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Folge 1: Für heute ist Schluss!
Da war er wieder. Der Klassiker! Mutter, Anfang 40, und Sohn, vielleicht 12, beide im Regionalzug nach Augsburg. Sie schaut aus dem Fenster, er spielt mit dem Nintendo DS. Dann passiert’s. Sie: „Es reicht jetzt! Mach das Ding aus.“ Er: „Gleich. Ich muss erst noch speichern.“ Zwei Minuten später. Sie: „Ich hab’ gesagt, Du sollst das Gerät ausmachen!“ Er: „Mama, bitte, ich hab’s doch gleich.“ Als der Sohnemann nach gut einer Minute immer noch nicht zum Ende kommt, reißt sie ihm die Spielekonsole aus den Händen und packt sie weg. „So“, herrscht sie ihn an, „ich habe es Dir oft genug gesagt. Für heute ist Schluss. Dass das klar ist!“ Dann schweigt sie, und er, stinksauer, schreit den ganzen Waggon zusammen.
Eine typische Situation, immer wieder zu beobachten, wenn es um Eltern, Kinder und Videospiele geht. Wieso ich Ihnen das erzähle? Weil ich die geschilderte Szene erst vor wenigen Tagen wieder erlebt habe und sie sich perfekt als Einstieg in diesen Blog eignet, den ich Spielwiese – Gelassen durch digitale Welten nenne. Der Titel ist vielleicht nicht originell, er bringt die Sache aber auf den Punkt, um die es mir hierbei geht. Mit Spielwiese will ich Eltern, Erzieher und Interessierte, die möglicherweise noch nie etwas mit Computer- und Videospielen am Hut hatten, rund um das Spannungsfeld Kids und Games informieren. Kein Aspekt wird dabei ausgeblendet, kein Thema ist tabu, alle Fragen sind erlaubt. Spielwiese setzt nichts voraus, ich fange von Grund auf an. Ich werde die verschiedenen Spielgeräte vorstellen, zeigen, worin sie sich unterscheiden und welche für welches Alter geeignet sind. Natürlich weise ich auch mal auf das ein oder andere Spiel, auf die ein oder andere Lernsoftware hin, gehe selbstverständlich auf Fragen des Jugendschutzes ein, erläutere Chancen und Risiken im Umgang mit digitalen Spielen anhand von konkreten Beispielen, gebe Tipps und Tricks, damit Sie am Ende wissen, was gespielt wird.
Es geht mir in diesem Blog nicht darum, Sie zum Spieler oder zur Spielerin zu machen, auf keinen Fall, nein, mir geht es vielmehr darum, Verständnis für das zu schaffen, was heute fester Bestandteil der Jugend- und Freizeitkultur ist – und sich über kurz oder lang auch in Ihren Kinderzimmern abspielt. Ich lade Sie auch ein, mir Fragen zu stellen, die Sie bewegen und ich beantworten kann. Zumindest werde ich es versuchen, so gut ich kann.
Und damit zurück an den Anfang. Wo waren wir noch gleich? Ach ja: Mutti schweigt, Junge schreit. Muss die eingangs geschilderte Szene zwangsläufig in einem solchen Eklat enden? Nein, natürlich nicht. Aber eines muss man wissen: Auch wenn es nervt, die Lektüre eines Buches oder eines Zeitungsartikels kann man jederzeit unterbrechen. Man liest halt später an der Stelle weiter, wo man aufgehört hatte. Bei Videospielen ist das anders. Wie ein Buch in Kapitel eingeteilt ist, so ist ein Spiel in Abschnitte oder Spielstufen (= Level) gegliedert, die unterschiedlich lang sind. Wenn sich ein Spieler mitten in einem solchen Abschnitt befindet, kann er seinen aktuellen Zwischenstand nicht immer sofort speichern. Er muss erst zu einem bestimmten Punkt gelangen, an dem das Speichern möglich ist. Wird das Spiel abrupt abgebrochen, wie in unserem Beispiel, als die Mutter ihrem Sprössling das Gerät aus den Händen reißt, geht der Spielfortschritt seit der letzten Speicherung verloren. Der Spieler muss also im schlimmsten Fall eine bestimmte Spielstrecke noch einmal absolvieren, die durchaus 10, 15 oder 20 Minuten in Anspruch nehmen kann. Solche Wiederholungen frustrieren und langweilen. Das ginge Ihnen nicht anders, wenn man Sie zwingen würde, ein bestimmtes Buchkapitel mehrmals hintereinander zu lesen. Simpler Tipp: Geben Sie dem Spieler die Zeit, die er braucht, bis er den nächsten Speicherpunkt erreicht hat. Normalerweise handelt es sich dabei um wenige Minuten. Oder vereinbaren Sie feste Spielzeiten, die Ihr Kind strikt einhalten muss. Und vergessen Sie nicht: Immer schön gelassen durch digitale Welten.
Andrea M. Hesse und Harald Hesse sind die Authoren des Buches "Computer und Videospiele - Alles, was Eltern wissen sollten", ein umfassender Ratgeber zur altersgerechten Nutzung von Computer- und Videospielen. Vom Jugendschutz über eSport und LAN-Partys bis zum Medienvertrag zwischen Eltern und Kindern erklären die Autoren Fachbegriffe wie Xbox 360 und EyeToy oder "Jump 'n' Run" und "Ego-Shooter". Der anschauliche Ratgeber beschreibt das Thema leicht verständlich, sodass auch Neueinsteiger sich zurechtfinden können und gibt pädagogische Tipps und Empfehlungen zum Umgang mit Spiel- und Lernprogrammen und einem Erste-Hilfe-Extra zur Erkennung von Spielsucht.
Harald Hesse
Mischa Strecker
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Benutzer Kommentare
*Lach* - das kenne ich - meine Tochter ist auch nicht von Ihrem DS wegzukriegen. Und wenn man es veruscht, gibt es Ärger. Aber jetzt weiß ich auch, warum :-)
Posted by: peter_bilz on Fr 11:09 01.Feb. Uhr | Missbrauch meldenNicht schlecht - das hätten meine Eltern früher mal wissen sollen. ;)
Posted by: spieleversteher on Fr 18:51 01.Feb. Uhr | Missbrauch meldenDen Blog werde ich meinen Eltern zeigen. Solche uncoolen Gespräche führe ich nämlich ständig. Das nervt voll...
Posted by: monsterblack333 on Sa 11:37 02.Feb. Uhr | Missbrauch meldenich habe ein ganz anderes problem. meine mutter lehnt grundsätzlich spiele ab, ganz egal welche. die denkt, alle spiele sind killerspiele und damit basta. HIIIIIIILFE!!! was tun?!
Posted by: pfote05 on Sa 13:09 02.Feb. Uhr | Missbrauch meldenNatürlich können Sie/kannst Du diesen Blog Freunden, Bekannten und Eltern zeigen. Nur zu! Je mehr davon erfahren, desto besser. Wie gesagt, Sie können bzw. Ihr könnt mir auch über die Kommentare konkrete Fragen stellen, die Ihnen/Euch besonders oder ganz aktuell unter den Nägeln brennen. Nun zu pfote05 und den sogenannten "Killerspielen": Das ist ein weites Feld, das ich in Folge 2 von "Spielwiese" thematisieren werde. Versprochen!
Posted by: haraldhesse on Sa 13:25 02.Feb. Uhr | Missbrauch meldenmeine mom mags au nich, wenn wir die ganze zeit am pc sin...etc. ich auch nicht...habe 4 geschwister. da ist es echt schlimm
Posted by: sophia_wogawa on So 16:29 03.Feb. Uhr | Missbrauch meldenFür Killerspiel-Geplagte: Ein Bericht von einem Experten - der Ausnahmsweise mal etwas von dem Ganzen versteht - über World of Warcraft (und einige andere Spiele), findet sich in der Zeitschrift "Psychologie Heute". Der Artikel ist leider nicht Kostenlos (1.40 Euro). http://www.psychologie-heute.de/p1archiv/recherche/f_he/071244.htm Eine gekürzte Fassung findet sich auch in der aktuellen Ausgabe der Spielezeitschrift "Gamestar" (03/2008). Des Weiteren kann ich folgenden Videoreport empfehlen. In ihm werden Fernsehsendungen über Killerspiele kommentiert. http://www.youtube.com/watch?v=R9JRm3iQQak Es ist haarsträubend, dass es möglich (und legal) ist, in breiter Öffentlichkeit, Wahrheiten so zu verdrehen und aus den Fingern gesogene Geschichten als Fakten zu präsentieren, sodass eine regelrechte Hatzjagt auf Computerspieler entsteht.
Posted by: gionr_ch on So 16:37 03.Feb. Uhr | Missbrauch meldenDie von Ihnen beschriebene Szene ist natürlich den meisten Eltern bekannt. Doch widerspricht Ihr am Ende gegebener Rat, eine feste Spielzeit zu vereinbaren, nicht den übrigen Aussagen? Was, wenn am Ende der vereinbarten Spielzeit es eben nicht möglich ist, zu speichern? Dann würde ein Bestehen auf die Einhaltung der vereinbarten Spielzeit ja gerade zum gleichen Problem führen.Ein weiteres Problem ist, dass man als Nichtspieler kaum überprüfen kann, wann die nächste Etappe erreicht ist und gespeichert werden kann, ob also die lieben Kleinen auch tatsächlich dann speichern, wenn es das nächste Mal möglich ist. Wenn sie gerade in eine neue Etappe eingestiegen sind, also nur wenige Minuten gespielt haben, ergibt sich die nächste Möglichkeit fürs Speichern oft erst viel später. In solchen Fällen würde ich erwarten, dass die Kinder bereit sind, die paar absolvierten Minuten zu verlieren und beim nächsten Mal noch einmal zu spielen.
Posted by: thiele.serra on So 16:51 03.Feb. Uhr | Missbrauch meldenAlso das mit der Gelassenheit sehe ich auch so.Diese ganzen pädagogischen Zeitvorgaben sind nur ein Ausdruck der Hilflosigkeit gegenüber den Kindern. Wenn sie vernünftige Alternativen für die Freizeitgestaltung geboten bekommen -und zwar mit den Eltern zusammen- greifen sie gar nicht so süchtig zu den elektronischen Geräten.Da ist es völlig egal, wenn sie bei Miesewettertagen mal ruhig vier fünf Stunden spielen und dafür am schönen Wochenende die Dinger ganz vergessen, weil die ganze Familie Zelten geht.Oder auch wenn man gemeinsam die Zimmer streicht, oder, oder,oder...Alle Kinder spielen gern mit Gameboys und Computer und das ist auch in Ordnung, wenn die Eltern dabei sind und die Spiele kennen. Außerdem gibt es auch Spiele am PC, die mir selbst Spaß machen, die zeige ich dann meinen Kindern.Das Miteinander entscheidet und wie sehr die Eltern mit ihren Kindern zusammen leben oder eben in zwei Welten.Wenn meine Kinder Ballerspiele im Netz entdecken, dann schauen wir uns die gemeinsam an und bis jetzt fanden sie die nach dem ersten gemeinsamen Ausprobieren auch doof.Da muss man halt schon Zeit investieren, aber es lohnt sich Kinder beim Erlernen des Umgangs mit den modernen Medien zu begleiten, denn durch die können unseren Kinder auch viel lernen.Und ich habe auch achon viel gelernt!
Posted by: sabinesztabelski on So 17:08 03.Feb. Uhr | Missbrauch meldenDer Artikel beschreibt genau die Sicht der Psychologen und ist gut dargestellt. Da kann ich als Vater von zwei erwachsenen Kindern und einer 14monate jungen Tochter mitreden. Ich habe generell den Umgang mit Computern befürwortet, aber wenn einem Kind das Gut und Böse erst begebracht wird wenn es an solche Software gelangt, dann kann ich nur sagen: 'Was habt Ihr doch alles versäumt'. Früher in den 70ern waren es die Karatefilme, in den 90ern die Gewaltvideos und heute sind es die Computerspiele, die unsere Kinder bis aufs äußerste faszinieren. Mein Tipp; Bringt ihnen die Grundlagen bei, wie sie mit dem PC ihre Hausaufgaben erleichtern können, dann ist das Spielen nur noch Zeit vertreib.
Posted by: peter_rentzsch on So 18:12 03.Feb. Uhr | Missbrauch melden