Gesamtwertung8/10 |
Was tun, wenn einem als Entwickler die Ideen ausgehen? Man nimmt den Vorgänger seines Erfolgsspiels und macht einfach alles größer, schneller, schöner. Blöd nur, wenn man dafür im Fall von Tekken 6 mehr als fünf Jahre benötigt und dadurch ein wenig den Anschluss an die moderne Konsolentechnik verliert. Gut, zugegeben, das war gemein. Denn Tekken 6 ist trotz einiger Kritikpunkte ein feines Spiel. Ihr wollt Fakten? 40 Kämpfer, davon 6 neu, bis zu 100 Schlagvarianten pro Charakter, 16 wählbare Arenen, Online-, Offline und Kampagnen-Spielmodi. Klingt gut, oder? „Nimm mich nicht so hart ran!“, hatte die junge Frau vor dem Kampf noch gesagt. Jetzt klebt ihr ein Schuh im Gesicht und ihr Körper rotiert um die eigene Achse, bevor sie im Rasen vor einer Horde Schafe aufschlägt. Sorry, bei einem Prügelspiel darf man auf so ein Geblubber keine Rücksicht nehmen. Schnell noch ein Schaf getreten und die Dame mit einer schneller Links-Rechts-Kombination endgültig ins Land der Träume verfrachtet. Das bewährte Grundprinzip des Spiels bleibt unangetastet: Zwei Kontrahenten steigen in den Ring und schlagen sich die Köpfe ein. Bis einer heult. Damit ihr das nicht seid, solltet ihr euch mit der im Kampf abrufbaren Befehlsliste eurer Spielfigur vertraut machen. Am besten im Trainings-Modus. Dort dürft ihr einen wehrlosen Gegner verdreschen und bekommt gezeigt, wo euer Hieb oder Tritt einschlägt und wie viele Schadenspunkte er anrichtet. Auch für Tekken-Kenner lohnt sich die Übungsstunde. Denn nicht nur frische Angriffe der bekannten Figuren unterscheiden Tekken 6 vom Vorgänger. Noch wichtiger als früher ist es diesmal, Attacken zu kombinieren. Etwa um getroffene Gegner mit weiteren Treffern wehrlos in der Luft zu jonglieren. Da eure Widersacher bei Niederschlägen zum Teil wie ein Gummiball vom Boden abprallen, saugen solche Ketten passender Angriffe an der Lebensenergie wie ein Geschwür. Für Anfänger eine wirkliche Pein, für Profis die Kür. Selbstverständlich gibt es immer noch das Markenzeichen der Tekken-Reihe: diverse Würfe, Griffe und Schlagsalven, wenn man zwei Knöpfe gleichzeitig drückt. Im Gegensatz zu Street Fighter 4 sind kaum Halbkreisbewegungen des Sticks von Nöten, sondern es kommt hauptsächlich auf Knopfkombinationen an. Und natürlich auf Timing und Position des Gegners. Für fast jeden Schlag gibt es die passende Antwort. Hohe Schläge lassen sich in der Hocke kontern, niedrige mit einem Sprungamgriff und so weiter. Die Körpersprache des Kontrahenten ist der Schlüssel zum Sieg. Kurz vor der eigenen Niederlage schaltet eure Spielfigur ab sofort in einen Zornmodus und beginnt rot zu glühen. Eure Treffer richten jetzt größeren Schaden an. Vielleicht noch eine Chance, das Blatt zu wenden? Tekken 6 gönnt zwar auf einfachem Schwierigkeitsgrad auch wild auf dem Pad oder Stick hämmernden Neueinsteigern Erfolgserlebnisse, doch wer online antreten, sich tiefer in das ausgefeilte Kampfsystem hineinfuchsen, Schritte zählen, in die Welt der Konter und Rennattacken abtauchen und seinen schwarzen Gürtel in Tekkenlogie verdienen möchte, dem lege ich die Seite Tekkenzaibatsu.com (http://www.tekkenzaibatsu.com) ans Herz. Die Tekken-Verrückten dort schlüsseln wirklich jede einzelne Tastenkombination auf und erklären alle Feinheiten. Tekken 6 ist übrigens ein Spiel, das auch mit defekten Lautsprechern Spaß macht. Sicher, die knackigen Schlaggeräusche würden fehlen, aber immerhin blieben einem auch die Musikstücke der Marke „Ich will nicht länger in diesem japanischen Taxi sitzen“ und das Gestöhne der Kämpfer erspart, das mitunter an Nies-Attacken erinnert. Das Ganze jetzt neben der Playstation auch auf einer Microsoft-Konsole erleben zu dürfen, ist ein ungewohntes Gefühl – schließlich galt die Tekken-Reihe einst als Sonys Prügel-Aushängeschild. Besonders mit den Render-Outros von Tekken 3 konnte man immer wieder den Freundeskreis beeindrucken. Doch damit allein lockt man heute nicht mal mehr Gelegenheits-Schläger vor den Fernseher – zu hochwertig ist mittlerweile die Spielgrafik der Spitzenproduktionen. Und hier verpasst es Entwickler Bandai Namco, neue Maßstäbe zu setzen. Die Animationen der Figuren sind gelungen, doch von den im Vorfeld groß angekündigten „zerstörbaren Levels“ blieben nur müde blinkende Bruchstücke getroffener Säulen oder ein paar Bröseltexturen im Boden zurück. In einigen Arenen darf man sich noch durch die Decke oder eine Wand dreschen, das war's. Soul Calibur 4 (http://www.eurogamer.de/articles/soulcalibur-iv_3) wirkt detailreicher. Und ein markanter Grafikstil wie etwa bei Street Fighter 4 (http://www.eurogamer.de/articles/street-fighter-iv-test) geht dem Spiel fast gänzlich ab. Verschenktes Potenzial, schade drum. Eine HD-Glotze solltet ihr trotzdem euer Eigen nennen, sofern ihr euch nicht an kleinen Schriften die Augen verderben wollt. Recht peinlich wird es, wenn ihr die Kampagne startet. „Wir legen auf diesen Spielmodus besonderen Wert. Für uns ist er das Herzstück der Konsolenversion“, hatte Chef-Entwickler Katsuhiro Harada noch auf der Spielemesse gamescom im August gegenüber Eurogamer betont, als es um diesen Bonus zur Spielhallenfassung ging. Allerdings unterbietet bereits die Optik des vermeintlichen Herzstücks die der Zweikampfarenen noch einmal deutlich. Die Szenerie mit dem Wohlfühlfaktor einer ostdeutschen Plattensiedlung ließe sich vielleicht noch verschmerzen, aber auch der Spielablauf ist letztlich nur eine unkomfortabel steuerbare Kopie von Durchlaufprügler Final Fight – mit Klongegnern und eng begrenzten Level-Schläuchen. Unterbrochen wird das etwa 40 Akte währende Trauerspiel mit extrem vielen, extrem langen und extrem komplizierten Zwischensequenzen. Wofür? Mal ehrlich, die Story von Prügelspielen interessiert doch die meisten Zuschauer genauso brennend wie die eines Pornofilms ... Nur wer die Kampagne abschließt, darf bei den Gefechten seiner Spielfiguren lustige Comic-Lautworte wie „Blam!“, „Pow!“, „Bam!“ aktivieren. Dummerweise lassen sich in besagter Kampagne die meisten Kostüm-Alternativen sowie Abspannvideos für eure Kämpfer freispielen. Auch viele Erfolge liegen hier begraben. Schwamm drüber. Denn der Rest des Spiels bietet gewohnte Tekken-Qualität. Offline dürft ihr antreten gegen andere Spieler, Teams, die Uhr, so viele Gegner ihr mit einer Energieleiste besiegt und gegen Geistercharaktere. Ihres Zeichens computergesteuerte Gegner mit individuellen Namen, zum Beispiel Ebenbilder eurer Bekannten aus der Freundesliste. Im Arcade-Modus lassen sich die neun Levels des Spielhallenoriginals nachspielen. Inklusive des Endkampfs gegen den Riesendämon Azazel. Das Besondere an diesem Tekken-Teil ist, dass ihr von Beginn an jede der 40 spielbaren Figuren wählen dürft. Ein Pluspunkt, denn wer etwa gerne mit Bosscharakteren wie Jin Kazama antritt, kann das jetzt jederzeit. Kein mühevolles Freispielen mehr, keine bösen Überraschungen bei Auswärts-Kämpfen. Die sechs Neuzugänge der Kämpferriege fügen sich erfreulich harmonisch ins Gesamtbild ein. Alisa ist ein Cyborg, der fliegen und den Kopf in eine Bombe und die Arme in Kettensägen verwandeln kann. Bob reimt sich nicht nur auf Blob, sondern auch die Körperfülle des Karate-Meisters passt wie Faust aufs Auge. Leo, die Kämpferin mit dem deutschen Migrationshintergrund, ist eine Alleskönnerin, mit der sich leicht Gegner in der Luft jonglieren lassen. Der spanische Macho Miguel hat ordentlich Wumms in Füßen und Fäusten. Etwas weniger durchschlagkräftig kommt Handyjunkie Lars daher, ein weiterer Abkömmling des Tekken-Altmeisters Heihachi. Der letzte Neuzugang ist nicht nur optisch einer der ansprechendsten: Zafina verrenkt sich grazil, ihre Bewegungen erinnern an einen Mix aus Schlange und Spinne. Sexy und auch irgendwie beängstigend. Der Online-Modus von Tekken, inklusive Ranglistenspielen und Freundschaftsmatches, ist allerdings ein zweischneidiges Schwert. Je nach Verbindung laufen die Zweikämpfe zwar oft sehr gut, manchmal aber auch im Schneckentempo – Verbindungsaussetzer inbegriffen. Hier hat die Xbox 360 mehr zu kämpfen als die PS3. Für Experten ist das etwas bedauerlich, aber ein Patch befindet sich angeblich bereits in Arbeit. Vielleicht wird dann auch der fehlende Kooperativ-Modus für die Kampagne mitgeliefert, das könnte dem Langweiler doch noch etwas Auftrieb verschaffen. Nichtsdestotrotz: Tekken 6 liefert vom abwechslungsreichen Figurenkader bis hin zum erstklassigen Kampfsystem ein tolles Prügel-Gesamt-Paket. Allerdings ist das Spiel, zumindest für Um- oder Neueinsteiger, ein Spätzünder, dessen hohes Niveau sich erst nach einer Weile erschließt. Die verkorkste Kampagne sollte man nicht überbewerten. Solche Bonusspielmodi gab es bereits früher, nur wurden diese damals nicht zum Herzstück des Spiels hochgeredet und aufwendig mit tausend Zwischensequenzen in den Sand gesetzt - keine Ahnung, welcher Floh Bandai Namco da gebissen hat. Die Hauptsache ist, dass Tekken weiterhin gekonnt seine Qualitäten zur Schau stellt. Sein stimmiges Kampfsystem, das nach wie vor das alte Haudrauf-Flair verbreitet und aufreibende Vs-Rangeleien für viele, viele Abende bietet. Klasse auch, dass alle Kämpfer von Anfang an zur Verfügung stehen. Wenn jetzt noch der Online-Modus etwas zuverlässiger funktioniert, bin ich mehr als zufrieden. Tekken 6, du bist mein Geld wert! Tekken 6 ist erhältlich für PlayStation 3 und Xbox 360, gegen Aufpreis auch als Limited Edition oder mit Arcade Stick.
Bei XBlaster ist die Welt, wie wir sie kennen, Vergangen- heit. Als Mechpilot kämpfst Du zur Belustigung der Menge und monatlich 10.000 € zum Spiel...
Tekken 6 im Test.
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