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Auf Amazon.com laufen hunderte Spore-Käufer Sturm. Grund ist weniger die Qualität des in der Vergangenheit euphorisch angepriesenen Spiels. Weitaus mehr echauffieren sich Spore-Käufer, und solche die es werden wollen, am restriktiven Kopierschutz.
Ganze dreimal darf Spore auf beliebigen Rechnern installiert werden. Um die Installationen des Spiels zu überwachen, kopiert sich gleichzeitig mit dem Spiel ein weiteres Programm auf den Rechner des Spielers, welches permanent im Hintergrund arbeitet und das sich nicht de-installieren lässt. Ein Amazon-Kunde in Deutschland drückt seine Verärgerung darüber so aus: „Die DRM Software zeigt erschreckende Gemeinsamkeiten mit Viren: Das Programm wird installiert, ohne dass man irgendwie Einfluss darauf nehmen könnte, es läuft ständig im Hintergrund und ohne die Festplatte zu formatieren, kriegt man den Mist nie mehr wirklich los". Dabei sollte man meinen, dass Electronic Arts aus dem PR-Gau im Mai gelernt hatte. Damals erzürnten sich die Spieler an der Ankündigung, dass Spore alle 10 Tage „nach Hause telefonieren" würde, um Daten und die Echtheit des Spiels mit einem Hauptserver zu prüfen. Auf massiven Kunden-Druck hat EA damals diese Funktion fallen lassen - und checkt das Spiel inzwischen nur noch bei jedem Download aus der Spore-Enzyklopädie in der die Kreaturen der Spieler gespeichert werden.
Kostenpflichtige Freischaltnummer
Aller guten Dinge sind also drei. Wer nun, aus welchem Grund auch immer, ein viertes Mal installieren will, der muss beim Hersteller Electronic Arts eine Genehmigung einholen. Das klingt einfacher als es ist. Denn erst wenn der kostenpflichtigen Hotline gegenüber der Kauf der Software zweifelsfrei nachgewiesen wurde, erteilt EA die erwünschte Erlaubnis. Anders ausgedrückt: Der Kunde muss beweisen, dass er kein Raubkopierer ist.
Raubkopierer leben leichter
Die Raubkopierer, gegen die der Kopierschutz in der Regel gerichtet ist, aber bekommen von all dem überhaupt nichts mit und müssen den speziellen Electronic Arts „Service" erst gar nicht zu nutzen. Denn bereits eine Woche vor Verkaufsstart kam die vom Rechte-Management befreite Version in Umlauf: In Tauschbörsen, Foren und Usenet-Gruppen wird seitdem munter Spore „gesaugt". Der Dumme ist, wie soft wenn es um Kopierschutz und digitales Rechte-Management geht, der ehrliche Käufer. Schon machen sich Stimmen breit, die Raubkopien als legitime Form der Notwehr gegen all zu diktatorische Ambitionen eines Publishers sehen. Legal, illegal, Sch**ßegal?
Die legale Gegenwehr
Eine andere Art der Gegenwehr, bei der sich ein Spieler nicht gleich in die legalen Nesseln setzt, startete heute bei Amazon.com. Nachdem das amerikanische Technik-Blog Ars Technica den Missstand aufgedeckt hat, hagelte es beim Online-Kaufhaus auf einmal schlechte Bewertungen. Kaum einer beschränkt sich im Kommentar auf die Spiele-Qualität, fast alle bemängeln den restriktiven Kopierschutz. Sehr viele verglichen die Bedingungen des Herstellers mit denen einer Videothek - mit dem Unterschied, dass der „Verleihpreis" von Spore 50,-€ beträgt. Die Durchschnitts-Bewertung sank dementsprechend sehr schnell auf gerade einmal einen Punkt. Und das, gepaart mit dem Image Schaden für Electronic Arts, könnte saftige Umsatz-Einbußen mit sich bringen.
Und auch in Deutschland beginnt sich der Kundenunmut zu rühren. Zwar sind noch vergleichsweise wenige Bewertungen bei Amazon abgegeben worden. Das könnte sich aber in den nächsten Stunden und Tagen noch ändern.
Harald Hesse
Mischa Strecker
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