The World Ends With You

Review
Plattform
Nintendo DS
Vertrieb
Square Enix
Entwickler
Square Enix
Erscheinungsdatum
-
Genre
Abenteuer
USK
6
The World Ends With You [DS , looki.de]

Gesamtwertung

87%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Sehr gut

The World Ends With You

Tokio ist für viele Europäer und Amerikaner noch immer ein mysteriöser Ort. Und da Asiaten offenkundig auf Mythen, Märchen und eigentlich unglaubwürdige, aber traditionelle Geschichten stehen, dürfte The World Ende With You sowohl im Osten, wie auch im Westen potenziell seine Käufer finden. Square Enix bewegt sich mit dem pseudo-hippen Rollenspiel auf neuen Wegen und versucht klassische Kost mit extrem überzeichneten Lifestyle-Elementen zu kombinieren. Ob das gelungen ist, klären wir im Test.

Neku ist einer dieser typischen, postmodernen Literatur-Jugendlichen, die sich um nichts Anderes außer sich selbst kümmern. Sein Leben wird von Beats, Graffiti und bitterer Einsamkeit, die er durch seine Leidenschaft zu übertünchen versucht, geprägt. Eines Tages findet er sich ohne besonderen Grund in Shibuya, dem Vergnügungsviertel von Tokio wieder. Ihm gefällt es in der Masse unter zugehen. Doch zwischen zwei kurzen Augenblicken ändert sich sein bedauerliches Leben grundlegend. Denn Neku wird auserwählt. Dies bedeutet in Videospielen meist etwas Gutes. Der junge Japaner aber wird in einen Strudel aus Gewalt und Verderben gestürzt. Eine scheinbar übernatürliche Gruppe, die sich selbst Reaper nennt, trachtet ihm nämlich nach dem Leben.

Er erhält ein Zeitkontingent von sieben Tagen, in denen er besser die von den Reapern gestellten Aufgaben erfolgreich abschließt. Jeder Fehltritt kostet ihn nämlich das Leben. So wie sich der Leser jetzt allein gelassen und nach dem Zusammenhang suchend wiederfinden dürfte, geht es auch dem Protagonisten. Zunächst begreift er nicht, in welcher Lage er sich befindet. Als mit Shiki auch noch ein Mädchen in sein Leben tritt, ist die Verwirrung komplett. Sie folgt Neku nämlich überall hin und versucht ihm zu verdeutlichen, dass er dieses tödliche Spiel zu spielen hat, wenn er überleben will. Neku glaubt natürlich kein Wort und muss erst auf schmerzhafte Art und Weise erkennen, dass Shiki wohl doch nicht lügt. In dieser Zeit tickt jedoch bereits die Uhr und bis Neku darauf kommt, dass er wohl oder übel mit Shiki zusammenarbeiten muss, weil sie durch die Reaper mit einem unsichtbaren Band verbunden wurden, drängt die Zeit, da die Beiden nur noch wenige Minuten Zeit haben, um die erste Aufgabe zu bewältigen und weiterleben zu dürfen.

Innovativ und postmodern

Erst ganz langsam wird klar, worauf die Reaper hinaus wollen. Dabei begleitet die Protagonisten die ganze Zeit über ein Schauer aus Hoffnungslosigkeit, Unverständnis und Tod. Bis weit in die Geschichte hinein kann man nicht davon ausgehen, ein positives Ende zu Gesicht zu bekommen. Durch die detaillierte und total überzeichnete Umgebung und die Dialoge übt Square-Enix beinahe schon Gesellschaftskritik. Auch in Deutschland übrigens nur für den Englischversierten. Deutsche Texte gibt’s nämlich keine.

Dafür aber teilweise englische Sprachausgabe. Das Gameplay teilt sich quasi in zwei abwechslungsreiche und nie langweilende Bereiche. Zum einen kämpft man sich seinen Weg während der Missionen gegen die so genannten Noise in einem innovativen und fordernden Kampfsystem frei. Zum anderen löst man Rätsel, die meist mit Kommunikation zu tun haben. Neku macht während des ganzen Spiels eine unglaubliche charakterliche Entwicklung durch.

Dabei beschränkt diese sich nicht nur auf die zauberhaft gezeichneten Zwischensequenzen, sondern sind auch während des Gameplays sichtbar. Wird man von den Noise attackiert, gelangt man auf ein abgestecktes Schlachtfeld. In Echtzeit prügelt man dann auf die Feinde ein. Das Geniale an der Sache ist, dass beide Bildschirme je einen kämpfenden Charakter darstellen. Beide sind übrigens auf einander angewiesen. Stirbt einer, ist das Spiel auch für den anderen vorbei.

Beide bekämpfen die gleichen Monster, die ebenfalls in Sachen Healthpoints „zusammenkleben“. Auf dem Touchscreen wird man mit dem Pen immer die Aktionen von Neku ausführen. Er wird die unterschiedlichsten Schlag-, Wurf- und Magietechniken erlernen. Dabei können aber während eines Kampfes nur sechs eingesetzt werden, so dass man vor einer Konfrontation taktische Überlegungen anstellen sollte. Die Fertigkeiten werden am oberen Bildschirmrand als Pins angezeigt. Berührt man einen mit dem Touchpen ist die Fähigkeit auch schon ausgerüstet.

Durch die verschiedensten Bewegungen, die jeweils abhängig vom Angriffstyp sind, malträtiert man dann die Gegner. Das macht einen Heidenspaß und kann einzig als die perfekte Lösung eines Echtzeit-Kampfsystems auf dem DS angesehen werden. Der obere Bildschirm zeigt einen weiteren Charakter der Gruppe. Ihn muss man nicht unbedingt steuern. Wer allerdings Multitaskingfähigkeiten besitzt, sollte darauf nicht verzichten. Mit dem Steuerkreuz versucht man bestimmte Tastenfolgen zu vollführen, die dann fette Combos hervorrufen können. Wie schon angesprochen ist es anfangs recht schwierig wirklich gelungene Attacken auf beiden Bildschirmen zu vollführen. Sobald man das KS aber beherrscht macht es nicht nur einen Heidenspaß, sondern lässt es auf den Bildschirmen auch so richtig krachen. Die Rätselseite präsentiert sich ähnlich innovativ. Zwar gibt es auch die obligatorischen Zwickmühlen, wie etwa Suche-einen-Gegenstand-und-setzt-ihn-irgendwo-ein, aber da Neku auch einen Pin sein Eigen nennt, der ihn die Gedanken von Passanten lesen lässt, gibt es auch durchaus anspruchsvolle Denkaufgaben. So wird man Personen zusammenbringen müssen, in dem man Gedanken von einem Passanten in die eines anderen einspeist und so ein Event auslöst.

Das Ganze gestaltet sich durchweg spannend und spaßig.

Grafisch macht das Spiel einiges her, prägt seinen eigen Stil und ist zugleich doch gewöhnungsbedürftig oder zumindest an jene Spieler gerichtet, die sich der Lifestyleobsession nicht entziehen bzw. sich auf Selbige in einem Spiel einlassen können. Klassische Kunst geht hier einher mit hippen Surrealitäten. So erinnert vieles in der Stadt an das reale Shibuya, nur eben in der Interpretation der Designer. Alles wirkt auf Postmoderne getrimmt, selbst die Figuren glänzen mir eigenwilligem HipHop-Techno-Mix-Design. Das alles ist sehr schön anzusehen und wird durch klasse Zwischensequenzen und schöne Effekte hervorragend untermalt.

Der Sound besticht durch einige gut eingesetzt Japano-HipHop-Tracks sowie ChillOut-Musik. Leider wiederholen sich die Tracks zu oft, so dass sie während der langen Spielzeit abflachen. Die Soundeffekte, sowie die Sprachausgabe, die auf dem DS ein Novum darstellt, wissen aber durchweg zu gefallen.

Fazit

The World Ends With You verbindet klassische Rollenspielelemente mit einem innovativen und beinahe perfekt an den Nintendo DS angepassten Kampfsystem, einer genialen Endzeitstory und einem frischen Setting, samt postmoderner Kulisse. Die grafische Vielfalt sucht auf dem DS genauso seines Gleichen, wie das abwechslungsreiche Gameplay. Wer sich auf ein durchaus gewöhnungsbedürftiges Rollenspiel einlassen möchte und über die nötigen Englischkenntnisse verfügt, dem schenkt Square Enix letztlich aber eines der besten und aufwendigsten Spiele, die es für den Nitnendo DS bisher gab. Kleinere Mängel, wie die geringe Songauswahl und der chaotische Beginn rücken da in den Hintergrund.

The World Ends With You [DS , looki.de]

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