Gesamtwertung80%/10 |
GrafikGut SoundBefriedigend |
LanzeitspaßBefriedigend SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Jeder Fan der Zelda-Spiele kennt ihn. Er ist so schräg, dass er Preisträger für die beste Nebennebennebenrolle sein sollte. Und doch betrachtet ihn die Spielergemeinde mit gespaltenen Gefühlen. Die Rede ist von Tingle, dem eigenartigen Kartografen. Der Typ, der gerne auch mal an einem Ballon durch die Gegend schwebt. Wie der kleine Kerl zu dem wurde, was er nun ist und welche Ziele er verfolgt, dass erfährt man nun in Freshly-Picked Tingle's Rosy Rupeeland. Hier steht der grüngewandete Tingle selbst im Mittelpunkt eines Abenteuers. Ob er jedoch mit seinem Vorbild Link mithalten kann?
Ein ganz normaler Typ langweilt sich in seiner kleinen Hütte, als ihm plötzlich eine wahrhafte Persönlichkeit erscheint, der Rubin-Opa. Der Alte erzählt ihm von dem sagenumwobenen und wunderschönen Rubinland und trägt dem entzückten Kerl auf, Rubine zu sammeln. Er stellt ihm in Aussicht, dass er mit das Land mit einer Vielzahl dieser Edelsteine erreichen könne. Um ihn auf die Reise vorzubereiten, verwandelt er ihn in Tingle, einen kleinen, aufgeweckten Kerl mit roter Nase und grünem Anzug. Kaum will Tingle mit dem fleißigen Sammeln beginnen, nimmt die Fee Pingle, seine neue Assistentin, Kontakt mit ihm auf und erklärt ihm die Grundlagen seines neuen Lebens. Jetzt ist er kein gelangweilter Tropf mehr, sondern ein fröhlicher Rubinscheffler.
Ein fernes Land lockt
So ungewöhnlich wie Tingles Erscheinung, ist auch das ihm gewidmete Spiel. Zwar handelt es sich bei dem Titel um ein Rollenspiel, Vergleiche mit anderen Spielen sind aber auf ganzer Länge unangebracht. Die Andersartigkeit beginnt schon beim Einkaufsbummel in der nahe gelegenen Stadt. Hier öffnen die meisten Menschen nicht einmal die Ladentür, geschweige denn den Mund, ohne im Vorfeld ein paar Rubine erhalten zu haben. Jeder in dieser Welt ist gierig und so gilt es stets, um einen guten Preis zu feilschen. Dummerweise geht die gebotene Zahl an Rubinen selbst dann flöten, wenn das Angebot nicht angenommen wird. Man sollte also besser nicht zu verhalten bieten, sonst wird man für seinen Geiz kräftig abgestraft. Dabei handelt es sich ohne Frage um ein außergewöhnliches und vor allem frisches Spielelement, nur ist es manchmal sehr schwierig die richtige Relation zu finden und treibt dann nicht nur Tingle in den Ruin, sondern auch die eigenen Nerven zur Labilität.
Bloß nicht zu gierig sein
Wer Tingle kennt, der weiß, dass der Knirps kein Kraftprotz ist. Darum ist der Grünling auf die Hilfe eines Begleiters angewiesen. Diese Bodguards lassen sich anheuern und stehen ihm dann solange bei, bis ihre Kräfte sie verlassen. Vor allem im späteren Spielverlauf kann man es vergessen sich mit irgendwelchen Monstern anzulegen, sofern man keinen dieser Haudegen im Schlepptau hat. Außerdem gibt es drei unterschiedliche Typen von Leibwächtern, die jeweils spezifische Fähigkeiten haben. Kleine Bodyguards passen durch schmale Öffnungen, mittelgroße Wächter können Schlösser knacken und die dicken Brummer zerbröckeln mit Leichtigkeit Felsen. Bahnen sich Konfrontationen an, dann endet das meist in einem großen Chaos. Kämpfe sind in dieser Welt nämlich wilde Keilereien, in die man als Spieler nur indirekt eingreifen kann. Um den kleinen Helden zu unterstützen und den Konflikt schnell zu beenden, reicht ein schnelles Antippen des Kampfgeschehens. Des Weiteren kann man die Staubwolke, in der der Kampf stattfindet, langsam über den Bildschirm fegen lassen und somit weitere Gegner oder den Leibwächter in den Tumult integrieren. Im Laufe des Kampfes verliert Tingle regelmäßig Rubine, sie sind also seine Lebensenergie. Er verliert zawr noch mehr Rubine, wenn er es mit vielen Feinden zu tun hat, die Ausbeute bei einem Triumph ist dafür aber um ein Vielfaches größer. Darum lohnt es sich häufig eine Massenschlägerei zu riskieren. Der Gewinn beschränkt sich nicht nur auf Rubine, auch Waren können erbeutet werden. Diese lassen sich ohne weiteres in der Stadt verkaufen oder im Kochtopf daheim zu Items verarbeiten. Dabei darf man frei Schnauze experimentieren oder kocht nach bereits erbeuteten Rezepten. Der Vorteil bei der Herstellung eigener Items ist, dass diese nicht nur hilfreiche Eigenschaften haben, sondern sich ebenso gewinnbringend verkaufen lassen.
Star-Allüren: Tingle braucht einen Bodyguard
Gewinn lässt sich auch ganz einfach mit Papier erzielen. Um genauer zu sein, ist es die Kartografie, die als weitere Einnahmequelle dient. Dazu muss man lediglich besondere Begebenheiten in der Landschaft auf seiner Karte vermerken. In jedem Landstrich ist eine bestimmte Anzahl solcher Phänomene vorhanden, darunter zum Beispiel Statuen, kleine Inseln oder besondere Pflanzen. Bringt man der Kartenmacherin in der Stadt eine vollständig aufgeklärte Karte, darf man sich über einen großen Haufen Edelsteine freuen. Doch selbst wenn man alle genannten Möglichkeiten ausschöpft, um Reichtum anzusammeln, kommt man nicht um das Erforschen von Dungeons herum. Diese sind klassischerweise mit Monstern, Rätseln, Rubinen und einem Endgegner gefüllt. Letztere werden in Minispiel-Manier bekämpft und so ähnelt kein Bosskampf dem anderen. Mal wirft man Bomben, dann steht man ihnen in der Arena gegenüber und immer hinterlassen sie so viele von den begehrten Steinen, dass man sich danach getrost als reich bezeichnen darf. Die überschüssigen Rubine sollten jedoch an einer Quelle gespendet werden. Diese erhebt sich im Laufe des Spiels zu einem gigantischen Turm und macht auf diese Weise immer wieder neue Landstriche erreichbar. Dem gelobten Rubinland kommt man durch den wachsenden Turm ohnehin stets näher. Da bringt Tingle seine Freude gerne mal mit einem kleinen Tänzchen zum Ausdruck. Generell sind die Animationen der Protagonisten, passend zum Comic-Look des Spiels, witzig ausgefallen. Dennoch ist die im Grunde detaillierte Spielwelt etwas starr und leblos. Das liegt zum einen an der unbeweglichen Landschaft, zum anderen am häufigen Mangel an musikalischer Begleitung. Auf die Musik muss man nämlich häufig verzichten und sich mit Umgebungsgeräuschen zufrieden geben.