Gesamtwertung84%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungGut |
Böse sein ist scheiße! Ruck-Zuck ist der Ruf im Eimer und ständig wird man vom schlechten Gewissen geplagt. Es ist halt nicht immer angenehm, sich mit der Pein der unschuldigen Opfer auseinanderzusetzen, die das Dasein als Fiesling fordert. Cecil, ein mächtiger Kämpfer und Anführer der gefürchteten Rotschwingen des Königreichs Baron, kann das nur bestätigen. Immer rabiater geht sein König gegen andere Völker vor, immer eigenartiger werden seine Wesenszüge und die Aufträge, die er seinen Untertanen erteilt. Da ist es höchste Zeit, um sich gegen den Tyrann in spe aufzulehnen und die eigenen Missetaten aufzuarbeiten.
Bad boys, watcha gonna do?
Cecil ist deswegen kein aufstrebender Held mit blitzeblankem Lebenslauf, sondern hat schon ein paar unschöne Übergriffe auf dem Kerbholz. Genau das füllt ihn als Hauptprotagonisten von Final Fantasy IV mit Leben, macht ihn plastisch und hat dem Titel seinerzeit (Final Fantasy IV erschien ursprünglich 1991 auf dem SNES) hohe Ehren eingefahren. Und auch heute ist die Geschichte um den dunklen Ritter nicht weniger reizvoll. Erzählt wird sie im DS-Remake zum erfolgreichen Rollenspiel in Spielgrafik und ist teilweise sogar mit professioneller Sprachausgabe in Englisch vertont.
Deutsche Untertitel gibt es bei Bedarf natürlich auch. Dabei zeigt sich schon hier, wie hübsch der neue 3D-Look geraten ist. Zwar wirken die Charaktere etwas kantig, trotzdem sind sie mit viel Liebe umgesetzt, animiert und in eine harmonische Umgebung gebettet worden. Da mag man die klassische Optik gar nicht so recht vermissen.
Tiefschürfend... bis auf die Knochen!
Doch leider bleibt nicht viel Zeit, um die neue Grafik zu genießen oder in nostalgischen Gefühlen zu schwelgen. Es gilt schließlich, ein knochenhartes Abenteuer zu bestehen. Wobei der Bezug zu den Gebeinen tatsächlich passt, denn selten werden Heroen so oft zerlegt, wie im vorliegenden Rollenspiel. Vor allem die Endbosse werden ihrem Status gerecht und sind nur mit der richtigen Taktik zu besiegen.
Die ist jedoch nicht immer direkt ersichtlich, weshalb die dicken Brocken meist nach dem trial and error-Prinzip bekämpft werden müssen. Das wäre eigentlich keine Schande, immerhin kann man dadurch fleißig an der Gefechtsführung feilen. Allerdings darf man die verlorenen Kämpfe nicht direkt neu angehen, sondern muss sich von einem der rar gesäten Speicherpunkte aus wieder mühsam bis zum entsprechenden Schlächter durcharbeiten- unzählige Zufallsbegegnungen inklusive. Ein wenig mehr Komfort im Vergleich zur Originalversion hätte hier nicht geschadet und würde den fast unvermeidlichen Frust erheblich eindämmen. Immerhin darf man das Spiel nun jederzeit per Schnellspeichern unterbrechen und später am gleichen Ort wieder fortsetzen. Dadurch lässt sich Final Fantasy IV tatsächlich auch unterwegs und im Angesicht drohender Unterbrechungen genießen. Nur in Gefechten ist das kurzfristige Sichern nicht erlaubt.
Etabliert und unverändert
Bei den Kämpfen sollte man sich aber ohnehin durch nichts und niemanden ablenken lassen, denn der vierte Teil der umfassenden Serie war der erste Ableger, der das etablierte Active-Time-Battle-System verwendete. Dieses stützt sich auf Aktionsleisten für jeden Charakter, die sich abhängig von deren jeweiliger Agilität mehr oder weniger schnell auffüllen. Ist die Leiste eines Protagonisten gefüllt, darf er eine Aktion ausführen. Doch auch während der Wahl des passenden Befehls läuft die Uhr unerbittlich weiter und die Leisten der Monster füllen sich in der Zwischenzeit. Ein Prinzip, dass auch im Remake für spannende und im hohen Maße fordernde Gefechte sorgt. Glück spielt hier so gut wie keine Rolle. Wer nicht ganz so auf Zack ist oder über schwache Nerven klagt, darf aber auch ruhigen Gewissens auf eine entschärfte Variante umsteigen.
Dann wird die Zeit stets gestoppt, wenn im Menü eine Attacke oder ein Zauber ausgewählt wird. Für echte Fans ist diese Entschärfung aber sicherlich keine Option und die Frage nach weiteren Neuerungen unvermeidlich. Für große Freude sollten da die Augments sorgen. Das sind besondere Fertigkeiten, die ihr im Laufe des Spiels erhaltet und einem Charakter nach Wahl zuweisen könnt. Die Fähigkeit ist dann fest mit der Person verbunden und kann nicht wieder neu vergeben werden. Dementsprechend sind diese Boni auch äußerst nützlich und reichen von dem automatischen Einnehmen von Heiltränken in kritischen Situationen bis zur Vermeidung von Zufallsbegegnungen. Besonderer Clou: Die Augments lassen sich in den Plus-Modus, eine erschwerte Version des Spiels für den zweiten Durchgang übernehmen. Alle weiteren Änderungen sind eher marginal, tragen allerdings ihren Teil zum Charme des Titels bei.
Beispielsweise erscheint beim Öffnen des Menüs eine kleine Gedankenblase über dem Kopf des aktuellen Gruppenführers, die seine Gedanken und manchmal sogar kleine Hinweise zum weiteren Vorgehen offen legt. Einfach praktisch sind hingegen die Extra-Items, die man erhält, wenn man eine Dungeon-Karte komplett erkunden konnte. Außerdem darf die Beschwörerin Rydia nun einen so genannten Kachpo zur Hilfe rufen.
Der kleine Kerl kann in einigen witzigen Minispielen trainiert werden und agiert vollkommen eigenständig, wenn er beschworen wird. Lediglich seiner verfügbaren Fähigkeiten lassen sich im Vorfeld festlegen. Außerdem ist das Gesicht des Kachpo in einem Editor frei gestaltbar. Doch wer gibt sich schon mit solchen Kleinigkeiten ab, wenn viel gewichtigere Aufgaben auf Cecil und seine Gefährten warten?
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