Final Fantasy XII: Revenant Wings

Review
Plattform
Nintendo DS
Vertrieb
Square Enix
Entwickler
Square Enix
Erscheinungsdatum
-
Genre
Action
USK
6
Final Fantasy XII: Revenant Wings [DS , looki.de]

Gesamtwertung

81%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Gut

Final Fantasy XII: Revenant Wings

Nachdem Square Enix, zumindest was den Absatz des Games angeht, erfolgreich versucht hat, seine Final Fantasy-Saga mit dem zwölften Teil spielerisch zu revolutionieren, erwartet uns mit Revenant Wings nun ein SpinOff für Nintendos DS. Doch wer jetzt ein vollständiges Final Fantasy Spiel, a la X-2 erwartet, wird enttäuscht. Obwohl die Hardware des aktuellen Handhelds der Mario Väter sicher ein abgespecktes und doch vollwertiges Abenteuer hätte vertragen, setzt Square Enix weiterhin auf abgewandeltes Gameplay im immerhin gleichen Universum. Wir besuchen also einmal mehr Ivalice, die Welt von Final Fantasy XI und XII, kehren an bekannte Orte zurück und treffen auf lieb gewonnene Charaktere. Doch auch Spieler, die den zwölften Teil des Rollenspielgiganten nie zu Gesicht bekommen haben, können ohne Probleme in das DS-Universum abtauchen. Sie verpassen nur, jedoch ohne davon negativ betroffen zu sein, viele lustige und aufklärende Anspielungen.

Um denjenigen unter euch, die gerade noch dabei sind, Final Fantasy XII durchzuspielen, nicht die Spannung zu nehmen, erläutern wir die Story von Revenant Wings nur spartanisch. Im wesentlichen beginnt die Geschichte kurz nach den Ereignissen des PS2-Teils. Vaan und Penelo begeben sich zusammen mit ihren Freunden auf die Reise nach neuen Abenteuern und begegnen dabei natürlich wieder einem elementaren Bösen, das besiegt werden will. Dabei präsentiert sich die Erzählweise gewohnt spannend und souverän, die Story an sich weiß aber leider nicht so zu fesseln, wie man es eigentlich von der Serie gewohnt ist.

Ein Umstand, der schon vielen SpinOffs der Serie den Aufstieg in die höchsten Wertungsregionen untersagte. Gerade auch, weil die Charaktere in Revenant Wings nicht erwachsen, sondern kindlich dargestellt werden, dürften sich die wenigsten Spieler längerfristig mit ihnen identifizieren können. Zwar beeindruckt ihr Abenteuermut und ihre moralische Gerechtigkeit, wirklich ernst nehmen kann man ihren Kampf gegen das Übel von Ivalice aber nur selten. Der Titel versucht aber auch nicht eine düstere, hoffnungslose Atmosphäre zu schaffen, in der der Spieler der einzige leuchtende Stern ist, sondern präsentiert sich eher als eine Art fröhliche Partyweltreise, die von dem ein oder anderen Störenfried unterbrochen wird.

Während man sich darüber streiten kann, ob Final Fantasy XII wirklich der angestrebte Schritt in die richtige Richtung war und das Kampfsystem auch in der nächsten Generation noch aktuell, fesselnd und vor allem spaßig sein wird, kann man die Weiterentwicklung, die Revenant Wings von Titeln wie Final Fantasy Tactics abhebt, sehr wohl als perfekt durchdacht und fast genial umgesetzt bezeichnen.

Die starre Atmosphäre, die entstand, wenn man seine Charaktere rundenbasiert über Felder bis zum Feind bewegen musste, um ihn dann zu attackieren, ist verschwunden. Das Ganze findet nun nämlich in Echtzeit statt. Und im Gegensatz zum PS2-Teil dürfte diese Änderung Fans der Serie kaum verschrecken, nicht zuletzt weil alles viel flüssiger und runder wirkt. Zwar kann man nicht behaupten, dass der Ansatz den Square Enix mit dieser Weiterentwicklung verfolgt, bereits ohne Fehler umgesetzt werden konnte, nichtsdestotrotz bietet Revenant Wings eines der spaßigsten und am längsten motivierenden Kampfsysteme. Gut, die Charaktere bewegen sich etwas langsam, die Kamera kann man nicht selbst drehen und man verpasst den ein oder anderen Kampf, der hinter nicht einsehbaren Wänden stattfindet. Auch die Übersicht leidet ob der vielen Charaktere, die auf dem Touchscreen herum wuseln manchmal etwas. Das sind aber Kinderkrankheiten, die man schnell verzeiht.

Mit dem Touchpen wählt man die jeweiligen Einheiten entweder per Druck auf Selbige oder in dem man ein Quadrat um sie herum zieht und weist ihnen dann ihre Aufgaben zu. Dies kann ein einfacher Bewegungs- oder Angriffsbefehl sein, aber auch eine Anweisung Truhen zu öffnen, Schalter zu drücken oder Materialien abzubauen. Letztere sind nötig, um später im Spiel eigene Schmiedearbeiten vollbringen zu können. Überhaupt bietet Revenant Wings zahllose Items, die in ihrer Anzahl beinahe an die Vielfalt deren aus Final Fantasy XII heranreichen. So kann man seine Hauptcharaktere nach fast jeder Mission neu ausstatten. Leider gibt es dafür kaum Fertigkeiten,die die niedliche Truppe rundum Vaan und Penelo erlernen können.

Ein Aufbausystem, wie etwa das Sphärobrett aus Final Fantasy X, gibt es also nicht. Mit bestimmten Levelaufstiegen erhält der jeweilige Charakter einfach eine neue Fertigkeit, die er fortan einsetzen kann.

Inspiriert vom PS2-Bruder hat man die Möglichkeit, jedem Hauptcharakter eine seiner Fertigkeiten als Gambit zuzuweisen. Dieser wird die Fähigkeit dann einsetzen, wenn sie angebracht ist und am Besten wirken kann. Vor allem bei den Heilern der Truppe verhindert das umständliches Micromanagment. Mana gibt es übrigens nicht. Wird eine Fertigkeit benutzt braucht sie eine gewisse Zeit, bis sie sich wieder aufgeladen hat und erneut verwendet werden kann. Übrigens bleibt die Heldengruppe zwar meist unverändert, in jeder Mission stoßen aber neue Kampfgefährten dazu, die die kleinen Weltenretter bei ihren Aufgaben unterstützen. Zumeist sind das die so genannten Esper oder auch als Bestia oder GF bekannt. In Revenant Wings sind sie aber nicht wirklich etwas besonderes. Sie können an bestimmten Stellen beschworen werden, die sich überall finden. Dabei sind sie nicht so stark, wie ihre Konsolenverwandten, nehmen dafür aber zahlreicher am Kampf teil und sind leichter zu ersetzen. So kann es schon mal passieren, dass die Helden zusammen mit ihren Unterstützern mit bis zu fünfzig Mann auf den Gegner einstürmen.

Spätestens dann lernt man die Gambits zu schätzen. Vor allem, wenn einem auch fünfzig Gegner gegenüber stehen.Taktisch anspruchsvoll wird es vor allem dann, wenn Feinde von verschiedenen Seiten attackieren oder ein Boss eine Armee zu seiner Verteidigung mit gebracht hat. In solchen Situationen ist guter Rat manchmal teuer und diese Momente sorgen auch dafür, dass das Spiel während seiner 81 Missionen durchaus herausfordernd bleibt. Der Schwierigkeitsgrad steigt dabei verhältnismäßig langsam und spielerfreudlich an. Und während die Aufgaben anfangs einfach und schnell zu bewältigen sind, kann sich eine spätere Mission auch schon mal eine Stunde hinziehen. Insgesamt ähnelt sich das Gameplay aber die ganze Zeit über und viel Abwechslung gibt es leider nicht. Da man sich einzig auf der Weltkarte frei bewegen kann, sind auch Stadtrundgänge und so weiter leider nicht möglich. Nebenmissionen gibt es keine. Deshalb läuft es letztlich immer wieder darauf hinaus, dass man sich eine Armee anlacht, diese erfolgreich durch die Mission schleift, die wiederum in einem festen Gebiet stattfindet, ein wenig mehr von der Geschichte erfährt und dann das Ganze wiederholt.

Somit wird die größte Stärke des Spiels letztlich zu seiner größten Schwäche, was dazu führt, dass der geniale Ansatz leider nicht in die hohen Wertungsregionen vordringen kann.

Und das obwohl die technische Seite den DS auszureizen scheint. Wie wir es von Square Enix und der Final Fantasy Reihe gewohnt sind, beeindruckt vor allem die Präsentation. Die cineastischen Videos stellen alles bisher da gewesene auf Nintendos Handheld in den Schatten.

Über beide Displays hinweg wird dem Spieler ein Feuerwerk von Einfallsreichtum, Schönheit und Stil geboten. Doch auch nach einer Videosequenz bleibt der sehr gute Eindruck bestehen. Während die Charaktere allesamt im niedlichen 2D-Look gehalten sind, sorgen die dreidimensionalen Umgebungen für offene Münder.

Nicht nur, dass die bekannten Orte aus Final Fantasy XII so authentisch übernommen wurden, dass man sich nicht nur einmal die Augen reibt, auch ansonsten ist das Leveldesign sehr schick und die Texturen glänzen durch ihre Feinheit und die hohen Qualität. Man könnte meinen, man würde ein PSP-Spiel daddeln. Und wer sich nicht bewusst ist, dass das eigentlich unglaublich ist, der kennt die Hardwareunterschiede nicht.

Musikalisch gehören die Stücke in Revenant Wings, was die Klangqualität angeht, ebenfalls zum Besten, was man bisher auf dem DS hören konnte. Die meisten Stücke sind bereits aus Final Fantasy XII bekannt und dürfen zu Recht als gelungen angesehen werden. Genial ist allerdings einzig der erste Track. Uematsu hebt sich nun einmal noch immer ab. Auch eine Sprachausgabe fehlt leider, aber das ist wohl zu verschmerzen.

Fazit

Mit Final Fantasy XII: Revenant Wings macht Square Enix auch auf Nintendos DS einen mutigen Schritt, der diesmal beinahe uneingeschränkt als gelungen bezeichnet werden darf. Technisch gibt sich das Spiel überhaupt keine Blöße, sondern setzt viel mehr neue Maßstäbe und die Messlatte für andere RPGs fast unerreichbar hoch. Das neue Kampfsystem weiß, trotz seiner kleinen Macken, vor allem zu Beginn absolut zu überzeugen und fesselt den Spieler an den Titel, obwohl dieser nicht gerade die spannendste Geschichte und auch nur sehr wenig Abwechslung zu bieten hat. Leider kann das sehr gute, aber eben einseitige Gameplay niemanden 80 Stunden an den Handheld fesseln, weswegen Revenant Wings leider nicht das beste DS-Spiel aller Zeiten geworden ist. Dafür gehört es aber auf jeden Fall zu den Top20. Final Fantasy- und Rollenspielfans sollten auf jeden Fall ein Auge darauf werfen.

Final Fantasy XII: Revenant Wings [DS , looki.de]

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