschungel – die typische Flora so wunderschön einfängt und darstellt. Farne bedecken den Boden vollständig und Blätter bewegen sich einzeln animiert, wenn sich Nathan Drake oder einer seiner Kumpanen hindurch schlagen. Ich will Uncharted nicht zu viele Vorschusslorbeeren geben, aber was es hier zum Teil zu sehen gab, hat mich echt umgehauen. Bei aller verständlichen Hysterie gegenüber aktuellen Grafik-Hypes: Das hier sieht wirklich sensationell aus.

Und zwar egal, ob drinnen oder draußen. Ob es nun ein Sonnenuntergang ist, den man an Deck eines verrosteten U-Boots, das aus nicht bekannten Gründen mitten im Dschungel gestrandet ist, sekundenlang genießt, ohne über den nächsten Schatz nachzudenken, den es vielleicht noch zu bergen gibt. Oder im Inneren eines Tempels, mit düsteren Hallen, nur erhellt durch das gelegentliche Flackern einer Fackel oder in das bläuliche Licht der Taschenlampe getaucht.

Uncharted schafft es diese besondere Atmosphäre zu erzeugen. Ihr wisst, was jetzt kommt. Ich sag's aber trotzdem: Es ist wie beim guten, alten Indy Jones. Und genau das hatten wir doch alle gehofft.

Und wie spielt sich diese erste Version? Beginnen wir mit der Steuerung. Über das Kreuz werden die verschiedenen Ausrüstungsgegenstände ausgewählt: Pistole, Granaten, schweres Gewehr. Davon lässt sich übrigens nur eins tragen; man muss sich also stets entscheiden. Pump Gun oder AK-47. Meistens wählt man die, für die am meisten Munition herumliegt. Davon gibt es nämlich nicht allzu viel. Wenn ich genau darüber nachdenke, dann gab es bis auf ein paar Kisten mit Granaten kaum bis gar keinen Nachschub, den man nicht den erledigten Widersachern entreißen muss.

Mit L1 wird gezielt, mit R1 geschossen. Das ist wohl ziemlich etabliert. Mit Kreis wirft man sich gegen eine Wand, um Deckung zu nehmen. Oder aber auch, um einen Hechtsprung auszuführen. Diese Taste ist aber auch gleichzeitig dazu da, um sich beispielsweise von einem Vorsprung fallen zu lassen. Mit X wird gehüpft, geklettert, hochgezogen. Erwähnenswert ist vielleicht, dass – wenn man über mehrere Minuten partout nicht weiterkommt – eine eingebaute Hilfe aktiv wird. Gerade so, als ob das Spiel seine Langeweile bekunden wollte, wird die Taste L2 eingeblendet. Auf Knopfdruck schwenkt die Kamera dann dorthin, wo es weitergeht oder es etwas zu tun gibt. Eine tolle Idee, die ich beim Durchspielen dieser Version mehrfach nutzen musste.

Sowohl Pistole (weniger) als auch Maschinengewehr (mehr) verziehen beim Feuern das Fadenkreuz, was die Kämpfe anspruchsvoller macht. Das gilt auch für das Werfen von Granaten. Während die prinzipielle Richtung noch mit dem Analogstick vorgegeben wird, so muss der Sixaxis-Controller vertikal geschwenkt werden, um die Wurfweite festzulegen. Keine Sorge, dass ist nicht schwer und macht aufgrund der eingeblendeten ballistischen Kurve sogar sehr viel Spaß.

Von den Faustkämpfen lässt sich das noch nicht so behaupten. Sie sind zwar prinzipiell gut und sehr schön umgesetzt bzw. animiert. Allerdings lassen sie sich in den vorhandenen Kapiteln kaum einsetzen. Kommt ein Gegner in Reichweite, so stehen meist ein halbes Dutzend seiner Freunde im Hintergrund und feuern aus allen Rohren. Und alle bis auf einen plattzumachen, um diesen dann mit den Fäusten zu bearbeiten, ist dann doch etwas albern. Prinzipiell glaube ich, dass es im fertigen Spiel sicher noch ausreichend Gelegenheit geben wird, in denen man nicht Fäusten und Kugeln gleichzeitig ausweichen muss. Ansonsten wäre es überflüssig gewesen, sich ein Kombo-System auszudenken. Denke ich zumindest.

Episches darf natürlich auch nicht fehlen. Ohne etwas zu verraten, was jeder selbst erleben sollte: Uncharted hat natürlich seine eigene Interpretation der Indiana Jones verfolgenden Steinkugel. Szenen wie diese werden durch eine ganz kurze Cinematic eingeläutet, die einen in eine Art Lauerstellung versetzt. Man weiß, dass jetzt etwas passiert und schnell reagiert werden muss. Damit sind jetzt keine Quicktime-Events gemeint. Die gibt es in Uncharted nämlich nicht. Zumindest nicht in diesen vier Kapiteln.

Was hat mir bislang nicht gefallen? Nicht viel. Im ersten Kapitel, auf einem Boot, war die KI noch nicht wirklich auf der Höhe der Zeit. Das hat sich im weiteren Verlauf aber gebessert und sie wurde später sogar richtig fordernd. Der zweite Kritikpunkt ist mehr ein Wunsch. In einigen Szenen wird Nathan von mindestens einem Gefährten begleitet. Und sie schweigen sich an. Daher mein Wunsch: Ein paar markige Sprüche – und seien es nur Kommandos – wären der Atmosphäre sicherlich zuträglich.

Uncharted: Drakes Schicksal gehört definitiv zu meinen Most Wanted (http://gamers.eurogamer.de/user_profile.php?user_id=118709&tab=most-wanted)

der diesjährigen Wintersaison. Ja, es erinnert verdammt oft an Indiana Jones. Aber mindestens genauso oft an James Bond. Zum Beispiel, wenn man mit dem Rücken zur Wand gegen ein Dutzend schwer bewaffnete Söldner kämpft. Insofern ist es mir dann auch irgendwann egal, mit welchen Leinwandhelden Nathan Drake noch verglichen wird. Diese zusammengeklöppelte Version war bereits spannender, aufregender, einfach mehr Abenteuer als viele fertige Titel, die ich dieses Jahr spielen durfte. Zusammen mit der Story, die es in Videos schon zum Teil zu sehen gab, steht uns Anfang Dezember ganz großes Kino ins Haus.

Drakes Schicksal entscheidet sich ab dem 5. Dezember exklusiv auf der PlayStation 3.

 

 

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