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Wieder unterwegs, als Referent, irgendwo in Deutschland. Ich sollte eine Einführung in die Welt der Computer- und Videospiele abliefern. Gut eine Stunde war angesetzt, auf keinen Fall länger. Mit großen Vorkenntnissen sei nicht zu rechnen. Mission Aufklärung also. Vor Ort stoße ich auf überraschend viele Teilnehmer. 80 bis 90 an der Zahl, fast nur Frauen. Ist Medienerziehung reine Frauensache? Wie auch immer. Der Vortrag handelt von Abspielgeräten, Genres, Jugendschutz etc - das volle Programm eben. Darauf folgt das beliebte Q&A, auch Frage-Antwort-Spiel genannt. Die Stunde der Wahrheit. Hier treten sie offen zutage, die Sorgen, Nöte und Ängste, die Eltern beim Thema Mediennutzung ihrer Sprösslinge quälen.
Positiv an solchen Abenden ist die Erfahrung, dass über den Dialog tatsächlich so manches Vorurteil abgebaut und so mancher Irrtum korrigiert werden kann. Auf der anderen Seite entsteht bei solchen Informationsveranstaltungen ehrlicherweise auch viel Frust. Wenn ich beispielsweise immer wieder erkennen muss, dass die Meinungsbildung vieler Erwachsener in Sachen Computer- und Videospiele sehr häufig nur auf der skandalisierenden Berichterstattung in den Medien ("Medienverwahrlosung", "Videospiele machen dick, dumm, faul usw.") fußt. Tatsächlich trifft man so gut wie nie auf eigene Spieleerfahrungen. Vielfach besteht sogar überhaupt kein Interesse an Games ("Wieso sind Sie denn dann zu diesem Abend gekommen, wenn Sie das Thema nicht interessiert?"). Auch Fragen nach bestimmten Spielen sind eine echte Rarität. Alle anderen Spielformen - seien es Brett- und Kartenspiele oder die unverwüstlichen Legosteine - werden dagegen von vornherein als pädagogisch wertvoller erachtet.
Das mag daraus resultieren, dass Games nicht in die Lebens- und Erfahrungswelt der heutigen Elterngeneration gehören. Sie sind schlicht und einfach nicht damit aufgewachsen, weshalb Games auch nicht zu ihren Vorlieben und Interessen zählen. Wegen dieser fehlenden Spieleerfahrung und "Lesefähigkeit" mangelt es den Eltern an der entsprechenden Kompetenz. Somit haben wir es mit einer gänzlich neuen Situation zu tun: Während die Kinder beim Thema Games sehr wohl Medienkompetenz für sich reklamieren, haben die Eltern von Tuten und Blasen keine Ahnung, verharren geradezu im Status eines absoluten Laien.
An diesem Punkt entsteht nun die Herausforderung, mit der sich Eltern heute konfrontiert sehen. Wer sich jetzt noch vor Augen führt, dass bald 60 Prozent der 6-7-Jährigen bereits Computernutzer sind, dem wird schnell klar, dass hier die (Medien-)Erziehungsarbeit, also die pädagogische Arbeit einsetzen muss. Und da sind nun mal in besonderer Weise die Eltern, aber auch die Schulen gefordert. Haben sich die lieben Kleinen erst einmal zu stattlichen Jugendlichen gemausert, sind die Weichen für ihre medialen Vorlieben und Genres längst gestellt. Medienpädagogische Konzepte müssen also vor allem für Jüngere entwickelt werden, und damit in der Frühphase einer Spielerbiographie zum Einsatz kommen.
Doch Hand aufs Herz! Haben Sie das Gefühl, dass die Schulen dieser Aufgabe gewachsen sind? Und was ist mit Ihnen? Letztlich entscheiden Sie doch darüber, was ihre Youngsters zu Hause spielen. Das können Sie aber doch nur dann, wenn Sie über ein Mindestmaß an Wissen und über die nötige Kompetenz verfügen. Und: Wie ist es denn bei Ihnen darum bestellt?
Andrea M. Hesse und Harald Hesse sind die Authoren des Buches "Computer und Videospiele - Alles, was Eltern wissen sollten", ein umfassender Ratgeber zur altersgerechten Nutzung von Computer- und Videospielen. Vom Jugendschutz über eSport und LAN-Partys bis zum Medienvertrag zwischen Eltern und Kindern erklären die Autoren Fachbegriffe wie Xbox 360 und EyeToy oder "Jump 'n' Run" und "Ego-Shooter". Der anschauliche Ratgeber beschreibt das Thema leicht verständlich, sodass auch Neueinsteiger sich zurechtfinden können und gibt pädagogische Tipps und Empfehlungen zum Umgang mit Spiel- und Lernprogrammen und einem Erste-Hilfe-Extra zur Erkennung von Spielsucht.
Harald Hesse
Mischa Strecker
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Benutzer Kommentare
ich soll besser ein musikinstrument spielen lernen. sagen meine eltern. das ist viel sinnvoller als ständig am pc zu spielen......
Posted by: monsterblack333 on Do 20:57 21.Feb. Uhr | Missbrauch meldenleider ist das Verständnis für digitales in deutschen Schulen leider kaum ausgeprägt. Vereinfacht ausgedrückt: Was der Lehrer nicht kennt, kann er auch nicht lehren. Ehrlich gesagt ist das aber eher eine Bringschuld der Lehrer - schließlich gehört Fortbildung für unsereinen auch zum täglichen Brot. Bleibt nur, die Kinder selber in einem mass- und verantwortungsvollen Umgang mit dem Rechner zu schulen... Gruß, Peter
Posted by: peter_bilz on Mo 11:50 25.Feb. Uhr | Missbrauch melden