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„Gewalthaltige Spiele sind Killerspiele!“ Eine problematische Aussage, die mir immer wieder über den Weg läuft, aber trotz ihrer bestechenden Einfachheit ebenso unsinnig wie falsch ist. Dennoch habe mir angewöhnt, sie in leicht abgewandelter Form einzusetzen, wenn ich auf Partys oder Veranstaltungen gehe, wo ich niemanden kenne. Als Vorstellungsformel sage ich dann zum Beispiel: „Hallo, ich bin Harald und spiele Killerspiele.“
Im ersten Moment - für den Bruchteil einer Sekunde, gefühlte
Minuten - herrscht dann in aller Regel eine angespannte Stille, die aber sehr
schnell in eine äußerst muntere Diskussion mündet. Ergo: „Killerspiele“ fördern
die Kommunikation! Doch Spass beiseite und Blog ab! Wieso eigentlich
„Killerspiele“? Zunächst muss man wissen, dass der Begriff „Killerspiel“
überhaupt nichts mit Computer- und Videospielen (= Games) zu tun hatte.
Vielmehr bezeichnete er u.a. sogenannte Paintball-Spiele, bei denen Teams
gegeneinander antreten, sich mit Farbkugeln beschießen und getroffene Gegner
ausscheiden. Vor einigen Jahren wurde der Begriff „Killerspiele“ dann auf
Shooter-Spiele (z.B. „Counterstrike“) übertragen, nachdem Gewalttaten
Jugendlicher bekannt geworden waren, die sich in ihrer Freizeit auch mit
Ballerspielen beschäftigt hatten. In der Folge mutierte der Begriff
„Killerspiele“ dann zum politischen Schlagwort, das einen kausalen Zusammenhang
zwischen gewalthaltigen bzw. action-lastigen Spielen (= Ursache) und
Gewalttaten (= Wirkung) suggerierte. Damit schien vielfach die brennende
Schuldfrage bei jugendlichen Gewalttaten auf wunderbare Weise gelöst. Doch so
einfach ist das Leben nun auch wieder nicht.
Lassen wir mal einen ausgewiesenen Experten wie den
Diplomsozialpädagogen Horst Pohlmann zu Wort kommen, dessen Antwort gleich
wesentlich differenzierter ausfällt: „Schulattentäter wie in Emsdetten handeln
zwar bei der Ausführung ihrer Taten in einer Art und Weise, wie sie in vielen
Bildschirmspielen und Actionfilmen zu finden ist. Sie töten jedoch nicht, weil
sie es so im Spiel oder Kino gesehen haben, sondern weil ihnen meist seelische
Fähigkeiten und soziale oder familiäre Unterstützung fehlen, Lebenskrisen
angemessen zu meistern.“ (aus: Digitale Spielräume. Basiswissen Computer- und
Videospiele, Winfred Kaminski, Tanja Witting (Hrsg.), kopaed, München 2007).
Um es auf den Punkt zu bringen: Im Action-Genre - ob Game oder Kinofilm - geht es stets ganz ordentlich zur Sache. Da wird mitunter geprügelt und geballert, was das Zeug hält. Deshalb erhalten solche Spiele bei der Alterseinstufung der Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle (= USK; vergleichbar der FSK beim Film) auch meistens das Kennzeichen „Keine Jugendfreigabe“. Das aber bedeutet wiederum, dass diese Spiele nicht in Kinderhände gehören! Es sind und bleiben Spiele für Erwachsene. Basta! Oder ist Ihnen das egal, wenn sich die lieben Kleinen dermaßen durch die virtuellen Welten ballern, dass die Wände wackeln? Raus mit der Sprache!
Andrea M. Hesse und Harald Hesse sind die Authoren des Buches "Computer und Videospiele - Alles, was Eltern wissen sollten", ein umfassender Ratgeber zur altersgerechten Nutzung von Computer- und Videospielen. Vom Jugendschutz über eSport und LAN-Partys bis zum Medienvertrag zwischen Eltern und Kindern erklären die Autoren Fachbegriffe wie Xbox 360 und EyeToy oder "Jump 'n' Run" und "Ego-Shooter". Der anschauliche Ratgeber beschreibt das Thema leicht verständlich, sodass auch Neueinsteiger sich zurechtfinden können und gibt pädagogische Tipps und Empfehlungen zum Umgang mit Spiel- und Lernprogrammen und einem Erste-Hilfe-Extra zur Erkennung von Spielsucht.
Harald Hesse
Mischa Strecker
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Benutzer Kommentare
Was soll ich sagen - ich habe ein T-Shirt mit der Aufschrift: "Ich spiele Killerspiele - lauf so schnell Du kannst." Das fördert auch die Kommunikation. Leider nicht immer in der gewünschten Form... Meistens kommt ein "Schäm Dich! In Deinem Alter...". Naja, Aufklärung tut Not würde ich sagen.
Posted by: spieleversteher on Fr 13:11 08.Feb. Uhr | Missbrauch meldenDer Aussage, dass bestimmte Spiele nicht in Kinderhände gehören, stimmen viele Spieler übrigens zu. Genauso wie grundsätzlich ein funktionierender Jugendschutz befürwortet wird, welcher rechtlich bereits existiert (Laut USK hat Deutschland die strengsten Jugendschutzgesetze Europas). Allerdings würden zusätzliche Verbote hauptsächlich erwachsene Spieler treffen, denn entsprechende Spiele, wie Sie bereits richtig erwähnt haben, erhalten keine Jugendfreigabe und sind entsprechend gekennzeichnet. Allerdings kann der Staat (zum Glück) nicht kontrollieren was in den eigenen vier Wänden passiert. Deshalb sind bei der Umsetzung des Jugendschutzes im Wesentlichen auch die Eltern gefragt. Entsprechend freue ich mich über Ihren Blog und den Versuch etwas mehr Klarheit über die Spielwelt und ihre Nutzer zu schaffen. Wer mehr über Ansichten und Meinungen der Spieler (auch zu diesem Thema) erfahren möchte, den würde ich gerne auf meine Untersuchung hinweisen, wenn das erlaubt ist. Ein weiterer Versuch mehr Transparenz in die Welt der Spieler zu bringen: www.mausbewegung.de
Posted by: mausbewegung on Mo 13:34 11.Feb. Uhr | Missbrauch meldenKlar, der Blog ist die richtige Richtung, nur liest keiner, der aufgeklärt werden müsste, solche Blogs. Besorgte Eltern wenden sich an Jugendschutzorganisationen und deren Internetinhalte, in denen kaum mehr getan wird, als vor den bösen, bösen Killerspielen zu warnen. Oder sie ziehen ihre Informationen aus unseren geliebten Massenmedien, die immer wieder beweisen, dass Amokläufer früher Killerspiele gespielt haben. Die vergessen nur gern, dass -jeder- männliche (und mehr weibliche, als man glaubt) Zocker irgendein Spiel im Schrank hat, welche das Töten von Lebewesen zum Inhalt hat. Oder hält hier irgendjemand die Siedler für ein Killerspiel?
Posted by: snafu_lichtenberg on Do 15:42 14.Feb. Uhr | Missbrauch melden