Gesamtwertung85%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungGut |
Ich habe X-Com geliebt: Aliens, Waffen, Forschung: alles was man will. Aus isometrischer Perspektive habe ich sie gejagt, mich hinter Ecken geduckt, taktisch gedeckt, ganze Gebäude in die Luft gejagt. Final Fantasy Tactics Advance erinnert mich so an X-Com, wie der Geruch von Sonnenmilch an den Sommer: Das Gefühl kommt wieder in greifbare Nähe.
In Final Fantasy Tactics Advance spielt ihr einen Clan aus verschiedenen Rassen, die ihr aus isometrischer Perspektive in den rundenbasierten Kampf führt: Menschen, Moogles, Bangaas, Nu Mou, Vieras.
Menschen sind wieder mal die Alleskönner. Die Grundanlagen sind gegeben, alles ist möglich. Besondere Spezialisierungen gibt es keine. Bangaas wiederum sind eure Nahkampfspezialisten: Eine widerstandsfähige Echsenrasse, ein wenig rauh, dafür aber sehr zäh. Magiespezialisten sind die Nu Mous.
Sie sehen zwar wie Seekühe aus, aber als Entschuldigung können sie sich mit dem richtigen Job in alle Monster verwandeln. Optisch ansprechender sind die Vieras. Eine durchgehend weibliche Rasse mit einer speziellen Begabung für das Bogenschiessen, auch als Scharfschützen oder Assassinen sehr gut einsetzbar.
Hugh Heffner wäre sehr erfreut, denn ein gutgelaunter Designer hat allen von ihnen Playboy-Bunny Öhrchen verpasst. Schon seit Final Fantasy III bekannt und beliebt sind die Moogles: Flauschige Wattebällchen, die ihre Sätze prinzipiell mit kupo beenden. Sowohl Magie als auch Geschicklichkeit wurden ihnen verstärkt mit auf den Weg mitgegeben.
Zusätzlich zur Rasse gibt es noch den Job: Je nach Rasse unterschiedlich, habt ihr immer mehrere zur Auswahl. Die Spitzenpositionen wollen natürlich hart erarbeitet werden, doch dazu später. Ganze 36 Stück stehen insgesamt zur Auswahl, die vom einfachen Soldaten und Magier über den Paladin und Illusionisten bis zum Scharfschützen und Beschwörer reichen. Je nach Rasse machen bestimmte Jobs natürlich mehr Sinn, andere sind gar nicht möglich, wieder andere exklusiv.
Noch nichts von der Story gehört? Viel gibt es nicht: Junge wird in Final Fantasy Welt gezogen, Junge will aus Final Fantasy Welt heraus, Komplikationen. Fertig. Im Gegensatz zu den anderen Final Fantasy Spielen steht hier der Kampf an sich im Vordergrund. Das ist schade, weil das Original Final Fantasy Tactics auf der PS1 mit einer epischen Hintergrundstory aufwarten konnte, die in Verbindung mit der exzellenten Kampfmechanik auch heute noch von vielen als das Beste Taktik-Rollenspiel bezeichnet wird. Und das nicht umsonst, denn das seit dem fünften Teil der Serie bekannte Jobsystem, das auch damals schon verwendet wurde, bringt enorm viel Abwechslung. Durch verschiedene Items lernt ihr Fähigkeiten dazu, mit einer entsprechenden Anzahl Fähigkeiten könnt ihr neue Jobs annehmen. Etwas verwirrend ist teilweise, welcher Ausrüstungsgegenstand jetzt für welchen Charakter passend ist. Im Shop könnt ihr euch mit allem eindecken, was Spitzen, Schneiden oder Kristalle dran hat. Habt ihr alle Mitglieder eures Clans eingedeckt, geht es in die Kneipe. Der freundliche Barkeeper listet euch alle gerade verfügbaren Missionen auf. Neben den Hauptmissionen, die die Story vorantreiben und neue Gebiete der Karte erschliessen gibt es zahlreiche andere Befreiungs-, Beschaffungs- und Ergreifungsmissionen.
Sind alle eure Charaktere ausgerüstet, zieht ihr in die Schlacht. Je nach Mission könnt ihr eine verschieden große Anzahl von Leuten in den Kampf schicken. Die klassischen Rollenspielwerte wie Angriff, Verteidigung, Geschicklichkeit und so weiter dienen als zugrunde liegendes Regelsystem. Loslegen darf der Beteiligte mit dem höchsten Tempowert.
Neben normalen Angriffen gibt es die Fähigkeiten, die ihr durch die ausgerüsteten Gegenstände einsetzten könnt. Dazu gehören Angriffszauber, Spezialattacken oder besondere Fähigkeiten wie zum Beispiel das Stehlen von Gegenständen beim Dieb. Natürlich spielen auch Distanzwaffen eine wichtige Rolle. Wie bei anderen Attacken auch wird das Terrain mitberücksichtigt: Euer Bogenschütze steht weit oben und schiesst dem Gegner in den Rücken? Kritische Treffer sind fast garantiert! Richtig neu ist daher auch etwas anderes.
Aufgrund eines Rechtsverliebten Königs sind auch Kämpfe gesetzlich geregelt. Kein Völkerrecht, keine Genfer Konventionen, sondern simple Gesetze, die von Kampf zu Kampf unterschiedlich sind, geben der Sache einen ganz neuen Schwung: So kann es sein, dass Ihr gerade alle eure Soldaten zu Dieben aufgestuft habt, und im nächsten Kampf werden Messer verboten nicht nur ärgerlich, sondern auch mit Folgen behaftet: Verstosst ihr gegen die Regeln, gibt es je nach Schwere des Verstosses eine gelbe oder rote Karte. Ausgehändigt werden diese von Schiris auf Chocobos, die immer um die beste Position auf dem Feld bemüht sind. Gelbe Karten haben verschiedene Nachteile am Ende des Kampfes zur Folge, bei roten aber wandert euer Charakter direkt in den Knast. Raus bekommt ihr ihn nur gegen Zahlung einer empfindlichen Strafe. Als Ausgleich für die Verbote gibt es aber auch Belohnungen: Für jedes Verbot gibt es ein Gegenstück, das gerne gesehen wird, beim Verbot von Messern werden zum Beispiel Degen als Alternative angeboten. Wenn ihr diese einsetzt, bekommt ihr sogenannte judge points: Bis zu zehn könnt ihr sammeln, auch pro ausgeschaltetem Gegner gibt es einen. Nutzen könnt ihr die judge points für verheerende Spezialattacken, die in der höchsten Ausbaustufe das jeweilige Totema -eine Art Schutzgott- der Rasse heraufbeschwören.
Die Zaubersprüche sind Final Fantasy typisch grandios in Szene gesetzt. Erst verdunkelt sich alles und schon kommen die Spezialeffekte. Auch die Charaktere sind liebevoll designt, jeder Job hat seine eigene, spezifische Kleidung. Die Detailgenauigkeit der Grafiken ist immens: So liebevoll ausstaffierte Häuser wie im Prolog müsst ihr sonst auf dem GBA lange suchen, einzig Golden Sun spielt hier in einer ähnlichen Liga. Grosses Kino im kleinen Format ist auch der Sound: Packende Rhythmen während der Kämpfe und ein wenig digitalisierte Sprachausgabe verwöhnen eure Ohren.
Die Entwicklung der Charaktere verläuft erfreulich anders verglichen mit den meisten anderen Rollenspielen. Mit der Jobwahl kann man eine unheimliche Anzahl verschieden spezialisierter Kombinationen erschaffen. Da nur die Rasse eure Jobwahl einschränkt, könnt ihr nach Herzenslust ausprobieren was interessant erscheint und Erfolg versprechend aussieht. Zunächst ein wenig Schulung als Kämpfer, dann ab in die Magierausbildung. Und das geht so: Neben den Basisjobs, die jeder Charakter annehmen kann, gibt es natürlich weitere. Um in diese Jobs zu wechseln, müsst ihr bestimmte Fähigkeiten erlernen. Dies wiederum macht ihr über Gegenstände. Das Bronzeschild bringt euch als Soldat so die Fähigkeit Schildträger bei. Habt ihr den Gegenstand im Inventar und kämpft fleißig, habt ihr nach einiger Zeit die Fähigkeit gemeistert, dass bedeutet ihr könnt sie auch ohne den Gegenstand einsetzen. Diese Fähigkeiten sind entscheidend für euere Umschulungsmöglichkeiten.
So kann ein Bogenschütze nach zwei gemeisterten Fähigkeiten in die Jäger-Berufsklasse wechseln, wenn er will. Neben so genannten aktiven Fähigkeiten, die ihr anwählen müsst, gibt es auch passive und Unterstützungsfähigkeiten. Der Trick ist folgender: Ihr könnt euch zwei verschiedene jobspezifische Fähigkeiten aussuchen, die ihr im Kampf verwenden wollt, und verfügt auf diese Art beispielsweise gleichzeitig über eure Soldatenfähigkeiten während euer aktueller Job aber Schwarzmagier ist. Kompliziert? Ja! Demotivierend? Ganz und gar nicht! Nachdem ihr den groben Überblick irgendwann habt, geht die Planung los: Mach ich jetzt einen Illusionisten aus ihm oder lieber einen Paladin? Zuerst die Bogenschützenfähigkeiten oder die vom weißen Magier?
Seid aber gewarnt: Final Fantasy Tactics Advance ist lang - sehr lang. 300 Missionen gibt es insgesamt, wobei der Hauptquest natürlich kleiner ist. Nach den ersten gemütlichen Stunden könnt ihr euch auch mit dem Bekämpfen von feindlichen Clans, die euch euer Territorium Streitigmachen wollen, die Zeit vertreiben. Oder mit der Pflege von Monstern. Langzeitmotivation ist mehr als ausreichend vorhanden, nur die ersten Stunden können ein zäher Einstieg sein.
Nur Geld für einen Strategieknaller? Dann wird es wohl schwierig. Während bei Final Fantasy Tactics der Schwerpunkt klar beim Charakterentwickeln und in den damit verbunden Möglichkeiten liegt, steht beim Hauptkonkurrenten Advance Wars II die reine Taktiererei mehr im Vordergrund. Während ihr bei FFT endlos viele Magie und/oder Fähigkeiten kombinieren könnt um den Gegner zu schlagen, seit ihr bei Advance Wars auf die vorgegebenen Mittel beschränkt: Ein Panzer wird nie einen Schlafzauber auf das Artilleriegeschütz vor ihm werfen und ihm dann die Munition klauen. Advance Wars II ist destillierte Strategie, FFT ein gut gelungener Genremix mit starken Rollenspielelementen.
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Final Fantasy Tactics Advance im Test.
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