Gesamtwertung80 %/10 |
Grafik7 Sound7 |
Lanzeitspaß8 Spieleinstieg8 |
Bedienung7 |
Bisher hat es wohl noch keinem Age of Empires-Titel an Spieltiefe gemangelt. Auch die Neuumsetzung von Age of Empires: Mythologies für den Nintendo DS macht da keine Ausnahme. Kämpfen, Bauen, Forschen, um göttliche Hilfe bitten und zwischendurch Ressourcen für all das sammeln, sind nur einige der Aspekte, die in dem rundenbasierten Strategietitel eine Rolle spielen. Im Einzelspielermodus ist all das in insgesamt drei Kampagnen (Ägypter, Griechen, Wikinger) mit eigenständiger Hintergrundgeschichte verpackt. Hinzu kommen noch drei Zeitalter, in denen jeweils unterschiedliche, technische Errungenschaften, Einheiten und Gotteskräfte auf den Spieler warten. Was begehrt das Herz eines Strategen mehr? Vielleicht eine Priese Authentizität? Auch die ist vorhanden: Jede Kampagne beinhaltet einen Storyplot sowie ausreichend Nebeninformationen zu Einheiten, Göttern, Helden und Zeitgeschichte. Ob nun alles plausibel oder historisch korrekt ist, spielt nur eine untergeordnete Rolle. Denn Atmosphäre kommt auf jeden Fall auf. Wer meint, an den langen Tagen während der Winterferien zu viel Freizeit zu besitzen, wird an diesem Titel seine helle Freude haben. Aber Zeit sollte man auf jeden Fall mitbringen. Gerade in späteren Missionen, wenn sich viele Einheiten gegenüber stehen, wird man sie benötigen. So wird aus der anfänglichen Freizeitbeschäftigung ganz schnell ein Full Time-Job. Schließlich will jede Einheit einzeln bewegt und in den Kampf geführt werden, jeder Bau geplant und jede Aktion durchdacht sein.
Age of Empires: Mythologies ohne ein Tutorial käme Autofahren ohne Führerschein gleich. Zwar bietet die leicht einführende Kampagne der Ägypter einige Hinweise. Doch die grundlegenden Kenntnisse, um ein erfolgreicher Baumeister und Feldherr zu sein, erlernt der Spieler nur hier. Insgesamt elf Kapitel umfasst die Einleitung, die sich neben der Spielmechanik auch mit den Vor- und Nachteilen der einzelnen Rassen beschäftigt. Wie im späteren Spielverlauf beginnt die Einführung mit der Vermittlung fundamentaler Dinge wie Truppenbewegungen oder dem Bau von Gebäuden und wird zunehmend spezieller und anspruchsvoller. So ist das Tutorial zwar kaum fesselnd, dafür aber umso informativer. In Anbetracht der darauf folgenden Spielkampagnen und ihrem zuweilen recht hohen Anspruch, sollte man tunlichst darauf achten, alles verinnerlicht zu haben. Dies gilt noch mehr, wenn man bisher noch keinen Age of Empires-Titel gespielt hat. Schließlich haben es viele Details wie abweichende Stärken und Schwächen von Einheiten oder auch die Berücksichtigung der Geländeoberfläche ins Spiel geschafft. So besitzt eine Einheit auf einem Hügel beispielsweise bessere Verteidigungswerte und einen verstärkten Fernkampf gegenüber der Einheit auf der Ebene.
Entwickler THQ hat darauf geachtet, die Bedienung so universell wie möglich und so einfach wie nötig zu halten. Da Age of Empires: Mythologies auf dem DS nicht in Echtzeit abläuft, gibt es damit grundsätzlich auch keine größeren Probleme. Sämtliche Optionen befinden sich in leicht erreichbaren Menüs und können über Stylus und Steuerkreuz oder Knöpfe bedient werden. Wie in anderen rundenbasierten Spielen kann jede Einheit einmal laufen und mindestens eine weitere Aktion ausführen - beispielsweise Kämpfen, Bauen oder einen Heldenspruch zum Besten geben. Das hat natürlich zur Folge, dass jede Einheit einzeln angesteuert werden muss. Dabei stellt sich oft das Problem, dass der Stylus einige Male entweder in den leeren Raum hämmert, oder dank isometrischer Ansicht die Pixel einer falschen Einheit trifft. Gerade bei größeren Kämpfen kann dies zu einer nervigen Geduldsprobe werden. Wirkliche Abhilfe schafft hier auch die Charakter- oder Gebäudeauswahl über das Steuerkreuz nicht. Denn das Auswahlfeld muss von einem bestimmten Punkt auf der Karte immer wieder umständlich über das Spielfeld geführt werden, bis die gewünschte Einheit bzw. das Gebäude erreicht ist. Eine bessere Möglichkeit der direkten Anwahl von Einheiten hätte dem Spiel sicherlich mehr Tempo verliehen und würde langatmige Kampfszenen verhindern. Letztere werden oft dadurch anstrengender, dass auf dem Touchscreen des DS nur ein kleiner Ausschnitt der Spielkarte zu sehen ist. Wer taktisch vorgehen möchte, muss zusätzlich häufig in die - zum Glück informative - Minimap schauen.
Bei einem Strategiespiel ist es enorm wichtig, einen detaillierten Überblick über seine und die gegnerischen Einheiten zu besitzen. Noch wichtiger ist dies, wenn unterschiedliche Einheiten mit verschiedenen Attributen behaftet sind. Dazu muss der Spagat gelingen, nicht nur die Einheiten gut darzustellen, sondern auch die Übersicht zu wahren. Age of Empires: Mythologies knickt bei dieser Übung etwas ein. Zwar ist positiv anzumerken, dass man jeder Einheit sofort ansieht, was sie für eine ist und oft auch schon erahnt, was sie alles kann. Denn selbst auf dem DS lassen sich Details an Gebäuden und Einheiten insgesamt gut erkennen. Dies hat jedoch zur Folge, dass der Stratege - selbst auf den recht kleinen Karten - schnell die Gesamtübersicht verliert. Das wird zwar mit zunehmender Spielerfahrung besser, stört insgesamt aber den Spielfluss.
In Age of Empires: Mythologies gibt es grundsätzlich nur drei Arten akustischer Untermalung: Hintergrundmusik, Schwerter, die aufeinander prasseln, und die Einheiten, die einen Befehl bestätigen. Dabei ist die Musik zwar schlicht und dezent, dafür aber passend gehalten. Jede Rasse besitzt einige Melodielinien, die sich an der musikalischen Kultur des Landes orientieren sollen. Ein paar Trommeln mit Pfeifen und einem historischen Seiteninstrument und schon besitzt die Szene einen geschichtlichen Touch. Das ist simpel, geht aber auf. Die Musik ist nicht wirklich abwechslungsreich, dafür stört sie aber auch nicht. Ganz im Gegenteil zu den Bestätigungen einer Einheit, nachdem sie eine Aktion durchgeführt hat. Alte Hasen kennen das aus den Originaltiteln. Am Anfang klingen die fremden Worte in Originalsprache noch ganz interessant, mit zunehmender Spielzeit fangen sie bald an zu nerven, dann möchte man sie irgendwann abstellen.
Zuerst sollte betont werden, dass die Möglichkeit besteht, mit nur einer Cartridge zwei Strategen aufeinander losgehen zu lassen. Wem das nicht reicht, der kann sich lokal und auch online dank Unterstützung des Wi-Fi Multiplayer-Systems Verstärkung - oder besser gesagt: Gegner - holen und sich auf den Karten richtig austoben. Von denen können übrigens immer mal wieder neue freigeschaltet werden. Voraussetzung dafür sind diverse Hochleistungen, die im Einzelspielermodus erbracht werden müssen. Rundum kann also von einem gelungenen Multiplayer-Modus gesprochen werden.
Age of Empires: Mythologies funktioniert auf dem DS. Funktionieren sagt aber noch nichts über die Qualität des Spiels aus. Und an diesem Punkt bin ich zweigeteilt. Als Anhänger der AoE-Reihe habe ich mich über ein Wiedersehen auf dem Nintendo DS gefreut. Vor allem die immens vielen Möglichkeiten, die Story, die Taktiken und die Detailverliebtheit haben es mir angetan. Die Entscheidung, auch den Mythologies-Ableger wie zuvor Age of Empires 2: Age of Kings wieder rundenbasiert anzusetzen ist natürlich nachvollziehbar und schadet dem Spiel nicht so viel wie ich befürchtet hatte. In Echtzeit würde man auf dem NDS noch eher den Überblick über seine Einheiten verlieren als es schon in dieser Form vorkommt. Denn gerade bei größeren Kämpfen und umfangreichen Armeen bleibt die fühlbare Action beinahe stehen. Man ist minutenlang damit beschäftigt, seine Einheiten anzuwählen, ihnen den richtigen Weg zu zeigen und sie dann gegen den Gegner ins Gefecht zu schicken. Das kann eine extrem zeitraubende Erfahrung werden und entspricht sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Andererseits fordert einen das Spiel dank seiner immensen Spieltiefe und der ausgereiften Spielmechanik heraus. Wer an den Age of Empires-Titeln bisher Spaß hatte oder sich für rundenbasierte Strategie auf kleinem Raum interessiert und in den Weihnachtsferien noch ein paar Tage frei hat, darf beherzt zuschlagen.
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Age of Empires: Mythologies im Test.
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