Nintendogs

Review
Plattform
Nintendo DS
Vertrieb
Nintendo
Entwickler
Nintendo
Erscheinungsdatum
-
Genre
Simulation
USK
0
Nintendogs [DS , looki.de]

Gesamtwertung

92%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Gut

Nintendogs

Hunde sind, so sagt es die Volksweisheit, des Menschen bester Freund. Ob als Blindenhund, als Lebensretter bei Lawinen, als Spielgefährte für Kinder oder als putziger Postbotenschreck haben sich die verlausten Fellknäuel auf vier Pfoten langsam aber sicher in unser Herz – und in anderen Ländern sogar bis in den Kochtopf – geschlichen.

Besonders knuddelig sind Hunde im Welpenalter, wenn sie tapsig ihre kleinen Schrittchen machen und uns mit großen Hundeaugen anschauen, während sie auf den Teppich pinkeln. Und kann man ihnen dafür böse sein? Klaro, aber immer! Nur halt nicht allzu lange, denn wenn sie fiepend und schwanzwedelnd nach Zuneigung lechzen, wird auch das härteste Herz weich und alle Urin- und andere Flecken sind vergessen.

Dies erkannte auch Nintendo, also haben sie die urjapanische Erfindung Tamagotchi genommen, das Pixel-Viech ausquartiert und ein virtuelles Hundebaby reingestopft… fertig ist Nintendogs. Nun gut, so einfach ist es nun auch wieder nicht, also gehen wir ins Detail.

Hat man sich für die Rolle des Besitzers eines digitalen Hundes entschieden, ist die Auswahl an Hunderassen ähnlich breit gefächert wie in einem echten Tierheim. Ganze drei unterschiedliche Nintendogs-Packungen stehen im Regal des Spieleverkäufers des Vertrauens: 'Labrador + Freunde', 'Chihuahua + Freunde' sowie 'Dackel + Freunde'.

Hat man sich entschieden und das Spielmodul in den Nintendo DS gesteckt, steht man auch schon in einem virtuellen Hundezwinger… und das Elend beginnt.

Anstatt sich cool einen der dortigen Hunde auszusuchen und das eigentliche Spiel zu beginnen, lässt man Sätze wie „Ui…. Wie ist der süß“, „Gutschigutschigu“ und „Ei, was haben wir da? Ja, was haben wir denn da?“ ab und fragt sich – zurecht – was hier gerade schief läuft.

Doch irgendwann hat man sich gefangen und sich für den Hund seiner Wahl entschieden. Doch Hund ist nicht gleich Hund, oh nein! Wie jeder „echte“ Hund in der „realen“ Welt haben die Nintendogs-Tölen nämlich eine eigene Individualität beziehungsweise besondere charakterliche Züge und Macken. Also nicht wundern, wenn das Hundchen bissig ist, Angst vor Tennisbällen hat und die schwersten Tricks ohne Probleme erlernt.

Hat man als stolzer Hundebesitzer den Nachwuchskläffer ins virtuelle Heim geschafft, sind die Welpen meist recht ängstlich. Also ruft man sie mit dem auf dem Touchscreen befindlichen Pfiff-Button heran. Die Reaktion lässt meist nicht lange auf sich warten. Der kleine Racker rennt auf uns zu und verlangt nach Zuneigung. Also den Griffel geschnappt und damit über den Touchscreen gerubbelt. Und schon wieder überkommt einen dieses seltsame Gefühl… erneut vernimmt man Worte wie diese aus seinem eigenen Munde: „Oi, was bist du süß“, „Tja, das magst du, wenn ich dir hinter den Ohren kraule, gell?“, „Meine Fresse, was ist das niedlich…“.

Nun sind Kraulen, Streicheln und Rubbeln nicht die einzigen Interaktionen, die man mit seinem Hund anstellen kann. Bello möchte auch mit Shampoo eingeschäumt und mit klarem Wasser abgeduscht werden. Es verlangt ihn auch ab und zu nach dem Bürsten des Fells und – wieso auch immer- mit Nahrung und Wasser will er auch noch bedient werden!

Um als Spieler eingehender mit dem Fellmonster zu agieren, kann man diesem auch Tricks beibringen. Während mit dem Touchpad der Flohschleuder beigebracht wird, was er bzw. sie machen soll, kann man anschließend über das Mikrofon einen passenden Befehl eingeben, damit das Tier in Zukunft auf die Stimme des Herrchens oder des Frauchens hört. Das funktioniert folgendermaßen: Hat man dem Hund über das Touchpad irgendwie klargemacht, dass es sich hinsetzen soll, erscheint eine kleine Glühbirne in der oberen rechten Ecke des Touchscreens. Hat man diese angeklickt, muss man über das Mikrofon einen passenden Befehl geben, zum Beispiel „Sitz“.

Sofern der Hund den Befehl verstanden hat, erscheinen kleine Glühbirnen überall über den Hund. Hat er nix verstanden, erscheinen rote Fragezeichen. Dies wiederholt man einige Male, bis die Mini-Fellschleuder den Befehl eindeutig verstanden hat. Der neu gelernte Trick wird dann abgespeichert, wobei die Maximalzahl bei 14 Tricks liegt. Soll Fiffi etwas Neues lernen, muss man alte Tricks allerdings löschen.

Von nun an kann man seinem Nintendogs-Hund verbal die Befehle zukommen lassen, die Bello auch in den meisten Fällen ausführt. Allerdings gehört einiges an Überwindung dazu, Nintendogs beispielsweise in einer U-Bahn oder an einem anderen, von vielen Menschen frequentierten Ort zu spielen. Es wirkt halt doch ziemlich befremdlich, wenn jemand „Mach Sitz“, „Platz“, „Hol Stöckchen“ oder gar „Ei, du kleiner süßer Wuschel du…“ zu seinem Nintendo DS sagt.

Nun sollte es für Tierbesitzer klar sein, dass man regelmäßig mit seinem Köter die Straßen unsicher macht, damit dieser etwas Auslauf und die Gelegenheit zur Darm- und Blasenentleerung bekommt – also der Hund, nicht der Tierbesitzer! Hat man sich fürs Gassi gehen entschieden, darf man erstmal die Route bestimmen, die man mit seinem Bello abgehen will. Neben Parks und Geschäften findet man auf der kleinen Stadtkarte auch kleine Fragezeichen. Besucht man diese, kommt es zu Zufallsbegegnungen mit anderen Hunden, was meist in gegenseitigen Schnüffeleien endet oder aber unsere kleine Zeckenschleuder schleppt uns kleine Geschenke an, deren Inhalte sich meist als Spielsachen entpuppen.

Während des Gassigehens ist es möglich, den Hund frei laufen zu lassen oder ihn mehr oder minder hinterher zu ziehen. Sollte Waldo seine Haufen machen, steht es dem Herrchen übrigens frei, ob der die Hundehaufen aufsammelt oder liegen lässt.

Im Park geht’s so richtig ab. Ein riesiger Platz zum Herumtollen mit anderen Hunden erwartet unseren kleinen Schützling, sodass er nicht nur bis zum Umfallen rennen kann, sondern auch Freundschaften oder Feindschaften eingehen kann. Freundschaften sind eine wichtige Sache, denn schließlich steigert dies das Selbstbewusstsein unseres vierbeinigen Teppichs, was unter anderem die Fähigkeit steigert, Spaziergänge über größere Strecken zu schaffen. Wie weit diese Strecken sein können, zeigt dabei ein kleiner Balken am Bildschirmrand an. Leider wächst der Hund nur an Fähigkeiten und Fertigkeiten, denn ein Wachstum des Hundes an sich gibt es nicht. Selbst nach Jahren des Hätschelns und Tätschelns wird der Welpe ein Welpe bleiben. Welpen sind nun mal niedlicher als ausgewachsene Vierbeiner.

Hat man sich als vorrausschauendes Herrchen einen Wurfgegenstand wie beispielsweise einen Frisbee oder ein Stöckchen besorgt, kann man mit dem vierbeinigen Racker das Apportieren üben. Wie im echten Leben heißt die Devise, den zu apportierenden Gegenstand möglichst weit wegzuwerfen, auf dass Waldi losrennt und uns das Ding wieder schwanzwedelnd anschleppt. Bringt er uns den Gegenstand wirklich, heißt es loben, loben und nochmals loben.

Als Alternative zum Park ist ein Besuch in der Trainingshalle möglich. Anstatt jedoch irgendwelche Sachen wegzuwerfen – in der Hoffnung, die bellende Flohschleuder schleppt sie wieder an – werden hier Hindernisparcours trainiert beziehungsweise absolviert. Genaue und exakte Führung des Touchpens sind der Schlüssel zum Erfolg.

Doch wozu das Ganze? Nun, scheinbar ist ein Hundebesitzer nach dem Willen von den Designern ein scheinbar arbeitsloser Hundebesitzer, denn Geld kommt nur durch die Teilnahme bei drei unterschiedlichen Wettbewerben rein. Die Apportier- und Hindernisparcour-Wettbewerbe lassen sich ja – wie bereits erwähnt - durch exzessive Trainingseinlagen im Park und in der Trainingshalle üben. Der letzte Wettbewerb befasst sich mit der Gehorsamkeit des Haustieres. Die Tatsache, ob der Hund den Befehlen des Herrchens folgt oder nicht ist nun mal entscheidend, um diesen Wettbewerb zu gewinnen.

Fazit

Meine Güte, wie sind die Hunde niedlich… einfach Zucker! Das geht soweit, dass ich jetzt auch in der realen Welt ernsthafte Überlegungen anstelle, einen Hund anzuschaffen. Doch zurück zu Nintendogs. Fast jeder meiner Bekannten, der zum allerersten Mal mit diesem Spiel in Kontakt kam, hat erstmal ein „Ach, das ist ja bescheuert“ als Kommentar abgeliefert. Sie entrissen mir den Nintendo DS, haben mehr oder weniger freundliche Vergleiche zu Tamagotchi&Co abgeliefert und ein bisschen mit dem virtuellen Hund gespielt. Es dauerte nicht lange – meist 20 Minuten - da war auch der größte Zweifler von dem Geschehen auf den Bildschirmen angetan und fand dies oder jenes niedlich, putzig oder gar drollig. Viele Spiele brillieren meist nur in der Grafik, einige in der Handlung, wenige bei der Atmospähre. Und fast nie hat man als Spieler ein inniges Verhältnis zu den Charakteren der Spiele. Nintendo hat das Kunststück geschafft und ein Spiel entwickelt, dass einen massiven Suchtfaktor besitzt, da man aufgrund der emotionalen Bindung zu seinem bellenden Schützling sich ständig um ihn sorgt beziehungsweise ihn verhätscheln will. Wer Hunde nicht mag, wird Nintendogs wohl wenig abverlangen. Alle anderen werden Nintendogs wohl schnell lieben lernen.

Nintendogs [DS , looki.de]

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