Gesamtwertung7/10 |
Als ich auf dem gefährlichen Weg zu meinem nächsten Missionsziel eine Leiter hinabsteigen musste, konnte ich durch die rostigen Sprossen die schemenhafte Gestalt eines Mannes erkennen, der mir wohl etwas zeigen wollte. Unten angekommen, folgte ich ihm und landete letztlich in einer Sackgasse. Wenigstens war die Suche nicht umsonst: Neben einem Verbandskasten steckte ich mir auch noch zwei Granaten an den Gürtel. Schließlich beschloss ich, wieder umzukehren. Plötzlich steht der Typ von vorhin direkt Angesicht zu Angesicht vor mir. Sein Blick wirkte starr, so als ob er bereits tot wäre, und sein Körper war mit Blut besudelt. Mein Herz rutschte mir fast in die Hose, als er wie Asche in sich zusammenfiel. Habe ich nur geträumt? Wer war dieser Kerl?“
Am Anfang war ... die Enttäuschung! Da bereitet man sich eines Abends auf das neueste, vielverspechende Addon eines gruseligen Ego-Shooters vor, bekommt aber statt Horror und Action erst einmal nur Action serviert.
Und das bereits auf einem eher unbefriedigenden, monotonen Niveau, wie es auch schon in F.E.A.R.: Extraction Point der Fall war. Sprich: Fast das Gleiche wie im Hauptprogramm mit denselben bekannten Schießprügeln und Widersachern. Diese Enttäuschung stellt sich bei F.E.A.R.: Mission Perseus zum Glück nur anfangs ein.
Sie war schon drei Jahre tot, als sie zum ersten Mal herkam. Sie haben ihr die Kindheit gestohlen, ihre Kinder weggeholt und ihr das Leben genommen. Meine Mutter mag keine Diebe...
Denn alles was danach kommt, bietet wesentlich mehr als das erste Expansion Pack und zuweilen bessere Unterhaltung als das hervorragende Original. Ihr wollt mehr Waffen? Kein Problem, neben den bekannten Ballermännern wurden nun auch endlich eine Reihe neuer Todbringer – wenn auch nicht allzu viele – ins Geschehen integriert. Da wäre unter anderem das sogenannte 'erweiterte VES-Gewehr', das laserartige Geschosse verschießt sowie eine Art Plasmagun, aus deren Lauf ein gebündelter Strahl austritt. Last but not least: Eine Lighting Gun implementiert, wie man sie zum Beispiel aus Unreal Tournament 2004 kennt.
Sie wollen dieses Ereignis wiederholen? Dafür brauchen Sie sie ... und sie ist an einem Ort, den sie niemals finden. Beten Sie, dass Sie ihn niemals finden.
Wahre Worte, denn keiner will diesen Ort jemals finden – es reicht bereits, was man im Spiel davon sieht. Denn neben all den 08/15-Büroräumen im homogenen Look – eines der Mankos des Originals – haben sich auch einige, wirklich 'nette' Lokalitäten eingeschlichen. Und doch sind unterirdische U-Bahn-Tunnel und stillgelegte Minen absolut nichts gegen die obstrusen Fantasien der Entwickler. Klar, auch in F.E.A.R. sowie in Extraction Point ist man x-mal durch Hektoliter des roten Lebenssaftes gewatschelt und hat sich des Öfteren erschreckt. Doch erst mit diesem Addon geht das Rezept 'Zeitlupen-Ballerei trifft japanischen Horror' wirklich auf.
Wir haben ein Kind ohne erwachsene Begleitung im Gebäude. Halten Sie nach einem etwa achtjährigen Mädchen in einem roten Kleid Ausschau.
Es sind Momente, die einen nicht mehr loslassen. Momente, in denen einen die dynamisch-bedrohliche Musikuntermalung zu erdrücken droht. Momente, in denen mit dem letzten bisschen Gesundheit hinter einer Ecke kauert, darauf hofft, möglichst nicht auf Feinde zu treffen und letzten Endes die berüchtigte 'unbekannte Frequenz' per Funk reinbekommt. Dazu noch klaustrophobisch-anmutende Gänge, missgebildete Kreaturen und der Horror bekommt ein wirklich unschönes, aber ungemein packendes Gesicht. Alma und Paxton Fettel lassen Euch auch in Mission Perseus wieder alles andere als hübsche Albtraumsequenzen durchlaufen.
Ich durchlief einen klinisch sauberen OP-Raum – der wollte so gar nicht zum Rest des Gebäudes passen. Ich ging weiter und es schien, als wäre ich – abgesehen von etwas Rost und Blut an den Tischen – wieder im gleichen Raum wie vorher. Langsam fragte ich mich, ob mir eine Sicherung durchgebrannt ist. Wieder ging ich weiter und eine riesige Pfütze teils eingetrockneten Blutes hauchte den einst sterilen Raum in ein Ambiente, dem ich einfach nur entfliehen wollte. Danach ging es weiter in einen Durchgang – wieder war alles von oben bis unten mit Dreck und Blut eingefärbt. Die Passage stoppte an einer Glastür, durch die ich einen scheinbar verstörten Mann sehen konnte, der mit gesenktem Haupt in der Ecke des Raumes stand. Plötzlich verschwand er und tauchte wie aus dem Nichts vor meinen Augen auf. Sein Mund war weit aufgerissen und sein Gesicht deformiert. Was ist hier nur passiert?
Nur soviel zur Story: Nachdem die Einsätze im Original und Extraction Point keine klaren Ergebnisse brachten, entschied man sich dafür, ein zweites F.E.A.R.-Team auszusenden, um dem Treiben auf die Schliche zu kommen und Paxton Fettel endlich dingfest zu machen. Keine großen Reden also...
...aber wer hätte denn damit rechnen können, dass in diesem Konflikt gleich so viele Parteien ihre Finger mit im Spiel haben?
Replikanten, ATC-Söldner, Roboter und die neu hinzugekommenen Nightcrawler – eine gesonderte Einheit mit starker Panzerung, durchschlagskräftigen VES-Gewehren sowie flotten Beinen – haben ein gesteigertes Interesse daran, dass der Spieler möglichst bald den virtuellen Löffel abgibt. Für den Spieler heißt das Action satt, aber vor allem auch jede Menge bildschirmfüllende Effekte, die auch heute noch mehr als ordentlich aussehen. Quasi kein Raum bleibt von den zerfetzenden Geschossen verschont, nach einem deftigen Gefecht sieht es mitunter aus, wie nach einem Bombeneinschlag. Da kommen vorgegebene Spots, an denen bei Beschuss Teile der Wand abgerissen werden, für gerade recht. Das Ganze sieht in Bewegung, aber auch in Slow-Motion, richtig fetzig aus, vorausgesetzt Ihr könnt einen flotten Rechenknecht Euer Eigen nennen. Gegner hechten sich in Deckung, Ihr schmeißt eine Granate hinterher, derweil wollen zwei andere Feinde Euch in den Rücken fallen. Darum schaltet Ihr einfach in die Zeitlupe und erledigt die Schergen. Hinter Euch hört Ihr parallel dazu eine Explosion, bei der der Widersacher realistisch durch den Raum direkt in ein Regal geschleudert wird und zu Boden fällt. Es war ein lautes Gefecht...
Ich spürte, wie sie die Gedanken der Leute sondierte. Sie fand mich hier, wo ich mich vor ihr versteckte ... ist das zu glauben?
...und dann kehrt wieder Ruhe ein. Eine schnelle Versorgung mit dem noch jungfräulichen Medipack und gepflegter Leichenfledderei zur Aufstockung des eigenen Munitionshaushalts sollte genügen. Mission Perseus zieht die eigene Aufmerksamkeit wieder in seinen Bann: Ein verzerrt wirkendes Glockenspiel und gehetzte Flötentöne untermalen den Abstieg im letzten Kapitel. Wieder grässlich zugerichtete Fratzen, wieder viele unheimliche Schattenspiele und wieder ... dieses Mädchen! Alma hat für einen Nebencharakter eine ungeheure Präsenz, die vor allem am Ende, wenn sich das Spiel wieder mehr mit der Göre im roten Kleid und ihrem Schicksal beschäftigt, so richtig zur Geltung kommt. Nach knapp sechs Stunden Spielzeit ist die perfekte Horror-Illusion aber vorbei.
Ich war anfangs, wie bereits erwähnt, nicht wirklich angetan vom nunmehr zweiten F.E.A.R.-Addon, was schlichtweg am unspektakulären Beginn und der Abstinenz jeglicher Neuerungen lag. Ja, wir stolzieren wieder mit den gleichen Waffen durch mehr oder minder bekannte Locations. Aber wo bleibt Alma? Oder Paxton Fettel? Kurz gesagt das, was F.E.A.R. schon seinerzeit von der Masse an Shootern abhob. Aber dann ... kam der Mittelteil und das Ende. Leider viel zu schnell, aber dann doch effektiv, entfaltete sich die Wirkung von Mission Perseus mit seiner grandiosen Musikuntermalung und teils deftigen Schockmomenten. Und weil das Ende recht abrupt vonstatten ging, verfahre ich an dieser Stelle einfach mal genauso und lege jedem Shooter-Fan eindringlich Mission Perseus ans Herz.
Battlestar Galactica kann man seit dem 24. Oktober für 800 Punkte auf Xbox Live Arcade erwerben. Eine PC-Fassung folgt in Kürze.