Blue Dragon Plus

Review
Plattform
Vertrieb
Koch Media
Entwickler
Ignition Entertainment
Erscheinungsdatum
-
Genre
RPG
USK
6
Blue Dragon Plus

Gesamtwertung

75 %/10

Grafik

9

Sound

8

Lanzeitspaß

7

Spieleinstieg

7

Bedienung

Ungenügend

Blue Dragon Plus

Was mit einem sehr erfolgreichen Rollenspiel für die Xbox 360 begann, hat sich zu einem weltweiten Franchise ausgebaut. Als Mistwalker für die Konsole mit den kleinsten Absatzzahlen auf dem japanischen Markt ein J-RPG angekündigt hat, fielen viele Spieler aus allen Wolken. Kurze Zeit später war dann bereits auch ein Manga und eine Anime-Serie in Japan in der Mache, immerhin handelt es sich bei Blue Dragon um das derzeit bestverkaufteste Xbox 360-Spiel in Nippon. Zwei weitere Nachfolger erschienen nichtsdestotrotz auf dem populäreren Handheld, wovon mittlerweile wenigstens Blue Dragon Plus auch in westliche Gefilde vorgedrungen ist.

Stell-dich-ein mit Bekannten

Und diesem haben wir uns mal für einige Stunden angenommen, denn immerhin wirkte es auf Bildern häufig wie ein Klon von Final Fantasy XII: Revenant Wings. Im Gegensatz zum Rollenspiel auf der Xbox 360, legt man hier nämlich Hand an bei einem Echtzeitstrategie-Spiel. Die Geschichte von Blue Dragon Plus spielt ein Jahr nach den Ereignissen von Blue Dragon für die Xbox 360.

Wer dieses nun noch nicht gespielt hat, bekommt in interessanten Rückblenden einen Überblick darüber, was er verpasst hat. Trotzdem möchten wir den Spielern an dieser Stelle ans Herz legen, Blue Dragon vorher mal angespielt zu haben. Ein Wiedersehen mit den bereits bekannten Charakteren ist so einfach viel schöner und auch in die bissigen Dialoge kann man sich besser hinein fühlen, wenn man mehr als nur das Story-Grundgerüst vom Vorgänger kennt. Ihr reist nun mit Shu, Zola, dem nervigen Marumaro (wir schicken ein Stoßgebet an den Spielegott, dass Blue Dragon Plus auf eine Synchronisierung verzichtet hat... ausnahmsweise mal) und anderen Gefährten durch die Welt, denn mysteriöse Würfel, die aus der Erde entstiegen sind, lassen Euch keine Ruhe. Das Böse schläft ja bekanntlich nie und im Gegensatz zum großen Vorgänger, ist die Story dieses mal sogar mit ein paar netten Wendungen versehen, so dass sie nicht so extrem vor sich her dümpelt wie man aufgrund vorheriger Erfahrungen erwarten würde.

Nach einem Feuerwerk an Rendersequenzen, die wirklich schön gelungen sind auf dem Nintendo DS, nehmen unerfahrene Spieler am besten erst einmal die Möglichkeit wahr, mehrere separat anwählbare Tutorials zu starten, in denen einem die Spielmechanik erklärt wird. Ihr bewegt Euch mit Eurer Kampftruppe durch große Areale, wo Massen an Gegnern auf Euch warten. Bei jeder Begegnung mit feindlichem Gesindel, wechselt Blue Dragon Plus daraufhin zu einer Map, auf der Ihr Euch dem Gegner stellt. Jeder Eurer Charaktere hat dabei verschiedene Spezialattacken, Ihr könnt aber auch ganz normale physische Angriffe auf gegnerische Wesen starten.

Die großen Schattendrachen könnt Ihr nach wie vor im Kampf einsetzen, um verheerende Flächenangriffe oder starke Einzelschläge gegen starke Bossgegner anzuwenden. Das sieht nicht nur spektakulär aus, sondern bringt auch eine starke Wirkung gegen hartnäckige Monster. Im Tutorial wird Euch zudem gezeigt, wie Ihr den Touchscreen einsetzt, um Eure Kompanie zu befehligen. Und das stellt sich leider als nicht ganz so einfach heraus. Das Geschehen läuft komplett auf dem Touchscreen ab, während der Top-Screen für Statuswerte genutzt wird. Ihr scrollt nun mit dem Steuerkreuz über die Map, auf der sich die winzigen Kämpfer befinden und tippt je nach Bedarf die verschiedenen Charaktere mit dem Stylus an und ordnet ihnen eine Aufgabe zu.

In der Regel bedeutet dies, dass Ihr sie auf Erkundungstouren durch den Dungeon schickt und Schatzkisten plündert oder aber die zahlreichen Feinde eliminiert.

Mikromanagment wie es nicht sein sollte

Was Ihr nun wirklich von Ihnen verlangen wollt, müsst Ihr allerdings umständlich nach jeder Aktion anwählen. Ihr könnt zwar auch einen Kreis um Eure Kämpfer mittels Stylus ziehen und somit alle gleichzeitig anwählen, wenn sie aber die Tätigkeit ausgeführt wurde, fällt die Formation grundsätzlich auseinander und jede weitere Aktion muss umständlich erneut ausgewählt werden. Wir sind ja nun wirklich nicht faul und haben kein Problem damit auch mal selbst Hand anlegen zu müssen, aber die Kampfareale sind durchaus auch mal größer geraten, so dass sich die Mitstreiter im Getümmel verteilen. Gleichzeitig ist die Laufgeschwindigkeit der Kämpfer bis auf Ausnahmen so unglaublich langsam geraten, dass die Kämpfe zäh und unmotivierend vonstattengehen. Insbesondere, wenn man schon die Schauplätze von Gegnern gesäubert hat und anschließend nur noch nach Schätzen auf der Suche ist, nervt es, wenn weitere Feinde angreifen. Zugegeben, dadurch müsst Ihr in Blue Dragon Plus nie zusätzlich leveln. Aber dieses Echtzeitstrategie-Spiel ist ohnehin schon so einfach geraten, dass es schwer ist, überhaupt eine Mission zu verlieren. Andererseits wäre es auch frustrierend, wenn die Kämpfe bei so unübersichtlichen und langatmigen Gefechten auch noch einen hohen Schwierigkeitsgrad aufweisen würden.

Kenner von Final Fantasy XII: Revenant Wings oder Heroes of Mana kennen einen Großteil des Gameplays bereits und gerade nach dem Final Fantasy XII-Ableger, der ja wirklich noch gut gelungen war, stellt sich die Frage, warum sich bei Blue Dragon Plus wieder so viele Anfängerfehler eingeschlichen haben. So sehr das Gambitsystem in Final Fantasy XII für die Playstation 2 bei einigen Spielern für Stirnrunzeln gesorgt hat, so ein Segen war es bei Revenant Wings, denn kein Kämpfer steht tatenlos in der Gegend herum. Irgendwo kann die Entscheidung, die eigenen Charaktere individuell zuzuordnen ja sogar nachvollzogen werden, denn nicht in jedem Kampf geht Ihr mit dem Sieg in der Tasche aus der Auseinandersetzung hinaus, wenn Ihr einfach nur auf die Gegner einschlagt. In manchen Begegnungen mit dem Bösen müsst Ihr die Feinde extra in kleine Fallen locken, um sie unschädlich zu machen oder eben kleine Schalterrätsel gelöst werden. In diesem Fall ist es sinnvoll die Gruppe zu splitten und an mehreren Fronten tätig zu sein. Aber um ehrlich zu sein, kommen diese optionalen Vorgehensweisen in den Dungeons so selten vor, dass man sich fast 90 Prozent der Zeit mit den Steuerungsmacken abmüht.

Technisch top

Wo die spielerischen Mängel erst mit der Zeit wirklich ersichtlich werden, fällt aber auf den ersten Blick die doch sehr ansehnliche Grafik auf. Ähnlich wie in Final Fantasy XII: Revenant Wings werden die Charaktere als Sprites angezeigt, aber einige 3D-Effekte umschmeicheln das Auge des Spielers, wenn Ihr zum Beispiel Eure Drachen einsetzt, entstehen die eindrucksvoll aus den Schatten der Charaktere und bauen sich in schöner 3D-Grafik auf dem Bildschirm auf.

Wenn man sich an diesem Effekt satt gesehen hat, bleiben immer noch die wunderschönen Rendersequenzen, die Euch vom Anfang bis hin zum Ende begleiten. Einziger Wermutstropfen ist die teils schwer entzifferbare Schrift in den Dialogen. Einige Wörter kann man einfach sehr schlecht lesen, da die Buchstaben sich zu sehr ähneln. Auch beim Sound hat man sich Mühe gegeben. So gibt es zwar keine Sprachausgabe mehr, das kann man aber noch so gerade hinnehmen, denn die deutsche Sprachausgabe vom Vorgänger war ohnehin nur als begrenzt gelungen zu bezeichnen. Bei der Sounduntermalung wurden dafür viele Themen wieder aufgegriffen und fügen sich somit sehr gut in das Gesamtbild von Blue Dragon Plus ein.

Fazit

An Strategie-Spielen mangelt es auf dem Nintendo DS wirklich nicht, aber gerade Echtzeitstrategie-Spiele sind dann doch eher Mangelware. Scheinbar wollte man sich das zunutze machen bei Blue Dragon Plus und hat somit nach Heroes of Mana und Final Fantasy XII: Revenant Wings noch einmal das Gameplay aufgewärmt. Statt aber mit dem grundsätzlich schon recht gelungenen System von Revenant Wing weiterzumachen, wirft man einige gute Ansätze über Board, so dass man am Ende einfach nur kopfschüttelnd fragen muss, wie es dazu kommen konnte. Wer nicht mit einer überaus großen Geduld ausgestattet ist, wird zum Beispiel aufgrund des Schneckentempos der Charaktere häufig genervt auf dem Touchscreen herumhämmern, dabei hat das eh keinen großen Effekt, denn einmal eine Aktion ausgeführt, muss jeder Charakter erst wieder einzeln angewählt und eine Aufgabe zugeteilt werden. Man kommt sich also im Endeffekt wie der Hirte einer großen hirnlosen Schafherde vor.

Blue Dragon Plus

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