Gesamtwertung90%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungGut |
Man soll ein Buch nicht nach seinem Umschlag beurteilen. Dass diese Binsenweisheit auch in der Computer- und Videospielbranche anwendbar ist, beweist Branchenveteran Nintendo aufs Neue. Denn macht der aktuelle GBA-Auftritt des Maskottchens Kirby auch den unscheinbaren Eindruck eines kindgerechten Simpel-JumpnRuns - Nintendos reanimierter rosa Kissenbezug ist nicht weniger als einer der besten Reisebegleiter dieses Spielesommers! Warum dem so ist, erfahrt ihr in unserem Review!
Nach seinem eher missglückten Ausflug ins Genre der Fun-Racer, besinnt sich Blasebalg Kirby zurück auf alte Tugenden: Kirby und der wundersame Spiegel erweist sich dank innovativem Gameplay und putziger Aufmachung wieder als waschechtes Nintendo-JumpnRun mit Suchtgarantie. Dass dabei der Plot in den Hintergrund rückt, ist nicht verwunderlich. Kurz und Knapp sei gesagt: Unser Held wird von einer dunklen Gestalt in vier verschiedenfarbige Ebenbilder geteilt, die sich nun anschicken, dem Chaos in der ehemals friedlichen Spiegelwelt Einhalt zu gebieten und die Scherben eines großen (vermutlich wichtigen!) Spiegels zu sammeln. Diese Ausgangssituation bildet die Grundlage für eines der relevantesten Features des Spiels. Bis zu vier Spieler können per Link-Kabel simultan durch die Spiegelwelt streifen und sich dabei unterstützen. Manche Areale sind nur mit Teamwork zu erreichen, manch schwieriger Gegner im Team einfacher zu bewältigen. Dabei verständigen sich die voneinander unabhängigen Recken mittels eines Walkie-Talkies. Ruft ein in Not Geratener an, können sich seine Mitstreiter prompt zu ihm teleportieren und aushelfen.
Im Einzelspieler-Modus werden die drei bunten Gefährten von der CPU gesteuert, sind dann allerdings selten eine Hilfe. Da der Spieler ihnen keine konkreten Befehle erteilen kann, sind sie meist nur zu gebrauchen, um ihrem Naturell entsprechend Gegnerscharen zu bezwingen.
Entgegen klassisch-linearer Levelstruktur geht Kirby neue, wesentlich freiere Wege. Zwar besteht noch eine Aufteilung in Welten, die untergeordneten Levelabschnitte sind jedoch weltenübergreifend durch Spiegelportale verbunden. Geht man also durch ein Portal im lodernden Flammenmeer des 'Senfmassivs', kann man schon mal in einem Abschnitt der abstrusen 'Honiggalaxie' landen. Angesichts des großen Level-Umfangs, geht die Übersicht hier schnell flöten - die Spiegelwelt gleicht eher einem Spiegellabyrinth.
Um ein wenig den Überblick zu bewahren, erlangt man im Spielverlauf verschiedene Weltkarten, an denen man Portalrouten und die eigene Position exakt ausmachen kann. Hier ist außerdem zu erkennen, welche Wege schon beschritten wurden und welche Orte noch zu erkunden sind - eine enorme Hilfe!
In dieser chaotischen Welt hat unser Held alle Hände voll zu tun. Mal gilt es, simple Schalterrätsel zu lösen, mal müssen Gegner und ihre Kräfte eingesogen werden, um zu Items oder Spiegelportalen zu gelangen. Abwechslung wird hierbei ganz groß geschrieben, denn im Spielverlauf kann Kirby weit mehr als ein Dutzend unterschiedlicher Gestalten und Fähigkeiten annehmen. So elektrisiert man penetrante Gegner und hinterlässt, zum Autoreifen gewandelt, eine Spur der Verwüstung. Als Feuerball werden Widersacher und Felsen aus dem Weg geräumt und im Kämpfergewand setzt Kirby Feuerbälle ein, wie kein Zweiter. Die meisten Areale lassen sich nur durch den geschickten und kombinierten Einsatz all dieser Fähigkeiten erreichen. Ebenso mannigfaltig sind die Welten. Seien es klassische Feuer- oder Eislevel, alte Villen, Paläste oder Pyramiden - hier wird genug Abwechslung geboten, die hätte glatt für zwei Spiele gereicht. Etliche Zwischengegner, vom Elefanten bis zur fiesen Hand, bringen dabei die nötige Abwechslung - gewaltige Endgegner die nötigen Spiegelteile.
Grafisch bietet Kirby und der wundersame Spiegel überdurchschnittliche GBA-Kost. Die Animationen sind durchweg flüssig und - dank zahlloser anzueignender Fähigkeiten - überaus abwechslungsreich. Die meisten Hintergründe wirken dank detailreicher und bunter Optik ebenso gelungen, lediglich vereinzelt enttäuschen triste Ton-in-Ton-Level. Die großen und stilsicher kunterbunten Sprites und Artworks tun ihr Übriges. Auch von der akustischen Seite weiß der Titel zu gefallen. Die Ohrwurmmelodien und Samples mit hohem Wiedererkennungswert bewegen sich auf höchstem Niveau und brauchen sich nicht vor dem großen Bruders Mario zu verstecken.
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