Legendary

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Atari
Entwickler
Spark Unlimited
Genre
Shooter
PC: Legendary

Gesamtwertung

7/10

PC: Legendary

Von gewalttätigen Bullies fertig gemacht zu werden, ist kein Spaß. In die Ecke gedrängt, keine Chance auf Gegenwehr oder Flucht, in Erwartung des Schmerzes, der unweigerlich kommt. Solltet Ihr zu Schulzeiten zu den Bullies gehört haben, dann seid froh und genießt jetzt die einmalige Chance, zu erleben, wie es sich auf der anderen Seite anfühlte. Eine ganze Reihe von mythologischen Monstern tritt an, um Euch mal so richtig zu zeigen, was es heißt, wehrlos mit dem Rücken zur Wand zu stehen.

Und das ist ganz sicher nicht als eines der positiven Features von Legendary zu verstehen. Den Spieler zu bestrafen, der sich selbst in die Falle manövriert, ist völlig legitim. Nur kommt es häufiger vor, dass Ihr unverschuldet einer Monstrosität gegenübersteht, die nicht nur schneller und stärker ist, sondern auch Magazin um Magazin aus Eurem Arsenal einsteckt. Ihr weicht zurück, bleibt irgendwo hängen und könnt nicht rechtzeitig herauskommen, um Euch mehr Spielraum zu geben. Der erste Schlag trifft hart und die Welt wird schwammig. Das Einzige, was dadurch scharf und überdeutlich in den Fokus rückt, ist die rapide schwindende Lebensanzeige. Ihr versucht Euch zu heilen, aus der Ecke zu kommen, Euch zu retten. Zu spät, zurück zum letzten Speicherpunkt.

Es sind diese Momente, die dazu verleiten, einen Wutschrei auszustoßen, das Pad in die Ecke zu feuern, die DVD aus dem Laufwerk zu reißen und Legendary keines weiteren Blickes zu würdigen. Dass Ihr es dann aber trotzdem nicht tut, sondern die Zähne zusammenbeißt und es noch einmal versucht, sagt allerdings auch eine Menge über das Spiel aus.

Erst einmal gilt es aber, den Hauptschuldigen für diese Momente des Ärgers zu finden. Schnell ist die mangelnde Sprungkraft des Helden ausgemacht. Er scheint nicht fähig zu sein, selbst kleinste Hindernisse zu überwinden und bleibt dabei gerne mal irgendwo hängen. Und kleine Barrikaden finden sich in den meist zerstörten und verwüsteten Umgebungen häufig genug. Ihr müsst stets ein wachsames Auge darauf haben, wie Ihr vorgeht. Und trotzdem landet Ihr immer mal wieder in der Ecke.

Glücklicherweise plagt das Bully-Problem Legendary nicht permanent. Nicht so selten, dass man es vernachlässigen darf, aber die allermeisten der Kämpfe werdet Ihr überstehen - oder auch nicht. Euer Leben wird nicht nur in einer Ecke beendet, wenn Ihr unfähig seid, Euch auch nur zu bewegen. Vielmehr durchsieben Euch Kugeln, Ihr werdet von Feuerbällen zerfetzt oder von einem gewaltigen Tentakel zermatscht. Alternativ endet es auf eine der vielen anderen Arten, mit denen Euch Legendary aus dem Rennen schickt. Es ist kein einfaches Spiel.

Aber schließlich sind Eure Feinde ja auch Legenden. In dem an sich nicht schlecht gedachten Versuch einer klassischen Actionhandlung rund um das Öffnen von Pandoras Box stoßt Ihr bis zum Ende auf so ziemlich alles, was im Bereich der Sagen und Legenden bei den Monstern Rang und Namen hat.

Es bleibt zwar völlig unbeantwortet, warum in der Kiste Werwölfe, Minotauren, Greife und ein London-fressender Riesenkraken hockten, doch angesichts der so offensichtlich nicht auf Tiefe, sondern auf Action ausgelegten Handlung stellt Ihr solche Fragen auch nicht. Legendary bietet Actionkino mit platten Dialogen, zweidimensionalen Charakteren und leugnet an keiner Stelle, dass all dies nur existiert, um Euch von einer monsterverseuchten Örtlichkeit in die nächste zu tragen. Und diese Aufgabe erfüllt die Story solide.

Ihr startet in New York, das traditionell als erstes verwüstet wird. Hier ein Besuch in der Subway, da ein Kampf mit einem zehn Stockwerke hohen Golem, der sich zuvor effektgeladen aus Trümmerteilen zusammensetzt. Und zwischendurch geht es durch eine Werwolf-gefüllte Lagerhalle. Und das ist kaum das erste Drittel einer wahren Tour de Force. Legendary lässt nie Langeweile aufkommen. Geschickt wechselt es häufig zwischen Horrorpassagen in dunkeln Katakomben, großen Massenschlachten und beeindruckende Bossgegnern.

Innerhalb der ersten Spielphase lernt Ihr schnell, dass der Kontakt mit der Box für Euren Helden einen positiven Nebeneffekt hatte. Ein seltsames Mal an seinem Arm erlaubt es ihm, einen blauen Dunst, hier Animus genannt, von toten Monstern zu absorbieren. Mittels des Animus heilt Ihr Euch oder gebt einen kleinen Machtpuls nach vorne ab, der Gegenstände und Monster zurückwirft. Eine weitere Möglichkeit wird leider erst viel zu spät im Spiel genutzt. Zu spät, weil sie so nett geraten ist, dass man gerne mehr davon gesehen hätte. Ihr könnt eine Maschine mit Animus aufladen und für ein Weilchen wechseln die Monster auf Eure Seite. Diese Möglichkeit hätte es ruhig häufiger und vor allem früher geben sollen.

Aber auch abgesehen davon bietet die Konstellation aus drei Fraktionen viel Abwechslung. Auf der bösen Seite steht die Black Order, die Euren Helden dazu verleitete, die Box zu öffnen. Auf Eurer Seite wisst Ihr den Council, einen erklärten Order-Feind. Die Monster können schließlich beide Parteien nicht leiden. Und seine besten Momente hat das Spiel, wenn alle drei aufeinander treffen. Die Schlachten drehen sich natürlich in letzter Instanz immer noch darum, dass Ihr selbst ein Ziel erreicht, einen Schalter betätigt oder einfach diese letzten drei Opponenten ausschaltet. Aber es fühlt sich nach mehr an. Mehr Dynamik, mehr Action und mehr Leute, die von Werwölfen gefressen werden.

Wenn die größte Schwäche von Legendary seine in Schüben auftretende Unfairness ist, dann dürfte seine größte Stärke darin liegen, dass es Euch nie langweilt. Alle Abschnitte sind lang genug, um Euch ihre Stimmung zu vermitteln und in den Augenblick hineinzuziehen. Seien es die unheimlichen Gänge einer Kirchenkatakombe, das hektische Schlachtfeld in dem Trümmerhaufen, der mal New York war, oder die treibende Action eines gradlinigen Shooters bei der Erstürmung der letzten Festung des Feindes. Jeder dieser Abschnitte weiß, wie lange er willkommen ist und wird auch nie länger als nötig auf Eurem Bildschirm verweilen.

Und es ist auch nicht so, dass Ihr wirklich eine Wahl hättet. Würde es den Begriff des linearen Leveldesigns nicht schon seit Anbeginn der Zeit geben, wäre mit diesem Spiel der Moment gekommen, ihn zu erfinden. Ich möchte dies nicht einmal unbedingt negativ verstanden wissen.

Ich mag es, wenn ich weiß, wo es weitergeht und das Spiel mich nicht zwingt, sinnlos durch einen leergeballerten Level zu kreuzen und diesen letzten, gut versteckten Schalter zu finden. Das Design von Legendary unterstreicht das Tempo der Action und dieses Weges. Solltet Ihr jedoch gerne abseits der Pfade nach alternativen Routen suchen, ist dies nicht Euer Spiel.

Diese Art von Aufbau hat allerdings auch den Vorteil, dass es sehr präzise gescriptete Epik erlaubt. Ihr könnt sowieso nur da lang laufen, Ihr müsst an dieser speziellen Stelle stehen. Und wenn Ihr schon mal da seid, zeigt Euch Legendary auch oft genug eine Szene, die Euch vergessen lässt, dass Ihr eh keine Wahl hattet. In dem Augenblick, in dem der Greif durch die Scheiben der Kathedrale bricht, möchte ich nirgendwo anders stehen als auf dieser Brücke gegenüber der Scheibe.

Dass sich diese Situationen lohnen, liegt auch an der in großen Zügen gelungenen Optik. Sicher, es ist mal wieder die Unreal-Engine und es sieht auch insbesondere bei der Umgebung ganz schwer danach aus. Inzwischen kennen wir eben diese Lichteffekte und nassen Oberflächenstrukturen zu Genüge. Dank der Liebe zum Detail, insbesondere bei den großen Biestern kann man das aber verzeihen, zumal die Framerate nicht schwankt und das Gesamtbild trotz bekannter Tricks ein recht frisches Bild vom Ende der Welt zeichnet.

Zugegeben, einige Ausschnitte davon haben wir schon mal gesehen. Es wäre wirklich nett, wenn ausnahmsweise mal nicht New York zerstört wird. Wie wäre es mit Chicago? Oder Moskau. Oder Shanghai. Liebe Entwickler, es gibt so viele Großstädte, gönnt den armen New Yorkern eine Pause und uns eine frische Stadt.

Für den Multiplayer-Modus dachte man sich ebenfalls etwas aus, um die Monster mit einzubringen. Leider darf in den Vier-gegen-vier-Matches niemand die Rolle des Werwolfs übernehmen. Ihr seid entweder Council oder Order, aber Ihr müsst die Viecher für Eure Zwecke nutzen und Animus-Maschinen aufladen. Ich hätte das wirklich gerne getestet und dabei zugeschaut, wie ein Rudel Wölfe das andere Team aufmischt, allerdings sind die Server vor dem Verkaufsstart noch komplett ausgestorben. Schade, denn es klingt zumindest viel versprechend.

Wird Legendary seinem Namen gerecht und als Legende in seiner eigenen Zeit gefeiert werden? Schwerlich. Aber es bleibt etwas, dass man auch nicht unterschätzen sollte. Ein guter, ehrlich, gradliniger Shooter alter Schule mit ein paar neuen Tricks im Ärmel. Ein harter, mitunter unfairer zehn-Stunden-Trip, der Euch denkwürdige Momente, satte Action und einfach Ballerspaß anbietet.

Wäre er nicht gelegentlich so ein Bullie und würde, was den weiteren Weg angeht, ein paar Freiheiten hier und da präsentieren, hätte es mehr sein können. Aber auch so sollten Actionfreunde einen Blick auf Legendary werfen. Sie sind zumindest gewohnt, dass in einem solchen Werk eine kohärente Story ein seltener und vor allem komplett optionaler Bestandteil ist. Und sie wissen auch, dass New York zerstört wird. Immer.

Auf PS3 und PC tretet Ihr ab dem 13. November gegen Greife und Schlimmeres an, auf der Xbox 360 geht es ab sofort los.

 

 

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