FlatOut Ultimate Carnage

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Empire Interactive
Entwickler
Bugbear Entertainment
Genre
Andere
X360: FlatOut Ultimate Carnage

Gesamtwertung

8/10

X360: FlatOut Ultimate Carnage

Mmmm Mmmm Mmmm Mmmm! Und jetzt alle: Mmmm Mmmm Mmmm Mmmm – nicht dass ich unglaublich musikalisch wäre, obwohl auf meinem Zeugnis in Musik ein fettes 'Sehr gut' prangt, aber FlatOut Ultimate Carnage erinnert mich zwangsläufig an ein One Hit Wonder aus den 90er Jahren. Zwar hat man von den Crash Test Dummies mittlerweile nur noch ihre schmalzige Ballade im Ohr, aber vielleicht hat die Kombo jetzt die einzigartige Chance auf ein fulminantes Comeback. Ich sehe schon den Sticker auf der Verpackung von FlatOut Ultimate Carnage – jetzt mit den Crash Test Dummies.

Während im Ausland menschliche Piloten hinter dem Steuer sitzen, hat Empire Interactive seine durchaus charismatischen Charaktere der Originalfassung kurzerhand gegen die leblosen Testpiloten des ADAC ausgetauscht. Die können zwar nicht singen, treten aber dermaßen aufs Gaspedal, dass man meinen könnte, stumpfes gegen die Wand fahren würde auf Dauer langweilig – ist es vermutlich auch. Aber so ganz ohne Crashs kommt natürlich auch FlatOut Ultimate Carnage nicht aus. Seit dem Debüt ist die Serie für ihr destruktives und actionreiches Gameplay bekannt, in dem rostenden Kisten gleich im Dutzend verschrottet werden.

Fans der Serie, die seit knapp einem Jahr sehnlichst auf einen Nachfolger warten, seien an dieser Stelle gewarnt. Ultimate Carnage ist lediglich das HD-Facelift des zweiten Teils, das für seinen ersten Next Generation Auftritt auf der Xbox 360 mit zeitgemäßer Optik und einigen neuen Spielmodi versehen wurde. Ob sich auch für Veteranen der Kauf lohnt, zeigt unsere ausgiebige Probefahrt.

Man wirft Herstellern häufig Geldmacherei vor. Da wird das gleiche Spielkonzept fünf Mal neu aufgelegt, egal wie viel Schrammen das Spiel im Laufe der Zeit schon bekommen hat. Das könnte man auch bei FlatOut Ultimate Carnage erwarten. Wenn ein Titel allerdings eine Auszeichnung für ein zeitgemäßes Update verdient, dann Bugbears Alternativrenner, der gekonnt die Lücke zwischen Burnout Revenge, Project Gotham Racing und Colin McRae ausfüllt.

Beim ersten Treffen mit Ultimate Carnage fühle ich mich an so manches Blind Date mit einer unbekannten Schönen erinnert. Der erste Anblick ist atemberaubend und man traut seinen Augen kaum. So auch hier, denn was die Entwickler aus der Engine heraus geholt haben, ist wahrlich beeindruckend. Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Als würde man einen blitzblank polierten Shelby GT neben einen Rost verzierten Trabbi stellen – gut, das sind auch unterschiedliche Autos, aber die optische Diskrepanz dürfte vergleichbar sein. Nun bin ich nicht ganz so eine Grafikhure wie einer meiner Kollegen (ich nenne an dieser Stelle keine Namen, sonst haut der mich wieder), aber die grafische Präsentation holt selbst Genre-Größen wie Bunrout Revenge oder Forza Motorsport in Schlagdistanz.

Das Spiel wirkt wie auf Hochglanz poliert und scharf gestellt – egal ob es die stimmungsvollen Sonnenuntergänge sind, wenn man die Feldwege hinunter rast und am liebsten den Motor abstellen würde, um den Moment auf sich wirken zu lassen. Oder die tollen Wassereffekte, die das kühle Wasser Gischt-artig an der Karre empor spritzen lassen. Dank Bump-Mapping, HDR-Lighting Real-Time-Shadows und verbesserter Partikeleffekte ist das Facelift optimal gelungen. Auch die schmucken Boliden wirken aufgrund von Anti-Alising und erhöhter Polygonzahl plastischer und authentischer als je zuvor. So muss ein Next Generation-Rennspiel aussehen, war mein erster Gedanke, der mich bis zum Ende nicht loslassen sollte.

FlatOut Ultimate Carnage ist - für mich - der Underdog der Rennspiel-Szene. Eine Art Alternativrenner, der zielsicher die Lücke im Einheitsbrei von PGR, Burnout, Colin McRae und Forza findet. Dabei ist Ultimate Carnage nicht der Saubermann wie Burnout, sondern setzt auf das schmutzige Dirty-Image, das Bugbear konsequenterweise auch auf das Gameplay überträgt. Rennen fahren kann jeder, aber hier wird der Kampf um die Krone zum Krieg.

Rempeln, Schubsen, Drängeln, Crashen – jedes Mittel ist recht, um die neuerdings elf Kontrahenten aus dem Rennen zu werfen. Mit einer Burnout-Steuerung und Takedown-Features kein Problem, doch hier ist vorausschauendes Fahren angesagt und vorsichtiger Einsatz von Gas und Bremse. Das Handling der Boliden fühlt sich dabei an wie die ideale Mischung aus arcadelastiger Steuerung à la Burnout, die mit einem ordentlichen Schuss Realitätsnähe der Marke Project Gotham Racing versehen wurde. Um die Rennsemmeln trotzdem gekonnt durch die teilweise engen Kurven zu zirkeln, hilft der obligatorische Boost, der für halsbrecherische Sprünge, kraftvolles Rempeln oder dem rücksichtslosen Zerstören der Rennstrecke winkt – und exakt darauf sind die Strecken ausgelegt.

Ganze Gewächshäuser gehen zu Bruch, Ihr springt quer durch alte Scheunen, rast durch Tankstellen, die Sekunden später in Flammen aufgehen und brettert mit Vollgas an riesigen Holzgerüsten vorbei, die krachend hinter Euch zusammenbrechen und die Konkurrenz unter sich begraben. Klingt einfach, doch die erstklassige Physik-Engine der FlatOut-Serie erfordert ein hohes Maß an Feingefühl. Nur allzu schnell sorgen Trümmer auf der Strecke für einen Abflug oder heftige Rempler der Konkurrenz lassen Euch von der Strecke driften. Taktik ist gefragt und nicht zu wenig davon. Oftmals habe ich im direkten Duell einen Rückzieher gemacht, um in der nächsten Kurve lieber geschickt auf der Innenseite zu überholen und somit doch noch als Erster durchs Ziel zu gehen.

FlatOut Ultimate Carnage ist also durchaus fordernd, wenn auch das Handling aufgrund unzähliger Tuningmöglichkeiten mit zunehmender Spieldauer immer zugänglicher wird. Dafür ist die Konkurrenz dank Gummiband-Prinzip eine harte Nuss. Es gelingt selten, einen sicheren Vorsprung herauszufahren, und der kleinste Fehler kostet sofort mehrere Plätze.

Wie zu erwarten hat Bugbear am umfangreichen Karriere-Modus nichts geändert, und wer noch kein FlatOut in der heimischen Garage stehen hat, kann bedenkenlos zugreifen. Doch auch an die Fans hat man gedacht. Im neuen Carnage-Modus werden die beliebten Minispiele - in denen Ihr die Crash Test Dummies durch die Luft schleudert, als Bowlingkugel missbraucht oder geschickt übers Wasser hopsen lasst - mit den neuen Spielmodi 'Beat The Bomb' und 'Death Match Derby' vereint. Während letzterer eine Art automobiles 'Last man Standing' darstellt, in der es lediglich darum geht, seine Gegner möglichst schnell in die Schrottpresse zu verfrachten, ist 'Beat The Bomb' nichts anderes als ein recht eintöniges Check-Point-Rennen, bei dem jedes Tor mit einer Zeitgutschrift belohnt wird, bis die Uhr abgelaufen ist – allen in allem eine nette Idee, aber auch nicht mehr.

Online-Raser freuen sich indes über die beiden neuen Spielmodi 'Head On', bei dem kurzerhand mitten im Rennen die Fahrtrichtung gewechselt wird (kennt Ihr vielleicht noch von früher aus der Eishalle, wenn vom permanenten Rechtsherumfahren langsam die Knöcheln schmerzten), während bei 'Hunter Prey' Jäger und Gejagte permanent die Rollen wechseln und sich gegenseitig in die Einzelteile zerlegen.

Auch wenn FlatOut Ultimate Carnage kein Blind Date ist, sondern eher wie ein Treffen mit einer alten Freundin wirkt, die sich gerade einer umfangreichen Schönheits-OP unterzogen hat, keimt dank Facelift neue Liebe auf. Die inneren Werte waren schon immer ansprechend, doch gepaart mit der neuen optischen Präsentation ist FlatOut eine Wucht.

Wer sich also damals schon verliebt hat, kann sich die Kosten für die OP schenken. Ist es aber Euer erstes Treffen, und dann sind wir doch mal ganz ehrlich, ist Schönheit natürlich ein wichtiger Faktor. Daher investiert die paar Kröten in das Update – es ist zwar spielerisch das Gleiche, sieht aber tausend Mal besser aus.

Crashpiloten, die Herausforderungen lieben, gehen ab dem 24. August auf Xbox 360 an den Start.

 

 

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