"Spielwiese – Gelassen durch digitale Welten
Folge 6: „Medienzeit für alle, aber bitte in Grenzen!""

Di 08 Apr 04:11PM von Harald Hesse

Ostern ist vorbei, Pfingsten steht vor der Tür. Und was machen die lieben Kleinen dazwischen? Schule natürlich, also das Ding mit den vielen Fächern und Pflichten, die eben so dazu gehören - Mathe, Deutsch, Englisch... Und sonst? Daddeln natürlich, und zwar bis zum Abwinken. Das geht auch eine ganze Zeit lang gut, bis die verantwortungsvolle Mutter (seltener der Vater) mal wieder die Spaßbremse zieht, indem sie darauf pocht, dass die zockenden Sprösslinge endlich was Vernünftiges mit ihrer immer knapper werdenden Ressource Freizeit (das G8 läßt grüßen) anfangen. Nur was? Lesen zum Beispiel. Klar doch. Aber Spaß beiseite.

Wer eigene Kinder hat, zumindest viel mit Kindern zu tun hat, sieht sich über kurz oder lang mit der Gretchenfrage konfrontiert: Wie hältst Du es mit dem Medienkonsum? Anders gesagt: Wie lange darf das Kind denn nun mit Medien im Allgemeinen oder mit Computer- und Videospielen im Besonderen umgehen? Eine sehr berechtigte Frage, wie ich meine. Doch bevor ich hier eine zeitliche Empfehlung abgebe, möchte ich zunächst einmal festhalten: 1. Spielen ist eine verteufelt schöne Sache, mit der man seine individuelle Freizeit höchst unterhaltsam und kurzweilig verbringen kann. Allein oder mit mehreren Leuten, je nach Spielart halt. 2. Im Spiel (das können auch klassische Brettspiele sein) werden Verhaltensweisen eingeübt, von denen der Spieler im „richtigen" Leben profitieren kann. 3. Computer- und Videospiele sind nicht mehr und nicht weniger als Computer- und Videospiele. 4. Es gibt sehr viele Dinge, für die man sich in seiner Freizeit auch begeistern kann. Nicht grundlos gibt es Tierfreunde, Leseratten, Sportskanonen, Kinofreaks, Musikanten u.v.m.

Zurück zur Gretchenfrage. Einige altbekannte Spruchweisheiten weisen den Weg zur erhellenden Antwort: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen" trifft hier ebenso zu wie „Alles in Maßen". Berücksichtigt werden sollte zudem das individuelle Alter des Kindes. Viele Medienpädagogen und Ratgeber nennen exakte Zeiten, wie lange die Kinder fernsehen oder Computer spielen dürfen. Diese Angaben sollten jedoch eher als Richtwerte verstanden werden. Schließlich können Eltern zum einen nicht immer mit der Stoppuhr daneben stehen, zum anderen muss die individuelle Situation berücksichtigt werden. Grob werden folgende Medienzeiten genannt: Bis zwei Jahre: nicht mehr als fünf Minuten; drei bis sechs Jahre: eine halbe Stunde reicht; sieben bis elf Jahre: 60 bis 90 Minuten, es geht auch mal mehr (weniger natürlich auch); ab zwölf Jahren: feste Zeiten vereinbaren. Selbstverständlich kann es auch medienfreie Tage geben.

Jetzt sind Sie am Zug! Denn umsetzen müssen Sie es daheim. Probieren Sie es einfach aus. Sammeln Sie eigene Erfahrungen. Beziehen Sie Ihr Kind ruhig mit in Ihre Überlegungen ein. Oder fragen Sie befreundete Eltern, wie sie dieses Thema handhaben. Keine Sorge, eine Lösung findet sich immer! Ansonsten gibt es viele Ratgeber, die Hilfe bieten. Den einen oder anderen habe ich an anderer Stelle im Spielwiese-Blog genannt. Wärmstens kann ich Ihnen den von meiner Frau und mir ans Herz legen. Hier wie dort finden Sie auch weiterführende Informationen.

Jedenfalls ist jede Lösung besser als ein striktes Verbot von Medienkonsum! Das wäre der dümmste Fehler, den Eltern begehen könnten. Oder was meinen Sie?

Andrea M. Hesse und Harald Hesse sind die Authoren des Buches "Computer und Videospiele - Alles, was Eltern wissen sollten", ein umfassender Ratgeber zur altersgerechten Nutzung von Computer- und Videospielen. Vom Jugendschutz über eSport und LAN-Partys bis zum Medienvertrag zwischen Eltern und Kindern erklären die Autoren Fachbegriffe wie Xbox 360 und EyeToy oder "Jump 'n' Run" und "Ego-Shooter". Der anschauliche Ratgeber beschreibt das Thema leicht verständlich, sodass auch Neueinsteiger sich zurechtfinden können und gibt pädagogische Tipps und Empfehlungen zum Umgang mit Spiel- und Lernprogrammen und einem Erste-Hilfe-Extra zur Erkennung von Spielsucht.

 

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