Gesamtwertung66%/10 |
GrafikBefriedigend SoundBefriedigend |
LanzeitspaßBefriedigend SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Point and Click-Adventures feiern allmählich ihre Renaissance. Deutsche Entwicklerstudios sind daran nicht unbeteiligt und sind zudem für kleinere Wagnisse zu haben. Darum bringt Sproing Interactive mit Undercover: Doppeltes Spiel nun ein waschechtes Adventure auf Nintendos portable Konsole und prüft mit einem Geflecht aus Geheimnissen und Intrigen den Touchscreen auf seine Tauglichkeit. Im Test soll trotz detektivischem Hintergrund nichts geheim bleiben. Sowohl große Stärken, als auch markante Schwächen wurden dediziert in die Akte aufgenommen.
Doktor John Russell engagiert sich zusammen mit drei renommierten Kollegen in einem geheimen militärischen Forschungsprojekt. Das genaue Ziel der gemeinsamen Arbeit liegt jedoch im Ungewissen, da jeder der Spezialisten weitestgehend alleine in seinem Labor werkelt. Auch Colonel Travers scheint Interesse daran zu haben, dass die Herrschaften im Ungewissen bleiben. Als er plötzlich auftaucht und John merkwürdige Fragen stellt, wird dieser misstrauisch und beschließt mit Audrey, der kessen Assistentin des Leiters der Forschungseinrichtung, den Dingen auf den Grund zu gehen. Schnell wird klar, dass man Doktor Russell der Spionage bezichtigt und ihn noch am selben Abend ausschalten will. Es gilt also keine Zeit zu verlieren und den Komplott aufzulösen. Ein Glück, dass Audrey dem guten Doktor dabei tatkräftig zur Seite steht. Denn während Doktor Russell meist die Drecksarbeit machen muss, brilliert die Assistentin mit weiblicher Intuition und Neugierde.
Audrey, übernehmen sie!
Anders als zum Beispiel Another Code oder Hotel Dusk, welche eine ganz eigene Art von Adventures darstellen, orientiert sich Undercover in puncto Spielmechanik an dem klassischen Point and Click-Prinzip. Der Stylus dient somit als Ersatz für die PC-Maus und bedeutet dem Charakter wohin er gehen, welchen Gegenstand er benutzen oder mit welcher Person er sprechen soll. Wählt man auf diese Weise einen Hot Spot, sprich einen Gegenstand oder eine Person, aus, erscheint an dieser Stelle ein kleines Menü. Über dieses kann man zwischen den Aktionen Untersuchen und Interagieren auswählen. Ebenfalls sehr intuitiv ist die Kontrolle über das Inventar ausgefallen. Über eine Schultertaste lässt sich dieses schnell aufrufen und per Drag and Drop unkompliziert verwalten. Hin und wieder brechen kurzweilige Minigames den Spielverlauf auf. Auch hier wird intensiver Gebrauch vom Touchscreen gemacht. Schade nur, dass man hier die Steuerung nur in Form eines einzelnen Bildes erklärt bekommt. So ist manchmal nicht ganz klar, wie man vorzugehen hat. Da man bei Undercover nicht das Schicksal eines einzelnen Charakters bestimmt, sondern ein ungewöhnliches Tag-Team aus Doktor und Sekretärin kontrolliert, dient die zweite Schultertaste übrigens dem direkten Charakterwechsel. Der Rollentausch ist aber keine Spielerei, sondern fester Bestandteil der Rätselstruktur. Die charmante Audrey plappert mit den Wissenschaftlern nunmal nicht über intelektuelle Nichtigkeiten. So ist es natürlich immer wieder ratsam die gleiche Person mit beiden Protagonisten anzusprechen. Auch wenn es es darum geht Taten sprechen zu lassen, muss man zwischen Männlein und Weiblein differenzieren. Sie klettert in ihrem Kostümchen sicherlich keine Leitern empor und hantiert auch nicht mit Öl. Er hingegen traut Audreys Papageien nicht über den Weg und in der Damentoilette hat ein männlicher Vertreter unserer Spezies ohnehin nichts zu suchen. John und Audrey verfügen zudem über getrennte Inventare und so bleibt ein gelegentliches Austauschen der gefundenen Items nicht aus.
Bloß nicht die Finger schmutzig machen!
Es ist dieses Teamprinzip, dass Undercover auszeichnet und das Element, auf dem ein Großteil der Rätsel aufbaut. Stellenweise funktioniert der Aspekt wirklich gut. Beispielsweise findet Audrey in der Damentoilette einen Schlüssel, der perfekt zu einem Schrank passen würde. Ein solcher steht wiederum in der Herrentoilette. Also wird der Schlüssel rasch in Johns Hand gedrückt, damit der den Inhalt des Schranks genauer unter die Lupe nehmen kann. An anderer Stelle ist das Zusammenspiel der beiden jedoch nicht so einfach und vor allem nicht sehr offensichtlich. So bemüht sich John später zwischen zwei seiner Kollegen zu vermitteln, um hilfreiche Informationen zu erhalten. Ihm will das Unterfangen nicht recht gelingen. Audrey kann jedoch erst eingreifen, wenn sie mit John über das Thema gesprochen hat. Klingt logisch? Ist es auch. Doch dummerweise ist es zwingend notwendig, dass John Audrey anspricht, um ihr davon zu berichten. Wendet sie sich an John, kommt das Thema beim Gespräch unter keinen Umständen zur Sprache. Mal ist es fast Glücksache des Rätsels Lösung zu finden und mal werden einem die Hinweise nicht nur unter die Nase gerieben, sondern bereits in diese hineingesteckt.
Wo bleibt die Bewegung?
Leider versäumten es die Entwickler die größten Trumpfkarten im Adventure-Genre zu zücken, Persönlichkeit und Wortwitz. John und Audrey haben zwar ihren eigenen Kopf, wirklich Charakter lassen sie allerdings vermissen. Sie geben einfach, wie die meisten anderen Personen im Spiel, zu wenig von sich Preis. Das liegt auch an den mageren Dialogen. Selten stehen mehr als zwei verschiedene Gesprächsthemen zur Wahl und diese werden schnell und meist steif abgehandelt. Richtige Dialoge, wie man sie aus den großen Vorbildern kennt, sucht man hier vergeblich. Das nimmt dem Spiel eine Menge Charme, lässt die Charaktere platt wirken und die Spielwelt statisch. Dazu passt auch die grafische Präsentation. Die Bewegungen der Personen sind nämlich recht hölzern und die Animationen glänzen auch nicht durch Vielfältigkeit. Immerhin passen sich die Personen damit in die Umgebungen ein. Diese sind zwar ansprechend und detailliert gezeichnet, haben aber keinen Funken Bewegung in sich. Darum sieht Undercover auf Screenshots sehr ansprechend aus, entpuppt sich in Wirklichkeit aber als weniger aufreizend. Auch die Soundkulisse ist etwas lahm. Sie ist zwar passend, bietet aber kaum Abwechslung und fällt im Grunde mehr durch gelegentliche Aussetzer auf.
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Undercover: Doppeltes Spiel im Test.
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