Gesamtwertung89%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Golden Sun: Die Vergessene Epoche ist der Nachfolger zu einem der erfolgreichsten und besten Handheld-Rollenspiele aller Zeiten - ein hartes Los, hat der Vorgänger doch die Latte, an denen sich kommende Spiele des Genres messen müssen, ein ganzes Stück höher gelegt. Doch im Gegensatz zu einigen aktuellen Beispielen allen Voran der neuen Tomb Raider-Rückentwicklung versuchten die Mannen des japanischen Kult-Entwicklers Camelot gar nicht erst, das Winning Team zu verschlimmbessern. Mit der Vergessenen Epoche legt man ein präsentativ kaum verändertes, aber nahtlosanknüpfendes Rollenspiel vor, dass alte Golden Sun-Jünger wie Neulinge fesselt.
Die Handlung setzt an, wo das Abenteuer um Isaac, Garet, Ivan und Mia den Hauptcharakteren des Vorgängers - aufhörte: Die Helden jagten nach Saturos und Menardi, Mitgliedern des Mars-Clans, die versuchten, die vier antiken Leuchttürme der bekannten Welt zu entzünden, um die so genannte Vergessenen Epoche wieder zu vergegenwärtigen. Nach Entfachen des zweiten Turms jedoch wurden die bisherigen Nebencharaktere Felix, seine Schwester Jenna, Cosma, Kraden und Alex an den Kontinent Idejima gespült. Nach einer Erläuterung der bisherigen Geschehnisse beginnt Golden Sun: Die Vergessene Epoche und versetzt den Spieler in die Rolle der Party um Felix. Der Alchemist Kraden spielt hierbei allerdings nur eine Beraterrolle, er kämpft nicht, steht aber in den Dialogen mit gutem Rat zur Seite und erläutert den Quereinsteigern manche wichtigen Spielelemente.
Somit ist Kenntnis des Vorgängers zwar nicht zwingend nötig, aber dennoch von Vorteil, denn nicht nur können alte Charaktere und Items in das Spiel übertragen werden im späteren Verlauf treffen die neuen Helden mit Isaac und Co zusammen - , auch einige Handlungshintergründe und Hinweise sind mit Vorkenntnissen verständlicher.
Am Spielprinzip hat sich derweil nichts geändert, noch immer beherrschen die bis zu vier Party-Mitglieder Zauber genannt Psynergien mit denen zum einen im Kampfgeschehen mächtige Magie-Attacken wie Feuerwände entfesselt werden zum anderen aber auch außerhalb der Gefechte Rätsel gelöst werden. Mit Psynergien wie Verschieber oder Enthüller lassen sich in Dungeons beispielsweise schwere Gegenstände bewegen oder für das normale Auge unsichtbare Geheimgänge und Gegenstände sichtbar machen. Einige dieser Psynergien sind von jedem Adepten erlernbar, andere sind an die vier Naturelemente Wind, Wasser, Erde und Feuer gebunden. Nach diesen richten sich auch die Psynergy-fähigen Charaktere die bereits genannten Adepten -, die in vier Clans unterteilt sind: Der Venus-Clan verfügt über die Macht der Erde, während Mars-Adepten ihre Kräfte aus dem Feuer nähren; Jupiter steht für den Wind und Merkur für das Wasser. In diese Klassen unterteilen sich auch die Djinns. Djinns sind kleine Kreaturen, die die Party im Laufe des Abenteuers findet und die der Spieler auf seine Charaktere verteilt, damit diese in Kämpfen über die Djinns verfügen können. Die Elementar-Kreaturen verändern die Werte und den Status der Adepten und je nach Kombination verschiedener Elemente ändern sich mit Verteilung der Djinns auch die Psynergien des Spielers. Im Kampf entfesselt, können Djinns heilen, dem Gegner Schaden oder Werte der Party verbessern. Sind die mächtigen Gefährten erst einmal entfesselt, lassen sie sich beschwören, wobei je nach Anzahl der verfügbaren, Kreaturen verschiedene besonders starke Zauber verfügbar sind. Neu in der Vergessenen Epoche sind auf Steintafeln vererwigte Formeln, die es erlauben Djinns verschiedener Elementar-Kräfte gemischt zu Beschwören, was den aus dem Vorgänger bekannten und auf ein Element beschränkten Angriffen noch einige Interessante hinzufügt.
Während der Dialoge zeigen sich die Charaktere kommunikativ animiert, mit kleinen Emoicons, Kopfschütteln und nicken werden die Textmassen interessant in Szene gesetzt. Generell ist Golden Sun 2 wie schon der Vorgänger erstaunlich textlastig. Teilweise dauern die Gespräche bis zu einer halben Stunde und werden oft von einer Vielzahl Beteiligter geführt - der Übersicht halber, verpassten die Entwickler den wichtigsten Charakteren sogar kleine Avatare.
Anzuprangern ist jedoch die Naivität mancher Gesprächsbeteiligter und die Unglaubwürdigkeit einzelner Szenen. In manch unpassender Situation wird über persönliche Probleme gesprochen oder naive Fragen gestellt, womit auch ein Stück Atmosphäre den Bach hinunter geht jedoch ist dies eine recht seltene Nebenerscheinung, die aufgrund der breiten Alterszielgruppe zu verkraften ist. Um die Massen an Text etwas besser zu vermitteln, werden ab und an Schein-Fragen gestellt, deren Beantwortung jedoch trotz Zustimmung oder Widerspruch keinen Einfluss auf die Handlung nimmt. Im Gegenteil, denn passt eine Antwort des Hauptcharakters nicht, wird sie entweder ignoriert, anders interpretiert oder einfach noch mal erfragt bis es eben dem vorgeschriebenen Handlungsverlauf entspricht. Aber das sind nur kleine Tropfen auf dem heißen Stein, einem sehr heißen sogar, denn mit ungefähr doppelter Spiellänge ca. 40 bis 50 Stunde und einer Vielzahl neuer Djinns, Beschwörungen, Psynergien und Orten lässt die Vergessene Epoche zumindest in Sachen Umfang fasst jeden Konkurrenten hinter sich.
Unterlegt wird das lange Vergnügen mit einer recht packenden Hintergrundgeschichte, die zunächst aber nicht so recht ins Rollen kommen will. Nach dem packenden Anfang verliert sich das Spiel aufgrund des fehlenden roten Fadens für eine Weile in zielloser Lauferei. Ein Teil der Quests sind nicht in dem eigentlichen mit dem Vorgänger beschrittenen Handlungspfand eingebunden und lassen den Spieler deshalb ab und an von der Handlungs- und Bewegungsfreiheit erschlagen in der Wüste liegen. Selbst für manch fortgeschrittenen Rollenspieler reicht da nur ein Blick in eine Komplettlösung. Wenn auch weniger dicht und linear als im Vorgänger, wird der Haupthandlungsstrang der Vergessenen Epoche spannend vermittelt und weiß den Spieler an seinen Handheld zu fesseln..
Auf der Reise durch die Kontinente und Wüsten und über die Meere und Gebirgspfade der Spielwelt begleitet Ihr Eure Charaktere aus einer steten Vogelperspektive, das Kampfgeschehen wird jedoch mit rasanten Kamerafahrten um die Beteiligten aufgepeppt. Grafisch ist Golden Sun: Die Vergessene Epoche auch trotz Nutzung der alten Engine das Non-Plus-Ultra auf dem GameBoy Advance nicht zuletzt aufgrund der spektakulär inszenierten Gefechte und Djinn-Beschwörungen, die mit Transparenz und Lichteffekten auf höchstem Niveau glänzen. Mit neuen, bunteren und abwechslungsreicheren Stadt- und Dungeon-Designs vermag die Vergessene Epoche auch Kenner des ersten Teils ins Staunen zu versetzen. Im Gegensatz zum Vorgänger sehen sich die Städte und Dungeons seltener ähnlich, orange-braune Herbstbäume bilden hübsche Kontraste zu saftig-grünem Gras, die strohbedeckten Hütten Südgondowans zum dunklen Lehmboden der Dörfer.
An der Akustik des Spiels gibt es nichts auszusetzen und wenig mehr zu loben. Die Musik läuft vor sich hin und unterlegt das Geschehen meist atmosphärisch passend, aber eher spartanisch. Abgesehen von der wieder gelungenen Titelmelodie und den Hauptthemata, ist die musikalische Untermalung recht unspektakulär alles in Allem aber gut. Gelungen, aber ob ihrer Seltenheit eigentlich kaum der Rede wert, sind die Soundeffekte außer in den hitzigen Kämpfen tönt nur wenn nötig ein Geräusch aus den Lautsprechern, etwa beim Auffinden von Djinns oder dem Benutzen von Psynergie. Während eines Duells jedoch heulen die fliegenden Klingen auf und fallende Monster kreischen. Das ist Kampf-Atmosphäre pur!
Freunde hitziger Mehrspieler-Duelle können sich auch vorausgesetzt sie sind im Besitz von zwei GBAs, eines Linkkabels und zwei Spielmodulen in der Kampfarena bekämpfen. Dabei werden allerdings nur je drei der vier möglichen Party-Mitglieder in den Ring geschickt. Diese Duelle mögen zwar zunächst recht lustig sein, können wegen fehlender Abwechslung auf Dauer aber nicht wirklich überzeugen.
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